27.3.2005
Nein, Dittsche, NEIIIIIIIIIN!!!
Olli Dittrich ist für die momentan beste, witzigste, seltsamste Comedyserie im deutschsprachigen Fernsehen verantwortlich. Sie heisst „Dittsche – das wirklich wahre Leben“, läuft jeden Sonntag (22.30 bis 23.00 Uhr) auf WDR 3, und handelt von einem arbeitslosen Bademantelträger (Dittrich), der in seinen Stamm-Imbiss kommt, um über das Leben zu philosophieren.
Dittrich brillierte bereits in „RTL-Samstagnacht“ (Zwei Stühle, eine Meinung; Neues vom Spocht, Die Doofen), danach in seiner ersten eigenen TV-Show „Olli, Tiere, Sensationen“ (ZDF) und immer wieder mit Anke Engelke in „Blind Date“. Dennoch: Man bekommt das Gefühl nicht los, dass Dittrich noch immer unterschätzt wird. Dabei liefert er allein bei seinen Teilnahmen bei „Genial daneben“ (Sat 1) permanent feinste Proben seines spontanen Witzes, seiner Schlagfertigkeit und geradezu sensationellen Wortspielereien ab, die nur einem so intelligenten wie verqueren Hirn entspringen können.
Nun aber, und wir kommen allmählich zum Kern, ist Dittrich auf bestem Weg, einen Kardinalfehler zu machen. Auf die Interviewfrage nämlich, ob sein Dittsche nicht auch das Zeug zum Kinohelden hätte, sagte Dittrich: „Absolut! Es gibt sogar schon eine Grundidee, Dittsche aus den vier Wänden des Imbisses in die wirklich wahre Welt seines persönlichen Alltags zu holen.“
Ogottogottogott. Drücken wir die Daumen, dass Dittrich von seinem TV-Erfolg derart erschlagen wird, dass er nicht die Zeit findet, diese „Grundidee“ weiter zu verfolgen. Oder dass er keinen Verleih findet. Oder dass ihm das Geld ausgeht (naja, das wünschen wir ihm nun eigentlich nicht). Also wünschen wir ihm einfach, dass er zur Vernunft kommt.
Denn Dittsche funktioniert ausserhalb des Imbisses eben nicht. Die skurrilen, weitgehend improvisierten Dialoge zwischen ihm und Ingo (hinter der Theke) brauchen die leicht schmuddelige Enge, die Konzentration aufs Wesentliche. Und das ist nicht etwa Dittsches „wahres Leben“ – das interessiert keinen Mensch. Es sind die Ideen, die sensationellen Zusammenhänge, auf die nur Dittsche kommen kann. In der grossen Welt (und schon eine Einzimmerwohnung ist „grösser“) verpufft das Ganze, ist zuviel Ablenkung. Für einen Kinofilm bräuchte Dittrich zudem einen Handlungsstrang, und das ist der endgültige Tod von Dittsche.
Dittrich müsste es eigentlich wissen: Zuletzt ist mit einem ähnlichen Vorhaben Oliver Kalkofe gescheitert. „Kalkofes Mattscheibe“ (Pro 7) war (und ist hoffentlich bald wieder) die mit Abstand beste Verarschung von dämlichen TV-Sendungen. Kalkofes Prinzip der parodistischen Übertreibung überstand den Transfer vom TV-aufs Kinoformat nicht, seine Edgar-Wallache-Verballhornung „Der Wixxer“ ist nur ein klägliches Abbild von Kalkofes Fähigkeiten. Dittrich hat in diesem Film mitgespielt.
Bleib also standhaft, Dittsche, bleib in Deinem Imbiss. Und auf die Frage, ob Du als Kinoheld taugst, sagen – nein: schreien wir: Nein, Dittsche, NEIIIIIIIIIIN!!!!!!!
22.3.2005
Ostern im Kino
Sollten Sie mit Kreuzigungs- und Auferstehungsfeiern nichts am Hut haben und sich am kommenden Osterwochenende trotzdem nicht vollkommen dem Atheismus hingeben wollen, dann gehen Sie doch einfach ins Kino. Gleich zwei Filme, in der das Christentum eine Rolle spielt, buhlen dort um Ihr Interesse, beide kommen sie aus Österreich, wohl eher zufällig zeitgleich. „Jesus, Du weisst“ ist ein mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm von Ulrich Seidl (bekannt für bitterbös Halb- oder Ganzdokumentarisches zur eigenen Nation), „Silentium“ von Wolfgang Murnberger nach einem Roman von Wolf Haas ist ein zynisch-witziger Krimi im Milieu der gehobenen Gesellschaft Salzburgs, zu der auch der lokale Klerus gehört.
In der Hoffnung auf ein offenes Ohr.
In „Jesus, Du weisst“ erlebt man als Zuschauer das bizarre Gefühl, selbst zum angehimmelten Erlöser zu werden. Der Film besteht aus nichts anderem als Menschen, die in die Kirche gehen und dort zu Jesus oder Gott über ihre Probleme, Hoffnungen und Ängste sprechen. Die Kamera nimmt dabei die Perspektive des Angesprochenen ein – indem sie mit Jesus reden, sprechen die Leute also direkt zum Zuschauer. Und der muss sich einiges anhören: Ein Mann, der verzweifelt das Ende seiner Beziehung beklagt und Jesus fragt, warum er als Kind von seinem Vater missbraucht wurde. Eine Frau, die Jesus davon erzählt, wie ihr Mann sie betrügt und wie sie das nicht aushält und etwas unternehmen wird. Gift vielleicht. Bei einem weiteren Zwiegespräch berichtet sie, dass sie sich doch für etwas Harmloseres entschieden hat. Ein junges Pärchen, beide gläubig, erzählen von ihrer Beziehung. Sie ist frustriert, weil er ins Kloster will, ihm ist die Beziehung zu Gott wichtiger als die zu ihr. Alle Gläubigen kommen mehrfach zu Wort, was es dem Zuschauer erlaubt, sie durch ihre Erzählungen nach und nach kennenzulernen.
Zwei Gedanken kommen hoch – der eine: Diese Leute brauchen einfach jemanden, der ihnen zuhört, es könnte auch die beste Freundin sein oder ein Psychiater – und mit beiden wäre der Dialog weniger einseitig. Der andere: Wie um Gottes Willen hält Jesus das aus? Pausenlos muss er sich weltweit all diese Leidensgeschichten von Tausenden, ja Millionen von Menschen anhören, die alle felsenfest davon überzeugt sind, dass sie in diesem Moment einen ganz persönlichen Draht zu ihm haben, dass er wirklich da irgendwo sitzt und ihnen – und nur ihnen – zuhört.
Auch Detektiv Brenner hat sein Kreuz zu tragen.
Eigentlich erstaunlich, dass Salzburg die Macher von „Silentium“ nicht verklagt hat oder so was. Die Stadt ist die Protagonistin eines skurrilen und ausgesprochen bösartigen Thrillers, der das Bild eines durch und durch korrupten Orts zeichnet. Der Kabarettist Josef Hader spielt einen Privatdetektiv, der auf einen angeblichen Selbstmord angesetzt wird. Es ist die Gattin des Verstorbenen - und sie glaubt, es war Mord. Denn ihr Mann hat kürzlich den Bischof von Salzburg beschuldigt, ihn als Kind im lokalen Knabeninternat so ein bisschen, na Sie wissen schon. Dabei war es doch nur Hygieneunterricht. Das hat einen ziemlichen Aufruhr gegeben in der Stadt, ist doch der Verleumder auch noch der Schwiegersohn des Festspielpräsidenten. Aber nun ist er ja tot, und alles wäre gut, wenn da der abgehalfterte Detektiv Brenner nicht schnüffeln würde. Und natürlich entdeckt er so einiges, etwa den zwielichtigen Sportpräfekten des katholischen Knabeninternats (grossartig schmierig: Joachim Krol) oder einen feisten Festspielsänger, der seine Stimmbänder auf ziemlich unorthodoxe Weise in Schuss hält.
14.3.2005
Zeige mir, was du siehst und ich sage dir, wer du bist
Ich weiss ja nicht, wies Ihnen geht, aber wenn ich die Wohnung eines anderen Menschen betrete, finde ich nichts so spannend wie das Bücherregal und die Filmsammlung. Und ich behaupte, die Filmsammlung ist ehrlicher. Viele Leute stellen sich Bücher ja einfach ins Regal, weil sie gut aussehen oder weil man sie gelesen haben muss. Günter Grass und Umberto Eco machen sich natürlich viel besser als Dan Brown und Michael Crichton – ob sie Grass und Eco aber wirklich gelesen und dann auch noch gemocht haben, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Bücherregale sind denn auch in Wohnungen weit verbreitet, sie gehören sozusagen dazu wie das Bett im Schlafzimmer und der Herd in der Küche. Filmsammlungen dagegen sind seltener und deutlich weniger dazu geeignet, vor Besuchern mit intellektueller Brillanz zu prahlen – die meisten haben eh keine Ahnung von Filmen oder zumindest weniger als der Wohnungsbesitzer. Hinzu kommt, dass Filme gegenüber Büchern noch immer grundsätzlich mit der Aura des Minderwertigen behaftet sind. Wer würde es wagen, einen Menschen schief anzugucken, weil sich in seiner Wohnung die Regalbretter unter dem Gewicht von Hunderten von Büchern biegen? Der Filmsammler hingegen kriegt dauernd die Frage zu hören: „Ja aber, guckst du das alles denn überhaupt?“ Logisch tut er das nicht, aber der Typ mit den 700 Büchern, der liest die natürlich alle pro Jahr einmal durch und rechtfertigt so seinen Sammeltrieb, ist ja klar.
Wie auch immer, hat man denn mal in einer Wohnung so eine Filmsammlung vor sich, kommt man natürlich nicht umhin, vom Filmgeschmack auf den Menschen zu schliessen. Und man kann erst noch davon ausgehen, dass, wenn da alle dänischen Dogma-Filme stehen, der Besitzer diese Filme wohl tatsächlich gut findet und nicht nur zur Dekoration so prominent platziert hat. Schwierig einzuschätzen sind natürlich die Menschen, wo sich die Dogma-Filme einträchtig Seite an Seite mit – sagen wir mal – „Big Blue“, „Lord of the Rings“, „Traumschiff Surprise“ und „Finding Nemo“ befinden, mit anderen Worten jene Leute, deren Filmgeschmack so breit ist, dass sich daraus gar nichts schliessen lässt.
Aber dann gibt’s ja auch diese Situation im Zug, die kennen Sie sicher. Man betritt den Wagen, in jedem Abteil sitzt schon jemand, aber überall hat es noch Platz. Vielleicht ist das eine Männersache, aber ich jedenfalls setze mich in der Regel zu jemandem, wo ich denke, na ja, sieht ja ganz nett aus, der Junge. Kürzlich tat ich also genau das und sah dann, wie besagter junger Mann eben eine DVD auspackte. Ich schielte neugierig über meine Zeitung und sah den Film „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ (für einmal gar nicht schlecht übersetzt für „Dude, where is my car?“), ein US-Teenie-Comedy-SciFi-Filmchen aus dem Jahr 2000 mit Ashton Kutcher und Seann William Scott. Okay, okay, das sind Vorurteile, ich habe das Werk nicht gesehen, aber das Image des Typen war jedenfalls ruiniert. So schnell geht das.
Dabei vermeide ich solche Schnellschuss-Urteile sonst wie die Pest – und schliesslich können Leute einen schlechten Filmgeschmack haben und trotzdem durchaus nett sein. Oder?
09.3.2005
What about Bill Murray?
Wird Bill Murray zum Pin-Up-Opa für den melancholischen Lifestyle-Schmock? Als vor zwei Wochen ein «Magazin»-Autor Wes Andersons neuen Film «Life Aquatic with Steve Zissou» zum Anlass nahm, zusammen mit der Ankündigung vom Ende des Endes der Ironie gleich auch noch die Inthronisation des Schauspielers Bill Murray als Ikone dieser Neo-Ironiker zu betreiben, musste das Schlimmste befürchtet werden. Bill Murray wurde doch tatsächlich auf den Schild jener augenzwinkernden Allesdurchschauer gehoben, die sich gern mit abgewinkeltem kleinem Finger echauffierten über die hohl scheppernde Ernsthaftigkeit von Neokonservativen, Neu-Evangelikalen, SVP-Knebelköpfen und sozialdemokratischen Gutmenschen, sich gleichzeitig Komik aber nur dann leisten, wenn Pointen ausgespart bzw. doppelcodiert, referenziell erweitert oder sonst wie postmodern durch den Eventkasten gedreht werden. Höhö, zwinker, zwinker. So nämlich passen die irgendwie melancholische Grundstimmung, Marthaler-Theater, «Lost in Translation» (jener Film, der die gehobene Bill-Murray-Hype überhaupt erst auslöste), die von Sonic Youth bestückte Jukebox und die neue Traktor-Fruchtsaftlinie prima zusammen. Der Connaisseur blickt dann am Samstagabend (oder ists am Freitagabend?) aufs perfekt arrangierte Ensemble, wirft die Häppchen rein, verdaut und scheidet schliesslich folgenlos wieder aus. Das Leben nach Bill Murray ist das Leben vor Bill Murray.
Doch Sankt Murray hat vorgesorgt. Er wird nicht als Komiker für intellektuelle Snobs und andere urbane Hipster enden. Der leicht herablassende Ton, mit dem besagter «Magazin»-Autor das Frühwerk des Amerikaners abspies, liess nämlich der Hoffung Raum. Wer «Babyspeck und Fleischklösschen»(1979) oder «Ich glaub mich knutscht ein Elch» (1981, mit dem unvergessenen John Candy) nicht als absolute Meisterstreiche und unvergleichliche Meilensteine im Werk des Komikers zu preisen weiss, der ist nie und nimmer fähig, den mittleren («Ghostbusters», «What about Bob?», «Groundhog Day», «Kingpin»), und schon gar nicht den späten Murray in seiner ganzen titanischen, die universelle menschliche Niedertracht transzendierenden Grösse zu begreifen. Wer also nach «Life Aquatic with Steve Zissou» NICHT sofort an eine DVD mit «Caddyshack» (1980) heranzukommen versucht, um schnellstmöglich die wirklich relevante Bill-Murray-Phase nachzuholen, dem ist nicht zu helfen. Wer allerdings all diese Filme brav zu Hause hütet und immer wieder anschaut, nur um herauszufinden, was vor vielen, vielen Jahren einmal schief gelaufen ist, der darf literweise Traktor-Fruchtsäfte reinhauen und mitreden über den zauberhaften alten Sack in «Life Aquatic with Steve Zissou».

05.3.2005
Kohle scheffeln mit Kultfilmen
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Von
Christian Andiel
um 15:16 |
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DVD
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Die Süddeutsche Zeitung hat das grosse Geschäft gewittert, das Vorhaben schnell umgesetzt und tatsächlich viel Erfolg gehabt. Das war auch nötig, denn der traditionellen Tageszeitung aus München selbst geht es gar nicht so gut. Aber im Zuge des globalen Denkens muss man ja nicht ausschliesslich beim eigentlichen Kerngeschäft bleiben. Deshalb begannen die rührigen Bayern im März 2004 mit der „SZ Bibliothek“: Jede Woche wurde im Kulturteil der SZ ein Buchklassiker vorgestellt, gleichzeitig konnte man das Werk für günstige 4,90 Euro kaufen. Mehr als 10 Millionen Bücher wurden bislang verkauft, 20 Millionen Euro brachte das in die Kassen _ und Nacheiferer: Die Frankfurter Allgemeine legte ihren Lesern den Kauf von verschiedenen Opern auf DVD nahe, eine Serie mit Dokumenten der Zeitgeschichte folgt; die Zeit warf ein Lexikon auf den Markt.
Und jetzt legt die Süddeutsche nach _ mit Filmklassikern auf DVD in der Reihe „SZ Cinemathek“. Am 5. März begann die Auslieferung, das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Bibliothek: Jede Woche stellt die Filmredaktion einen Streifen vor, und der kommt gleichzeitig für 9,90 Euro in den Verkauf. Den Auftakt macht „Der Leopard“ von Luchino Visconti, eine Woche später folgt „Heat“ von Michael Mann. Des weiteren wurden Werke von Hitchcock („North By Northwest“) und Bergmann („Wilde Erdbeeren“) ausgewählt.
Die Idee ist wirtschaftlich sicherlich bestechend, auf 30 Millionen Euro will der Verlag seine Einkünfte mit Büchern und DVD künftig steigern. Blöd ist nur, dass man wahrscheinlich damit rechnen muss, dass die Süddeutsche ihre Filmauswahl nicht gerade risikofreudig angelegt hat. Es werden die Filme gebracht werden, die sichere Verkaufswerte sind, die immer wieder auch im Fernsehen gezeigt werden.
Schade eigentlich, gerade eine Süddeutsche hätte doch die Möglichkeit, gewagtere Projekte zu lancieren, unbekanntere Filme an die Leute zu bringen. Vielleicht sollte man den Burschen und Dirndln aus München ein paar Vorschläge machen. Wir können ja schon mal anfangen, zu sammeln...
01.3.2005
Clint Eastwood mal wieder...
Wieso ist die Oscar-Verleihung eigentlich jedes Jahr eine Enttäuschung? Gut, letztes Jahr war eine Ausnahme, da hat „The Lord of the Rings: The Return of the King“ im Namen der Gesamttrilogie zurecht alles abgeräumt, was es abzuräumen gab. Aber dieses Jahr hat die Academy wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden: Bester Film „Million Dollar Baby“, Beste Hauptdarstellerin: Hilary Swank („Million Dollar Baby“), Bester Regisseur Clint Eastwood („Million Dollar Baby“). Bester Nebendarsteller: Morgan Freeman („Million Dollar Baby“) Wenigstens hat Eastwood nicht auch noch den Oscar als Bester Hauptdarsteller gewonnen, den bekam Jamie Foxx für „Ray“.
Wieder mal einer dieser öden Sportfilme mit Message, gähn. Es hätte doch gereicht, EINEN Film mit Sterbehilfe-Thematik auszuzeichnen („Mar Ardento“ als bester ausländerischer Film). Okay, die Alternative als grosser Abräumer wäre wohl Martin Scorseses „The Aviator“ gewesen, der war zwar ganz okay, aber auch nicht mehr als das (obwohl Lichtjahre besser als Scorseses letzter Film, die Gewaltorgie „Gangs of New York“). Zu sehr schielten alle in diesem Film nach dem Oscar, Scorsese selbst, Leonardo DiCaprio als Hauptdarsteller. Ich jedenfalls fieberte mal wieder für die Aussenseiter, für „Sideways“, der dann gerade mal den Oscar fürs beste adaptierte Drehbuch bekam und „Finding Neverland“, der sich mit der besten Filmmusik begnügen musste. Sie waren wohl wahlweise zu witzig bzw. zu fantastisch, und die Academy steht nun einmal unverrückbar auf Drama, schwere Schicksale und moralische Botschaften. Und auf Clint Eastwood, der schon 1992 für „Unforgiven“ und 2003 für „Mystic River“ jeweils den Oscar für den besten Film und die beste Regie absahnte.
Die Oscarverleihung übernächstes Jahr ist auch bereits geklärt: 2006 bringt Eastwood den Film „Flags of our Fathers“ in die Kinos, ein Kriegsdrama aus dem Zweiten Weltkrieg um die Schlacht von Iwo Jima. Bester Film und Bester Regisseur sind schon gebucht. Da muss sich eigentlich gar niemand sonst in unnötigen Hoffnungen ergehen.
Und die Show? Naja, erst mal musste man wie jedes Jahr auf Pro7 die unerträglich dämliche Anke Engelke über sich ergehen lassen, die am roten Teppich unschuldige Hollywoodstars mit seichten Sprüchen belästigte. Der neue Moderator der Award-Show war allerdings durchaus ein Gewinn: Standup-Comedian Chris Rock, der im Vorfeld der Verleihung gezielt einige Bösartigkeiten streute, erhielt erst mal eine Standing Ovation und revanchierte sich danach mit weiteren frechen Sprüchen und einem kleinen Beitrag, in dem er „das Volk“ befragte, was für Filme sie denn letztes Jahr toll fanden. Ergebnis: Die nominierten Filme hatte praktisch niemand gesehen, hoch im Kurs standen dafür „White Chicks“ und „The Chronicles of Riddick“.