Balsam für die Raucherseele
| Von Ralf Kaminski um 10:03 | [ Kino ] |
Rauchen, Sie wissen es, ist eine üble Sache: Es macht süchtig, es kostet viel Geld, es tötet, es belästigt die Mitmenschen. Und Jahr für Jahr wird den Rauchern der Duft der grossen weiten Welt ein bisschen mehr vermiest – hier eine Anti-Raucher-Aktion, dort ein paar blöde Bemerkungen, da ein Rauchverbot. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin Nichtraucher und habe mit Freuden die Zürcher Initiative für ein Rauchverbot in Gastrobetrieben unterschrieben. Ich liebe New Yorks Restaurants, Bars und Clubs, denn sie sind rauchfrei. Ich ärgere mich über all die achtlos weggeworfenen Zigarettenkippen – offenbar kommt mit der Sucht auch der Verlust der Kinderstube. Ich hasse es, wenn jemand vor mir herläuft und ich seinen Qualm ins Gesicht kriege. Nicht nur über den Qualm, sondern über die damit verbundene Achtlosigkeit, diese Gelassenheit, diese offenbar tief verankerte Selbstsicherheit, die gar nicht auf die Idee kommt, dass sich jemand an so was stören könnte. Ich gestehe: Ich bin ein radikaler Nichtraucher und ein glühender Anhänger von Rauchverboten. Und das Schöne ist: Ich gehöre damit zur Abwechslung mal zur grossen Mehrheit der Gesellschaft (sonst gehört man ja immer zur Minderheit, geht Ihnen das auch so?).
Nachdem all dies klar gestellt ist, kann ich trotzdem nicht umhin, hier einen schönen kleinen Film zu preisen, der einem radikalen Nichtraucher eigentlich das Blut in den Adern gefrieren lassen müsste. Aber er ist halt einfach zu gut. „Thank you for Smoking“ erzählt aus dem aufregenden Leben eines Lobbyisten für die US-Tabakindustrie und bringt es fertig, dass dieser nicht nur zum Sympathieträger wird, sondern dass man am Ende auch noch hofft, der Film mache nicht doch noch Konzessionen an die political correctness. Was er dann tatsächlich haarscharf vermeidet. Nick Naylor (Aaron Eckhart) ist ein begnadeter Argumentierer, der an Podiumsdiskussionen selbst Lungenkrebskranke auf seine Seite zu ziehen vermag und seine miesepetrigen Gegenspieler (etwa in Gestalt des immer wieder grossartigen William H. Macy als demokratischer Senator Ortolan Finistirre) regelmässig alt aussehen lässt.
Scheinbar ohne jegliche Skrupel und Unrechtsbewusstsein wehrt sich Naylor unermüdlich für die Eigenverantwortung und die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, sich mit Tabak umzubringen. Einmal pro Woche trifft er sich mit seinen Kollegen von der Alkohol- und der Schusswaffenlobby zum Essen. M.O.D. Squad nennen sie sich scherzhaft, Merchants of Death. Gut gelaunt geben sie sich gegenseitig Tipps für ihren herausfordernden Job, und die Stimmung geht nur einmal flöten als die drei vergleichen, welche ihrer Branchen jährlich am meisten Leute in die ewigen Jagdgründe schickt. Naylor prahlt, dass Alkohol und Waffen ja wohl Kinderkram seien verglichen mit Zigaretten, was die anderen beiden schwer trifft. Doch am Ende entschuldigt er sich, und alles ist wieder gut. Bis er einer Journalistin (Katie Holmes) auf den Leim geht, die nicht nur sehr sexy sondern auch mindestens so clever ist wie er. Und plötzlich droht der Karriereknick. Doch Naylor wäre nicht Naylor, wenn er nicht auch damit fertig werden würde.

Merchants of Death beim Abendessen.
Soviele genüsslich ausgebreitete Bösartigkeiten gabs im Kino schon lange nicht mehr zu sehen. „Thank you for Smoking“ (basierend übrigens auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Buckley) ist zweifellos Balsam für die Raucherseele, aber auch ein grosser Spass für Nichtraucher mit Sinn für Zynismus. Auch die Filmindustrie bekommt übrigens auf einem Nebengleis ihr Fett weg, als Naylor den Geistesblitz hat, dass Rauchen bei der Bevölkerung wieder populärer gemacht werden könnte, wenn man grosse Stars im Kino rauchen sieht (so wie früher). Kein Problem, sagt der auf Product Placement spezialisierte Hollywood-Agent und Japan-Fetischist Jeff Megall (Rob Lowe): Für 25 Millionen Dollar werden Brad Pitt und Catherine Zeta-Jones in einem der kommenden Science-Fiction-Filme nach dem Sex genüsslich eine Zigarette rauchen. Science Fiction deshalb, weil eine solche Szene in einem Gegenwartsfilm zu viele Fragen aufwerfen würde. Aber in der Zukunft ist schliesslich alles möglich.
Nachdem all dies klar gestellt ist, kann ich trotzdem nicht umhin, hier einen schönen kleinen Film zu preisen, der einem radikalen Nichtraucher eigentlich das Blut in den Adern gefrieren lassen müsste. Aber er ist halt einfach zu gut. „Thank you for Smoking“ erzählt aus dem aufregenden Leben eines Lobbyisten für die US-Tabakindustrie und bringt es fertig, dass dieser nicht nur zum Sympathieträger wird, sondern dass man am Ende auch noch hofft, der Film mache nicht doch noch Konzessionen an die political correctness. Was er dann tatsächlich haarscharf vermeidet. Nick Naylor (Aaron Eckhart) ist ein begnadeter Argumentierer, der an Podiumsdiskussionen selbst Lungenkrebskranke auf seine Seite zu ziehen vermag und seine miesepetrigen Gegenspieler (etwa in Gestalt des immer wieder grossartigen William H. Macy als demokratischer Senator Ortolan Finistirre) regelmässig alt aussehen lässt.
Scheinbar ohne jegliche Skrupel und Unrechtsbewusstsein wehrt sich Naylor unermüdlich für die Eigenverantwortung und die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen, sich mit Tabak umzubringen. Einmal pro Woche trifft er sich mit seinen Kollegen von der Alkohol- und der Schusswaffenlobby zum Essen. M.O.D. Squad nennen sie sich scherzhaft, Merchants of Death. Gut gelaunt geben sie sich gegenseitig Tipps für ihren herausfordernden Job, und die Stimmung geht nur einmal flöten als die drei vergleichen, welche ihrer Branchen jährlich am meisten Leute in die ewigen Jagdgründe schickt. Naylor prahlt, dass Alkohol und Waffen ja wohl Kinderkram seien verglichen mit Zigaretten, was die anderen beiden schwer trifft. Doch am Ende entschuldigt er sich, und alles ist wieder gut. Bis er einer Journalistin (Katie Holmes) auf den Leim geht, die nicht nur sehr sexy sondern auch mindestens so clever ist wie er. Und plötzlich droht der Karriereknick. Doch Naylor wäre nicht Naylor, wenn er nicht auch damit fertig werden würde.

Merchants of Death beim Abendessen.
Soviele genüsslich ausgebreitete Bösartigkeiten gabs im Kino schon lange nicht mehr zu sehen. „Thank you for Smoking“ (basierend übrigens auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Buckley) ist zweifellos Balsam für die Raucherseele, aber auch ein grosser Spass für Nichtraucher mit Sinn für Zynismus. Auch die Filmindustrie bekommt übrigens auf einem Nebengleis ihr Fett weg, als Naylor den Geistesblitz hat, dass Rauchen bei der Bevölkerung wieder populärer gemacht werden könnte, wenn man grosse Stars im Kino rauchen sieht (so wie früher). Kein Problem, sagt der auf Product Placement spezialisierte Hollywood-Agent und Japan-Fetischist Jeff Megall (Rob Lowe): Für 25 Millionen Dollar werden Brad Pitt und Catherine Zeta-Jones in einem der kommenden Science-Fiction-Filme nach dem Sex genüsslich eine Zigarette rauchen. Science Fiction deshalb, weil eine solche Szene in einem Gegenwartsfilm zu viele Fragen aufwerfen würde. Aber in der Zukunft ist schliesslich alles möglich.
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