Edelmut in Jerusalem
| Von Ralf Kaminski um 11:10 | [ Kino ] |
Nächste Woche startet Ridley Scotts Historienepos „Kingdom of Heaven“ mit Orlando Bloom, Jeremy Irons und Liam Neeson. Es geht um die Rückeroberung des christlich besetzten Jerusalems durch den muslimischen Herrscher Saladin im 12. Jahrhundert – eines von vielen Kapiteln in der blutigen Geschichte der Kreuzzüge. Kein schlechter Film, auch wenn in den 144 Minuten Laufzeit einige Längen stecken. Orlando Bloom, erstmals nach drei Kostüm-Spektakeln („The Lord of the Rings“, „Pirates of the Caribbean“ und „Troy“) in der Rolle des tragenden Helden, schlägt sich ganz passabel – auch wenn er seinen Star-Status wohl eher seinem guten Aussehen als seiner begnadeten Schauspielkunst zu verdanken hat. Er spielt Balian, einen jungen französischen Schmied, der eines Tages Besuch von einem Kreuzritter erhält (Liam Neeson) und erfährt, dass er dessen Sohn ist. Der edle Ritter fragt ihn, ob er nicht nach Jerusalem mitkommen will – und dort gerät Balian mitten hinein in politische Intrigen und handfeste Schlachten um die heilige Stadt.

Der Film kommt zu einem heiklen Zeitpunkt in die Kinos: Nicht nur ist Jerusalem wieder (noch immer) im Mittelpunkt eines religiösen Konflikts, der laufend neue Opfer fordert – auch das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist eher gespannt. Da muss man, dachte sich wohl Scott, dann auch in der Fiktion äusserst vorsichtig sein, wie man die Rollen von Gut und Böse verteilt. Mit dem Ergebnis, dass eigentlich praktisch alle gut sind, und der Edelmut nur so von der Leinwand trieft. Kompromisslos edelmütig ist der Held Balian, der seinen Prinzipien sogar dann treu bleibt, als mit einem kleinen Bösen ein viel grösseres Böses verhindert werden könnte. Letztlich läd er damit die Schuld für ein Blutbad auf sich, das man ihm nur deshalb verzeiht, weil dabei auch die beiden einzigen Schurken der Geschichte umkommen (deren Motivation, offen in ihren Untergang zu reiten, bleibt allerdings bestenfalls zweifelhaft und ist die grösste Schwäche der Story). Ebenfalls unendlich edelmütig ist der Herrscher der Muslime, Saladin (gespielt vom syrischen Star Ghassan Massoud). Nicht nur gewährt er nach heroischem Kampf den eingeschlossenen Menschen, darunter vor allem Nicht-Muslime, den freien Abzug aus der Stadt. Als er daselbst in Jerusalem ein gefallenes Kreuz findet, hebt er es vom Boden auf und stellt es wieder aufrecht hin. Auch König Baldwin IV, Herr über Jerusalem bevor er sehr jung von der Lepra dahingerafft wird, hat nichts als Gutes im Sinn: Friede zwischen den Religionen und ein ehrenhafter Umgang mit seinem Gegenspieler Saladin. Einzig Baldwins Chefberater, Tiberias (Jeremy Irons, charismatisch wie immer), traut man durchaus die eine oder andere Gemeinheit zu – doch auch dies nur um des grösseren Guten willens.
Bei soviel heroischem Edelmut kommt dann auch der Schurke entsprechend holzschnittartig daher. Guy de Lusignan, verheiratet mit der Schwester des Königs, ist Mitglied der Tempelritter, die nicht nur kriegslüstern sondern auch fanatische Christen sind. Er ist (zusammen mit einem weiteren französischen Edelmann) der einsame Gegenspieler all der Edlen, und was ausser Machtlust ihn dazu treibt, wer weiss das schon. Dass er diese Macht dann allerdings, sobald er sie hat, kreuzdämlich aufs Spiel setzt und in seinen Untergang reitet... Wie auch immer, der Film hat durchaus auch eine politische Botschaft: Es sind die Fanatiker, die das Problem sind, nicht die Religionen an sich. Dass er diese Fanatiker bei den Christen ansiedelt, mag nicht den aktuellen Realitäten entsprechen, ändert aber nichts an der Wahrheit der Botschaft. Nur all der Edelmut, der bleibt dem Reich der Fantasie überlassen.

Der Film kommt zu einem heiklen Zeitpunkt in die Kinos: Nicht nur ist Jerusalem wieder (noch immer) im Mittelpunkt eines religiösen Konflikts, der laufend neue Opfer fordert – auch das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist eher gespannt. Da muss man, dachte sich wohl Scott, dann auch in der Fiktion äusserst vorsichtig sein, wie man die Rollen von Gut und Böse verteilt. Mit dem Ergebnis, dass eigentlich praktisch alle gut sind, und der Edelmut nur so von der Leinwand trieft. Kompromisslos edelmütig ist der Held Balian, der seinen Prinzipien sogar dann treu bleibt, als mit einem kleinen Bösen ein viel grösseres Böses verhindert werden könnte. Letztlich läd er damit die Schuld für ein Blutbad auf sich, das man ihm nur deshalb verzeiht, weil dabei auch die beiden einzigen Schurken der Geschichte umkommen (deren Motivation, offen in ihren Untergang zu reiten, bleibt allerdings bestenfalls zweifelhaft und ist die grösste Schwäche der Story). Ebenfalls unendlich edelmütig ist der Herrscher der Muslime, Saladin (gespielt vom syrischen Star Ghassan Massoud). Nicht nur gewährt er nach heroischem Kampf den eingeschlossenen Menschen, darunter vor allem Nicht-Muslime, den freien Abzug aus der Stadt. Als er daselbst in Jerusalem ein gefallenes Kreuz findet, hebt er es vom Boden auf und stellt es wieder aufrecht hin. Auch König Baldwin IV, Herr über Jerusalem bevor er sehr jung von der Lepra dahingerafft wird, hat nichts als Gutes im Sinn: Friede zwischen den Religionen und ein ehrenhafter Umgang mit seinem Gegenspieler Saladin. Einzig Baldwins Chefberater, Tiberias (Jeremy Irons, charismatisch wie immer), traut man durchaus die eine oder andere Gemeinheit zu – doch auch dies nur um des grösseren Guten willens.
Bei soviel heroischem Edelmut kommt dann auch der Schurke entsprechend holzschnittartig daher. Guy de Lusignan, verheiratet mit der Schwester des Königs, ist Mitglied der Tempelritter, die nicht nur kriegslüstern sondern auch fanatische Christen sind. Er ist (zusammen mit einem weiteren französischen Edelmann) der einsame Gegenspieler all der Edlen, und was ausser Machtlust ihn dazu treibt, wer weiss das schon. Dass er diese Macht dann allerdings, sobald er sie hat, kreuzdämlich aufs Spiel setzt und in seinen Untergang reitet... Wie auch immer, der Film hat durchaus auch eine politische Botschaft: Es sind die Fanatiker, die das Problem sind, nicht die Religionen an sich. Dass er diese Fanatiker bei den Christen ansiedelt, mag nicht den aktuellen Realitäten entsprechen, ändert aber nichts an der Wahrheit der Botschaft. Nur all der Edelmut, der bleibt dem Reich der Fantasie überlassen.
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Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als den letzten Monat zu geniessen. Mit Filmen zum Thema Boxen, wie «Raging Bull» oder «Somebody up there likes me», mit Viscontis Verdammten, Pollacks «The Yakuza», «A night at the opera» der Marx Brothers, und mit Greta Garbo in «Mata Hari». Das genaue Programm finden Sie auf der französischsprachigen 


