Sport und Film
| Von Christian Andiel um 15:58 | [ Kino ] |
Doch mir geht es diesmal um etwas anderes als um eine Art education sportive: Nämlich um die scheinbar unüberwindbare Schwierigkeit, den Sport selbst im Kino wenigstens einigermassen vernünftig darzustellen. Fussballfilme („Escape to victoy“, „Fimpen, der Knirps“) sind aus fussballtechnischen Aspekten nicht anzuschauen, obwohl jeweils berühmte Profis engagiert werden konnten – im ersten Beispiel Pele und Bobby Moore, im zweiten das gesamte schwedische Nationalteam. Auch Sönke Wortmanns Spielszenen können beim „Wunder von Bern“ trotz aller Rafinesse nicht überzeugen. Und in Boxfilmen leben die betreffenden Aktionen von sinnlosen Übertreibungen, von Spezialeffekten, die mit realen Boxkämpfen kaum etwas gemein haben.
Ursula Meier ist es hingegen gelungen, die rein sportliche Seite überzeugend darzustellen. Das liegt einerseits sicherlich an der Disziplin selbst: Der individuelle Lauf gegen die Uhr auf der Bahn kennt nicht die Dynamik des Zweikampfes – und gemäss Regisseur Wortmann ist genau dieser Moment des direkten körperlichen Duells so schwierig dazustellen.
Aber Meier überwindet das Problem auch auf eine andere Art: Sie lässt die grossen Einstellungen des gesamten Wettkampfes praktisch komplett weg und konzentriert sich ausschliesslich auf das individuelle Detail: Sie geht mit der Kamera manchmal beängstigend und verwirrend nahe an den Körper, um den sich im Sport soviel dreht. So ist in einer Einstellung erst nach Sekunden zu sehen, dass es sich beim gefilmten Objekt um ein geschlossenes Auge handelt. Die Kamera wird zudem bei aller Nähe stark subjektiv eingesetzt, Kameramann Nicolas Guicheteau schafft so eine Atmosphäre mit teilweise bewusst wackelnden, unscharfen Bildern, wie man sie aus Dokumentarfilmen kennt.
Kann das eine Anleitung für den ersten richtig gut gemachten Film mit Fussball-Szenen sein? Ich warte, ich hoffe.








