Falls Sie diesen Titel beunruhigend, beleidigend oder einfach nur abstossend finden, sollten Sie sich jetzt ausklinken und auf die weitere Lektüre dieses Textes verzichten. Und Jugendliche unter 16 Jahren müssen sich jetzt leider verabschieden, sorry.
So, sind wir unter uns? Und Sie sind sich sicher, dass sie weiterlesen möchten? Na gut, aber ich habe Sie gewarnt. Und der strafende Blitz Gottes möge Sie treffen, wenn Sie noch unter 16 sind!
Heute wollen wir uns nämlich mit einem etwas heiklen Thema beschäftigen: Fanfiction, kurz Fanfic, Geschichten also von Fans, die aufgrund ihrer Begeisterung für ein bestimmtes Film- oder TV-Serien-Universum, eigene Stories rund um diese Figuren entwerfen. Seit es das Internet gibt, machen sie das nicht nur fürs eigene Poesiealbum oder das lokale Fanmagazin, nein, sie schreiben neu für die ganze Welt. Ob sie will oder nicht. Das meiste davon ist, naja, Schrott. Einiges ist aber doch bemerkenswert. Diese Perlen allerdings zu finden, ist nicht leicht, denn das Netz ist gross und die Fans sind zahlreich. Werfen Sie doch mal einen Blick auf
www.fanfiction.net, klicken Sie auf „Movie“ oder „TV Show“ und dann sehen Sie, dass es zum Beispiel zu „Pirates of the Caribbean“ sage und schreibe 7415 Stories gibt, zu „Kill Bill“ 121, ja selbst „Toy Story“ hat zu Fangeschichten (22 an der Zahl) inspiriert. Den Rekord dürfte die TV-Serie "Buffy - The Vampire Slayer" mit über 28'000 Einträgen halten. Etwas weniger breit, dafür auf deutsch, ist das Angebot bei
www.fanficparadies.de. Schauen Sie mal rein. Zum Beispiel hats dort unter „Superman“ eine Story mit dem schönen Titel: „Warum Lex Weihnachten hasst“. Hier der Einstieg:
"Lex?" Clark betrat das Billardzimmer des Luthor-Anwesens und blickte sich suchend um. Schnell wurde er fündig. Der Gesuchte stand an der Hausbar und schenkte sich gerade aus einer nur noch halbvollen Flasche Brandy in ein Glas ein.
"Clark! Das ist kein guter Zeitpunkt, um mich zu besuchen.", begrüßte Lex seinen jungen Freund schroff. Er konnte nur schwer seine schlechte Laune verbergen. Was er jetzt am wenigsten gebrauchen konnte, war Gesellschaft. Trotzdem lenkte er schnell ein: "Was kann ich für dich tun, so einen Tag vor Weihnachten?"
Clark entging nicht, dass mit Lex etwas nicht stimmte. "Entschuldige die Störung, Lex. Ich wollte dir nur dein Weihnachtsgeschenk vorbeibringen. Morgen muss ich noch so viel erledigen und werde sicher keine Zeit dazu finden vorbeizukommen.", erklärte er, während er mit einem entwaffnenden Lächeln auf ihn zuging.
Mit versteinerter Miene nahm Lex das kleine Päckchen an sich, das Clark ihm in die Hand gedrückt hatte. Nach Größe und Form zu schließen, musste es ein Buch sein. Auch das noch, dachte er. Clark war extra vorbeigekommen, um ihm ein Weihnachtsgeschenk zu bringen.
"Ist alles in Ordnung, Lex?", fragte Clark besorgt, als Lex schweigend das Päckchen anstarrte.
Das kann mal wohl sagen, dachte Lex. Verdammte Feiertage! Warum musst du auch gerade heute hier herkommen. "Weißt du, Clark. Ich mag Weihnachten nicht besonders.", platze es aus ihm heraus.
Clark sah ihn überrascht an. "Warum das denn?" Für einen kurzen Moment glaubte Clark tiefe Traurigkeit in Lex' Gesicht zu lesen, doch schnell glätteten sich dessen Züge wieder und er zeigte Clark nur wieder seine kühle Fassade.
"Weil ich an Weihnachten immer daran erinnert werde, was ich nicht habe und was ich nie bekommen werde.", erwiderte der Angesprochene nach einer Denkpause.
Etc. etc. Bei Lex und Clark, das für die mit dem Superman-Universum unvertrauten Leser, handelt es sich um die Erzfeinde Lex Luthor und Clark Kent alias Superman. Die würden in der Regel kaum Weihnachtsgeschenke austauschen, jedenfalls nicht im Kino. Das Schöne an Fanfiction: Man kann dort „seine“ Lieblingscharaktere machen lassen, was immer man will. All das, was sich Drehbuchautoren für Fernsehen und Kino niemals trauen würden. Und das hat Folgen.
Mr. Spock und Captain Kirk...
Bemerkenswerterweise hat das schon jene TV-Serie zu spüren bekommen, die erstmals im grossen Stil zu Fanfiction inspiriert hat: „Star Trek“ (1966-69). Damals noch ohne Internet, deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, liessen die Fanautorinnen (es scheinen tatsächlich vor allem Frauen zu sein) ihrer Fantasie freien Lauf. Dazu gehörte die Idee, aus Captain Kirk und dem Wissenschaftsoffizier und Vulkanier Mr. Spock ein Liebespaar zu machen. Gut, das waren die wilden 70er, sagen Sie jetzt, aber tatsächlich wurde damals ein Sub-Genre der Fanficion begründet, der so genannte Slash, der heutzutage sehr beliebt ist. Dabei werden in realem Kino- oder TV-Leben grundanständige heterosexuelle Figuren zu sehnsuchtsvoll nacheinander schmachtenden Schwulen. Und in mehr Fanfics als man denken würde, gehts dann auch zur Sache, und zwar derart heftig, dass man die (auch hier in erster Linie) weiblichen Autoren verdächtigen muss, eine umfangreiche Schwulenporno-Sammlung unter ihren Betten versteckt zu haben.
... und ihre geheime Liebe.
Die Fanfics bekommen denn von ihren Autorinnen auch immer ein Rating, und da die meisten auf englisch geschrieben sind, bezieht man sich dabei aufs US-Kino-System. NC-17 heisst: Nur für Erwachsene geeignet. Natürlich gibts auch NC-17-Stories, die nicht schwul sind, die kriegen dann den Hinweis „het“, oder, im Falle von weiblichen Liebespaaren, „femslash“. Man kann jedenfalls sagen, dass Liebe und Sex für die Fanautorinnen wohl ziemlich zentral sind. Und diese Obsession kann sich ausweiten: Von den Filmfiguren hin zu den realen Schauspielern. Besonders intensiv beschrieben wird das „Lord of the Rings“-Universum, und da gibts dann schon mal so was zu lesen (Sex! endlich!):
“I’m here,” Elijah says softly and Orlando twists round to see Elijah standing at the foot of bed, hidden from the outer room by the half-closed doors.
For a second Orlando can only think that Tobey better never find out that he’s a pale imitation of someone else, then all thoughts of comparison disappear. Elijah moves towards Orlando and Orlando’s mouth goes dry and his heart bangs at his breastbone. Elijah’s hair and eyebrows and eyelashes are bitter chocolate dark; his skin is milky pale, and the low light turns the dark downy hair on his jaw to gold. He’s slender and small enough to make Orlando’s palms ache to hold him, but there’s the cut of sleek muscle too, and the crotch of Elijah’s leather jeans is stretched taut in a way that makes Orlando feel anything but protective.
“What am I allowed do?” Orlando says in a rush as Elijah moves in.
“Whatever you want,” Elijah answers, and Orlando’s heart and stomach flip over at his first glimpse of Elijah’s gap-toothed smile.
“Can we fuck?” Orlando asks, feeling like an ass for not knowing.
“Of course.”
Orlando lets the red hot shock wave of that pass over his skin and die out in his fingertips. He lifts his hand, his touch whispering over the transparent black gauze covering Elijah’s nipple. Elijah hisses, his lips curling back from his teeth. Something that may not be Orlando’s heart starts shaking inside his chest.
“Can we - ” he knows he’s stupid to ask, there are some things you don’t try to buy but the desire’s already there and it won’t stay silent now, “Can we kiss?”
Elijah blinks slowly, and there’s a moment of slithering fear when Orlando realizes this isn’t safe isn’t sane but Orlando’s been in love with that feeling all his life. He leans down, closing his eyes against the drowning blue of Elijah’s stare, and puts his lips to Elijah’s mouth.
There’s heat and softness and a split like ripe fruit under his teeth and Elijah tastes sweeter than burnt sugar. Orlando blushes because someone’s just whimpered pathetically and he’s fairly sure it was him. Elijah’s tongue stabs smoothly into Orlando’s mouth, and Orlando catches hold of Elijah by the shoulders to hold himself up, because it would be pretty fucking embarrassing to just fold quite this soon.
Orlando can’t even tell if he’s hard; all he knows is that he’s coming apart in warmth and want, and he can’t hear Bourbon Street over the pounding of his own pulse in his ears. Elijah’s hands are sure and steady on the buttons of Orlando’s denims, and every pull and nudge sends another liquid quiver through Orlando’s body.
“Christ, yes, please,” he says desperately against Elijah’s curving lips.
Okay, das war jetzt noch nicht NC-17, nur R, aber es geht an der Stelle natürlich noch weiter. Bei den beiden handelt es sich also um die durch die „Herr der Ringe“-Trilogie berühmt gewordenen Schauspieler Elijah Wood (Frodo) und Orlando Bloom (Legolas). Und falls Sie sich intensiver auf deren Liebesabenteuer und jener der anderen LOTR-Darsteller einlassen wollen, gehen Sie mal hierhin:
http://twib.oscillating.net/stories.html
Kein Wunder, dass die Girls da auf komische Gedanken kommen.
Sehr beliebt sind übrigens auch Crossover-Stories, wo man die Figuren zweier oder mehrerer Film-Universen zusammen bringt, etwa „Lord of the Rings“ und „Harry Potter“. Wie Sie merken, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und im Grunde ist das ja eine schöne Sache. Was mir bei all dem aber ein totales Rätsel bleibt – und wenn jemand von Ihnen dafür Erklärungen hat, wäre ich sehr neugierig, die zu hören – warum sind diese Fangirls so wild auf schwule Liebes- und Sexgeschichten?