21.12.2006

Unromantic Boredom

Von Ralf Kaminski um 12:34 [ Kino ]
Es dürfte Ihnen nicht entgangen sein: Weihnachten naht. Und immer zu Weihnachten kommt eine Romantic Comedy ins Kino, mindestens eine. Dieses Jahr ists „The Holidays“, und die passt ganz besonders gut, weil sie nämlich just zur Weihnachtszeit spielt. Jude Law, Kate Winslet, Cameron Diaz und (brrr) Jack Black (brrrr!) spielen mit, und der Film ist von einer Ödheit, Unlustigkeit und Absehbarkeit, dass man es nicht fassen kann. Und lang ist er auch noch, sehr lang, sehr sehr lang. Nur schon der Anfang plätschert unendlich uninteressant dahin, wie da zwei von der Liebe enttäusche Frauen (Kate und Cameron) ihre Häuser tauschen (romantisches Landhaus in Surrey, GB, gegen Luxus-Villa in L.A., USA), beide wegen Männerproblemen und eben just vor Weihnachten. Naja, und dann, da wären Sie nie drauf gekommen, lernen beide am neuen, unbekannten Ort je einen tollen Mann kennen (Kate wird mit Jack Black gestraft und verliebt sich wirklich auch noch, der Streifen erreicht damit defacto die Kategorie Fantasyfilm, ich meine, wer würde sich in Jack Black verlieben?). Und was soll man sagen, schliesslich finden alle vier, aber ach, muss ich es überhaupt schreiben? Sie wissen ja eh, was dabei rauskommt. Das, was immer dabei rauskommt.

Wirklich erschütternd ist, dass zwei gute Schauspieler wie Jude Law und Kate Winslet sich für so was hergeben. Da muss eine Menge Geld geflossen sein. Jude, den man erst für einen ausgesprochenen Schwerenöter hält, der gern mal etwas zu tief ins Glas schaut, entpuppt sich im hinteren Mittelteil des Films (habe ich erwähnt, dass er sehr lang ist?) dann als alleinerziehender Vater von zwei Töchtern (unerträglich niedliche Gören). Alleinerziehend nicht etwa, weil er geschieden wäre, nein, das wäre zu, wie soll ich sagen, zu dunkel und könnte auf einen schwierigen Charakter hinweisen, nein, die Dame seines Herzens ist tragisch verstorben.

Jedenfalls, es gibt präzise eine lustige, überraschende Szene in „The Holidays“, einen kurzen Gastauftritt von Dustin Hoffmann, der etwa 10 Sekunden dauert. Das wars. Üben Sie also Verzicht und suchen Sie sich Romantik und Komödie lieber woanders.

Und überhaupt, Sie, die Anhängerinnen von Romantic Comedies (gibts darunter eigentlich auch Männer?), können Sie Licht auf das Mysterium werfen, weshalb Sie solche Filme mögen? Je-des-mal die gleiche Geschichte, Schema F von A bis Z, weshalb um alles in der Welt werden diese Filme überhaupt noch gemacht – und dann auch noch von so vielen gesehen, dass immer weiter welche produziert werden? Könnte man damit nicht mal aufhören?



PS: Mein Lieblingsweihnachtsfilm ist übrigens „Gremlins“, der ist sehr lustig und bietet durchaus auch ein bisschen Romantik. Steht in jeder guten Videothek.



14.12.2006

Schamlos abgekupfert

Von Ralf Kaminski um 11:16 [ Kino ]
Es war einmal ein Bauernjunge an einem abgelegenen Flecken der Welt, einer Welt, die von einem bösen, mächtigen Herrscher regiert wird. Eines Tages passiert dem Bauernjungen etwas Aussergewöhnliches: Eine alte, seltene Waffe fällt ihm in die Hand, fast gleichzeitig trifft er auf einen alten, weisen Mann, der weiss, wie man mit dieser Waffe umgeht, ein Mann, der früher, als die Zeiten noch besser waren, ein grosser Krieger war und jetzt zum Mentor wird. Gemeinsam macht man sich auf den Weg zu einer Rebellengruppe, um das böse Reich zu bekämpfen, befreit dabei eine Prinzessin aus den Klauen eines finsteren Unterlings und lernt einen neuen Freund kennen, der zum Kampfgefährten wird. Im Laufe der Geschichte stirbt der Mentor, keimen zwischen dem heldenhaften Bauernjungen und der Prinzessin die erste Knospen der Liebe, und am Ende gibts eine grosse Schlacht gegen das übermächtige Böse, das – ganz überraschend – verliert. Zwei weitere Teile folgen.

Kommt Ihnen bekannt vor? Richtig, das ist ziemlich präzise die Story von „Star Wars“ (der allererste von 1977, heute „Episode IV“). Es ist auch ziemlich präzise die Story von „Eragon“, einem neuen Fantasyfilm, der pünktlich kurz vor Weihnachten in die Kinos gekommen ist und ein bisschen aussieht wie Peter Jacksons „Lord of the Rings“ (dessen drei Teile ja auch immer kurz vor Weihnachten starteten), was damit zu tun haben dürfte, dass ein substanzieller Teil der Spezialeffekte von WETA hergestellt wurde, Jacksons Special Effects Company. „Eragon“ ist sozusagen „Star Wars“ im „Lord of the Rings“-Setting. Mit einem Unterschied: Die zweite Hauptfigur, die alte, seltene Waffe, ist kein Laserschwert (und auch kein magischer Ring), es ist ein sprechender Drache – und der ist echt grossartig. Zusammen mit Jeremy Irons, den man immer wieder gerne sieht, rettet er den Film davor, ein vollkommenes Déjà-vu zu sein (obwohl, es gab da mal „Dragonheart“, wo auch schon ein Drache, gesprochen von Sean Connery, mit einem Mann, gespielt von Dennis Quaid, zusammenarbeitete, aber das war schon ein bisschen anders).





Wie auch immer, wer Fantasy mag, wird wohl auch „Eragon“ mögen, obwohl dort fast keine neue Idee drinsteckt. Und wer weder „Star Wars“ noch „Lord of the Rings“ kennt (Kinder bis 10 vielleicht?), dem dürfte „Eragon“ so richtig gefallen. Zudem ist man etwas milder gestimmt bezüglich der Klauerei, wenn man weiss, dass „Eragon“ auf einem Buch basiert, das von einem Teenager geschrieben wurde, der es zunächst mit seiner Familie im Eigenverlag herausbrachte, bis es von einem grossen Verlag quasi entdeckt und prompt zum Bestseller wurde. Teil 2 ist bereits erschienen, Teil 3 folgt – dasselbe dürfte für die Filmversion gelten, jedenfalls ist die Fortsetzung am Ende von "Eragon" bereits angedeutet.



PS: Vor ein paar Wochen habe ich mich hier über die schlechte Qualität des Animationfilm-Jahrgangs 2006 beklagt. Da war ich ein wenig voreilig. Inzwischen sind nämlich noch „Happy Feet“ und „Flushed Away“ in die Kinos gekommen – und die sind beide ein echtes Vergnügen. Letzterer sogar primär für Erwachsene. Witzig auch, und damit wäre der Kreis zum obigen Beitrag geschlossen, dass gleich zwei LOTR-Darsteller mit ihren Stimmen im Einsatz sind. Elijah Wood (Frodo) spricht Mumbles in „Happy Feet“, einen Pinguin, der leider nicht singen kann, was ihn zum Aussenseiter macht, aber dafür wunderbar tanzen, womit er letztlich sein ganzes Volk rettet. Und Ian McKellen (Gandalf) spricht in „Flushed Away“ eine grössenwahnsinnige Kröte, die in Londons Untergrund grässliche Pläne hegt, um sich an den Ratten zu rächen, die schuld daran sind, dass er nicht mehr mit seinem Prinzen im Buckingham Palace residieren darf. Gleich in beiden Filmen spricht Hugh Jackman ("X-Men"-Trilogie), Mumbles Vater in „Happy Feet“ und den Helden wider Willen in „Flushed Away“. In dem übrigens auch die grossartigsten Schnecken der Filmgeschichte eine zentrale Rolle spielen.



06.12.2006

Die beste TV-Serie aller Zeiten

Von Ralf Kaminski um 16:07 [ DVD ]
Haben Sie letzthin mal über den Tod nachgedacht? Macht man eigentlich viel zu wenig. Und haben Sie letzthin mal wieder was richtig Gutes im Fernsehen gesehen? Auch nicht? Abhilfe für beides bietet eine der besten TV-Serien, die je das Licht der Bildröhre erblickt hat: „Six Feet Under“. Alle fünf Staffeln, die von 2001 bis 2005 auf HBO liefen, sind jetzt neu in einer grossen Sammel-DVD-Box zu haben – das perfekte Weihnachtsgeschenk, notfalls an sich selbst.

Die witzige und intelligente Dramaserie erzählt vom Leben, Lieben und Leiden der Familie Fisher, die in Los Angeles ein Funeral Home führt, ein Bestattungs-Institut. Im Zentrum stehen zwei Brüder, der coole aber rastlose Nate und der etwas steife, schwule David. Hinzu kommen ihre wesentlich jüngere Schwester Claire, die mit dem Erwachsenwerden ringt und ihren Platz in der Welt sucht, sowie die Mutter der drei, Ruth, die nach dem Tod ihres Mannes ganz zu Beginn der ersten Folge ihrerseits vor der Frage steht, was sie eigentlich mit dem Rest ihres Lebens anfangen soll. Jede Episode (total sind es 63, je knapp eine Stunde lang) beginnt mit dem Tod eines Menschen, dessen sterbliche Überreste dann bei den Fishers und ihrem begnadeten Leichenpräparator Rico landen.



David und Nate.


„Six Feet Under“ ist aus verschiedenen Gründen ein Ereignis: Vordergründig ist es einfach nur exzellente Unterhaltung, aber es geht eben tatsächlich auch um die existenziellen Fragen des Lebens – und das Spektrum der Figuren ist so breit, dass jeder jemanden findet, der oder die einem nahe geht. Die Charaktere und die Storys haben einen Tiefgang, den man sonst aus TV-Serien nicht kennt (dank Creator Alan Ball und seinen Autoren). Und die Qualität nimmt nicht ab, wie das bei vielen Serien, die länger laufen, sonst fast unweigerlich der Fall ist. Für Schwule ist „Six Feet Under“ ohnehin ein Muss – selten wurde eine schwule Figur in einer TV-Serie „für die ganze Familie“ so prominent und real gezeigt und so ernst genommen wie hier. „Six Feet Under“ ist alles: witzig, traurig, spannend, mutig, beunruhigend, philosophisch – und hat man mal angefangen zu schauen, kann man kaum mehr aufhören. Dank DVD-Box ist das auch nicht nötig.

www.hbo.com/sixfeetunder