28.4.2005

Edelmut in Jerusalem

Von Ralf Kaminski um 11:10 [ Kino ]
Nächste Woche startet Ridley Scotts Historienepos „Kingdom of Heaven“ mit Orlando Bloom, Jeremy Irons und Liam Neeson. Es geht um die Rückeroberung des christlich besetzten Jerusalems durch den muslimischen Herrscher Saladin im 12. Jahrhundert – eines von vielen Kapiteln in der blutigen Geschichte der Kreuzzüge. Kein schlechter Film, auch wenn in den 144 Minuten Laufzeit einige Längen stecken. Orlando Bloom, erstmals nach drei Kostüm-Spektakeln („The Lord of the Rings“, „Pirates of the Caribbean“ und „Troy“) in der Rolle des tragenden Helden, schlägt sich ganz passabel – auch wenn er seinen Star-Status wohl eher seinem guten Aussehen als seiner begnadeten Schauspielkunst zu verdanken hat. Er spielt Balian, einen jungen französischen Schmied, der eines Tages Besuch von einem Kreuzritter erhält (Liam Neeson) und erfährt, dass er dessen Sohn ist. Der edle Ritter fragt ihn, ob er nicht nach Jerusalem mitkommen will – und dort gerät Balian mitten hinein in politische Intrigen und handfeste Schlachten um die heilige Stadt.




Der Film kommt zu einem heiklen Zeitpunkt in die Kinos: Nicht nur ist Jerusalem wieder (noch immer) im Mittelpunkt eines religiösen Konflikts, der laufend neue Opfer fordert – auch das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist eher gespannt. Da muss man, dachte sich wohl Scott, dann auch in der Fiktion äusserst vorsichtig sein, wie man die Rollen von Gut und Böse verteilt. Mit dem Ergebnis, dass eigentlich praktisch alle gut sind, und der Edelmut nur so von der Leinwand trieft. Kompromisslos edelmütig ist der Held Balian, der seinen Prinzipien sogar dann treu bleibt, als mit einem kleinen Bösen ein viel grösseres Böses verhindert werden könnte. Letztlich läd er damit die Schuld für ein Blutbad auf sich, das man ihm nur deshalb verzeiht, weil dabei auch die beiden einzigen Schurken der Geschichte umkommen (deren Motivation, offen in ihren Untergang zu reiten, bleibt allerdings bestenfalls zweifelhaft und ist die grösste Schwäche der Story). Ebenfalls unendlich edelmütig ist der Herrscher der Muslime, Saladin (gespielt vom syrischen Star Ghassan Massoud). Nicht nur gewährt er nach heroischem Kampf den eingeschlossenen Menschen, darunter vor allem Nicht-Muslime, den freien Abzug aus der Stadt. Als er daselbst in Jerusalem ein gefallenes Kreuz findet, hebt er es vom Boden auf und stellt es wieder aufrecht hin. Auch König Baldwin IV, Herr über Jerusalem bevor er sehr jung von der Lepra dahingerafft wird, hat nichts als Gutes im Sinn: Friede zwischen den Religionen und ein ehrenhafter Umgang mit seinem Gegenspieler Saladin. Einzig Baldwins Chefberater, Tiberias (Jeremy Irons, charismatisch wie immer), traut man durchaus die eine oder andere Gemeinheit zu – doch auch dies nur um des grösseren Guten willens.

Bei soviel heroischem Edelmut kommt dann auch der Schurke entsprechend holzschnittartig daher. Guy de Lusignan, verheiratet mit der Schwester des Königs, ist Mitglied der Tempelritter, die nicht nur kriegslüstern sondern auch fanatische Christen sind. Er ist (zusammen mit einem weiteren französischen Edelmann) der einsame Gegenspieler all der Edlen, und was ausser Machtlust ihn dazu treibt, wer weiss das schon. Dass er diese Macht dann allerdings, sobald er sie hat, kreuzdämlich aufs Spiel setzt und in seinen Untergang reitet... Wie auch immer, der Film hat durchaus auch eine politische Botschaft: Es sind die Fanatiker, die das Problem sind, nicht die Religionen an sich. Dass er diese Fanatiker bei den Christen ansiedelt, mag nicht den aktuellen Realitäten entsprechen, ändert aber nichts an der Wahrheit der Botschaft. Nur all der Edelmut, der bleibt dem Reich der Fantasie überlassen.


16.4.2005

Ein Regisseur für Semprun

Von Christian Andiel um 12:39 [ Kino ]
Er ist 1923 geboren, als Sohn einer spanischen Grossbürger-Familie, die in den 30er Jahren auf Seiten der Republikaner stand und deshalb das Land mit Beginn der Franco-Diktatur verlassen musste. Er besuchte in Frankreich die Schule und schloss sich der Resistance während des Nazi-Regimes an. Er wurde gefasst, verbrachte fast zwei Jahre im KZ Buchenwald. Er überlebte, ging danach erneut in den Untergrund und war führendes Mitglied der spanischen kommunistischen Partei, die den Widerstand in Spanien organisierte. Er wurde aus der Partei ausgeschlossen, als er nach Offenlegung der Gräueltaten unter Stalin Kritik am kommunistischen Weg äusserte. Er überlebte auch dies, von 1988 bis 1991 war er spanischer Kulturminister.

Jorge Semprun ist – im Wortsinn – ein Überlebender des europäischen 20. Jahrhunderts. Er hat dieses faszinierende Leben in zahlreichen Romanen verarbeitet. Er hat für die beiden Filme „La guerre est finie“ (1966) und „Z“ (1969) die Drehbücher verfasst, hat an etlichen anderen Filmen mitgearbeitet, 1991 kam die Verfilmung seines Romans „Netschajew kehrt zurück“ in die französischen Kinos (Originaltitel: Netchaiev est de retour). Wieder spielte, wie bereist in „La guerre es finie“ und „Z“, Sempruns Freund Yves Montand die Hauptrolle.



Im deutschsprachigen Kino war „Netschajew“ meines Wissens nach nie zu sehen, erstmals gezeigt wurde er 1995 auf Premiere (unter dem Titel: Ein Toter kehrt zurück). Ein bezeichnendes Ärgernis. Denn wer die Bücher von Semprun kennt, der wundert sich, dass nicht jedes sofort verfilmt wird. Der eigenartige Erzählstil ist praktisch bereits ein Drehbuch. Semprun denkt und schreibt in verschlungenen Zeitschleifen, in Rückblicken, Vorausschauen; Zeitgleichheit muss nicht bedeuten, dass zwei oder mehrere Dinge zur gleichen Zeit geschehen; immer wieder nimmt sich der Erzähler heraus, kommentiert in ironischer Distanz und verweigert damit den romantisch-betroffenen Zugang zum Werk.

Warum aber trauen sich so wenige Regisseure an diese perfekten Vorlagen? Etwa den genialen Krimi „Der zweite Tod des Ramon Mercader“, dessen Eingangssequenz eine einzige vorweggenommene Filmaufnahme ist _ besser: wäre? Oder seine Bücher über das Leben im KZ. Keiner hat sich so intensiv, kontrovers und vielfältig an das Problem herangetastet, wie eine Kulturnation wie die deutsche zu solch einer unglaublichen Tat bereit sein konnte (unweit des KZ Buchenwald steht eine Buche, an der Goethe oft verweilte; das enge Nebeneinander von absoluter Hochkultur und absolutem Grauen ist also auch geografisch greifbar). Oder nehmen wir Sempruns jüngstes Meisterwerk, „Zwanzig Jahre und ein Tag“. Skurrile Geschichten über ein halbes Jahrhundert hinweg, beklemmende historische Hintergründe, grandiose Figuren.

Vielleicht sollte aber einfach mal ein Regisseur auf die naheliegendste Idee kommen: Nämlich die Lebensgeschichte Sempruns verarbeiten. Damit wäre die Umsetzung aller Romane vorgebahnt, denn im Prinzip drehen sie sich alle um seine Zeit im KZ, im spanischen Untergrund, um das Überleben in einer grotesken Zeit.

Vielleicht aber wagt es keiner, weil die Frage noch nicht geklärt ist, an der wir vor mehr als zwei Jahrzehnten schon scheiterten, als wir sie in studentischen Kneipen-Zirkeln beantworten wollten: Wer soll Semprun spielen? Und wer soll Regie führen? Die Vorschlagsliste ist eröffnet...


14.4.2005

Cablecom, TCM und C More Film

Von Matthias Saner um 15:11 [ TV ]
Gerade liess Cablecom die Katze aus dem Sack.
Sie bietet im Digitalfernsehen ab dem 15. April den neuen Kinokanal C More Film, der täglich drei «hochwertige» Kinofilme ausstrahlt. Für die Digital-Grundgebür von 25 Franken plus zusätzliche 10 Franken im Monat kriegt man so dann fast das gleiche, wie bisher gratis auf Turner Classic Movies (TCM). Kein Wunder, wird dieser Sender nicht, wie üblich, vom analogen ins digitale Netz verschoben, sondern ganz abgestellt.
Bleibt die Frage, ob Cabelcom das darf. Was meint der Preisüberwacher dazu? Hatte TCM nun wirklich die tiefsten Einschaltquoten, oder hat Cablecom sich einer unliebsamen Konkurrenz entledigt?

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12.4.2005

Who the hell is Tom Sturridge?

Von Ralf Kaminski um 11:55 [ Popcorn ]
Alle paar Jahre sitzt man ahnungslos im Kino und wird plötzlich vom Blitz getroffen. Zum Beispiel 1991, „Thelma and Louise“, toller Film. Irgendwo in der Mitte taucht, ziemlich kurz nur, ein junger Mann auf, den man noch nie zuvor gesehen hat – man sieht ihm zu, denkt wow, wo haben sie denn den her, guckt im Nachspann und ist noch immer nicht schlauer: ein gewisser Brad Pitt, nie gehört. Doch da ist Charme, Spielfreude und ein unverschämt gutes Aussehen – tatsächlich dauert es nicht lange, und Brad Pitt ist ein Star.



Sexy Cowboy: Brad Pitt in "Thelma and Louise".


Oder 1997, „Wilde“, so nach dem ersten Viertel des Films, keine ganz kleine Rolle diesmal, aber wieder ein totaler Nobody mit offensichtlichem Talent: Jude Law. Schon damals the sexiest man alive ist er mittlerweile offiziell dazu erkoren worden. Zwar spielt er (noch) nicht in derselben Starliga wie Brad Pitt, kompensiert das aber (zumindest gegenwärtig) mit Auftritten in unglaublich vielen Filmen gleichzeitig: „Alfie“, „Closer“, „I love Huckabees“ (demnächst), „The Aviator“, „Sky Captain and the World of Tomorrow“ (bei uns wohl nur auf DVD).



Liebhaber von Oscar Wilde (Stephen Fry): Jude Law in "Wilde".


Basierend auf diesen Erfahrungen, kann man wohl auch Tom Sturridge eine grossartige Karriere prophezeien. „Tom Sturridge?“, werden Sie nun mit hochgezogenen Augenbrauen fragen – zurecht. Ein völliger no name, aber was für ein Auftritt! „Being Julia“ heisst der Film, und er kommt daher mit grossen und grossartigen Stars wie Annette Bening, Jeremy Irons und Michael Gambon. Wer britische Period Pictures mag, wird auch diesen lieben, er lässt sich ein wenig Zeit, bis er in Schwung kommt, belohnt einen aber dafür mit einem wunderbar boshaften Finale. Annette Bening spielt die Theaterschauspielerin Julia Lambert, die im London von 1938 beruflich und privat in eine Midlife-Crisis hineingeschlittert ist und sich auf eine Affäre mit einem sehr viel jüngeren amerikanischen Bewunderer einlässt (Shaun Evans). Sturridge spielt ihren Sohn Roger, seine Leinwandpräsenz beschränkt sich auf höchstens 10 Minuten. Aber 10 Minuten, die funkeln: Auch er verbindet gutes Aussehen mit einer schauspielerischen Leichtigkeit und einer Natürlichkeit, dass alles rundherum verblasst. Tom Sturridge, merken Sie sich den Namen, er wird Ihnen unter Garantie wieder begegnen!



Mit Schauspielkollegin Lucy Punch: Tom Sturridge an der Premiere von "Being Julia".



PS: Vielleicht liegt es an mir, aber bei Schauspielerinnen ist mir ein ähnliches Phänomen nie derart aufgefallen. Sandra Bullock fällt mir ein, die als absoluter Nobody neben dem Star Keanu Reeves in „Speed“ (1994) ihren ersten Auftritt hatte und bald ihrerseits zum Star wurde. Vielleicht noch Scarlett Johansson, die vor „Lost in Translation“ (2003) kaum zur Kenntnis genommen wurde und seither in einem Film nach dem anderen auftaucht (demnächst bei uns „In Good Company“). Doch bei ihr lässt sich noch nicht abschätzen, ob der Ruhm von Dauer ist. Und beide Frauen sind durch Hauptrollen bekannt geworden, nicht durch einen kleinen aber feinen Kurzauftritt. Fallen Ihnen bessere Beispiele ein?


07.4.2005

Letzte Tage

Von Matthias Saner um 20:31 [ TV ]
Vielleicht haben Sie es schon vernommen, vielleicht werden Sie jetzt ebenso schockiert sein wie ich: Cablecom nimmt TCM im Mai vom Netz. Dürfen die das, einfach so?

Für alle die jetzt nur an Akupunktur und Kräutertees denken: Keine Panik, lassen Sie sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen, es geht hier nicht um chinesische Medizin. Ich rede von «la chaîne éternellement cinéma». Vom Fernsehsender «Turner Classic Movies», der jeden Monat sechzig Filme zeigt, die meisten davon unbestrittene Klassiker von MGM und Warner. Alle Filme werden immer im Zweikanalton ausgestrahlt, sind also, je nach Vorlieben in der französischen Synchronisationsfassung, oder im Orignalton zu geniessen. Einzige Werbung sind Hinweise auf aktuelle Filme in den Kinosälen.

Tönt fast ein bisschen wie im Paradies finde ich, aber damit ist Ende Monat Schluss. Diese reine Perle im Angebot der analogen Sender wird uns vom Kabelnetzbetreiber weggenommen, abgestellt, ersatzlos gestrichen. Und warum? Weil die Zukunft digital ist, schreibt die Cablecom. Sie kann damit ein paar neue Sender in ihr kostenpflichtiges Digitalprogramm aufnehmen.

Aber warum gerade diesen Sender abstellen? Warum nicht Super RTL, HSE24, oder Canale 5? Oder U1?

Weil die schweizer Fernsehkonsumenten alle zuwenig TCM geschaut haben. Auf jeden Fall scheint es so, denn Cablecom hatte letztes Jahr angekündigt, man werde die abzustellenden Sender aufgrund der tiefsten Einschaltquoten ermitteln. Was auch noch bedeuten würde, dass die zuvor aufgezählten Schmuddel-Kanäle vom Publikum dem hochkarätigen, nur-die-allerbesten-Filme-Sender vorgezogen werden. Weil ich das fast nicht glauben kann, muss ich einen perfiden und abgekarterten Plot seitens des Quasi-Monopolisten vermuten. Sachdienliche Hinweise werden entgegengenommen.

Ansonsten bleibt uns nichts anderes übrig, als den letzten Monat zu geniessen. Mit Filmen zum Thema Boxen, wie «Raging Bull» oder «Somebody up there likes me», mit Viscontis Verdammten, Pollacks «The Yakuza», «A night at the opera» der Marx Brothers, und mit Greta Garbo in «Mata Hari». Das genaue Programm finden Sie auf der französischsprachigen Website.


02.4.2005

Vietnam war wunderbar

Von Benedikt Eppenberger um 10:04 [ DVD ]
Hätte, ja, hätte Osama Bin Laden am 11. September 2001 seine Gotteskrieger nicht mit Flugzeugen ins WTC und Pentagon krachen lassen, der VBS-Propagandafilm «Achtung, fertig, Charlie!» wäre uns womöglich erspart geblieben. Warum? Ganz einfach; dann nämlich hätte man die ziemlich grossartige Militärsatire «Buffalo Soldiers» nicht von der Premiere weg wegen Wehrkraft-Zersetzung in den Archiven von Miramax versenkt. Und die Schweizer Film-Chaschperli hätten rechtzeitig eine Idee davon gekriegt, wie mans macht bzw. dass besser die Finger von Militärsatiren lässt, wer gegen Joaquin Phoenix gerade mal einen Michael Koch, gegen Ed Harris Marco Rima und gegen David Holmes Mia Aegeter ins Feld schicken kann.

So aber kam alles, wie es kommen musste. Die USA krallten sich Afghanistan und den Irak, Bush wurde wiedergewählt, «Buffalo Soldiers» blieb unbemerkt, und die Schweiz erhielt genau jene RS-Teenie-Komödie, die sie verdient hat. So wie es nun aber aussieht, hat sich ein Kontingent mit «Buffalo Soldiers»-Billig-DVDs in die Wühlkisten diverser Schweizer Grossverteiler verirrt, so dass, vier Jahre zu spät, diese britisch-deutsche Produktion wenigstens in der Glotze begutachtet werden kann. Und was es da zu sehen gibt! Stuttgart, 1989: Der Kalte Krieg liegt in den letzten Zügen. Bald wird die Mauer fallen. Doch davon kriegen die US-Boys einer unbedeutenden Kaserne wenig mit. Hauptsächlich mit der Produktion, Distribution und Konsumation von Drogen beschäftigt, halten sich die Soldaten das Kriegführen so gut wie möglich vom Leib. Ignoranz – «Wo zum Teufel steht eigentlich diese Berliner Mauer?», fragt einmal einer der Wächter der Freiheit einen Kumpel – und Professionalität – «Während dem Heroinkochen empfiehlt es sich, viel Fleisch zu essen.» – beherrschen den Alltag in der Kaserne. Für Spezialist Ray Elwood (Joaquin Phoenix) vom 317th Supply Battalion bietet die Armee dabei ganz einfach die Möglichkeit, dick ins Geschäft einzusteigen. Seine Beziehungen zur lokalen Türkenmafia sind exzellent, genauso wie jene zu Colonel Berman (Ed Harris), seinem vertrottelten und völlig ahnungslosen Vorgesetzten.

Als eine krass zugedröhnte US-Panzerbesetzung mit ihrem monströsen Gefährt zuerst eine deutsche Kleinstadt platt macht und danach einen eigenen Waffentransport abschiesst, fällt dem smarten Jungunternehmer ein grosses High-Tech-Waffenarsenal in die Hände. Dem Deal seines Lebens (Stinger gegen Heroin, ganz wie in Afghanistan) stünde eigentlich nichts im Wege, würde da nicht mit einem Mal ein neuer Spiess (Scott Glenn) zusammen mit seiner Tochter (Anna Paquin) im Camp auftauchen.

Wer jetzt denkt: «Klingt ganz schön bescheuert», dem sei versichert: «Ganz genau, so ist es». «Buffalo Soldiers» ist vollkommen durchgeknallt und streift dabei die Genialität von klassischen Anti-Militär-Grotesken wie «Dr. Strangelove», «M.A.S.H.» oder «Catch 22». «Buffalo Soldiers» hat grandiose Momente, ist blendend gespielt, wird von einem prima Soundtrack getragen. Zum Ende hin fächert sich «Buffalo Soldiers» in diverse persönliche und welthistorische Apokalypsen auf, währenddem Scott Glenn mit rauchiger Stimme und beängstigender Ruhe meine Favoriten-Zeilen spricht. Der faltige Altstar spielt den harten, aber aufrechten Schleifer, der wie ein Leuchttum der Integrität aus diesem Sauhaufen ragt. Schliesslich aber brennen auch bei ihm die Sicherungen durch. Im Gegensatz zum Rest der Truppe kommt damit bei ihm aber nicht der Wahnsinn, sondern das wahre Wesen des Soldaten (aller Soldaten?) ans Licht. Der Ex-Vietnamkämpfer fragt den verdutzten Joaquin Phoenix: «Willst du das Geheimnis von Vietnam wissen? Ich sags dir. Ich habe da jede gottverdammte Minute genossen. Vietnam war wunderbar.»