28.12.2005

Das Kinojahr 2005

Von Ralf Kaminski um 15:50 [ Kino ]
Das Jahr geht zu Ende, Zeit also Bilanz zu ziehen. Wars ein guter Kinojahrgang? Wars ein schlechter? Nimmt man die Zahl der Schweizer Kinobesucher als Massstab wars wohl eher ein schlechter – der Zuschauerrückgang wird nach Schätzungen des Branchenverbands Pro Cinema rund 18 Prozent betragen. 14 Millionen Eintritte statt 17 Millionen wie noch 2004.

Aber liegt das an den Filmen? Lässt man das Kinojahr Revue passieren, ragen in der Erinnerung tatsächlich nicht viele Filme heraus. Bei genauerer Betrachtung gibts aber doch ein paar, die erwähnenswert sind. Unter den Blockbustern des Jahres (und da waren eine Menge) gabs zwei positive Überraschungen: „Batman Begins“ und „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“. Im Arthouse-Kino überzeugt haben „Sideways“, „Crash“ und „Jesus, Du weisst“. Der Horrorfilm des Jahres war „The Descent“, der Politfilm des Jahres „Hotel Rwanda“. Die besten Komödien: „Alles auf Zucker“ und „Crustaces et Coquillage“. Den ersten Platz als besten Fantasyfilm teilen sich „Constantine“ und „The Brothers Grimm“. Der brillanteste Thriller war „A History of Violence“ und der schönste Western „Brokeback Mountain“.





Natürlich gab es auch einige Enttäuschungen wie etwa „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ oder „Madagascar“, viel Durchschnittliches und auch richtig Schlechtes, an vorderster Front „The Legend of Zorro“, "Blade Trinity" und „NVA“.

Hauptproblem der Kino- und Filmbranche war aber wohl, dass die vielen Blockbuster des Jahres („War of the Worlds“, "Kingdom of Heaven", „The Chronicles of Narnia“, „King Kong“ etc. etc.) nicht so richtig gezogen haben – erstaunlicherweise gilt das auch für die beiden oben erwähnten „Batman“ und „Episode III“. Insgesamt aber meines Erachtens kein so schlechter Jahrgang. Oder sehen Sie das anders?


21.12.2005

Scharfzüngige Grossmutter

Von Martin Uebelhart um 21:20 [ Kino ]
Gleich dreimal erschien Shirley MacLaine dieses Jahr auf der Leinwand. Zuerst als Hexenmutter in «Bewitched» neben Nicole Kidman und Will Ferrell. Dann als Grossmutter in «In Her Shoes», wo sie ihre Enkelin (Cameron Diaz) auf den richtigen Weg leitet.

In ihrem dritten Film ist Shirley MacLaine jetzt neu in den Kinos zu sehen. In «Rumor Has It ... » spielt sie die Grossmutter von Sarah (Jennifer Aniston). Sarah besucht mit ihrem Verlobten (Mark Ruffalo) die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester. Dabei erfährt sie, dass ihre Mutter eine Woche vor der Hochzeit mit ihrem Vater mit einem anderen Mann nach Mexiko durchgebrannt ist. Darüber hinaus hatte der Mann, der Milliardär Beau Burroughs (Kevin Costner) auch eine Affäre mit ihrer Grossmutter Katharine. Mrs. Robinson lässt grüssen: Sarah kommt dahinter, dass ihre Familie als Vorlage für «The Graduate» («Die Reifeprüfung») diente. Unsicher über ihre Entscheidung zu heiraten und mit einer in der Sackgasse steckenden Karriere als Journalistin macht sich Sarah auf, ihre Familiengeschichte zu ergründen.

Rumor Has It ...

Spielte Shirley MacLaine in «In Her Shoes» eine eher dezente, wenngleich starke Grossmutter-Rolle, gibt sie in «Rumor Has It ... » ihrem Temperament entsprechend so richtig Gas. «Grosi» will sie schon gar nicht genannt werden und sie bleibt niemandem eine Antwort schuldig. Einerseits verdankt der Streifen Shirley MacLaine einige der humorvollsten Momente, auf der anderen Seite wirken der ständig steigende Alkoholpegel und das sinkende Niveau der Gags an einigen Stellen mitunter eher peinlich.

Als - wohl nicht ganz ernst gemeint - «Fortsetzung» von «The Graduate» angedacht, erreicht der Film von Regisseur Rob Reiner niemals dessen Klasse. Aber schliesslich ist Weihnachtszeit und da können wir uns auch mal an einer dramatisch-romantischen Komödie erwärmen.


13.12.2005

Kong

Von Ralf Kaminski um 00:08 [ Kino ]
Okay, Zeit für ein paar Geständnisse. Wann haben Sie zum letzten Mal geweint im Kino? Welcher Film hat es mit welcher Szene geschafft, Sie derart zu rühren? Na kommen Sie schon! Nur Mut, ist ja alles anonym hier. Oder gehören Sie zu den ganz Harten, denen so was noch gar nie passiert ist?

Für mich ist es immer ein klares Qualitätszeichen, wenn ein Film es schafft, mich derart aus der Fassung zu bringen. Das heisst, dass ich mich wirklich auf ihn und seine Figuren eingelassen habe. Gemessen an diesem Kriterium ist der neue „King Kong“ ganz klar ein Erfolg. Schon der von 1976, den ich irgendwann später mal im Fernsehen gesehen hatte, hat mich zu Tränen gerührt, gut da war ich noch etwas jünger. Aber mein Gott, der arme Affe und diese miesen, blöden Menschen! Genauso ging es mir jedenfalls in der Version von Peter Jackson. Wie Kong mit dem Mädchen kurz vor Schluss auf dem gefrorenen See im Central Park tollt, wie friedlich und romantisch das ist. Doch man weiss, es ist nicht von Dauer, und bald wird er vom Empire State Building geschossen. Der Letzte seiner Art, ein alter, einsamer Riese mit einem grossen Herz, der in eine fremde Welt verschleppt wurde und dort untergeht.




Die Geschichte ist ja sattsam bekannt. Man geht also nichts ins Kino, um was Neues zu sehen, sondern um herauszufinden, wie der Regie-Grossmeister, der den angeblich unverfilmbaren „Herr der Ringe“ so brillant auf die Leinwand gezaubert hat, mit diesem Stoff umgeht. Nun, zuerst mal hat er einen sehr langen Film gemacht (3 Stunden, ganz im Stil der Ring-Filme), und ich persönlich finde den Einstieg ein wenig langatmig da und dort. Doch sobald der Trupp dann auf der Insel ankommt, gehts ab, und Jackson läuft zu Hochform auf. Mit Grusel und Monster hat er sich schliesslich sein ganzes Regieleben lang leidenschaftlich beschäftigt. Und Kong selbst ist sensationell. Natürlich eine reine Computerkreation, aber wie schon Gollum in der Ring-Trilogie mit realem Touch, weil (auch hier) Andy Serkis ins Fell des Affen schlüpfte – und sich zuvor sehr intensiv mit dem Verhalten realer Gorillas beschäftigt hat.

Also, wenn Sie Monster und Romanzen mögen, ist das Ihr Film. Aber nehmen Sie Taschentücher mit.


07.12.2005

Ein Oscar für den Man in Black

Von Christian Andiel um 23:04 [ Kino ]
Na ja, es ist noch ein bisschen lang, ehe die Oscars wieder vergeben werden. Aber einen Favoriten für die beste Hauptrolle gibt es schon _ wenn der dazugehörige Film auch erst im kommenden Februar in Europa anläuft (wieso eigentlich so spät?). Er heisst „Walk the Line“ und behandelt natürlich das Leben von Country-Legende Johnny Cash. Der Film von Regisseur James Mangold („Cop Land“) beginnt mit dem legendären Auftritt im Folsom State Prison 1968, es folgt der Rückblick bis zu diesem Jahr, das Ende bildet der gemeinsame Auftritt mit June Carter, als Cash ihr auf der Bühne das Ja-Wort abringt.



Der ältere Cash wird gespielt von Joaquin Phoenix. Und ihm gelingt in einem insgesamt sehenswerten Streifen ein glanzvoller Auftritt. Die Mimik, die Körperhaltung, die spezielle Art, immer wieder die Gitarre hoch unterm Kinn zu halten – Phoenix ist Cash. Und dass er die Songs selbst singt, macht das Ganze endgültig zu einem Juwel. Natürlich, von der Statur her war Cash ein anderes Kaliber als Phoenix. Aber dass dies nach wenigen Minuten keine Rolle mehr spielt, ist das grösste Verdienst des Schauspielers. Und auch Reese Witherspoon als June Carter hat das Potenzial für einen Oscar. Auch sie wagte den mutigen Schritt, die Lieder der Country-Ikone selbst vorzutragen. Witherspoon hat sich damit (hoffentlich) endgültig von den eher dümmlichen Rollen („Legally Blond“) verabschiedet.

Cash verstarb am 12. September 2003, wenige Wochen nach June Carter. Der „Man in Black“ hat nun eine filmische Biografie erhalten, die seiner grossen Karriere würdig ist. Und dass sich der Film manchmal etwas gar lange mit dem Drogenproblem von Cash aufhält, sollte als Zeichen der Stärke gewertet werden: Die Scheu, die dunklen Seiten des Genies ebenso zu zeigen, war gering. Was sich auch in seinem Verhalten zu seiner ersten Ehefrau zeigt.

Der Oscar also für Cash bzw. seinen Stellvertreter Joaquin Phoenix. Oder wer hat sich bisher für diese Auszeichnung aufgedrängt?


Fantasy für Kinder

Von Ralf Kaminski um 15:20 [ Kino ]
Mit 12 hätte ich „The Chronicles of Narnia“ geliebt. So richtig. Aber obwohl ich das Kind in mir hege und pflege, sind doch meine Ansprüche als Erwachsener bei Fantasy-Filmen durch „The Lord of the Rings“ und die letzten beiden „Harry Potter“-Filme gestiegen. Und da kann die neuste Produktion aus dem Hause Disney leider nicht mithalten. Das kann ich ganz unbelastet sagen, weil ich weder die Buchvorlage von C.S. Lewis kenne, noch die TV-Serie, die in den 90ern ja wohl auch bei uns gelaufen sein muss.




Die Ausgangslage des Films ist wunderbar fantastisch: Da entdecken vier britische Kinder während des Zweiten Weltkriegs einen grossen alten Schrank in der prächtigen Villa eines exzentrischen Professors. Und in dem Schrank hängen nicht nur alte Mäntel – da, wo die Rückwand wäre, ist die Pforte zu einem magischen Reich, bevölkert von wundersamen Kreaturen, sprechenden Tieren – und dem Weihnachtsmann. Das Reich aber ist erkaltet, seit „the White Witch“ das Zepter übernommen hat. Alles ist unter Eis und Schnee begraben, und die mächtige weisse Hexe (grossartig gespielt von Tilda Swinton) sorgt sich nur um etwas: Dass nämlich eine alte Prophezeiung wahr werden könnte, nach der zwei Söhne Adams und zwei Töchter Evas dereinst nach Narnia kommen, unter deren Führung die Herrschaft der Schneekönigin gebrochen würde. Alle Wesen Narnias, denen ein Menschenkind begegnet, müssen dieses deshalb umgehend zu ihr bringen. Doch nicht nur der Faun Mr. Tumnus, sondern auch die Biber und der Fuchs schöpfen Hoffnung, als die vier Kinder auftauchen, denen laut der Prophezeiung die Krone des Reichs zusteht. Und als schliesslich der ebenso starke wie weise Löwe Aslan zurückkehrt, der frühere, rechtmässige Herrscher Narnias, scheint ein Ende der eisigen Herrschaft in Sicht.



Brav und aufrichtig: Die Helden.


Das Reich Narnia haben die Filmemacher wunderschön erschaffen. Doch was Peter Jackson bei seiner Ring-Trilogie gelungen ist, nämlich die Magie der Geschichte auf die Leinwand zu übertragen, das misslingt Regisseur Andrew Adamson („Shrek“) hier leider weitgehend. Es gibt Momente, wo sie kurz aufflackert – meist im Zusammenhang mit dem Bösen; seien es die dramatischen Auftritte der weissen Hexe, ihres unheimlichen Wolfsrudels oder die fast schmerzvoll lang zelebrierte Exekution Aslans. Der Löwe (gesprochen von Liam Neeson) ist leider die einzige Figur auf Seiten des Guten mit einem gewissen Charisma, kleinere Kinder werden sicherlich vor allem das putzige Biberpaar lieben. Die vier Kinderhelden schlagen sich zwar tapfer, aber auch der älteste, Peter, hat als zögerlicher Held nicht das Format, die Geschichte zu tragen. Vielleicht auch weil die Filmemacher vor lauter Spass am Aussehen der Fantasywelt und an den Effekten die Charakterentwicklung der Kids etwas vernachlässigt haben. Sie sind halt alle furchtbar brav und aufrichtig. Der interessanteste der Vier ist der jüngere Bruder Edmund, der sich anfänglich auf die Seite der Schneekönigin stellt.



Rebellisch: Der jüngere Bruder.


Nur schon weil fast immer klar ist, dass niemandem wirklich etwas passieren kann und am Ende alles gut werden wird, fehlt es der Handlung an Tiefgang und Dramatik, um als Zuschauer derart in die Geschichte gezogen zu werden, wie das etwa beim „Herrn der Ringe“ der Fall war. „The Chronicles of Narnia“ ist ein hübsches Kindermärchen, mehr leider nicht.