22.9.2006

Akis Quintessenz

Von Christian Andiel um 15:18 [ Kino ]
Koskinen ist Finne und damit automatisch ein Verlierer, schliesslich ist er die Hauptfigur in einem Film von Aki Kaurismäki. Wachmann Koskinen gerät in die Fänge von Gangstern, am Ende hat er gar nichts mehr, sogar sein mieses Zimmer ist verschwunden. „Lights in the Dusk“ heisst das neueste Werk des rührigen finnischen Regisseurs. Und es hat alle Zutaten, die man vom Melancholiker kennt (und in seinen speziellen Kompositionen schätzt). Einsamkeit. Trostlosigkeit. Alkohol. Viele Zigaretten. Dafür eigentlich keine Hoffnung, obwohl die auch bei Kaurismäki erst am Schluss stirbt (und im neuen Film gar nicht). Ein kaurismäkieskes Finnland halt.

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Aber eben auch nicht mehr. Natürlich finden sich in aller Lakonie witzige und rührende Momente. Die 78 Minuten vergehen relativ rasch. Aber all das kennt man schon, mehrfach. Die Figuren und die Kulissen sind aufs Minimum reduziert, manchmal wirkt alles wie eine Laienvorstellung in einem besonders trostlosen Provinztheater. Am Ende bleibt wenig bis nichts, ausser die grosse Erleichterung, nicht in diesem Finnland leben zu müssen. Weil „Lights in the Dusk“ eben wirklich bloss ein weiterer Kaurismäki ist. In der Kargheit liegt zwar eine gewisse Kraft, aber nicht diejenige einer Erneuerung, einer erneuerten Sichtweise zum Beispiel. Ist das zuviel verlangt? Vielleicht.

Auf jeden Fall wirkt „Lights in the Dusk“ wie eine Art Zusammenfassung aller Kaurismäki-Filme. Darauf verweist auch ein Kurzauftritt von Kati Outinen, die ein eigentlicher „Kaurismäki-Star“ ist, und die hier nur eine Art Reverenz ihrer selbst erweist. Haben wir also die Quintessenz von Akis Schaffen gesehen? Schön wärs, denn das würde zumindest in eine neu gestaltete Zukunft verweisen.

Andererseits: War nicht jeder seiner Film bereits die Quintessenz von Kaurismäki..?



13.9.2006

Oh, Happy Day!

Von Martin Uebelhart um 12:24 [ TV ]
Sind Sie auch schon so gespannt? Nach dem eher kläglichen Scheitern von «Ein roter Teppich für …», hat das Schweizer Fernsehen (SF) eine neue Samstagabend-Kiste zusammengezimmert. «Happy Day» wird sie heissen und ganz auf Gefühl setzen.

Laut SF-Eigenwerbung machen Menschen für Menschen Träume wahr. Im Mittelpunkt der Sendung sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer und ihre Herzenswünsche stehen. «Happy Day» will schenken was man sich nicht zu wünschen wagt, gibt, was man sich normalerweise nicht leisten kann, und macht möglich, was man sich mit Geld alleine nicht kaufen kann.

Gelacht werden darf übrigens auch bei «Happy Day»: Schweizer Comedians müssen ihre Improvisationskunst unter Beweis stellen. Sie übernehmen eine Rolle in einem kurzen Bühnenstück. Die Schwierigkeit dabei: Sie erhalten kein Drehbuch und haben keine Ahnung, was auf sie zukommt. SF verspricht Spannung und Humor.

koller

Moderiert wird die Sendung gemäss SF-Website von Röbi Koller (Bild), der nach einer vierjährigen Bildschirmpause wieder Fernsehen macht. Bekannt und beliebt wurde Röbi Koller durch die Sendung «Quer», die er von 1996 bis 2002 moderierte. Für «Happy Day»-Redaktionsleiter Yves Schifferle ist Röbi Koller die Idealbesetzung für die Samstagabend-Show. Sein Gespür für Menschen soll der Sendung den nötigen Tiefgang geben.

Und Yves Schifferle weiter: «Die Zuschauer werden tagtäglich mit Negativschlagzeilen und Katastrophen-Bildern konfrontiert. Mit ‹Happy Day› schenken wir ihnen einen Abend zum Abschalten und Träumen.»

Der Haken an der Sache: Abschalten können wir erst am 19. Mai 2007.


10.9.2006

Der Weg ist das Ziel

Von Martin Uebelhart um 19:12 [ Kino ]
Um Autos, die reden können und Gefühle haben, dreht sich alles beim neusten Pixar/Disney-Film. «Cars» erzählt die Geschichte eines Rennwagens namens Lightning McQueen, der auf der Fahrt zum alles entscheidenden Rennen der Saison nach Kalifornien aus Versehen in einem gottverlassenen Ort an der berühmten Route 66 landet.

Das Städtchen hat seine besten Zeiten definitiv hinter sich und weil McQueen die Hauptstrasse zerstört hat, wird ihm die Reparatur derselbigen aufgetragen. Durch den Kontakt mit den freundlichen Einwohnern bzw. Autos macht er sich Gedanken über sein Dasein und wird zum besseren Auto.

Die früheren Pixar-Filme mit Monstern, Fischen, Spielzeugen und was es da sonst noch alles gab, waren irgendwie allesamt lustiger. Vor allem in der ersten Hälfte von «Cars» zünden die Gags kaum, und es gibt auch nicht allzu viele davon. Gleichwohl hats in dem Streifen einige wirklich nette Einfälle: Zum Beispiel schlafende Traktoren auf der Kuhweide wecken …

Die ganze Story hätte sich allerdings wohl auch in weniger als fast zwei Stunden erzählen lassen. Eine Story im Übrigen, die man auch schon gesehen hat: Arroganter Stadtschnösel verirrt sich aufs Land und wird von den Dorfbewohnern geläutert und zum besseren Menschen gemacht.

Schön gemacht ist der Film – wie alle Pixar-Streifen – allemal. Die Charaktere der «Hauptautos» sind sehr schön herausgearbeitet und die Szenerie überzeugt mit viel Liebe zum Detail. Und mindestens das lässt sich geniessen, wenn man die penetrante Hauptaussage des Streifens – mal das Gas wegzunehmen – etwas in den Hintergrund rücken lässt.



02.9.2006

3+ : Darauf haben wir alle gewartet!

Von Ralf Kaminski um 15:52 [ TV ]
Haben Sie Ihren Fernseher und Ihren DVD-Recorder schon umprogrammiert? Oder gehören Sie etwa zu denen, die sich von der Cablecom vorschreiben lassen, auf welchem Sendeplatz ihre Programme platziert sind? Oder gar zu denen, die auf einen neuen Schweizer TV-Sender gewartet haben und sich deshalb freuen, dass der nun anstelle von ORF 2 bei ihnen ganz weit vorn sitzt? Das rasend Aufregende an 3+ ist ja, dass er genau dasselbe zeigt, was die deutschen Privatsender schon seit Jahren zeigen: Spielfilme, (Kinder-) Serien und die unvermeidlichen Shows, in denen sich Leute, die man vor sich selbst schützen sollte, vor aller Augen lächerlich machen. Darauf haben wir alle gewartet, endlich, endlich ein Schweizer Sender, der sowas zeigt! Moment, da gabs doch mal einen, TV3, oder? Und der ist eingegangen. Na, dann wird 3+ jetzt bestimmt viel besser funktionieren.

Wie auch immer, wenn ich nach Mitternacht durch die Kanäle schalte, dann will ich nicht schon ganz weit vorn auf die unvermeidlichen Busen- und “Ruf mich an”-Stöhngirls stossen (die ja auch sonst auf keinem anderen Sender die Nacht versüssen, ein weiteres originelles Zusatzangebot von 3+). Deshalb also, ruckzuck, 3+ wegprogrammiert auf die Nummer 28 und den ORF 2 zurück geholt auf die 5. Ich meine, für wie dämlich halten die 3+-Macher und Cablecom-Generäle ihr Publikum eigentlich? Selbst wenn man zu faul (oder zu unfähig) ist, sich seine eigene Programm-Reihenfolge zusammenzustellen, guckt man doch einen Sender nicht einfach deshalb, weil er weit vorn auf der Tastatur ist? Oder? Bitte sagen Sie mir, dass Sie das nicht tun!!

Und wenn ich schon dabei bin, mich zu wundern: Haben Sie zufällig den neuen Film von M. Night Shyamalan schon gesehen, “Lady in the Water”? Fanden Sie ihn auch so doof, kitschig und langweilig wie ich? Wenn nicht, dann würde ich mich freuen, wenn Sie mir erklären könnten, was Sie an dem Film gemocht haben. Und warum.