27.2.2005

Fernsehen ist leben

Von Matthias Saner um 17:54 [ TV ]
In meinem letzten Blog habe ich eine Lanze gebrochen für das ausgiebige, aber gezielte Fernsehen, mit einem Programm-Guide und unter Zuhilfenahme der Errungenschaften modernster Technik. Auf die Aussage, dass es für meine Kapazitäten schon zuviel gutes Fernsehen gebe, folgten besorgte Reaktionen von verschiedener Seite. Sie enthielten alle mehr oder weniger die Aufforderung, ich solle doch mal nach draussen, an die frische Luft gehen.

Noch immer herrscht der weit verbreitete Glaube, das wahre, echte Leben finde nur ausserhalb der Glotze statt. Das Fernsehen wird also nicht als Bestandteil des Lebens wahrgenommen, sondern es scheint parallel dazu zu existieren, eine Art Jenseits. In diesem Glauben erhält das Fernsehen beinahe magische Eigenschaften und die Bedrohung, uns vom Leben abzuwenden, dem Müssiggang anheim fallen zu lassen und uns schliesslich auch der geistigen und körperlichen Gesundheit zu berauben. Das einzige was dagegen hilft, ist, auf keinen Fall hinzuschauen und viel frische Luft.

Es wäre nicht so schlimm, wenn nur ein paar wenige Ewiggestrige an diesem Glauben festhielten. Leider findet er auch in ansonsten aufgeschlossenen Kreisen viele Anhänger. Oder wie erklären Sie sich, dass das Fernsehen in den Feuilletons kaum Thema ist, trotz der zentralen Rolle, welches es im realen Leben der meisten Menschen spielt? Sie lesen Konzert- und Kunstkritiken, Musik- und Buchtipps, ganz zu schweigen von den Filmbesprechungen, die in keiner Publikation fehlen dürfen, um dann auch noch an sämtlichen Bartheken der Welt weitergeführt zu werden. Aber Fernsehen? Mal abgesehen von den unausweichlichen Musicstars? Ein Mauerblümchen.

Darum hier gleich noch ein Tipp für die nächsten 11 Samstagabende:
"Baukunst" um 20:15 auf Arte. Nachher können Sie immer noch ausgehen. Wenn's denn sein muss.


22.2.2005

Renaissance der deutschen Komödie

Von Ralf Kaminski um 09:15 [ Kino ]
Deutsche und Humor – ein schwieriges Thema. Und bevor Sie jetzt anfangen mich einen Germanophoben zu schimpfen, ich habe einen deutschen Pass. Im Kino (vom TV ganz zu schweigen) neigt der deutsche Humor oft zu Plattheiten und Schenkelklopfereien; klar gibt’s auch Gegenbeispiele, etwa die beiden Loriot-Filme „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“ oder Helmut Dietls „Schtonk“ und „Rossini“. Dominiert wird das Genre aber eher durch Werke wie „Mädchen, Mädchen“, „Harte Jungs“, „Ballermann 6“ oder „Der Schuh des Manitu“. Im letzten halben Jahr sind jedoch gleich drei deutsche Filme aufgetaucht, darunter zwei erklärte Komödien, die auf clevere und sympathische Weise witzig sind.

Gerade im Kino angelaufen ist „Alles auf Zucker“ des Schweizers Dani Levy. Eine bemerkenswert komische Geschichte um zwei zerstrittene jüdische Brüder, die sich Jahrzehnte nicht gesehen haben, sich nun aber angesichts des fetten Erbes der eben verstorbenen Mutter zusammenraufen müssen – samt ihrer Familien, die eine orthodox, die andere, ganz im Gegenteil, ziemlich unorthodox. Viel Witz entsteht aus dem Kulturkonflikt dieser beiden Welten, aber dazu kommt, dass die Hauptfigur Jackie Zucker (gespielt von Henry Hübchen) ein notorischer Spieler und ein ungeheures Schlitzohr ist, mit echter Berliner Schnauze. Ein sympathischer Loser, der während des ganzen Films nichts anderes tut, als sich aus diversen Klemmen zu befreien, in die ihn andere oder er sich selbst gerade reingeritten hat.



Jackie Zucker mit Frau und Tochter.


Noch immer im Kino: „Die fetten Jahre sind vorbei“ mit dem Jungstar Daniel Brühl. Der Film ist nur am Rande eine Komödie – eigentlich geht’s um drei Jugendliche, die als kleine Rebellion gegen die ungerechte Welt nachts in Villen einsteigen (von Leuten, die gerade verreist sind) und dort die Möbel umstellen und Chaos anrichten. Bis eines Tages mitten in eine solche Aktion der Hausbesitzer reinplatzt. In ihrem Schreck entführen die drei den Topmanager auf eine Alm, doch der böse Kapitalist stellt sich als ehemaliger 68er heraus, und nach und nach kommen die vier sich näher. Nicht zuletzt dieser Prozess ist sehr gelungen komisch inszeniert – er gipfelt darin, wie die Geisel schliesslich dem mittlerweile wegen Liebesdingen zerstrittenen Trio Tee kocht und ein väterliches Ohr für die aktuellen Sorgen leiht. Auch sonst zieht sich durch den Film ein milde ironischer Unterton, ohne dass die drei Hauptfiguren dadurch jedoch kompromittiert werden – Regisseur Hans Weingartner macht deutlich, wo seine Sympathien liegen.



Trio mit Revolutions-Gelüsten.


Der dritte Film schliesslich kommt Mitte April auf DVD raus: „Männer wie wir“, wo ein Fussballspieler aus der Provinz von seinen Kameraden verstossen wird, als sich rausstellt, dass er schwul ist. Doch er lässt sich nicht unterkriegen, geht in die grosse Stadt, stellt mit Hilfe seiner Schwester eine schwule Mannschaft zusammen und tritt zum grossen Showdown in seinem Heimatort gegen die ehemaligen Kollegen an. Dabei gelingt dem Film das Kunststück, sich über Schwule wie Heteros gleichermassen gelungen lustig zu machen und ebenso Sport- wie Coming-out-Film zu sein – eine wahrhaft rare Kombination.



Schwule Fussballmannschaft.


Doch vor lauter geglückten Komödien wollen wir nicht zu euphorisch werden, es gibt nämlich auch von einer grossen Enttäuschung zu berichten: Starregisseur Helmut Dietls neuer Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ mit einer äusserst illustren Besetzung (Moritz Bleibtreu, Anke Engelke, Uwe Ochsenknecht und Harald Schmidt, um nur einige zu nennen) ist im Vergleich zu seinen früheren Filmen nicht sehr lustig. Zwar hat er im ersten Drittel seine Momente, aber bald mutiert das Werk zu einer zähen, schwerblütigen Tragödie, die nicht enden will. Man kann nur hoffen, dass es eine Ausnahme ist – in Dietls Werk und in dieser ansonsten erstaunlichen Serie geglückten deutschen Humors.


19.2.2005

Fotojournal Berlinale

Von Benedikt Eppenberger um 22:29 [ Popcorn ]
Wir waren angetreten herauszufinden, ob man die grossen Internationalen Filmfestspiele Berlin auch geniessen kann, ohne einen einzigen Film gesehen zu haben. Nach fünf Tagen Festivalhochbetrieb ist klar: Man kann!


Allgegenwärtig in Berlin: Plakate von Filmen, die man in der Schweiz garantiert nie zu sehen bekommen wird.


Essen wie die Dietrich. In Berlin ist vieles möglich.


Mit etwas Glück kann sich jeder und jede bei einer der legendären rauschenden Aftershow-Partys einschleichen und die Stars beim Feiern beobachten.


Etwas für die unzähligen Fans von Cate Blanchett: Die edle Suite der umgänglichen Australierin wurde jeweils zwischen 10 und 12 Uhr exklusiv für Festivalbesucher geöffnet.


Die sprichwörtliche Berliner Wärme war an allen Ecken und Enden zu spüren: Kein Aufwand wurde gescheut, Stimmung auch ins ödeste Viertel zu zaubern.


Ein vermutlich wichtiger spanischer Regisseur beim Interview-Termin mit dem Deutschlandfunk.


Die Toilette im Pressezentrum beim Potsdamer Platz. Viele Superstars liessen es sich nicht nehmen, die prächtigen WCs persönlich zu besuchen.


Glück gehabt: Mit etwas Fantasie ist hier Festivalleiter Dieter Kosslick auszumachen. Und wenn es nicht Kosslick war, dann sieht er ihm zumindest verdammt ähnlich.



Eine sehr gelungene Karikatur des spanischen Schauspielers Sergi Lopez vom Hauszeichner des Festivals.


Der grosse Preis der ökumenischen Filmkritik ging an einen lettischen Film.


In dieses Etablissement zogen sich vor allem polnische Filmemacher nach ihrem Auftritt an der Berlinale zurück.


Hier wurden Hoffnungen auf einen goldenen Bären ohne grosses Aufheben und in aller Ruhe begraben.

Die 55. Internationalen Filmfestspiele Berlin waren toll. Adieu, aber wir kommen wieder.


15.2.2005

Indy 4

Von Christian Andiel um 12:29 [ Kino ]
Seit langem reden Steven Spielberg und George Lucas davon, im kommenden Jahr soll es nun endgültig so weit sein: „Indiana Jones 4“ soll endlich in die Kinos kommen und unsere Herzen erfreuen. In einem Gespräch über sein aktuellstes Projekt - die Neuverfilmung von „War of the Worlds“ mit Tom Cruise -, sagte Spielberg sinngemäss: Er hoffe, dass er in anderthalb Jahren mit Indy 4 fertig sei, „vielleicht schaffen wir es sogar früher.

Die Drehbuch-Probleme sind also offenbar beseitigt. Frank Darabon, bald mit der Neuverfilmung von „Fahrenheit 451“ im Kino, hat mit seinem Entwurf nicht genügt. Er wurde nun überarbeitet von Jeff Nathanson, der mit Spielberg bei „The Terminal“ und „Catch Me If You Can“ zusammenarbeitete und dabei offenbar das tiefe Vertrauen des Meisters gewann.

Über den Inhalt ist noch nichts bekannt, von den Darstellern bislang nur einer: Harrison Ford... Immerhin hat aber Sean Connery entgegen früheren Aussagen sein grosses Interesse bekundet, wieder den Vater zu geben. Und möglicherweise treten dann sogar drei Generationen auf: Natalie Portmann hat bei den Dreharbeiten zu „Episode II – Attack of the Clones“ George Lucas offenbar grosse Avancen gemacht, dass sie doch gerne Indys Tochter spielen möchte.


09.2.2005

Lesen statt fernsehen

Von Matthias Saner um 09:45 [ TV ]
Gehören Sie auch zu den Leuten, die überzeugt sind, es laufe nur noch Schrott am Fernsehen? Im Ernst? Und was heisst da «nur noch»? War früher etwa alles besser? Mäni Weber? Kurt Felix? Am laufenden Band? Die Tagesschau mit Leon Huber? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Ich vermute, Sie schauen sich nur Blockbuster, MusicStars und Super RTL an, bevor Sie hypnotisiert zum Telefon greifen, um von einer dieser skrupellosen Bilderrätsel-Shows abgezockt zu werden. Und nachher wettern Sie über die unverschämten Rundfunkgebühren. Das alles nur, weil Ihre Gratis-Zeitung keinen anständigen TV-Guide liefert und sie so regelmässig das Beste verpassen.

Dabei gab es noch nie soviel hervorragendes Fernsehen wie heute.
Ich rate Ihnen: Abonnieren Sie für lumpige 25 Franken im Jahr das hochwertige ARTE Magazin. Das erspart Ihnen erstmal alle anderen Programmzeitschriften. Wunderschön und übersichtlich aufgemacht, mit ausführlichen Beiträgen und Interviews angereichert und mit Buchtipps ergänzt, erhalten Sie so, Monat für Monat in Ihrem Briefkasten, das ganze Programm von Arte. Und das hat’s in sich: Was da jeden Tag an hochkarätigen Dokumentationen, Nachrichtensendungen, Themenabenden und Spielfilmen drinsteckt, versetzt mich immer wieder erst in Euphorie und dann in Panik, da ich nicht rund um die Uhr fernsehen kann. Ich schau schon so viel wie’s geht. Und die Festplatte meines DVD-Rekorders ist beinahe voll, obwohl ich fleissig auf DVD archiviere.

Zum Beispiel war letzten Sonntag Themenabend «Im Rhythmus des Samba», mit zwei Dokumentarfilmen und dem preisgekrönten Spielfilm «Dona Flor» mit Sonia Braga (alles verpasst), vorgestern lief «War Photographer», das eindringliche Portrait des Kriegsfotografen James Nachtwey (den Schluss gesehen) und gestern Abend der Themenabend «Frauen – die Zukunft des Islam» mit einer Dokumentation über muslimische Frauen, die es wagen sich öffentlich zum Thema Sex zu äussern (den Schluss aufgenommen). Die nächsten drei Mittwoch Abende empfehle ich Ihnen eine dreiteilige Ausgabe des geopolitischen Magazins «Mit offenen Karten» über Japan (ShowView Nummer 923-644), und morgen Abend Claude Lelouch’s 60er Jahre Knüller «Un homme et une femme» (347-855) mit Trintignant, Anouk Aimée und einem hinreissenden Soundtrack. Dieses Liebesdrama gehört zum «Schwerpunkt Valentinstag», dem Arte am kommenden Sonntag den Themenabend «Die Lust am Seitensprung» widmet (464-503, 409-771 und 70-93-435). Am Abend davor ein Portrait von Lorenzo Mattotti, als abschliessenden Beitrag einer achtteiligen Reihe über Comix-Zeichner (313-560), anschliessend erste Reportagen zum Filmfestival Berlin über das ausführlich berichtet wird (live sehen). Das sollte fürs erste genügen. Oder muss ich noch anfügen, dass Arte ohne Werbung auskommt?

Vielleicht winken Sie schon lange ab, weil Sie sich zu jenen Leuten zählen, die bittesehr den ganzen Tag hart arbeiten müssen und abends den Fernseher einschalten um den Kopf auszuschalten. Dann können Sie das Arte-Magazin ja wenigstens lesen. Und sich darüber freuen, wie gut Fernsehen heute sein kann, wenn es anständig subventioniert wird.


Das Arte Magazin abonnieren Sie hier.
(Ein Jahr 17.40 Euro, dazu kriegen Sie noch eine Thermoskanne geschenkt)

Mehr über Arte lesen Sie hier.


05.2.2005

Battlestar Galactica fliegt wieder

Von Ralf Kaminski um 10:12 [ TV ]
Vergessen Sie „Star Wars“, vergessen Sie „Star Trek“, the new hot thing in Sachen Science Fiction heisst „Battlestar Galactica“. Vielleicht erinnern Sie sich dunkel an jene TV-Serie aus den 70ern mit Commander Adama, mit Apollo und Starbuck? Ende 2003 lief in den USA und in England eine 3-stündige Miniserie im Fernsehen, lose basierend auf dieser alten Serie. Sie schlug ein wie eine Bombe – im Herbst 2004 setzte die britische SkyOne die Serie mit 13 TV-Episoden fort, in den USA starteten sie am 14. Januar. Hierzulande ist bisher nur die Miniserie auf einer DVD in den Videotheken erhältlich – wer auch die Fortsetzung sehen will, muss sich gedulden oder sie vom Internet downloaden.




Die alte Serie: Apollo, Commander Adama, Starbuck.


Die alte „Galactica“ mit Lorne Greene und Richard Hatch, man muss es wohl einräumen, war mehr was für Kids. Sie mag auch heute noch einen gewissen Charme haben, aber das gilt vor allem für die beiden Spielfilme „Battlestar Galactica“ und „Mission Galactica“ (beide 1978); die daran anknüpfende TV-Serie (bis 1979) sackte demgegenüber merklich ab. Die neue „Galactica“ hingegen ist von ganz anderem Kaliber: Dunkler, dreckiger, moralisch ambivalenter, nur schon die abgehackte, manchmal hektische Kameraführung sind fürs TV-Format ziemlich ungewöhnlich. Dazu kommt, dass die Serie nicht auf Action und Effekte fokussiert, sondern auf die Figuren und die Story. Science Fiction mit Stil, Komplexität und Tiefgang.

Wer sich an die alte Serie erinnert, dem wird einiges bekannt vorkommen: Da sind 12 Kolonien von Menschen irgendwo im All, die aus heiterem Himmel von den Cylons – einer von den Menschen selbst kreierten Roboterrasse – angegriffen werden. Der ungleiche Kampf endet mit einem Desaster für die Menschheit: Sie wird fast vollständig vernichtet. Übrig bleibt nur eines der grossen Kriegsraumschiffe, und erst noch ein veraltetes, die Galactica. Sie sammelt eine kleine Flotte von zivilen Schiffen mit den letzten verbliebenen Menschen um sich und macht sich auf den Weg ins Unbekannte, auf der Suche nach einer neuen Heimat. Verfolgt von den Cylons. Die Flotte steht unter dem militärischen Kommando vom Commander William Adama (Edward James Olmos), über ihm jedoch steht als ziviles Korrektiv Präsidentin Laura Roslin (Mary McDonnell) – ein Verhältnis, das durchaus nicht nicht immer konfliktfrei ist. Adamas Sohn Lee, genannt Apollo (Jamie Bamber), steht oft zwischen den Fronten und hat seinerseits kein einfaches Verhältnis zum Vater, den er für den Tod seinen Bruders mitverantwortlich macht. Dieser wiederum war verlobt mit Kara Thrace (Katee Sackhoff), genannt Starbuck (jawohl, Starbuck ist in der neuen Serie eine Frau!), die beste und wildeste Kampfpilotin der Galactica, eng befreundet mit Apollo. Ebenfalls mit an Bord ist Dr. Gaius Baltar (James Callis), ein hochintelligenter Wissenschaftler, der unfreiwillig mitverantwortlich dafür ist, dass die Cylons die Menschen so vernichtend schlagen konnten.

Überhaupt, die Cylons. Sie haben sich weiterentwickelt seit dem letzten Krieg vor 40 Jahren, der mit einer Art Waffenstillstand endete, weiterentwickelt auch seit der alten Serie vor bald 30 Jahren. Einige von ihnen sehen aus wie Menschen, fühlen sich an wie Menschen, sind von Menschen de facto nicht zu unterscheiden. Und einige von diesen sind auch an Bord der Galactica. Etwa Sharon Valerii (Grace Park), genannt Boomer (hier ebenfalls eine Frau) – doch sie selbst denkt, sie sei ein Mensch. Und dann ist da jene verführerische, grosse Blondine (Tricia Helfer), die nur in Baltars Kopf rumzupuken scheint, jene Frau, der er ahnungslos alle militärischen Geheimnisse verraten hatte und die er nun nicht mehr loswird. Und das ist nur die Hälfte der wichtigen Figuren. Hübsches Detail am Rande: Auch Richard Hatch, der in der alten Serie Apollo mimte und mittlerweile 60 Jahre alt ist, spielt als Gaststar in einigen Episoden der Serie mit – als rebellischer Untergrundkämpfer, der auf einem Gefängnisschiff festsitzt, das ebenfalls zur Flotte rund um die Galactica gehört.




Die neue Serie: Commander Adama, Starbuck, Apollo, Boomer.


Wenn Sie Science Fiction mögen, besorgen Sie sich die DVD mit der Miniserie. Und wenn Sie die mögen, dann freuen Sie sich: Die TV-Episoden danach sind genauso gut. Folge 13 endet mit einem extrem spannenden Cliffhanger, und gerüchteweise sollen die Dreharbeiten zur zweiten Staffel im Februar beginnen.


http://www.scifi.com/battlestar/


02.2.2005

Ein mächtiger Wind

Von Benedikt Eppenberger um 16:04 [ DVD ]
Kürzlich präsentierten im Zürcher Dada-Haus Rainer Maria Cavelty und Pitsch Weber den Film «This is Spinal Tap» (1983). Ich kannte die «Mutter aller Dokumentarfilmparodien» (Titanic) zwar von früher. Dass der Fake aber wirklich so gut, wegweisend und witzig ist, wurde mir erst nach der erneuten Sichtung im Cabaret Voltaire richtig bewusst. «This is Spinal Tap» erzählt die Geschichte der (fiktiven) britischen Irgendwie-Glamour-Gothic-Rock-Band «Spinal Tap», die, begleitet von Interviewer Rob Reiner («When Harry met Sally»), keine Peinlichkeit auslässt, um die Gründe für ihre notorische Erfolglosigkeit klar herauszustellen.


Spinal Tap
Der New Yorker Christopher Guest (Bild oben rechts) spielte im Film damals den Spinal-Tap-Gitarristen Nigel Tufnel (das ist der, dessen Verstärker bis elf geht). Gleichzeitig war er federführend am Drehbuch beteiligt, was mich darauf brachte, die bisherige Film-Karriere von Guest einmal genauer anzuschauen.

Der Mann hat sich seit 1983 als Schauspieler, Drehbuchschreiber und Regisseur durchgeschlagen und mit «The big Picture» (1989) eine beissende Satire über die Traumfabrik Hollywood fabriziert, die heute allerdings vergessen ist. Mehr Erfolg hatte Guest, als er damit begann, die «Spinal Tap»-Methode – mit Schauspielern eine Film-Dokumentation zu inszenieren – auf neue Gebiete anzuwenden. 1996 hiess das Ergebnis «Waiting for Guffman», in der sich eine Gruppe halbirrer Provinzler dabei filmen lässt, wie sie sich bei einer Liebhaberbühne-Theaterinszenierung in Starillusionen verliert. In «Best in Show» aus dem Jahr 2000 drehte sich alles um fünf Hundebesitzer, die zusammen mit ihren Rassekötern an die «Mayflower Kennel Club Dog Show» fahren. Was ein Dokumentarfilmteam im Vorfeld und Verlauf des Wettbewerbs festhielt, hat Guest zu einer weiteren gefälschten Dokumentation von schockierender Offenheit zusammengeschnitten.

Guests bislang letzter Streich in dieser Richtung hiess 2003 «A mighty Wind». An die Kasse kommt diesmal jene amerikanische Folk-Szene, die in den Sechzigerjahren die Welt mit Protestsongs, Traditionals und anderem Banjo- bzw. Gitarrenwahnsinn verwüstete. Der Film dokumentiert die späte Reunion von drei Gruppen, die es so zwar nie gegeben hat, die aber haarscharf an den nachempfundenen realen Vorbildern vorbei singen und klampfen. Dabei diffamieren Guest und sein Co-Autor bzw. Co-Schauspieler Eugene Levy (das ist der so unglaublich aufgeschlossene, und deshalb nervende Vater aus «American Pie») die Musiker keinesfalls derb als Vollidioten. Im Gegenteil. Fast wie im richtigen Leben verglimmen die Alt-Achtundsechziger in penetranter Harmoniesucht und dalailamaesquer Buddhisten-Entspanntheit. Zärtlich verulken Guest und Levy den Opa-Groove der Folkies, und spätestens wenn ganz am Schluss die ganze Schnarchsack-Bande auf der Bühne «A mighty Wind» anstimmt, ist man so weit und von der geballten Provinzialität fast schon ergriffen.


The Folksmen

Sich selbst ein Urteil machen über Guests (Bild oben rechts) Fähigkeiten als Komiker konnte man hier zu Lande bisher kaum. Weder «Waiting for Guffman», «Best in Show» noch «A mighty Wind» lief in der Schweiz im Kino. Gott sei Dank gibt es DVDs; In diesem Format sind alle drei Filme – allerdings nur auf Discs mit Ländercode1 – greifbar.