26.4.2006

«Lost» in Space?

Von Ralf Kaminski um 10:27 [ Kino ]
Da habe ich doch unlängst hier behauptet, «Star Trek» sei erledigt und alle Gerüchte über einen elften Film hätten sich zerschlagen. Und zack! gibts ein neues Gerücht. Vielleicht sogar mehr als das. Trekkies und Ex-Trekkies aufgemerkt: Paramount Pictures hat letzte Woche angekündigt, dass 2008 ein neuer «Star Trek»-Film in die Kinos kommen wird. Unter der Regie von J.J. Abrams, Erfinder der Hit-Serie «Lost» und Regisseur von «Mission Impossible III», der am 4. Mai weltweit in die Kinos kommt. Abrams soll auch produzieren, das Drehbuch schreiben und vor allem: die Serie wiederbeleben.




J.J. Abrams


Paramount dachte sich wohl, was bei «Star Wars» funktioniert hat, kann auch bei «Star Trek» nicht daneben gehen: Der neue Film wird ein Prequel und soll zeigen, wie sich ein junger Kirk und ein junger Spock auf der Starfleet Academy kennenlernen und ihre erste gemeinsame Mission vollbringen. Schon klar, welche Überlegung dahinter steckt: Wenns klappt und an den Kinokassen genügend Geld reinkommt, kann man mit denselben Darstellern weitere Abenteuer der verjüngten Trek-Ikonen verfilmen.

«Star Trek» gehört zu den Giganten Hollywoods: Das Universum, das Gene Roddenberry in den 60er-Jahren erfunden hat, führte innert 40 Jahren zu zehn Filmen und sechs TV-Serien mit total über 700 Folgen. Und hat eine treue Fan-Gemeinde. Klar dass man so was nicht sterben lassen will, nur schon aus finanziellen Gründen. Anders als bei «Star Wars» aber werden bei dieser Prequel-Idee die beliebtesten Zentralfiguren des «Star Trek»-Universums verjüngt und wiederbelebt. Und wo Kirk und Spock sind, können McCoy und Scotty ja nicht weit sein. Bei «Star Wars» waren es nur Nebenfiguren der Originaltrilogie (Obi Wan Kenobi, Yoda, der Imperator, na gut, Darth Vader, aber das ist was anderes) - ob die treue Trek- Fanbase jedoch mit zwei Milchgesichtern klarkommt, die behaupten Kirk und Spock zu sein? Zugegeben: J.J. Abrams gibt durchaus zu Hoffnung Anlass. Die erste Staffel von «Lost» hatte alles, was es brauchte: gute Figuren mit Charakterentwicklung, Hochspannung, gelegentlich etwas Humor. Die zweite Staffel konnte dieses hohe Niveau aber bereits nicht mehr halten, und was Abrams aus «Mission Impossible III» gemacht hat, wird sich demnächst zeigen (obwohl im Vergleich zum zweiten Film kann der eigentlich nur besser werden).

Und dann stellt sich natürlich die Frage, wer die Rollen der verjüngten Enterprise-Crew übernehmen soll. Falls die Story tatsächlich zumindest teilweise auf der Starfleet Academy spielt, müssten die Darsteller schon ziemlich jung sein (obwohl Spock als Vulkanier ja ohnehin viel älter ist als alle anderen). Wie wärs mit Kevin Zegers (Jg. 1984) als Kirk and Jonathan Rhys-Meyers (Jg. 1977)als Spock?




Der neue Kirk?




Der neue Spock?


21.4.2006

Shakespeare ist rund

Von Christian Andiel um 14:53 [ Kino ]
Die Fussball-WM naht, die Flut an (sehr wenigen) starken und (einem ganzen Haufen) ziemlich schwachsinnigen Büchern zum Thema ist nicht zu stoppen. TV-Sender wie SF DRS und arte zeigen Filme im Umfeld des weltweit grössten Sportanlasses. Das Kino steht nicht zurück. Aus Brasilien (natürlich!) kommt „Romeo und Julia get married“ zu uns. Es handelt sich um die Adaption des berühmten Stückes von William Shakespeare: Statt der verfeindeten Familien Montague und Capulet stehen sich nun die Fangemeinden der Klubs Palmeiras und Corinthians aus Sao Paolo gegenüber bzw. deren Protagonisten Julieta und Romeu.



Im Gegensatz zur Bühne gibt es auf der Leinwand ein Happyend. Das darf verraten werden, denn schliesslich ist es von Anfang an klar und zweitens nimmt es wenig von der zumindest halbwegs gelungenen Geschichte, die für einige Lacher sorgt. Der Film haut einen nicht vom Hocker, für Nachmittage oder Abende mit schlechtem Wetter taugt er allemal. Und wer wissen will, wie nervtötend und lächerlich Hardcore-Fans sein können, der ist auf jeden Fall richtig.

An dieser Stelle aber nun die Frage: Wie heisst der beste Fussballfilm im Kino bzw. im Fernsehen? Und als Zusatzfrage: Warum wird eigentlich der wunderschöne „Fimpen, der Knirps“ nirgends wiederholt?


11.4.2006

Von Mammuts und Menschen

Von Ralf Kaminski um 17:01 [ Kino ]
Zwei von der Kritik hochgelobte Filme, in beiden geht es um Identitätsverwirrungen und um eine Reise – sowohl eine tatsächliche wie auch eine innere –, beide sind letztes Wochenende in Zürich angelaufen. Doch das eine Kino (Capitol 1) war am Freitag um 18 Uhr ziemlich leer und das andere (Corso 1) am Sonntag um 14 Uhr proppenvoll. Der eine Film braucht also noch etwas Werbung, der andere offensichtlich nicht.





„Ice Age 2 – The Meltdown“ ist der andere. Ein Fest für Kinder und, wie schon der erste Film, durchaus auch sehr vergnüglich für Erwachsene, die angenehm überrascht zur Kenntnis nehmen, dass das Sequel tatsächlich nicht wesentlich schlechter ist als das Original (wenn auch weniger komplex). Grund dafür ist vor allem das Mammut-Weibchen Ellie, das felsenfest davon überzeugt ist, ein Oppossum zu sein, wie seine beiden sehr viel kleineren Brüder (deren Mutter hatte das verwaiste Mammut-Kind damals unter seine Fittiche genommen bzw. in seinen Beutel). Wenn die zwei also ihre Schwänze um einen Ast ringeln, um sich dort zum Schlaf aufzuhängen, dann macht Ellie das eben auch. Und es erweist sich selbst für den stattlichen und schwer verliebten Mammuthelden Manny als äusserst schwierig, ihr klarzumachen, dass sie derselben, vom aussterben bedrohten Spezies angehören. Was wirklich furchtbar komisch ist. Und dann ist da natürlich die Fortsetzung des legendären Running Gags aus dem ersten Film mit dem Eichel-gierigen Ur-Eichhörnchen Scrat, bei dem – getreu nach Murphy’s Law – immer alles schief geht, was schief gehen kann. Sensationell auch diesmal. Der Film hat letztes Wochenende prompt den besten Schweizer Kinostart aller Zeiten hingelegt: Satte 250'000 Zuschauer hat er in die Kinos gelockt, mehr selbst als grosse Blockbuster wie „Lord of the Rings“, „Harry Potter“ oder „Star Wars“ an ihrem Startwochenende.




„Transamerica“ hats da schwerer, erstens ists ein Drama (wenn auch stellenweise ein sehr witziges) und zweitens nichts für Kinder. Es geht um eine Geschlechtsumwandlung, um Stricher, um Schwulenpornos, aber auch um Familie, Liebe und das gemeinsame Durchstehen von Widrigkeiten (wie bei „Ice Age 2“ übrigens, wobei der ziemlich überraschend letztlich Freundschaft höher gewichtet als Familie – für einen US-Familienfilm eigentlich ganz schön gewagt). Eine Woche vor der Operation, welche die äusserlich und psychisch bereits erfolgte Umwandlung des Mannes Stanley in die Frau Bree nun auch physisch vollziehen soll, erfährt Bree, dass sie einen Sohn hat. Ein einmaliger Ausrutscher vor etwa 17 Jahren. Der Junge sitzt in New York wegen Drogenbesitzes im Gefängnis und hält sich im übrigen als Stricher über Wasser. Die Mutter ist tot. Unter dem Druck ihrer Psychiaterin, die darauf besteht, dass Bree vor der Operation erst alle „Altlasten“ bereinigt, fliegt sie von L.A. aus widerwillig nach New York, holt Toby aus dem Gefängnis und erfährt, dass der von einer Karriere als Filmstar in Kalifornien träumt, Pornofilmstar versteht sich, Schwulenporno um genau zu sein. Die ziemlich konservative und spiessige Bree entscheidet, den Rückweg nach L.A. mit dem Auto zurückzulegen und Toby mitzunehmen – freilich ohne ihm ihre wahre Identität zu eröffnen und in der Hoffnung, ihn unterwegs irgendwie loszuwerden, bevorzugt an seinen Pflegevater in Kentucky. Das aber geht gründlich schief, und während die zwei ungleichen Menschen durchs amerikanische Herzland fahren, erleben sie allerlei Abenteuer und kommen sich langsam näher. Entgegen des auf den ersten Blick vielleicht etwas „schwierigen“ Themas, entwickelt sich „Transamerica“ zu einem richtigen Feel-Good-Movie, einem Plädoyer für Toleranz und Respekt gegenüber anderen Lebensentwürfen. Und für Fans von Felicity Huffman aus „Desperate Housewives“, die Brees Rolle noch vor ihrem Starruhm in der Serie übernommen hat, ist der Film natürlich ein Muss. Ebenso für alle, die sich gern an hübschen Männern erfreuen, denn ihr Partner, der 22-jährige Kanadier Kevin Zegers ist eine echte Entdeckung.

Am Ende, das geht bei US-Filmen halt nicht anders, wird alles gut, in „Ice Age 2“ ebenso wie in „Transamerica“, na jedenfalls fast alles. Scrat hat natürlich wieder Pech.



06.4.2006

Die etwas andere Haushälterin

Von Martin Uebelhart um 12:30 [ Kino ]
Wer den grossen Klamauk erwartet, ist bei «Keeping Mum» im falschen Film. Der Streifen besticht vielmehr durch seinen feinen und subtilen, wenngleich rabenschwarzen Humor. Die Geschichte bringt uns in einen kleinen Ort in England. Der Pfarrer Walter Goodfellow (Rowan Atkinson) ist mit Predigten-Schreiben beschäftigt und muss sich die Damen vom Blumen-Arrangement-Komitee vom Leib halten. So kriegt er kaum mit, was um ihn herum und in seiner Familie so alles abgeht. Besonders seiner Frau Gloria (Kristin Scott Thomas) macht dies ziemlich zu schaffen.


keeping mum


Es geht also eher ruhig und bedächtig zu und her in Little Wallop. Die Bedächtigkeit schleicht sich zu Beginn auch ein wenig in den Film, doch das ändert sich schlagartig, als die neue Haushälterin Grace (Maggie Smith) einzieht. Die nette, alte Dame ist bemüht, Unbill von «ihrer» Familie fernzuhalten und weiss dementsprechend Schaufel und Bügeleisen einzusetzen. So «löst» Grace nach und nach die anstehenden Probleme und sogar Walter erhält Inputs für Predigten und Eheleben.


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Alles in allem eine gelungene britische Komödie. Bloss scheint es dem armen Rowan Atkinson mit seinem Mr. Bean genau so zu gehen, wie Emil Steinberger mit seinem Emil: Er wird ihn nie mehr los. Zwei-, dreimal im Film rutscht Atkinson in den Mr.-Bean-Slapstick ab und kreiert damit die nervigsten Momente der Geschichte.