25.11.2006

Terroristen, Verrat, Explosionen

Von Martin Uebelhart um 02:41 [ TV ]
Als ich mich das letzte Mal mit der Echtzeit-Serie «24» beschäftigte, fragte ich mich, ob es wohl gelingt, den Spannungsbogen ein viertes Mal über alle Folgen zu halten. Es gelang. Auf SF zwei folgt jetzt die fünfte Staffel um den Agenten Jack Bauer für alle jene, die sie sich noch nicht auf DVD reingezogen haben. Verdankenswerterweise in Zweikanalton.

Und mindestens die ersten zwei Stunden versprechen bereits wieder verschlungene Handlungsstränge und Hochspannung. Schon in den ersten Minuten werden zunächst einmal einige Hauptfiguren aus den vorangegangenen Staffeln aus dem Weg geräumt, auf dass sie nicht in Teil 6 oder 7 plötzlich wieder auf dem Bildschirm auftauchen. Unter ihnen auch Expräsident David Palmer, der angeblich von Jack Bauer erschossen worden sein soll.

jack bauer

Jack, der ja eigentlich tot sein sollte, hat sich in der letzten Zeit als Gelegenheitsarbeiter auf Ölfeldern durchgeschlagen. Alarmiert durch die Ermordung seiner Freunde will er der Sache auf den Grund gehen. Dabei kommt ihm neben ein paar Bösewichten auch der Sohn seiner Vermieterin in die Quere. Und ehe sie es sich versehen, finden sie sich in einem von Terroristen besetzten Flughafen wieder – was wiederum etwas mit dem Besuch des russischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten zu tun haben scheint. Nicht einmal das Weisse Haus ist sicher vor Verrätern, die sich diesmal in der nächsten Umgebung des Präsidenten tummeln.

Was sonst noch abgeht? Schauen Sie selbst, immer am späten Montagabend.


23.11.2006

Bond, Sex, Zukunft

Von Ralf Kaminski um 11:05 [ Kino ]
Heute bin ich einigermassen unentschlossen, worüber ich mich mit Ihnen unterhalten soll. Einerseits ist da der neue Bond-Film, um den man ja eigentlich nicht herumkommt. Gerade die Schweizer, habe ich unlängst gelesen, sind offenbar ein besonders treues Bond-Publikum. Bestimmt auch Sie. Wie finden Sie ihn denn, den Neuen? Finden Sie auch, Daniel Craig sei der beste Bond seit Sean Connery? Heissts jetzt ja überall. Persönlich muss ich sagen, mein Herz schlägt weiterhin für Pierce Brosnan. Craig hat das gut gemacht, überraschend gut, aber Bond sollte ein ironischer Gentleman-Actionheld sein und kein rauhbeiniger Killer.

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Jamie und Jamie.

Und was ist nun mit dem Sex, wollen Sie wissen. Das ist jetzt eben ein anderer Film, der auch gerade angelaufen ist: „Shortbus“. Ein Beziehungskomödien-Drama mit reichlich Sex, und zwar so wie man ihn auf der Leinwand sonst nur in Pornokinos zu sehen bekommt. Sehr explizit, mit allem drum und dran. In den Hauptrollen das sich in einer Beziehungskrise befindliche Schwulenpaar Jamie und Jamie, eine Sextherapeutin, die noch nie einen Orgasmus hatte, eine S&M-Domina, die sich nach Liebe sehnt – und eine Wohnung, in der regelmässig Massenorgien stattfinden. Das ist in Zeiten, wo rundum die übersexte Gesellschaft beklagt wird, die dann zu Exzessen wie kürzlich in Zürich-Seebach führen soll, natürlich eine eher heikle Sache. Aber ich bin ein leidenschaftlicher Anhänger der These, dass Filme nicht daran schuld sind, wenn Menschen schwerbewaffnet Amok laufen, vergewaltigen oder sonst irgendwie durchdrehen. Wer seine Realität von Filmen derart beeinflussen lässt, dass er sie als Vorbild oder Muster für verbrecherische Taten nutzt, bei dem ist sonst im Leben etwas so schief gelaufen, dass man nicht den Filmen die Verantwortung in die Schuhe schieben kann. Dieser hier jedenfalls ist durchaus sehenswert, wenn man ein entspanntes Verhältnis zu den verschiedenartigen Spielarten des menschlichen Sexualttriebs hat.




Clive Owen und Julianne Moore.

Schon sind wir bei der Zukunft. Und die sieht ausgesprochen düster aus im dritten Teil des heutigen Beitrags: „Children of Men“, einer der besten Filme dieses Jahres. Wir schreiben das Jahr 2027, und die Menschheit ist dem Untergang geweiht, denn seit 18 Jahren wurde auf der ganzen Welt kein Kind mehr geboren. Es herrscht Gewalt und Chaos, in vielen Teilen der Welt Anarchie. In Grossbritannien kann ein autokratisches, xenophobes Militärregime die übelsten Exzesse verhindern, aber um einen hohen Preis. Mitten in all dem fällt einer Gruppe von Aufständischen eine junge Schwarze in die Hände, die – ein veritables Wunder – schwanger ist. Und die Chefin dieser Gruppe (Julianne Moore) versucht über ihren Ex-Mann (Clive Owen) an offizielle Papiere heranzukommen, die es ermöglichen die werdende Mutter in Sicherheit ausser Landes zu bringen, zu einer sagenumwobenen Forschergruppe, die an der Wiederfruchtbarkeitsmachung der Menschheit arbeitet. Doch nicht alle in ihrer Gruppe verfolgen die gleichen Interessen – und der Staat hat eine sehr klare Haltung gegenüber Ausländern: kasernieren, ausser Landes schaffen oder umbringen. Sollte die schwangere Schwarze ihm in die Hände fallen, nicht auszudenken, was passieren würde. „Children of Men“ ist ein exzellent gespielter, finsterer, dreckiger, sehr politischer Sci-Fi-Thriller (basierend auf einem Roman von P.D. James) und zeigt eine Welt, die unserer beklemmend nahe ist und von der man dennoch hofft, dass sie uns erspart bleiben wird.


14.11.2006

Volk im Ausnahmezustand

Von Ralf Kaminski um 14:10 [ Kino ]
Zeit für ein paar Geständnisse. Wie war das damals bei Ihnen, vor knapp zehn Jahren, als Prinzessin Diana in einem Pariser Tunnel starb? Haben Sie zu denen gehört, die tränenüberströmt Blumen niedergelegt und Kondolenzbücher unterschrieben haben oder zu denen, die einigermassen fassungslos über das ganze Treiben kopfschüttelnd zugesehen haben? Und wenn Sie zur ersten Kategorie gehört haben: Ist es Ihnen heute peinlich? Oder würden Sie es wieder tun?

Königin Elisabeth II. hat klar zur zweiten Kategorie gehört, wie Stephen Frears grossartiger neuer Film “The Queen” zeigt. Und dies obwohl sie wirklich persönlich betroffen war. Sie fand den ganzen Rummel peinlich, würdelos und unverständlich – und wäre da nicht der neue junge Labour-Premier Tony Blair gewesen, dann, wer weiss, hätten sie und ihre Familie sich vielleicht weiter auf ihrem Schloss in den schottischen Highlands verschanzt, während das Volk vor lauter Trauer um die “Prinzessin der Herzen” die Monarchie abgeschafft hätte. Ausgerechnet Blair, der als grosser Modernisierer angetreten war, tut alles, um der alten Monarchie zu helfen, die viele seiner Gefolgsleute am liebsten abgeschafft sehen würden.





“The Queen” dokumentiert eine Woche, in der in Britannien (und der Welt) der Ausnahmezustand herrschte wegen des Todes einer egozentrischen jungen Frau, die jeder zu kennen glaubte, weil er soviel über sie in den Klatschspalten gelesen hat. Helen Mirren als Queen liefert eine Glanzleistung, ebenso Michael Sheen als Premier – irgendwie auch, weil sie den Originalen so erstaunlich ähnlich sehen. Blair, der besorgte Landesvater, der beim Volk den richtigen Ton zu treffen weiss, und die scheinbar so eisige Queen, die ihr Volk genau zu kennen glaubt, Dianas Tod für eine strikte Privatangelegenheit hält und damit wohl den grössten Fehler ihrer jahrzehntelangen Regentschaft begeht.

Alleine das Zusammenspiel dieser beiden ist das Kinoticket schon wert – aber natürlich spielt bei all dem auch viel Voyeurismus mit, hat man doch den Eindruck, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können, einen Einblick in die Privatsphäre des britischen Königshauses und der Familie Blair zu erhalten. Genau das also, was die Regenbogenpresse auch verspricht. Doch längst nicht alles dürfte sich wirklich so abgespielt haben wie in “The Queen”. Und besonders spannend wäre es zu erfahren, ob gerade jener prophetische Satz authentisch ist, den Regisseur Frears die Queen ein paar Monate nach den ganzen Turbulenzen zu Blair sagen lässt: Es sei ein schreckliches Gefühl, wenn einen das Volk plötzlich hasse. Und es passiere einfach so, aus heiterem Himmel. “Auch Ihnen wird das mal so ergehen, Mr. Blair.” Ganz kurz friert da das Lächeln des jungen Premiers ein, der sich das vermutlich so richtig nicht vorstellen kann.


09.11.2006

Moralkeule für die lieben Kleinen

Von Ralf Kaminski um 17:33 [ Kino ]
Hollywood hat den Animationsfilm entdeckt. Hatte früher Walt Disney praktisch das Monopol in dieser Domäne, wirft seit einiger Zeit ein Studio nach dem anderen ein Zeichentrick-Abenteuer auf den Markt. Der ist äusserst lukrativ geworden, seit die Produzenten gelernt haben, nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene anzusprechen. Paradebeispiele für diese Technik sind „Shrek“ (Dreamworks, 2001), „Ice Age“ (20th Century Fox, 2002) oder „The Incredibles“ (Pixar/Disney, 2004). Alle drei Filme sind auf der einen Ebene für Kinder vergnüglich und verfügen auf der anderen über so viele Anspielungen, Referenzen und intelligenten Humor, dass auch Erwachsene sich bestens unterhalten.

Diese gelungenen Beispiele haben die Erwartungen bei jedem neuen Animationsfilm entsprechend hoch geschraubt, aber in letzter Zeit kamen – für die Erwachsenen – nur Enttäuschungen ins Kino. Dieses Jahr etwa „Ice Age 2“, der ganz in Ordnung war, aber längst nicht an den ersten herankam. Oder „Over the Hedge“, der zwar ein paar zivilisationskritische Bösartigkeiten in die Handlung streute, sonst aber primär von Niedlichkeiten und Slapstick lebte. Oder „Cars“, der bei weitem schwächste Pixar-Film seit langem, der vor allem kleine (und wohl auch ein paar grosse) Autonarren angesprochen hat.

Und nun also „Open Season“, der erste Film des neuen Sony-Animationsstudios, in dem sich ein zivilisationsverweichlichter, zahmer Grizzly aufgrund widriger Umstände mit einem anhänglichen Hirsch in der Wildnis ausgesetzt sieht, ausgerechnet zu Beginn der Jagdsaison. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es den beiden jedoch, eine Koalition mit den anderen Tieren zu schmieden und den Spiess umzudrehen: Die Jäger werden zu Gejagten. Auch „Open Season“ gelingt der Spagat zwischen Kinder- und Erwachsenenfilm nicht – er bleibt weitgehend auf der Kinderebene stecken. Als Erwachsener, der sich immer freut, wenn wieder mal eine Meldung in der Zeitung steht, dass sich Jäger auf der Jagd versehentlich gegenseitig erschossen haben, ahnt man am Ende des Films Schlimmes: Zwar mag es den Tieren im ersten Anlauf gelungen sein, die fiesen Jäger zu vertreiben, aber was ist, wenn die am nächsten Tag wieder kommen? Vorbereitet und mit besseren Waffen? Ein Blutbad. Hoffentlich gibts kein „Open Season 2“.






Wie auch immer, worauf keiner dieser Filme verzichten kann, auch nicht die richtig guten mit der Erwachsenenebene, ist eine gehörige Portion Moral. Offenbar muss das zentrale Zielpublikum, die lieben Kleinen, durch das Kino mit den wahren Werten der westlichen Zivilisation vertraut gemacht werden. War es in früheren Zeichentrickfilmen vor allem das hohe Lied der Kernfamilie, die zusammen hält, durch dick und dünn geht und das Wichtigste überhaupt ist, ist es heute die Freundschaft, die hymnisch und penetrant gepriesen wird. Und seien die Figuren noch so unterschiedlich und fremd, am Ende finden sie zusammen und wollen nie wieder auseinander gehen. Aus der Blutsfamilie wird sozusagen die Wahlfamilie. So ist das zum Beispiel in „Open Season“, „Over the Hedge“, „Ice Age 1 und 2“, „Madagascar“ oder auch „Finding Nemo“ (wo ein Schuss der alten Familienwerte auch noch drin ist). „Cars“ immerhin ist etwas anders: Er bringt dem Nachwuchs bei, die Vergangenheit zu ehren und einzusehen, dass es manchmal Wichtigeres im Leben gibt als der Erste zu sein.

Die Frage ist: Kriegen die Kinder davon überhaupt was mit? Nehmen sie das ernst? Reflektieren sie gar, was ihnen da so nebenbei eingetrichtert wird, wenn sie schon ein bisschen älter sind? Setzt sich das unterschwellig fest? Vielleicht haben Sie ja Kinder und können dazu was sagen. Sicher hingegen ist, dass alle diese Moral-Botschaften nicht eben sonderlich subtil aus diesen Filmen hinausstrahlen, was einige Erwachsene vermutlich eher nerven dürfte.

Vereinzelt gibts aber auch US-Zeichentrick ohne grosse Moralkeule: „Monster House“ zum Beispiel oder Tim Burtons „Corpse Bride“, beides perfekte Halloween-Filme. Ansonsten empfiehlt sich, es mal mit japanischen Trickfilmen zu versuchen. Hayao Miyazakis Animes zum Beispiel sind für Kinder nur am Rande interessant, insbesondere die neueren wie „Howls Moving Castle“ oder „Spirited Away".


05.11.2006

Englisch lernen mit Woody

Von Christian Andiel um 17:43 [ Popcorn ]
Es war ein amüsanter Abend, mit dem neuen Film von Woody Alen. Klar, die Filmgeschichte muss nach „Scoop“ nicht neu geschrieben werden. Aber der Streifen hat Witz, macht Laune auf mehr, lässt einen rundum zufrieden aus dem Kino gehen – und zeigt Autor und Regisseur Allen in Bestform.

Und dann gab es trotzdem den Moment, an dem man sich als Kinobesucher wieder mal so richtig schön verarscht fühlte. Da kann Woody Allen nix dafür, die verantwortliche Person für die Untertitel umso mehr. Folgendes spielte sich auf der Leinwand ab: Woody Allen hat sich an eine noble Pokerrunde angeschlossen, der mittelmässige Zauberer gibt sich als reicher US-amerikanischer Ölmagnat aus. Auf die Frage nach seinen bisherigen Pokererfahrungen sagt Allen, dass er jüngst mit einem Zocker-Gewinn einen Rubens gekauft habe. Auf die erstaunte Frage: „Sie haben ein Gemälde von Rubens?“, antwortet Allen: „Nein, kein Gemälde, ein Rubens-Sandwich.“ Man muss nicht wissen, woraus genau ein solches Sandwich besteht (u.a. Pastrami, Käse, Sauerkraut) um den Scherz verstehen zu können.

Was aber machen die Untertitler daraus: „Ich habe einen Raffaello gekauft.“ „Sie haben ein Gemälde von Raffaello?“ „Nein, kein Gemälde, die Mozartkugeln.“

Hm. Nun sind die elend süssen weissen Raffaello-Dinger alles andere als wohlschmeckende Mozartkugeln. Und warum muss aus Rubens ohne erkennbare Not Raffaello gemacht werden? Wieso kann man die Dialoge nicht schlicht und einfach übersetzen. Ohne ganz besonders schlau sein zu wollen.

Natürlich, es ist nicht ganz so schlimm wie der wohl blödeste aller Übersetzungsböcke – als man aus „The Good, the Bad and the Ugly“ in deutscher Übersetzung „Zwei glorreiche Halunken“ gemacht hat (nicht einmal zählen können diese Deppen). Oder gibt’s gar noch dämlichere Versäumnisse unserer Untertitel-Intelligenzbestien?