Das Böse kommt aus Basel
| Von Ralf Kaminski um 08:28 | [ Kino ] |
Es gibt da diese Faustregel: Je überzeugender der Bösewicht, desto besser der Film. „Grounding – die letzten Tage der Swissair“ hat gleich drei Fieslinge. Und sie alle machen ihre Sache prima. Pikant daran ist allerdings, dass es sich in diesem Fall nicht um fiktionale Figuren handelt, sondern um reale Menschen, Mitglieder der Schweizer Wirtschaftselite. An vorderster Front: Marcel Ospel, damals wie heute Chef der grössten Schweizer Bank UBS. Ausserdem: Moritz Suter, Ex-Chef der Crossair, und André Dosé, Suters Vertrauter und Ex-Chef der Swissair. Alle drei kommen aus Basel, und wenn es nach dem Film geht, sind sie schuld am Grounding der Swissair, jenem einschneidenden Ereignis am 2. Oktober 2001, an dem ein nationales Heiligtum vom Himmel fiel. Gilles Tschudi gibt Ospel als aalglatten, kettenrauchenden, kühl kalkulierenden Machtmenschen, ein fieser Grinser, den das verzweifelte Strampeln des Mario Corti (designierter Retter der Airline und uneingeschränkter Held des Films, gespielt von Hanspeter Müller-Drossaart) vollkommen kalt lässt. Und Lazslo I. Kish als Suter und Michael Neuenschwander als Dosé verfolgen während der ganzen Geschichte ihre eigene Agenda, nämlich bei dem Debakel die Crossair möglichst gut zu positionieren.

Im Film der Oberbösewicht: Marcel Ospel.
Soweit die Filmversion der Ereignisse. Wie weit entspricht dies der Realität? Das wissen wohl nur die damals Beteiligten. Tatsache ist: Hätte der Film diese klar definierten Bad Guys nicht, er wäre nur halb so spannend. Und er ist enorm spannend – obwohl man die Geschichte im Grunde ja kennt. „Grounding“ ist in erster Linie ein Wirtschaftskrimi, da liegen seine Stärken. Vor dem Start der eigentlichen Filmhandlung gibt es eine kurze Zusammenfassung über das Schicksal der Swissair von der EWR-Abstimmung 1992 bis zur Entlassung des „Hunter“-Strategen Philippe Bruggisser im Januar 2001. Und kurz vor Schluss lässt der Film die Schwierigkeiten der neuen Swiss Revue passieren, bis zur Übernahme durch die Lufthansa letztes Jahr – Regisseur Michael Steiner („Mein Name ist Eugen“) legt offensichtlich grossen Wert auf Zusammenhänge in seinem zweieinhalb Stunden langen Dokudrama.
Die eigentliche Handlung fokussiert auf die letzten Monate vor dem Grounding und das Ereignis selbst. Ganz nebenbei ziehen auf der Leinwand auch andere Dramen jenes Schwarzen Herbsts 2001 vorbei, die Attacke aufs World Trade Center in New York, das Attentat auf den Zuger Kantonsrat. Um zu zeigen, wie sehr das Versagen der Wirtschafts- und Politelite der Schweiz gerade die einfachen Leute getroffen hat, sind all den Prominenten auch ein paar fiktionale Figuren beigemischt, eine Stewardess mit ihrem halbwüchsigen Sohn, ein alter Flugzeugingenieur, ein Gate-Gourmet-Mitarbeiter. Mit ihnen zusammen sollen wir Zuschauer das Drama noch einmal durchmachen, jene erstaunte Hilflosigkeit nochmals erleben, in der sich damals das ganze Land befand. Und hier liegt denn auch die einzige Schwäche des Films: Diese Nebenhandlungen sind zu simpel, zu klischiert, ab und zu auch etwas hölzern gespielt. Sie fallen zu stark ab im Vergleich mit den dramatischen Ereignissen in den Etagen der Macht.
Alles in allem aber schon wieder ein überzeugender Schweizer Film – man könnte direkt anfangen, sich daran zu gewöhnen.

Im Film der Oberbösewicht: Marcel Ospel.
Soweit die Filmversion der Ereignisse. Wie weit entspricht dies der Realität? Das wissen wohl nur die damals Beteiligten. Tatsache ist: Hätte der Film diese klar definierten Bad Guys nicht, er wäre nur halb so spannend. Und er ist enorm spannend – obwohl man die Geschichte im Grunde ja kennt. „Grounding“ ist in erster Linie ein Wirtschaftskrimi, da liegen seine Stärken. Vor dem Start der eigentlichen Filmhandlung gibt es eine kurze Zusammenfassung über das Schicksal der Swissair von der EWR-Abstimmung 1992 bis zur Entlassung des „Hunter“-Strategen Philippe Bruggisser im Januar 2001. Und kurz vor Schluss lässt der Film die Schwierigkeiten der neuen Swiss Revue passieren, bis zur Übernahme durch die Lufthansa letztes Jahr – Regisseur Michael Steiner („Mein Name ist Eugen“) legt offensichtlich grossen Wert auf Zusammenhänge in seinem zweieinhalb Stunden langen Dokudrama.
Die eigentliche Handlung fokussiert auf die letzten Monate vor dem Grounding und das Ereignis selbst. Ganz nebenbei ziehen auf der Leinwand auch andere Dramen jenes Schwarzen Herbsts 2001 vorbei, die Attacke aufs World Trade Center in New York, das Attentat auf den Zuger Kantonsrat. Um zu zeigen, wie sehr das Versagen der Wirtschafts- und Politelite der Schweiz gerade die einfachen Leute getroffen hat, sind all den Prominenten auch ein paar fiktionale Figuren beigemischt, eine Stewardess mit ihrem halbwüchsigen Sohn, ein alter Flugzeugingenieur, ein Gate-Gourmet-Mitarbeiter. Mit ihnen zusammen sollen wir Zuschauer das Drama noch einmal durchmachen, jene erstaunte Hilflosigkeit nochmals erleben, in der sich damals das ganze Land befand. Und hier liegt denn auch die einzige Schwäche des Films: Diese Nebenhandlungen sind zu simpel, zu klischiert, ab und zu auch etwas hölzern gespielt. Sie fallen zu stark ab im Vergleich mit den dramatischen Ereignissen in den Etagen der Macht.
Alles in allem aber schon wieder ein überzeugender Schweizer Film – man könnte direkt anfangen, sich daran zu gewöhnen.
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