22.1.2007

Die Brüste von Melanie Winiger

Von Ralf Kaminski um 00:40 [ Kino ]
Dem Titel konnten Sie nicht widerstehen, was? Aber leider muss ich Ihnen sagen, dass angesichts der extrem kurzen Sequenz (2 Sekunden, höchstens), in der die viel diskutieren nackten Brüste im Film „Breakout“ präsent sind, definitiv viel zu viel im Vorfeld über sie diskutiert wurde. Ihre eigenen oder nicht ihre eigenen (laut Winiger nicht), man hat gar keine Zeit, sie sich genauer anzusehen, so schnell sind sie wieder weg. Viel interessanter – und sträflich unterdiskutiert – hingegen ist die Frage: Gibt es schwule Hip-Hopper? Denn nach Betrachtung der vielfältigen und sehr gewalttätigen Konflikte in „Breakout“ muss man zum Schluss kommen: Das Niedrigste und Allerschlimmste überhaupt, was einem Hip-Hopper in die Quere kommen kann, ist ein Schwuler – der ist sozusagen ganz am Schluss der Respekts-Pyramide, an deren Spitze die eigene Clique steht.

Was also macht ein Hip-Hopper, wenn er realisiert, dass er schwul ist? Die Szene fluchtartig verlassen? Oder angesichts all der vielen knackigen Jungs der Hip-Hop-Welt zwar aufs Coming-out verzichten, aber so viel voyeuristischen Genuss mitnehmen, wie er nur kann? Vielleicht trifft er ja sogar auf einen Gleichgesinnten, könnte ja sein. Immerhin sollen rund fünf Prozent aller Männer schwul sein – im Grunde muss es da auch ein paar Hip-Hopper drunter haben. Also, wer ein schwuler Hip-Hopper ist, oder einen kennt, der soll sich doch bitte mal hier melden (oder auch direkt bei: ralf.kaminski@tages-anzeiger.ch), das wäre nämlich ein spannendes Thema für das Mutterblatt dieses Blogs. Anonymität wird natürlich garantiert, falls erwünscht.






Zurück zum Film, der eigentlich gar nicht so schlecht ist. Zumindest ist er als Jugenddrama recht effektiv. Und er bemüht sich so offensichtlich um Authentizität, dass man als Nichtkenner dieser spezifischen Jugendkultur dazu neigt, das alles für bare Münze zu nehmen und sich so ein bisschen zu gruseln: Was, so sind die Jungen heute? Hoffentlich begegnen mir die nicht mal, wenn ich nachts allein unterwegs bin. Immerhin gibts im Film gegen Schluss Signale, dass nicht alles verloren ist – und wenigstens die Hauptfigur vielleicht den Weg in ein anderes Leben finden könnte, an der Seite der ebenso attraktiven wie engagierten jungen Jugendanwältin (eben: Melanie Winiger).

Das ist allerdings auch das Schwächste an der Story: Dass sich der junge Hip-Hopper Nia (Nils Althaus) in der geschlossenen Erziehungsanstalt nun unbedingt in die Jugendanwältin verlieben muss – wo er doch anfänglich sooo tough ist und ihr vorwirft, auch nur einfach ein Bulle zu sein, der besser aussieht. Nia sitzt in der Erziehungsanstalt, weil er und seine Clique sich eine derart heftige Schlägerei mit einer rivalisierenden Bande geliefert haben, dass sein bester Freund Pulpo (Bardo Eicher) querschnittgelähmt im Krankenhaus liegt. Und die Jugendanwaltschaft will, dass er auspackt, Namen nennt. Aber Nia ist keine „Ratte“, keiner, der seine Freunde verrät – und nicht mal seine Feinde, auch wenn die an allem schuld sind. Stattdessen versucht er, aus der Anstalt auszubrechen, um Spirit (Stress, im realen Leben der Freund von Winiger), den Anführer der gegnerischen Gang, auf eigene Faust zu richten.

Zentrale Frage bleibt: Zeigt Mike Eschmanns „Breakout“ die Realität der Hip-Hopper? Oder eine mögliche Realität? Oder ist das alles total überzeichnet? Es gibt da eine kurze Sequenz im Film, in der Nia der Jugendanwältin sinngemäss erklärt, es gebe „da draussen“ eine Armee von Jungs wie ihn, die mit ihren Sek C Abschlüssen keine Chance auf einen Job und ein besseres Leben hätten. Alles, was sie hätten, sei ihr Körper, den würden sie trainieren und ihrem Schwanz was zu tun geben. Aber das allerwichtigste überhaupt sei dann eben die Clique, die bis aufs Blut verteidigt werde. Eine Armee? Keine schöne Vorstellung.



15.1.2007

Vernetzte Welt

Von Ralf Kaminski um 08:47 [ Kino ]
Hätte der Japaner dem Marokkaner nicht das Gewehr geschenkt, wäre die Mexikanerin nie aus den USA ausgewiesen worden. Das, enorm verkürzt, ist eine Erkenntnis aus einem wahrhaft globalen Film, der gerade in unseren Kinos angelaufen ist; einem Film, der letztes Jahr in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet wurde, sieben Golden Globe Nominierungen erhalten hat und auch Anwärter für diverse Oscars sein dürfte: „Babel“, inszeniert vom 43-jährigen mexikanischen Regisseur Alejandro Gonzáles Inárritu („Amores Perros“).

„Babel“ startet als Patchwork mit Hirten und US-Touristen in Marokko, einem mexikanischen Kindermädchen in Kalifornien und einem gehörlosen Mädchen in Japan – und erst nach und nach wird klar, dass die Geschichten miteinander zusammenhängen und wie genau. Im Zentrum steht ein Kinderstreich, der fatale Schuss eines marokkanischen Hirtenjungen auf einen Touristenbus, aus einem Gewehr, von dem der Junge nicht glaubt, dass es wirklich so weit schiessen kann. Der Schuss trifft eine amerikanische Touristin und verletzt sie schwer, mitten im abgeschiedenen Hinterland. Während ihr Ehemann zusammen mit dem marokkanischen Reiseführer versucht, das Leben der Frau zu retten, setzt sich eine gnadenlose Maschinerie in Bewegung: Die USA verlangen von Marokko, die Terroristen zu finden, die das getan haben – die Ermittlungen führen bis nach Tokio, wo ein schwer pubertierendes Mädchen versucht, mit dem Selbstmord ihrer Mutter fertigzuwerden. Ihr Vater war kürzlich in Marokko auf einer Jagdreise. Weil das amerikanische Ehepaar nicht plangemäss nach Hause zurückkehrt, droht derweil ihr mexikanisches Kindermädchen die Hochzeit ihres Sohnes in Mexiko zu verpassen. Weil sie für den Tag auch keinen Ersatz findet und die Kinder nicht irgendwem anvertrauen will, entscheidet sie kurzerhand, sie einfach mitzunehmen, über die Grenze. Auf dem Hinweg kein Problem, doch auf dem Rückweg kommt es zu Katastrophe.




Gestrandet im Nirgendwo: Mexikanisches Kindermädchen und ihre Schützlinge.



Die drei Stars Brad Pitt, Cate Blanchett und Gael Garcia Bernal sind zwar die Aushängeschilder des Films, die zentralen Figuren aber spielen andere, weitgehend unbekannte Darsteller. Dennoch dürften sie einige Zuschauer anlocken, die sonst vielleicht fernbleiben würden. „Babel“ zeigt, was ein kleines Ereignis an einem Ort der Welt für Folgen haben kann, weit über diesen Ort hinaus. Er zeigt auch, dass tragische und schreckliche Dinge passieren, obwohl niemand etwas Böses im Sinn hat. Und er zeigt, welche Missverständnisse entstehen können, wenn sich fremde Welten begegnen, die nicht die gleiche Sprache sprechen - im realen und im übertragenen Sinne. Ein starker, berührender Film, der ein grosses Publikum verdient hat.


08.1.2007

Fröhliches Wiedersehen

Von Ralf Kaminski um 18:06 [ Kino ]
Der Mensch, man weiss es, neigt eher dem Vertrauten zu, dem Bekannten. Das Fremde ist ihm grundsätzlich suspekt. Auch im Kino freut er sich deshalb, wenn er alte Bekannte wiedertrifft – und 2007 gibts eine Menge davon auf der Leinwand. Freuen wir uns also gemeinsam auf:

Adolf Hitler (ab 18.1.: „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“)
John Cramer alias Jigsaw (ab 1.2.: „Saw III“)
Rocky Balboa (ab 8.2.: „Rocky Balboa“)
Hannibal Lecter (ab 15.2.: „Hannibal Rising“)
Rudi Rüssel (ab 8.3.: “Rennschwein Rudi Rüssel – Rudi rennt wieder“)
Bruno Manser (ab 15.3.: „Bruno Manser – Laki Penan“)
Teenage Turtles (ab 22.3.: “Teenage Mutant Ninja Turtles”)
Mr. Bean (ab 29.3.: “Mr. Bean’s Holiday”)
Peter Parker alias Spiderman (ab 3.5.: „Spider-Man 3“)
Captain Jack Sparrow (ab 24.5.: „Pirates of the Caribbean: At World’s End)
Danny Ocean (ab 7.6.: “Ocean’s Thirteen”)
Shrek (ab 21.6.: “Shrek the Third”)
Harry Potter (ab 12.7.: “Harry Potter and the Order of the Phoenix”)
Homer Simpson (ab 26.7.: “The Simpsons Movie”)
Chief Inspector Lee (ab 16.8.: “Rush Hour 3”)
Britische Zombies (ab 30.8.: “28 Weeks later”)
Jason Bourne (ab 6.9.: “The Bourne Ultimatum”)
Wilhelm Tell (ab 4.10.: “Tell”)
Königin Elisabeth I. (ab 25.10.: „Elizabeth: The Golden Age“)
Alien (ab 27.12.: „Alien vs. Predator 2“)






Schmerzlich vermisst: Alien.


Die Sequel- und Prequel-Mania geht also munter weiter. Bleibt zu hoffen, dass es bei all dem auch der eine oder andere richtig gute Original-Film ins Kino schafft – ein Film sozusagen, ders wert ist, dass daraus ein Sequel oder Prequel entsteht...