19.10.2006

Der ganz schlichte Horror

Von Christian Andiel um 15:43 [ Kino ]
Kennen Sie dieses Gefühl, jetzt einfach einmal lachen zu MÜSSEN? Obwohl Ihnen eigentlich gar nicht danach zumute ist. Obwohl die Atmosphäre einfach nur kalt ist, man fühlt sich körperlich unwohl. Und dabei sitzt man „nur“ im Kino, schaut auf die Leinwand. Und möchte doch lieber irgendwo anders hinschauen. Oder eben: lachen. Das befreit. Für ein paar Minuten wenigstens.

Bis zum nächsten Horror.

Florian Henckel von Donnersmarck ist es in seinem Film „Das Leben der anderen“ gelungen, genau diese Gefühle beim Zuschauer auszulösen. Der Film spielt von 1984 bis etwa 1993, in der DDR ist ein hoher Funktionär hinter einer Schauspielerin (Martina Gedeck) her, deshalb soll deren Freund, ein Schriftsteller (Sebastian Koch), von der Stasi beschattet und ausgeschaltet werden. Ulrich Tukur spielt den Chef der Spitzelbehörde, Ulrich Mühe (Bild) den letztlich Ausführenden. Die Geschichte, die nicht mit dem Fall der Mauer endet, ist genial, der Regisseur hat auch das Drehbuch geschrieben, und er hat die brillanten Schauspieler geradezu perfekt geführt. Schlicht in den Gesten, ruhig in den Einstellungen, präzise im Dialog.



„Das Leben der anderen“ ist nichts anderes als ein Meisterwerk. Es zeigt, wie ein totalitärer Staat seine Bürger deformiert, bis in ihr Innerstes, in ihre Seele. Beziehungen, die auf Vertrauen basieren, sind praktisch nicht möglich. Und all dies ohne offensichtliche Gewalt, ohne Waffenbedrohung, mit schlichten Worten und der „historischen Wahrheit“ im Rücken.

Henckel von Donnersmarck erzählt furchtbare Geschichten. Und dass er uns trotzdem immer wieder mal lachen lässt, kurz und befreiend, dafür können wir ihm gar nicht genug danken. Sonst wäre „Das Leben der anderen“ unerträglich.

Und wem fällt jetzt ein besserer Film ein, der in Deutschland je gedreht wurde?


12.10.2006

James Bond, abgehalftert

Von Ralf Kaminski um 17:15 [ DVD ]
Na, zählen Sie auch schon die Tage bis das nächste Abenteuer des besten Geheimagenten der Welt ins Kino kommt? Dauert ja nicht mehr lange, 23. November. Aber jedes Mal, wenn ich Werbung dafür sehe, denke ich: Was ist denn das für ein komischer Blonder da? Ach ja, stimmt, Pierce Brosnan ist ja nicht mehr… Auch verzichten müssen wir übrigens auf John Cleese als Q, weil dieser Charakter im Film gar nicht vorkommt. Genausowenig wie Miss Monneypenny. Ganz schön viel Langmut verlangen die Bond-Produzenten diesmal von ihrem Publikum. Wenn das mal gut geht.

Wer sich denn gar nicht mit Pierce Brosnans Abgang aus der 007-Serie anfreunden will, kann sich schon jetzt mit einer echten kleinen Filmperle trösten, die kürzlich auch bei uns auf DVD rausgekommen ist, nachdem sie uns im Kino aus unerfindlichen Gründen verwehrt wurde: „The Matador“ oder auf deutsch „Mord und Margaritas“ (unter diesem Titel finden Sie ihn zum ausleihen oder kaufen). Brosnan spielt darin den abgehalfterten, schmierigen, einsamen Killer Julian Noble, der in Mexiko an einer Hotelbar den gerade schrecklich erfolglosen, aber äusserst gutherzigen und anständigen Geschäftsmann Danny Wright (Greg Kinnear) kennenlernt. Das ungleiche Gespann freundet sich in der Not so ein bisschen an, und als der Killer dem Geschäftsmann während eines Stierkampfs offenbart, was er macht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wills der erst gar nicht glauben und reagiert dann zu beider Verblüffung eher fasziniert als schockiert. Als Noble Wright aber um Hilfe bei einem Job bittet, geht dem das doch zu weit, und die aufkeimende Freundschaft findet ein abruptes Ende. Bis Noble plötzlich viele Monate später vor Wrights Haustür steht und wieder Hilfe braucht. Nachdem er zweimal einen Job vermasselt hat (er ist eben auch nicht mehr der Jüngste), will ihn sein Auftraggeber nun tot. Und Wright, sein einziger Freund, ist seine letzte Hoffnung.





„The Matador“ ist eine bemerkenswerte Mischung aus Komödie, Drama und Thriller, und Pierce Brosnan (53) zieht Register seines Könnens, die man so noch nie bei ihm gesehen hat. Er hat zwar auch hier die Licence to Kill, aber spielt das pure Gegenteil vom aalglatten, smarten Geheimagenten. Und macht das so grossartig, dass man Bond nicht nur nicht vermisst, sondern sich auf weitere Brosnan-Rollen freut, die zu übernehmen er nun die notwendige Freiheit hat.


03.10.2006

Mattscheibe

Von Martin Uebelhart um 17:13 [ TV ]
Jetzt ist er weg. Abgeschaltet. Nur noch in der digitalen Dimension empfangbar. Die Rede ist von BBC Prime, dem englischsprachigen Satellitensender, der heute genauso wie das spanische Fernsehen TVE aus der analogen Angebotspalette von Cablecom verschwunden ist. Der Verlust von TVE schmerzt mich persönlich jetzt nicht so, BBC Prime hingegen war einer meiner Lieblingssender: Keine Werbung, gute Comedy von heute und gestern, interessante Dokumentationen, britische TV-Filme, eine bahnbrechende Auto-Sendung.

Wieder hat die Cablecom, die in weiten Teilen des Landes die TV-Haushalte per Kabel mit Inhalten versorgt, zwei analoge Sender abgeschaltet. Zahlen müssen wir aber monatlich – nebenbei bemerkt – noch immer gleich viel. Kapazitätsgründe macht die Cablecom unter anderem für die wiederholte Entfernung von TV-Programmen geltend. Immer mehr digitale Programme bräuchten eben auch ihren Platz.

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Man ist versucht zu fragen, wie weit es die Kabelnetzbetreiberin noch treiben will mit der Ausdünnung der analogen TV-Programme. Überhaupt: Analoges Fernsehen. In den Augen der Cablecom offenbar nur noch ein Auslaufmodell, das möglichst rasch Geschichte sein soll. Niemand will Böses unterstellen, doch wird man den unterschwelligen Eindruck nicht los, dass die Cablecom uns Kabel-TV-Konsumenten mit stetigem Druck zur Anmietung einer Digital-TV-Box bewegen will. Mich haben sie noch nicht so weit.

Heute zappte ich etwas verärgert und ernüchtert durch die verbliebenen Kanäle. Dabei stellte ich mir eine Frage: Weshalb hat Cablecom nicht bei dem unsäglichen Home-Shopping-Kanal den Stecker gezogen?