Kampf um Akzeptanz
| Von Ralf Kaminski um 21:08 | [ Kino ] |
Gehören Sie auch zu den seltsamen Menschen, die im Kino sitzen bleiben, bis der Abspann zu Ende ist? Ich mache das gelegentlich. Meist bei Filmen, die mir gefallen haben, die ich noch ein wenig nachhallen lassen will – und wenn ich die Musik mag. Nichts Schlimmeres, als wenn man einen guten Film gesehen hat mit einem schönen instrumentalen Soundtrack, und dann legen sie über den Nachspann irgendeinen schubidubidu-Popsong. Grässlich. Jedenfalls, ab und zu passiert es, wenn man bis zum Schluss sitzen bleibt, dass man von den Filmemachern belohnt wird mit einer zusätzlichen Szene. Oft nur irgendwas Kleines, nichts was den ganzen Film in einem anderen Licht erscheinen lassen würde. In der Regel.
Sollten Sie sich in diesen Tagen den dritten Teil der “X-Men”-Filme ansehen, “The Last Stand”, dann kann ich Ihnen nur empfehlen, sitzen zu bleiben. Wirklich, es lohnt sich. Die “X-Men”-Filme (Teile 1 und 2 liefen 2000 und 2003) haben sich ja schon immer positiv abgehoben vom Gros der Superhelden-Comic-Verfilmungen (vielleicht von den Burton- und Nolan-Batmans mal abgesehen), da war einfach eine Spur mehr Tiefgang. Einerseits weil die Superhelden zwar alle für sich eine besondere Fähigkeit haben, dafür aber in fast allen Fällen einen hohen Preis zahlen: Schmerzen, Unfähigkeit zu Körperkontakt, Behinderung. Ihre Stärke ist ihre Schwäche. Dazu kommt, dass der schwule Regisseur Bryan Singer, der die ersten beiden Teile inszeniert hat, ein feines Gespür für Minderheiten-Themen hat. So stellte er jeweils die Konflikte zwischen der “normalen” Mehrheit der Menschen und der “Mutant Community” in den Mittelpunkt seiner Filme. Von Anfang an ging es um den Kampf jener, die anders sind, von der Mehrheit akzeptiert zu werden. Die eine Mutanten-Gruppe um Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) versucht das mit Geduld und Kooperation, die andere um Magneto (Ian McKellen) mit einer Überlegenheits-Ideologie und Gewalt.
Nachdem die beiden Gruppen in X-Men 2 notgedrungen zusammenarbeiten mussten, gegen einen noch grösseren gemeinsamen Feind, haben sich ihre Wege in Teil 3 wieder getrennt. Und diesmal drohen gleich zwei grosse Probleme: Ein Pharma-Unternehmen hat ein Medikament entwickelt, das die Mutationen der X-Men rückgängig macht, sie “heilen” kann, wie der Konzern so schön erklärt. Was einige der Mutanten entsetzt, andere wiederum mit Hoffnung erfüllt. Und die totgeglaubte Jean Grey taucht wieder auf – wie der Phoenix aus der Asche sozusagen – und ist nicht nur mächtiger als Xavier und Magneto zusammen, sondern auch vollkommen unkontrollierbar und damit eine Gefahr für Mutanten und Menschen gleichermassen.
Selten genug kommt es vor, dass zweite Teile besser sind als erste, bei X-Men ist dies der Fall. Und während der ersten Hälfte des dritten Teils sitzt man staunend im Kinosessel und kanns fast nicht glauben, dass dieser nun nochmals besser sein soll. Er ist es bis zur Hälfte, dann versinkt er leider in einer Aneinanderreihung von Action-Szenen, und viele der zuvor neu eingeführten Figuren haben kaum was zu tun. Vielleicht liegt es daran, dass Bryan Singer mitten im Projekt ausgestiegen ist und die Regie von “Superman Returns” übernommen hat, der im August über unsere Leinwände fliegen wird. Ersetzt hat ihn Brett Ratner, der skurrilerweise eigentlich eben jenen Superman-Film hätte machen sollen. Jedenfalls, das Potenzial, das der Film in der erste Hälfte aufbaut (unter anderem, in dem er zwei Hauptfiguren sang- und klanglos sterben lässt), wird danach sinnlos verschenkt. Und dennoch, mehr als Durchschnitt ist er allemal, nicht zuletzt auch wegen ein paar grossen Stars.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber von mir aus könnte man Patrick Stewart und Ian McKellen in Alltagskleidung auf eine leere Bühne setzen und sie Bedienungsanleitungen von Videorecordern rezitieren lassen – es wäre trotzdem spannend, ihnen dabei zuzusehen. Die beiden britischen Schauspieler sind übrigens derzeit bzw. in naher Zukunft live in Stratford-upon-Avon beim Royal Shakespeare Company Complete Works Festival zu sehen. McKellen in der Titelrolle von “King Lear”, Stewart als Antony in “Antony and Cleopatra”. Details gibts auf www.rsccompleteworks.co.uk
Sollten Sie sich in diesen Tagen den dritten Teil der “X-Men”-Filme ansehen, “The Last Stand”, dann kann ich Ihnen nur empfehlen, sitzen zu bleiben. Wirklich, es lohnt sich. Die “X-Men”-Filme (Teile 1 und 2 liefen 2000 und 2003) haben sich ja schon immer positiv abgehoben vom Gros der Superhelden-Comic-Verfilmungen (vielleicht von den Burton- und Nolan-Batmans mal abgesehen), da war einfach eine Spur mehr Tiefgang. Einerseits weil die Superhelden zwar alle für sich eine besondere Fähigkeit haben, dafür aber in fast allen Fällen einen hohen Preis zahlen: Schmerzen, Unfähigkeit zu Körperkontakt, Behinderung. Ihre Stärke ist ihre Schwäche. Dazu kommt, dass der schwule Regisseur Bryan Singer, der die ersten beiden Teile inszeniert hat, ein feines Gespür für Minderheiten-Themen hat. So stellte er jeweils die Konflikte zwischen der “normalen” Mehrheit der Menschen und der “Mutant Community” in den Mittelpunkt seiner Filme. Von Anfang an ging es um den Kampf jener, die anders sind, von der Mehrheit akzeptiert zu werden. Die eine Mutanten-Gruppe um Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) versucht das mit Geduld und Kooperation, die andere um Magneto (Ian McKellen) mit einer Überlegenheits-Ideologie und Gewalt.
Nachdem die beiden Gruppen in X-Men 2 notgedrungen zusammenarbeiten mussten, gegen einen noch grösseren gemeinsamen Feind, haben sich ihre Wege in Teil 3 wieder getrennt. Und diesmal drohen gleich zwei grosse Probleme: Ein Pharma-Unternehmen hat ein Medikament entwickelt, das die Mutationen der X-Men rückgängig macht, sie “heilen” kann, wie der Konzern so schön erklärt. Was einige der Mutanten entsetzt, andere wiederum mit Hoffnung erfüllt. Und die totgeglaubte Jean Grey taucht wieder auf – wie der Phoenix aus der Asche sozusagen – und ist nicht nur mächtiger als Xavier und Magneto zusammen, sondern auch vollkommen unkontrollierbar und damit eine Gefahr für Mutanten und Menschen gleichermassen.
Selten genug kommt es vor, dass zweite Teile besser sind als erste, bei X-Men ist dies der Fall. Und während der ersten Hälfte des dritten Teils sitzt man staunend im Kinosessel und kanns fast nicht glauben, dass dieser nun nochmals besser sein soll. Er ist es bis zur Hälfte, dann versinkt er leider in einer Aneinanderreihung von Action-Szenen, und viele der zuvor neu eingeführten Figuren haben kaum was zu tun. Vielleicht liegt es daran, dass Bryan Singer mitten im Projekt ausgestiegen ist und die Regie von “Superman Returns” übernommen hat, der im August über unsere Leinwände fliegen wird. Ersetzt hat ihn Brett Ratner, der skurrilerweise eigentlich eben jenen Superman-Film hätte machen sollen. Jedenfalls, das Potenzial, das der Film in der erste Hälfte aufbaut (unter anderem, in dem er zwei Hauptfiguren sang- und klanglos sterben lässt), wird danach sinnlos verschenkt. Und dennoch, mehr als Durchschnitt ist er allemal, nicht zuletzt auch wegen ein paar grossen Stars.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber von mir aus könnte man Patrick Stewart und Ian McKellen in Alltagskleidung auf eine leere Bühne setzen und sie Bedienungsanleitungen von Videorecordern rezitieren lassen – es wäre trotzdem spannend, ihnen dabei zuzusehen. Die beiden britischen Schauspieler sind übrigens derzeit bzw. in naher Zukunft live in Stratford-upon-Avon beim Royal Shakespeare Company Complete Works Festival zu sehen. McKellen in der Titelrolle von “King Lear”, Stewart als Antony in “Antony and Cleopatra”. Details gibts auf www.rsccompleteworks.co.uk
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