Die Brüste von Melanie Winiger
| Von Ralf Kaminski um 00:40 | [ Kino ] |
Dem Titel konnten Sie nicht widerstehen, was? Aber leider muss ich Ihnen sagen, dass angesichts der extrem kurzen Sequenz (2 Sekunden, höchstens), in der die viel diskutieren nackten Brüste im Film „Breakout“ präsent sind, definitiv viel zu viel im Vorfeld über sie diskutiert wurde. Ihre eigenen oder nicht ihre eigenen (laut Winiger nicht), man hat gar keine Zeit, sie sich genauer anzusehen, so schnell sind sie wieder weg. Viel interessanter – und sträflich unterdiskutiert – hingegen ist die Frage: Gibt es schwule Hip-Hopper? Denn nach Betrachtung der vielfältigen und sehr gewalttätigen Konflikte in „Breakout“ muss man zum Schluss kommen: Das Niedrigste und Allerschlimmste überhaupt, was einem Hip-Hopper in die Quere kommen kann, ist ein Schwuler – der ist sozusagen ganz am Schluss der Respekts-Pyramide, an deren Spitze die eigene Clique steht.
Was also macht ein Hip-Hopper, wenn er realisiert, dass er schwul ist? Die Szene fluchtartig verlassen? Oder angesichts all der vielen knackigen Jungs der Hip-Hop-Welt zwar aufs Coming-out verzichten, aber so viel voyeuristischen Genuss mitnehmen, wie er nur kann? Vielleicht trifft er ja sogar auf einen Gleichgesinnten, könnte ja sein. Immerhin sollen rund fünf Prozent aller Männer schwul sein – im Grunde muss es da auch ein paar Hip-Hopper drunter haben. Also, wer ein schwuler Hip-Hopper ist, oder einen kennt, der soll sich doch bitte mal hier melden (oder auch direkt bei: ralf.kaminski@tages-anzeiger.ch), das wäre nämlich ein spannendes Thema für das Mutterblatt dieses Blogs. Anonymität wird natürlich garantiert, falls erwünscht.

Zurück zum Film, der eigentlich gar nicht so schlecht ist. Zumindest ist er als Jugenddrama recht effektiv. Und er bemüht sich so offensichtlich um Authentizität, dass man als Nichtkenner dieser spezifischen Jugendkultur dazu neigt, das alles für bare Münze zu nehmen und sich so ein bisschen zu gruseln: Was, so sind die Jungen heute? Hoffentlich begegnen mir die nicht mal, wenn ich nachts allein unterwegs bin. Immerhin gibts im Film gegen Schluss Signale, dass nicht alles verloren ist – und wenigstens die Hauptfigur vielleicht den Weg in ein anderes Leben finden könnte, an der Seite der ebenso attraktiven wie engagierten jungen Jugendanwältin (eben: Melanie Winiger).
Das ist allerdings auch das Schwächste an der Story: Dass sich der junge Hip-Hopper Nia (Nils Althaus) in der geschlossenen Erziehungsanstalt nun unbedingt in die Jugendanwältin verlieben muss – wo er doch anfänglich sooo tough ist und ihr vorwirft, auch nur einfach ein Bulle zu sein, der besser aussieht. Nia sitzt in der Erziehungsanstalt, weil er und seine Clique sich eine derart heftige Schlägerei mit einer rivalisierenden Bande geliefert haben, dass sein bester Freund Pulpo (Bardo Eicher) querschnittgelähmt im Krankenhaus liegt. Und die Jugendanwaltschaft will, dass er auspackt, Namen nennt. Aber Nia ist keine „Ratte“, keiner, der seine Freunde verrät – und nicht mal seine Feinde, auch wenn die an allem schuld sind. Stattdessen versucht er, aus der Anstalt auszubrechen, um Spirit (Stress, im realen Leben der Freund von Winiger), den Anführer der gegnerischen Gang, auf eigene Faust zu richten.
Zentrale Frage bleibt: Zeigt Mike Eschmanns „Breakout“ die Realität der Hip-Hopper? Oder eine mögliche Realität? Oder ist das alles total überzeichnet? Es gibt da eine kurze Sequenz im Film, in der Nia der Jugendanwältin sinngemäss erklärt, es gebe „da draussen“ eine Armee von Jungs wie ihn, die mit ihren Sek C Abschlüssen keine Chance auf einen Job und ein besseres Leben hätten. Alles, was sie hätten, sei ihr Körper, den würden sie trainieren und ihrem Schwanz was zu tun geben. Aber das allerwichtigste überhaupt sei dann eben die Clique, die bis aufs Blut verteidigt werde. Eine Armee? Keine schöne Vorstellung.
Was also macht ein Hip-Hopper, wenn er realisiert, dass er schwul ist? Die Szene fluchtartig verlassen? Oder angesichts all der vielen knackigen Jungs der Hip-Hop-Welt zwar aufs Coming-out verzichten, aber so viel voyeuristischen Genuss mitnehmen, wie er nur kann? Vielleicht trifft er ja sogar auf einen Gleichgesinnten, könnte ja sein. Immerhin sollen rund fünf Prozent aller Männer schwul sein – im Grunde muss es da auch ein paar Hip-Hopper drunter haben. Also, wer ein schwuler Hip-Hopper ist, oder einen kennt, der soll sich doch bitte mal hier melden (oder auch direkt bei: ralf.kaminski@tages-anzeiger.ch), das wäre nämlich ein spannendes Thema für das Mutterblatt dieses Blogs. Anonymität wird natürlich garantiert, falls erwünscht.

Zurück zum Film, der eigentlich gar nicht so schlecht ist. Zumindest ist er als Jugenddrama recht effektiv. Und er bemüht sich so offensichtlich um Authentizität, dass man als Nichtkenner dieser spezifischen Jugendkultur dazu neigt, das alles für bare Münze zu nehmen und sich so ein bisschen zu gruseln: Was, so sind die Jungen heute? Hoffentlich begegnen mir die nicht mal, wenn ich nachts allein unterwegs bin. Immerhin gibts im Film gegen Schluss Signale, dass nicht alles verloren ist – und wenigstens die Hauptfigur vielleicht den Weg in ein anderes Leben finden könnte, an der Seite der ebenso attraktiven wie engagierten jungen Jugendanwältin (eben: Melanie Winiger).
Das ist allerdings auch das Schwächste an der Story: Dass sich der junge Hip-Hopper Nia (Nils Althaus) in der geschlossenen Erziehungsanstalt nun unbedingt in die Jugendanwältin verlieben muss – wo er doch anfänglich sooo tough ist und ihr vorwirft, auch nur einfach ein Bulle zu sein, der besser aussieht. Nia sitzt in der Erziehungsanstalt, weil er und seine Clique sich eine derart heftige Schlägerei mit einer rivalisierenden Bande geliefert haben, dass sein bester Freund Pulpo (Bardo Eicher) querschnittgelähmt im Krankenhaus liegt. Und die Jugendanwaltschaft will, dass er auspackt, Namen nennt. Aber Nia ist keine „Ratte“, keiner, der seine Freunde verrät – und nicht mal seine Feinde, auch wenn die an allem schuld sind. Stattdessen versucht er, aus der Anstalt auszubrechen, um Spirit (Stress, im realen Leben der Freund von Winiger), den Anführer der gegnerischen Gang, auf eigene Faust zu richten.
Zentrale Frage bleibt: Zeigt Mike Eschmanns „Breakout“ die Realität der Hip-Hopper? Oder eine mögliche Realität? Oder ist das alles total überzeichnet? Es gibt da eine kurze Sequenz im Film, in der Nia der Jugendanwältin sinngemäss erklärt, es gebe „da draussen“ eine Armee von Jungs wie ihn, die mit ihren Sek C Abschlüssen keine Chance auf einen Job und ein besseres Leben hätten. Alles, was sie hätten, sei ihr Körper, den würden sie trainieren und ihrem Schwanz was zu tun geben. Aber das allerwichtigste überhaupt sei dann eben die Clique, die bis aufs Blut verteidigt werde. Eine Armee? Keine schöne Vorstellung.
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