27.3.2006

Happy Birthday, Mr. Spock!

Von Ralf Kaminski um 14:35 [ Popcorn ]



Schande, Schande, wir sind einen Tag zu spät. Aber immerhin ignorieren wirs nicht ganz, so wie praktisch alle anderen Deutschschweizer Medien: Leonard Nimoy, Darsteller des berühmtesten Vulkaniers der Erde, ist gestern, am 26. März, 75 Jahre alt geworden. Er hats ja in jüngeren Jahren immer gehasst, zu sehr mit dem spitzohrigen Logiker in Verbindung gebracht zu werden, aber aufs Alter hat er sich wohl mit seiner prominentesten Rolle wieder versöhnt. Umso bedauerlicher, dass man ihn seit 1991 nie wieder als Spock zu sehen bekommen hat (und auch sonst eigentlich nicht). Zusammen mit Nimoy ist ja mittlerweile auch das ganze „Star Trek“-Universum in den noch unerforschten Weiten der Galaxis verschwunden. Gerüchte über einen neuen Film sind genau das geblieben: Gerüchte. Wobei eine kreative Schaffenspause der Serie vielleicht auch ganz tut, war sie doch gegen Ende mit „Star Trek Enterprise“ wirklich nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nichtsdestotrotz: Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Spock, und hoffentlich sieht man sich mal wieder.




Ein eher unerwartetes Wiedersehen ergibt sich dafür bald mit einer anderen SciFi-Reihe, von der wir dachten, sie sei letztes Jahr definitiv zu Ende gegangen. George Lucas höchstselbst hat angekündigt, 2008 eine „Star Wars“-TV-Serie zu starten, rund 100 Folgen, die in der Zeit zwischen Episode III (wo das Imperium siegt und Anakin Skywalker zu Darth Vader wird) und Episode IV (wo die Rebellion erstmals einen erfolgreichen Angriff auf den Todesstern durchführt und Skywalkers Sohn Luke die Macht kennenlernt) spielen soll. Na da sind wir aber gespannt.


23.3.2006

Fanfick (NC-17)

Von Ralf Kaminski um 15:39 [ Popcorn ]
Falls Sie diesen Titel beunruhigend, beleidigend oder einfach nur abstossend finden, sollten Sie sich jetzt ausklinken und auf die weitere Lektüre dieses Textes verzichten. Und Jugendliche unter 16 Jahren müssen sich jetzt leider verabschieden, sorry.



So, sind wir unter uns? Und Sie sind sich sicher, dass sie weiterlesen möchten? Na gut, aber ich habe Sie gewarnt. Und der strafende Blitz Gottes möge Sie treffen, wenn Sie noch unter 16 sind!

Heute wollen wir uns nämlich mit einem etwas heiklen Thema beschäftigen: Fanfiction, kurz Fanfic, Geschichten also von Fans, die aufgrund ihrer Begeisterung für ein bestimmtes Film- oder TV-Serien-Universum, eigene Stories rund um diese Figuren entwerfen. Seit es das Internet gibt, machen sie das nicht nur fürs eigene Poesiealbum oder das lokale Fanmagazin, nein, sie schreiben neu für die ganze Welt. Ob sie will oder nicht. Das meiste davon ist, naja, Schrott. Einiges ist aber doch bemerkenswert. Diese Perlen allerdings zu finden, ist nicht leicht, denn das Netz ist gross und die Fans sind zahlreich. Werfen Sie doch mal einen Blick auf www.fanfiction.net, klicken Sie auf „Movie“ oder „TV Show“ und dann sehen Sie, dass es zum Beispiel zu „Pirates of the Caribbean“ sage und schreibe 7415 Stories gibt, zu „Kill Bill“ 121, ja selbst „Toy Story“ hat zu Fangeschichten (22 an der Zahl) inspiriert. Den Rekord dürfte die TV-Serie "Buffy - The Vampire Slayer" mit über 28'000 Einträgen halten. Etwas weniger breit, dafür auf deutsch, ist das Angebot bei www.fanficparadies.de. Schauen Sie mal rein. Zum Beispiel hats dort unter „Superman“ eine Story mit dem schönen Titel: „Warum Lex Weihnachten hasst“. Hier der Einstieg:

"Lex?" Clark betrat das Billardzimmer des Luthor-Anwesens und blickte sich suchend um. Schnell wurde er fündig. Der Gesuchte stand an der Hausbar und schenkte sich gerade aus einer nur noch halbvollen Flasche Brandy in ein Glas ein.
"Clark! Das ist kein guter Zeitpunkt, um mich zu besuchen.", begrüßte Lex seinen jungen Freund schroff. Er konnte nur schwer seine schlechte Laune verbergen. Was er jetzt am wenigsten gebrauchen konnte, war Gesellschaft. Trotzdem lenkte er schnell ein: "Was kann ich für dich tun, so einen Tag vor Weihnachten?"
Clark entging nicht, dass mit Lex etwas nicht stimmte. "Entschuldige die Störung, Lex. Ich wollte dir nur dein Weihnachtsgeschenk vorbeibringen. Morgen muss ich noch so viel erledigen und werde sicher keine Zeit dazu finden vorbeizukommen.", erklärte er, während er mit einem entwaffnenden Lächeln auf ihn zuging.
Mit versteinerter Miene nahm Lex das kleine Päckchen an sich, das Clark ihm in die Hand gedrückt hatte. Nach Größe und Form zu schließen, musste es ein Buch sein. Auch das noch, dachte er. Clark war extra vorbeigekommen, um ihm ein Weihnachtsgeschenk zu bringen.
"Ist alles in Ordnung, Lex?", fragte Clark besorgt, als Lex schweigend das Päckchen anstarrte.
Das kann mal wohl sagen, dachte Lex. Verdammte Feiertage! Warum musst du auch gerade heute hier herkommen. "Weißt du, Clark. Ich mag Weihnachten nicht besonders.", platze es aus ihm heraus.
Clark sah ihn überrascht an. "Warum das denn?" Für einen kurzen Moment glaubte Clark tiefe Traurigkeit in Lex' Gesicht zu lesen, doch schnell glätteten sich dessen Züge wieder und er zeigte Clark nur wieder seine kühle Fassade.
"Weil ich an Weihnachten immer daran erinnert werde, was ich nicht habe und was ich nie bekommen werde.", erwiderte der Angesprochene nach einer Denkpause.

Etc. etc. Bei Lex und Clark, das für die mit dem Superman-Universum unvertrauten Leser, handelt es sich um die Erzfeinde Lex Luthor und Clark Kent alias Superman. Die würden in der Regel kaum Weihnachtsgeschenke austauschen, jedenfalls nicht im Kino. Das Schöne an Fanfiction: Man kann dort „seine“ Lieblingscharaktere machen lassen, was immer man will. All das, was sich Drehbuchautoren für Fernsehen und Kino niemals trauen würden. Und das hat Folgen.




Mr. Spock und Captain Kirk...


Bemerkenswerterweise hat das schon jene TV-Serie zu spüren bekommen, die erstmals im grossen Stil zu Fanfiction inspiriert hat: „Star Trek“ (1966-69). Damals noch ohne Internet, deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, liessen die Fanautorinnen (es scheinen tatsächlich vor allem Frauen zu sein) ihrer Fantasie freien Lauf. Dazu gehörte die Idee, aus Captain Kirk und dem Wissenschaftsoffizier und Vulkanier Mr. Spock ein Liebespaar zu machen. Gut, das waren die wilden 70er, sagen Sie jetzt, aber tatsächlich wurde damals ein Sub-Genre der Fanficion begründet, der so genannte Slash, der heutzutage sehr beliebt ist. Dabei werden in realem Kino- oder TV-Leben grundanständige heterosexuelle Figuren zu sehnsuchtsvoll nacheinander schmachtenden Schwulen. Und in mehr Fanfics als man denken würde, gehts dann auch zur Sache, und zwar derart heftig, dass man die (auch hier in erster Linie) weiblichen Autoren verdächtigen muss, eine umfangreiche Schwulenporno-Sammlung unter ihren Betten versteckt zu haben.




... und ihre geheime Liebe.


Die Fanfics bekommen denn von ihren Autorinnen auch immer ein Rating, und da die meisten auf englisch geschrieben sind, bezieht man sich dabei aufs US-Kino-System. NC-17 heisst: Nur für Erwachsene geeignet. Natürlich gibts auch NC-17-Stories, die nicht schwul sind, die kriegen dann den Hinweis „het“, oder, im Falle von weiblichen Liebespaaren, „femslash“. Man kann jedenfalls sagen, dass Liebe und Sex für die Fanautorinnen wohl ziemlich zentral sind. Und diese Obsession kann sich ausweiten: Von den Filmfiguren hin zu den realen Schauspielern. Besonders intensiv beschrieben wird das „Lord of the Rings“-Universum, und da gibts dann schon mal so was zu lesen (Sex! endlich!):

“I’m here,” Elijah says softly and Orlando twists round to see Elijah standing at the foot of bed, hidden from the outer room by the half-closed doors.
For a second Orlando can only think that Tobey better never find out that he’s a pale imitation of someone else, then all thoughts of comparison disappear. Elijah moves towards Orlando and Orlando’s mouth goes dry and his heart bangs at his breastbone. Elijah’s hair and eyebrows and eyelashes are bitter chocolate dark; his skin is milky pale, and the low light turns the dark downy hair on his jaw to gold. He’s slender and small enough to make Orlando’s palms ache to hold him, but there’s the cut of sleek muscle too, and the crotch of Elijah’s leather jeans is stretched taut in a way that makes Orlando feel anything but protective.
“What am I allowed do?” Orlando says in a rush as Elijah moves in.
“Whatever you want,” Elijah answers, and Orlando’s heart and stomach flip over at his first glimpse of Elijah’s gap-toothed smile.
“Can we fuck?” Orlando asks, feeling like an ass for not knowing.
“Of course.”
Orlando lets the red hot shock wave of that pass over his skin and die out in his fingertips. He lifts his hand, his touch whispering over the transparent black gauze covering Elijah’s nipple. Elijah hisses, his lips curling back from his teeth. Something that may not be Orlando’s heart starts shaking inside his chest.
“Can we - ” he knows he’s stupid to ask, there are some things you don’t try to buy but the desire’s already there and it won’t stay silent now, “Can we kiss?”
Elijah blinks slowly, and there’s a moment of slithering fear when Orlando realizes this isn’t safe isn’t sane but Orlando’s been in love with that feeling all his life. He leans down, closing his eyes against the drowning blue of Elijah’s stare, and puts his lips to Elijah’s mouth.
There’s heat and softness and a split like ripe fruit under his teeth and Elijah tastes sweeter than burnt sugar. Orlando blushes because someone’s just whimpered pathetically and he’s fairly sure it was him. Elijah’s tongue stabs smoothly into Orlando’s mouth, and Orlando catches hold of Elijah by the shoulders to hold himself up, because it would be pretty fucking embarrassing to just fold quite this soon.
Orlando can’t even tell if he’s hard; all he knows is that he’s coming apart in warmth and want, and he can’t hear Bourbon Street over the pounding of his own pulse in his ears. Elijah’s hands are sure and steady on the buttons of Orlando’s denims, and every pull and nudge sends another liquid quiver through Orlando’s body.
“Christ, yes, please,” he says desperately against Elijah’s curving lips.


Okay, das war jetzt noch nicht NC-17, nur R, aber es geht an der Stelle natürlich noch weiter. Bei den beiden handelt es sich also um die durch die „Herr der Ringe“-Trilogie berühmt gewordenen Schauspieler Elijah Wood (Frodo) und Orlando Bloom (Legolas). Und falls Sie sich intensiver auf deren Liebesabenteuer und jener der anderen LOTR-Darsteller einlassen wollen, gehen Sie mal hierhin: http://twib.oscillating.net/stories.html




Kein Wunder, dass die Girls da auf komische Gedanken kommen.


Sehr beliebt sind übrigens auch Crossover-Stories, wo man die Figuren zweier oder mehrerer Film-Universen zusammen bringt, etwa „Lord of the Rings“ und „Harry Potter“. Wie Sie merken, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und im Grunde ist das ja eine schöne Sache. Was mir bei all dem aber ein totales Rätsel bleibt – und wenn jemand von Ihnen dafür Erklärungen hat, wäre ich sehr neugierig, die zu hören – warum sind diese Fangirls so wild auf schwule Liebes- und Sexgeschichten?


15.3.2006

Armer Oscar-Gewinner Paul Haggis

Von Christian Andiel um 11:59 [ Popcorn ]
Woody Allen (links) kann sich glücklich schätzen. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war er als Drehbuch-Autor seines Filmes „Match Point“ für die begehrte Auszeichnung nominiert. Doch der Krug des Erfolgs ging an Allen vorbei – und machte bei Paul Haggis („Crash“, mit Robert Moresco) Halt. Der mag sich noch darüber freuen, doch das dicke Ende kommt.



In einer Studie zum Thema „Lebenserwartung und beruflicher Erfolg“ wurden nämlich Oscar-Preisträger genauer untersucht. Und dabei ergab sich ein seltsames Bild: Schauspieler und Schauspielerinnen, die mit dem kleinen goldenen Mann geehrt wurden, leben im Schnitt 3,9 Jahre länger als ihre Kollegen und Kolleginnen, die vergebens nominiert gewesen sind. Bei Drehbuchautoren sieht es genau umgekehrt aus: Wer den Oscar bekam, lebte druchschnittlich 3,6 Jahre kürzer als die eigentlich „erfolglosen“ Schreiberlinge.

Als dieses Resultat dann näher analysiert wurde, ergaben sich folgende Schlüsse: Oscar-prämierte Schauspieler müssen sich einerseits fortan nicht mehr gross um ihre Karriere kümmern, ihnen fliegen die Jobangebote nur so zu. Das macht locker und erhöht die Lebensqualität. Zudem würden sie vermehrt im Rampenlicht stehen und müssten auf ein sauberes Image achten – also Alkohol und Drogen reduzieren.

Für Drehbuchautoren hingegen steigt der Stress nach dem grossen Auftritt im Kodiak-Theatre. Sie müssen weiterhin ihre Kreativität unter Beweis stellen, Tag für Tag, Zeile für Zeile. Das geht an die Nieren, findet zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und eröffnet damit Stress, Drogenkonsum und Überforderung Tür und Tor.

Woody Allen kann sich also auf zusätzliche 3,9 Lebensjahre freuen. Und Paul Haggis? Der soll seinen Erfolg ausgiebig geniessen. Es bleibt ihm weniger Zeit, als er denkt.


08.3.2006

Eine bessere Welt dank Hollywood?

Von Ralf Kaminski um 13:51 [ Kino ]
Haben Sie sich gut erholt von der langen Oscar-Nacht? Rein nervlich wars ja dieses Jahr entspannender als auch schon: Pro7 ersparte uns die unsäglich doofe Anke Engelke, und es waren derart viele gute, engagierte Filme im Rennen, dass es eigentlich fast egal war, welche denn nun genau ausgezeichnet werden. Dass die meisten davon am Mainstream-Publikum vorbei gegangen sind, jä nu – immerhin gabs je drei Oscars für „King Kong“ und „Memoirs of a Geisha“, allerdings in eher nebensächlichen Sparten wie Kostüme oder Ton.

Alles wichtige ging an die Filme der Kategorie „Eine bessere Welt dank Hollywood“ über die Folgen des Rassismus („Crash“: Bester Film, Bestes Originaldrehbuch, Bester Schnitt), über die Folgen der Homophobie („Brokeback Mountain“: Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Soundtrack), über die üblen Machenschaften der Ölindustrie („Syriana“: Bester Nebendarsteller George Clooney), über die üblen Machenschaften der Pharmaindustrie („The Constant Gardener“: Beste Nebendarstellerin Rachel Weisz), über das harte Leben im neuen Südafrika („Tsotsi“: Bester ausländischer Film). Einzig die beiden Hauptdarsteller-Oscars gingen an unpolitische, wenn auch durchaus nicht anspruchslose Filme (Philip Seymour Hoffman in „Capote“ und Reese Witherspoon in „Walk the Line“), obwohl auch dort die Polit- bzw. Gesellschaftsfilm-Darsteller im Angebot gewesen wären.

Die vielen engagierten, aber durchaus nur mässig kassenträchtigen Filme, die dieses Jahr die Oscars dominierten, werfen natürlich mal wieder die Grundsatzfrage auf: Was soll Kino eigentlich? Und was kann es? Kann es mit Filmen wie „Crash“ und „Brokeback Mountain“ beim Publikum solche Gefühlsstürme auslösen, dass es Homosexualität und Rassismus danach im Alltag in einem anderen Licht betrachtet? Lassen wir das Auto ab und zu mal in der Garage stehen, weil wir in „Syriana“ gesehen haben, wie die CIA aufgeklärte arabische Prinzen liquidieren lässt, damit die US-Ölindustrie weiterhin ungebremst vom herrschenden Chaos im Nahen Osten profitieren kann? Gucken sich solche Filme eh nicht nur jene Leute an, die sich davon eine Bestätigung ihrer Positionen versprechen? Eigentlich sollte man mal mit einer Horde Skinheads in „Crash“ gehen und sehen, was das auslöst – oder mit einer Gruppe evangelikaler Christen in „Brokeback Mountain“.




Bester Film 1976: "Rocky".


Vielleicht hat die Academy aber ohnehin nur aus der Not eine Tugend gemacht: Es gab 2005 offenbar keine künstlerisch überzeugenden Kassenknüller, also gab man sich engagiert. In den letzten zehn Jahren kamen die Gewinner jedenfalls regelmässig aus dem Mainstream: „Lord of the Rings“ (2003), „Chicago“ (2002), „Gladiator“ (2000), „Shakespeare in Love“ (1998), „Titanic“ (1997), „The English Patient“ (1996). Geht man weiter zurück, entdeckt man gar Filme wie „Forrest Gump“ (1994), „The Silence of the Lambs“ (1991), „Out of Africa“ (1985) oder „Rocky“ (1976). 1977 war übrigens „Star Wars“ als bester Film nominiert (gewonnen hat dann aber „Annie Hall“) – die letzte Folge der Serie, „Episode III“ im Jahr 2005, hatte keine Chance zu solch hohen Weihen zu kommen, obwohl es der deutlich bessere Film ist.


03.3.2006

Witz, Du bist umzingelt!

Von Martin Uebelhart um 14:22 [ Kino ]

Mit gemischten Gefühlen betrat ich den Kinosaal; zu präsent war die Erinnerung daran, als Marco Rima zu zweien unter dem Namen Cabaret Marcocello ländliche Kleinkunst-Bühnen bespielte. Doch will man derzeit leichte Kinokost konsumieren, kommt man um den aktuellen Schweizer Film «Handyman» kaum herum. Der Titel zumindest erschloss sich einem nach wenigen Filmsekunden von selbst, und der Wettbewerb um den nervtötendsten Klingelton wurde gleichfalls locker ins Trockene gebracht.

handyman

Zugegeben, so schlimm, wie zunächst befürchtet, wurde es dann nicht. Die Story um Mikes (Marco Rima, etwas hölzern in der Umsetzung) Suche nach der Traumfrau wird vor allem nach der Pause flott erzählt, und wie es sich für eine Komödie gehört, hats eine ganze Reihe von wirklich zündenden Gags – um nicht zu sagen regelrechte Brüller – in dem Streifen.

Aber warum nur wird daneben noch ein ganzes Arsenal von platten Witzen auf die Zuschauerinnen und Zuschauer losgelassen? Witze, bei denen sich die Mundwinkel bloss noch aus Schmerz verziehen oder die auf dem Nebensitz bereits erstes Gähnen auslösen. Und nicht wenige der dummen Sprüche haben schon frühere Generationen «erfreut» oder wurden, sagen wir mal, anderswo grosszügig ausgeliehen. Da drängt sich die Frage auf: Ist das der schweizerische Durchschnittshumor?