27.6.2005

Unheimliche Begegnungen aller Art

Von Matthias Saner um 10:00 [ Popcorn ]
Kaum ist das weltweite «Star Wars»-Fieber wieder etwas abgekühlt, und noch verbreiten die Jedis – als Kreuz-Ritter im Dienste des King of Merchandising – selbst in den abwegigsten Supermärkten mit lasernem Schwerte das Lucas-Evangelium.



Doch schon bläst Georges ehemaliger Protegé Steven Spielberg mit «War of the Worlds» zum Gegenangriff.



Erneut als Filmereignis des Jahres angekündigt, will diese Blockbuster-Adaption von H.G. Wells' Buch-Klassiker, den Box-Office-Rekord dieses Sommers noch für sich entscheiden. Neben den üblichen noch-nie-gesehenen Spezialeffekten und Tom Cruise, setzt Steven Spielberg als Joker auf ein kleines blondes Mädchen, namens Dakota Fanning, die bereits als 11-jährige eine beachtliche Schauspiel-Karriere hinter sich hat und natürlich des öfteren mit Drew Barrymore verglichen wird, die 1982 in Spielbergs E.T. als 7-jährige ihren ersten Erfolg feierte.



Bereits vor drei Jahren ko-exekutiv-produzierte Spielberg ein weiteres Epos rund um UFOs, Ausserirdische und Familienwerte: Als aufwändige Mini-Serie fürs Fernsehen konzipiert, heisst die Serie etwas umständlich «Steven Spielberg presents Taken» und läuft seit zwei Wochen jeweils am Montagabend auf SF2. Dakota Fanning hat darin in den letzten drei Folgen als Allie Keys ihren grossen Auftritt, begleitet uns aber im Originalton als unerklärliche Off-Stimme bereits seit der ersten Folge mit allerlei merkwürdigen Lebensweisheiten, wie «Sometimes the best way to move into the unknown is to take familiar steps» oder ganz selbstreflektiv «When you're little, you like to think you know everything, but the last thing you really want is to know too much». Und dann mein Lieblingszitat aus dem Mund einer 11-jährigen: «When you find yourself in the middle of your life and you're nowhere near of where you were going, how do you find the way from the person you've become to the one you know you could have been?»


22.6.2005

Gold fuer Clark Gable

Von Christian Andiel um 13:58 [ Popcorn ]
1500 Regisseure, Schauspieler, Schauspielerinnen, Kritiker und Studiomitarbeiter hat das American Film Insitute nach den besten Zitaten der Filmgeschichte befragt. Herausgekommen ist eine Liste mit 100 Sätzen, die unser Leben schöner gemacht haben.

Rang 1 wurde Clark Gable und seinem letzten Satz in „Gone with the Wind“ zugesprochen: Sein „Frankly, my dear, I don’t give a damn“ dürfte diese Goldmedaille verdient haben. Beim Zweitplatzierten „I’m going to give him an offer he can’t refuse“ hört man geradezu Marlon Brandos gepresste Stimme aus dem „Paten“.

Keinen Podestplatz errang „Casablanca“, dafür ist der Streifen mit sechs Nennungen Rekordhalter der Umfrage. Auf Rang fünf kommt „Here’s looking at you, kid“, und mit „Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship“ hat es ein zweiter Satz gerade noch in die Top 20 geschafft.

Nur Rang 22 blieb für „Bond. James Bond“, sein geschüttelter Martini schaffte es noch als 90. in die Rangliste - die vom Titanic-Klassiker „I’m the king of the world“ beschlossen wird.

Die ganze Liste ist unter www.afi.com einzusehen – und dann bleibt hier bei uns die Möglichkeit, all jene Sätze aufzuzählen, die vergessen gegangen sind.


17.6.2005

Pimp your Grimm

Von Benedikt Eppenberger um 00:10 [ Kino ]
Hurra, hurra, hurra, der neue Film von Terry Gilliam ist da. Nachdem er mit der Verfilmung von Don Quixotes Abenteuern noch gescheitert war (anschaulich dazu: «Lost in La Mancha»), startet das Ex-Monty-Pythons-Mitglied mit dem Film «The Brothers Grimm» einen weiteren Versuch, europäisches Kulturgut cool und krass aufzupeppen. Schaut man sich an, was Gilliam da als Trailer ins Netzt hat stellen lassen, (Trailer) dann wird man das Gefühl nicht los, dass die Grimm-Gesellschaft e. V. mit der generellen Ausrichtung des Filmes ihre Mühe haben wird. Matt Damon als Willhelm «Will» Grimm und Heath Ledger als Jakob «Jake» Grimm mit Pickelhauben auf Hexenjagd. Und Monica Bellucci als Rotkäppchen. Potzblitz, darauf freu ich mich aber.


16.6.2005

Batman is back!

Von Ralf Kaminski um 16:02 [ Kino ]



Mit Grauen erinnert man sich an “Batman Forever” (1995, von Joel Schumacher mit Val Kilmer als Batman), den dritten Film über den Rächer im Fledermauscape: Bunt, überdreht, hektisch, leer – eine schlechte Karikatur der beiden exzellenten Vorgänger von Tim Burton: „Batman“ (1989) und „Batman Returns“ (1992). Sie waren düster, schräg und skurril. „Batman und Robin“ (1997, ebenfalls von Joel Schumacher mit George Clooney als Batman), wiewohl deutlich besser als Teil 3, war auch kein Hit – und so wurde die Serie dann stillschweigend beerdigt.

Nun ist Batman zurück – und wie! Der Massstab bleibt zwangsläufig Tim Burton und sein Michael-Keaton-Batman. Und es war wohl vermessen zu erwarten, dass Christopher Nolans „Batman Begins“ mit Christian Bale als Batman und einem einschüchternden Staraufgebot an seiner Seite (Liam Neeson, Gary Oldman, Michael Caine, Morgan Freeman, Tom Wilkinson, Rutger Hauer), es schaffen könnte, Burton das Wasser zu reichen. Umso grösser die Überraschung: Nolans Batman ist ganz anders als Burtons, reicht aber mühelos an das grosse Vorbild heran. Das Schräge und Skurrile sucht man vergebens, dafür hat ein Realismus Einzug gehalten, den man einem Fantasyfilm wie diesem gar nicht zugetraut hätte. Und er funktioniert. Dass er dabei gleichzeitig eher noch düsterer daher kommt und trotzdem nicht ohne Humor ist, macht die Mischung recht eigentlich unwiderstehlich.

„Batman Begins“ erzählt die Vorgeschichte, ist sozusagen ein Prequel („Star Wars“ lässt grüssen). Wir erfahren, wie der Millionärssohn Bruce Wayne aus Gotham City zu Batman wird, jenem Phantom in Fledermausgestalt, das die Unterwelt der Metropole das Fürchten lehrt. Als Kind muss Bruce miterleben, wie ein Strassenräuber seine Eltern erschiesst – und er gibt sich die Schuld dafür. Als junger Mann muss er miterleben, wie jener Strassenräuber vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird – er steht bereit, ihn zu erschiessen, doch jemand anders kommt ihm zuvor... Schliesslich verlässt er Gotham, lässt sich auf dunkle Geschäfte ein, um das Verbrechen von innen heraus kennenzulernen. Und verliert sich darin. Bis eines Tages ein Mann auftaucht, Henri Ducard (Neeson), der ihm neue Wege eröffnet, die ihn zunächst zu einem Geheimbund, der „League of Shadows“ führen, und schliesslich zurück nach Gotham. Und zum Fledermauskostüm.

Der Film beginnt mit dem Auftauchen von Ducard; Bruce Waynes Vorgeschichte wird in zahlreichen Rückblenden erzählt. Die Story von „Batman Begins“ ist sorgsam aufgebaut und für einen Film dieses Kalibers überraschend komplex. Sie lässt nicht nur Raum für die Entwicklung des Helden (mit einem äusserst überzeugenden Christian Bale), sondern hat bequem Platz für gleich drei Bösewichte. Keine durchgedrehten Paradiesvögel wie in den vier Vorgängerfilmen, sondern alle drei ernst gemeinte Schurken, von denen einer erst recht spät im Film überraschend aus dem Hut gezaubert wird. Besonders hervorzuheben ist Cillian Murphy (der Held aus dem britischen Zombie-Schocker „28 Days Later“) als Dr. Jonathan Crane – Leiter des Arkham-Asylums (eine Irrenanstalt) und ein aalglatter Fiesling, der jeden in seine Anstalt bekommt, den er haben will...



Konfrontation mit Dr. Crane.


Kurz und gut: Der Film ist eine Sensation. Ein Muss für Fans des dunklen Ritters – und eine gute Gelegenheit für alle anderen, sich die Comic-Legende Batman einmal näher anzusehen.


11.6.2005

42

Von Ralf Kaminski um 12:38 [ Kino ]
Was herauskommt, wenn man Computer – selbst ausserordentlich grosse und leistungsstarke – über den Sinn des Lebens nachdenken lässt, hat wie kein Zweiter Douglas Adams in seinem skurrilen und extrem witzigen Science Fiction Kultbuch „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ gezeigt. Eine Zahl. Die ultimative Antwort auf die letzte Frage, auf das Leben und das Universum lautet demnach 42. Eine für Menschen besonders dann frustrierende Antwort, wenn sie mehrere Tausend Jahre lang, über Generationen hinweg, sehnsüchtig auf sie gewartet haben. 42. Adams Buch ist voll von solchen Absurditäten – besonders genüsslich nimmt er jedwede Form von Religion aufs Korn. Gleichzeitig sprüht er voll wilder Ideen, erfindet Wesen und Welten, die nur die Fantasie des Lesers zufriedenstellend abbilden kann.

Für Adams-Neulinge: Die Geschichte beginnt damit, dass Arthur Dent, ein ganz normaler Brite, eines Morgens nicht nur mit der Tatsache fertig werden muss, dass sein bester Freund ein Ausserirdischer ist, sondern auch damit, dass in wenigen Minuten die ganze Erde gesprengt wird, weil sie einer Hyperraum-Expressroute im Weg ist. Dent wird von seinem Freund gerade noch rechtzeitig auf ein Raumschiff der widerlichen superbürokratischen Vogonen transportiert, bevor sich der kleine blaue Planet in Luft auflöst. Dort macht er Bekanntschaft mit dem „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, nichts anderem als einem Reiseführer, der zu so ziemlich jedem Phänomen, Wesen und Prinzip der Galaxis etwas zu sagen hat. Und Dent realisiert: Das Universum ist riesig, und es gibt darin nichts, das es nicht gibt.




In den Fängen der Vogonen.

An Douglas Adams’ überwältigendem Fantasiereichtum (und wohl auch begrenzten Finanzen) ist schon die erste Verfilmung des „Hitchhiker’s Guide“ gescheitert, eine US/UK-TV-Miniserie aus dem Jahre 1981. Ein wenig besser ergeht es nun der grossen Hollywoodproduktion, die zurzeit in unseren Kinos läuft. Rein technisch ist sie wesentlich überzeugender als ihr Vorläufer, aber auch sie bleibt inhaltlich deutlich hinter der Vorlage zurück. Nach der ersten, wirklich gelungenen halben Stunde ist leider die Luft ein wenig draussen, auch wenn sich der Film gegenüber dem Buch einige witzige Zusatzeinfälle erlaubt. Etwa einen Gottesdienst, in dem der Grosse Grüne Arkelanfall angebetet wird, der im Glauben jenes Volks das Universum ausgeniest haben soll, was entsprechend bizarre religiöse Rituale zur Folge hat – oder in einer Referenz an „Star Wars“ ein Mini-Laserschwert als Küchenmesser, dass das Brot während des Schneidens praktischerweise gleich toastet.

Vieles aus dem Buch ist da, aber es kommt einfach weniger überzeugend rüber, auch wenn sich alle Beteiligten offensichtlich die grösste Mühe gegeben haben. Vielleicht ist ja Adams’ Geschichte tatsächlich unverfilmbar - aber das hat man einst auch von Tolkiens „Lord of the Rings“ gesagt.


07.6.2005

Eine gaaaaaaanz lange Reise

Von Christian Andiel um 14:50 [ Kino ]
Der Marokkaner Ismael Ferroukhi bekam für seinen ersten Spielfilm „Le grand voyage“ im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Venedig den Leone del Future für den besten Erstlingsfilm. Ferroukhis grosse Reise handelt von einem Vater und dessen Sohn, die sich mit dem Auto auf die weite Pilgerfahrt von Frankreich nach Mekka machen – es ist der Wunsch des streng gläubigen muslimischen Vaters, der Sohn muss mit, obwohl er mit Religion nichts am Hut hat.



Schöne Idee. Leider total enttäuschend umgesetzt. Da findet keine wirkliche Entwicklung der beiden Hauptpersonen statt, die lange Reise durch Slowenien, Kroatien, die Türkei, Bulgarien, Syrien und Saudi-Arabien wird nicht einmal für schöne Landschaftsaufnahmen genutzt. Permament sieht man Vater und Sohn i Auto hocken, und am Ende versteht man auch nicht, warum die beiden – wie es in einigen Rezensionen heisst – zu sich selbst gefunden haben sollen. Und noch weniger haben sie zueinander gefunden.

Höhepunkt des Ärgernisses war ein Dialog, kurz vor Ende der Reise, als der Sohn den Vater fragt, warum Mekka für ihn eigentlich so wichtig sei. Ein 19-jähriger Gymnasiast aus der Provence, der in einer hochgläubigen Muslimfamilie aufwächst, kennt die Bedeutung von Mekka für den Islam nicht..? Das ist schlicht zum Grölen.

„Le grand voyage“ ist also weder ein Roadmovie mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, noch eine Entwicklungsgeschichte zwischen Vater und Sohn, die sich in der kulturellen Fremde auseinandergelebt und nun wieder gefunden hätten – es gäbe Ansätze im Film für eine solche Entwicklung, doch keiner wird auch nur stückweise weiterverfolgt. Es ist eine gaaaaanz lange Reise, eine sehr langweilige insgesamt (von ein paar netten Einfällen abgesehen).

Die Lehren: Erstens kann man in Venedig auch für schlechte Filme einen Preis bekommen; zweitens sollte man sich allein von einem (in der Tat sehr) schönen Filmplakat nichts in Kino locken lassen.




02.6.2005

Kino mit eigenem Hauptbahnhof

Von Ralf Kaminski um 09:34 [ Kino ]
Der Imperialmarsch in der Bahnhofshalle! Nur schon das wars wert. Vor der Schweizer Premiere von „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“ hallten eine Stunde lang ausgewählte Stücke des sechsteiligen „Star Wars“-Oeuvre von John Williams durch den Bahnhof, bevor Gaststar Ian McDiarmid (Emperor Palpatine) und all die verkleideten Fans ihren Platz gefunden hatten und der letzte Teil der Saga über die Leinwand rauschte. Und das – halleluja – ohne Pause. Die ist nämlich beim Kino im HB immer besonders mühselig: Mindestens die Hälfte des Publikums stürmt nach vorn, um gnadenlos zu konsumieren, was das Zeug hält, und das dauert. Mindestens doppelt so lange wie sonst – dabei gehören Pausen nebst Synchronisationen zu den ganz grossen Verbrechen bei Kinofilmen. Und überhaupt, das Geschmatze und Geschlürfe nach der Pause, es ist ein Elend.

Jedenfalls, wie ich da so in der „Star Wars“-Premiere sass und mich unter anderem darüber freute, dass es keine Pause gab, keimte schon die Hoffnung, das werde in den anderen Vorstellungen nun auch so sein. Pustekuchen! In „Steamboy“ und „Madagascar“ gab es welche, und in allen anderen dann wohl auch. Ansonsten aber gibt’s wenig zu Mäkeln: Die Atmosphäre in der Halle ist cool (bei „Madagascar“, irgendwie passend, wars wegen des tagelangen Sommerwetters sogar richtig warm), vor den Filmen und in der Pause spielt man Filmmusik und nicht die aktuelle Hitparade, unmittelbar vor Filmbeginn gibt’s jeweils zum theatralischen Soundtrack von „Hook“ (auch John Williams übrigens) einen hübschen Zusammenschnitt von Szenen grosser Hollywoodfilme – und diesmal waren besonders viele Vorpremieren im Programm: Neben den Animationsfilmen „Steamboy“ (dramatisch, aus Japan) und „Madagascar“ (witzig, aus den USA) noch „Sin City“ (düsterer Comic-Thriller), „Monster in Law“ (Romantic Comedy), „Kung Fu Hustle“ (Hongkong-Martial Arts-Comedy), „A lot like Love“ (Romantic Comedy), „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ (SciFi-Comedy), „Mr. and Mrs Smith“ (Agenten-Thriller-Comedy). Alles innerhalb der nächsten paar Wochen dann auch im regulären Kinoprogramm zu sehen.




Vier Freunde aus New York, verängstigt im Dschungel.


Gut, die Akustik, die ist etwas problematisch. Nicht immer läuten die Kirchglocken gerade so passend wie in der „Star Wars“-Premiere, als Anakin sich gerade dran machte, die Jedi zu vernichten. Mit störenden Nebengeräuschen muss man sich also abfinden – und in den vordersten Reihen ist die Akustik in jedem Fall lausig – sollte man eigentlich nicht verkaufen, die Tickets für diese Stühle. A propos, bequemere Stühle wären auch noch nett: 90 Minuten „Madagascar“ lassen sich aushalten, aber 180 Minuten „Lord of the Rings“?

Insgesamt jedenfalls durchaus eine Bereicherung, das Kino im HB. Falls Sie noch nie dort waren: Es wird wohl auch nächstes Jahr wieder stattfinden – dann bereits zum zehnten Mal.

Kino im HB