Based on a true Story
| Von Ralf Kaminski um 12:14 | [ Kino ] |
Diese kleine Bemerkung wird gerne im Vorspann von Filmen platziert, um dem Publikum Fiktion als Fakt vorzugaukeln. In der Regel sieht man eine herzergreifende Geschichte, in denen schöne Menschen Schreckliches erleben und am Ende gestärkt und in der Regel über das Schlechte triumphierend ins Happy End gleiten. Und weil diese kleine Bemerkung zu Beginn des Films steht, denkt man unwillkürlich, wow, Geschichten, die das Leben schreibt, tolle Sache. Sehr selten jedoch macht man sich die Mühe herauszufinden, was eigentlich die true story ist, auf der der Film basiert.
Gerade eben ist in unseren Kinos der Exorzisten-Gerichts-Thriller „The Exorcism of Emily Rose“ angelaufen, und was steht da im Vorspann? Genau, based on a true story. Da muss sich also ein Priester dafür verantworten, dass er eine junge Frau hat sterben lassen, dass er an ihr einen Exorzismus durchgeführt hat, statt sie der Medizin zu überlassen, die ihr Leben zweifellos gerettet hätte. Vor Gericht findet dann das Duell statt zwischen der aufgeklärt-rationalen Sichtweise und der abergläubisch-katholischen. Gut gegen Böse sozusagen, nur dass der Film nicht eben subtil Partei ergreift für die abergläubisch-katholische Position. Wir sehen nämlich nicht nur die Gerichtsverhandlung, wir bekommen die Vorgeschichte der armen Emily Rose in Rückblenden erzählt, und da geschehen gar schröckliche Dinge. Und als dann der Verteidigerin des Priesters, die eigentlich zunächst eine durchaus rationale Haltung vertritt, jeweils nachts um drei Uhr (zur „demonic witching hour“, wie der Priester ihr erklärt, jenem Zeitpunkt, wo das Böse besonders stark sei) in ihrer Wohnung merkwürdige Dinge passieren, ist vollends klar: Dämonen sind am Werk. Und das based on a true story.

Im Film: Emily Rose.
Das schreit natürlich nach Recherche: Auf welcher wahren Geschichte also basiert denn jene der Emily Rose? Und wie ähnlich ist sie dem Film? Emily Rose heisst in Wirklichkeit Anneliese Michel, sie starb am 1. Juli 1976 in Deutschland in Unterfranken, nachdem katholische Priester fast ein Jahr lang mittels Exorzismus versucht hatten, die junge Frau von Dämonen zu befreien. Dieser war vom Bischof von Würzburg nach einigem Zögern offiziell zugelassen worden. Anneliese war in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen, 1968 begannen die ersten Symptome, ein unkontrollierbares Schütteln des Körpers. Ärzte diagnostizierten Epilepsie. Später behauptete sie, teuflische Fratzen während ihrer Gebete zu sehen, die zu ihr sprachen – Anneliese war überzeugt, besessen zu sein. Im Sommer 1973, nachdem es den Ärzten nicht gelang, ihr zu helfen, wandten sich ihre Eltern an verschiedene Pastoren mit der Bitte um einen Exorzismus. Das Verhalten der jungen Frau wurde derweil immer bizarrer: Sie beleidigte und schlug Familienmitglieder, verweigerte jegliche Nahrung, ass Spinnen, Fliegen und Kohle und begann, ihren eigenen Urin zu trinken. Sie schrie stundenlang und zerstörte dabei Kruzifixe und Jesus-Bilder, begann sich selbst zu verletzen. In dieser Situation schliesslich stimmte der Bischof dem Exorzismus zu, den er zuvor abgelehnt hatte. Als Anneliese starb war sie 23 Jahre alt und 31 Kilo schwer. Priester und Eltern wurden angeklagt und schliesslich verurteilt zu 6 Monaten bedingt wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung. Der Bischof behauptet später, er habe den Exorzismus nie angeordnet. Der Fall ist sehr ausführlich beschrieben unter www.theologe.de/theologe9.htm

Im realen Leben: Anneliese Michel.
Im Grundsatz folgt die Filmstory der wirklichen Geschichte also durchaus. Aber im wahren Leben bestanden kaum Zweifel, dass die aufgeklärt-rationale Seite Recht hatte (am Ende distanzierte sich schliesslich selbst die katholische Kirche vom Verhalten ihrer Priester). Hollywood hingegen hat sich entschlossen, die true stroy ein wenig mit Grusel aufzupeppen, und auch gleich noch all die vielen US-Bürger anzusprechen, die Gott und Satan ohnehin in allem am Werk sehen. Der Film ergreift somit klar Partei im seit Jahren tobenden Kulturkampf zwischen den Religiösen und den Rationalen in den USA: Wo Satan und seine Dämonen am Werk sind, muss es auch einen Gott geben, an dessen Regeln wir uns gefälligst zu halten haben. Dann und nur dann sind wir vor dem Bösen sicher. Das schreiben Sie sich mal hinter die Ohren!
Gerade eben ist in unseren Kinos der Exorzisten-Gerichts-Thriller „The Exorcism of Emily Rose“ angelaufen, und was steht da im Vorspann? Genau, based on a true story. Da muss sich also ein Priester dafür verantworten, dass er eine junge Frau hat sterben lassen, dass er an ihr einen Exorzismus durchgeführt hat, statt sie der Medizin zu überlassen, die ihr Leben zweifellos gerettet hätte. Vor Gericht findet dann das Duell statt zwischen der aufgeklärt-rationalen Sichtweise und der abergläubisch-katholischen. Gut gegen Böse sozusagen, nur dass der Film nicht eben subtil Partei ergreift für die abergläubisch-katholische Position. Wir sehen nämlich nicht nur die Gerichtsverhandlung, wir bekommen die Vorgeschichte der armen Emily Rose in Rückblenden erzählt, und da geschehen gar schröckliche Dinge. Und als dann der Verteidigerin des Priesters, die eigentlich zunächst eine durchaus rationale Haltung vertritt, jeweils nachts um drei Uhr (zur „demonic witching hour“, wie der Priester ihr erklärt, jenem Zeitpunkt, wo das Böse besonders stark sei) in ihrer Wohnung merkwürdige Dinge passieren, ist vollends klar: Dämonen sind am Werk. Und das based on a true story.

Im Film: Emily Rose.
Das schreit natürlich nach Recherche: Auf welcher wahren Geschichte also basiert denn jene der Emily Rose? Und wie ähnlich ist sie dem Film? Emily Rose heisst in Wirklichkeit Anneliese Michel, sie starb am 1. Juli 1976 in Deutschland in Unterfranken, nachdem katholische Priester fast ein Jahr lang mittels Exorzismus versucht hatten, die junge Frau von Dämonen zu befreien. Dieser war vom Bischof von Würzburg nach einigem Zögern offiziell zugelassen worden. Anneliese war in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen, 1968 begannen die ersten Symptome, ein unkontrollierbares Schütteln des Körpers. Ärzte diagnostizierten Epilepsie. Später behauptete sie, teuflische Fratzen während ihrer Gebete zu sehen, die zu ihr sprachen – Anneliese war überzeugt, besessen zu sein. Im Sommer 1973, nachdem es den Ärzten nicht gelang, ihr zu helfen, wandten sich ihre Eltern an verschiedene Pastoren mit der Bitte um einen Exorzismus. Das Verhalten der jungen Frau wurde derweil immer bizarrer: Sie beleidigte und schlug Familienmitglieder, verweigerte jegliche Nahrung, ass Spinnen, Fliegen und Kohle und begann, ihren eigenen Urin zu trinken. Sie schrie stundenlang und zerstörte dabei Kruzifixe und Jesus-Bilder, begann sich selbst zu verletzen. In dieser Situation schliesslich stimmte der Bischof dem Exorzismus zu, den er zuvor abgelehnt hatte. Als Anneliese starb war sie 23 Jahre alt und 31 Kilo schwer. Priester und Eltern wurden angeklagt und schliesslich verurteilt zu 6 Monaten bedingt wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung. Der Bischof behauptet später, er habe den Exorzismus nie angeordnet. Der Fall ist sehr ausführlich beschrieben unter www.theologe.de/theologe9.htm

Im realen Leben: Anneliese Michel.
Im Grundsatz folgt die Filmstory der wirklichen Geschichte also durchaus. Aber im wahren Leben bestanden kaum Zweifel, dass die aufgeklärt-rationale Seite Recht hatte (am Ende distanzierte sich schliesslich selbst die katholische Kirche vom Verhalten ihrer Priester). Hollywood hingegen hat sich entschlossen, die true stroy ein wenig mit Grusel aufzupeppen, und auch gleich noch all die vielen US-Bürger anzusprechen, die Gott und Satan ohnehin in allem am Werk sehen. Der Film ergreift somit klar Partei im seit Jahren tobenden Kulturkampf zwischen den Religiösen und den Rationalen in den USA: Wo Satan und seine Dämonen am Werk sind, muss es auch einen Gott geben, an dessen Regeln wir uns gefälligst zu halten haben. Dann und nur dann sind wir vor dem Bösen sicher. Das schreiben Sie sich mal hinter die Ohren!
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