Ach, Hollywood!
| Von Ralf Kaminski um 13:54 | [ Kino ] |
Am Sonntag ist es wieder soweit:Oscar-Time! Einmal mehr werden die besten oder angeblich besten Leistungen des Filmjahres honoriert. Gleich fünf Nominationen erhalten hat „Blood Diamond“, unter anderem für Leonardo DiCaprios und Djimon Hounsous schauspielerische Leistungen. Nicht aber als Bester Film, was auch richtig ist.
An sich hätte "Blood Diamond" ja durchaus Potenzial gut zu sein. Aber er ist es leider nicht. Das Problem ist, wie so oft bei Hollywood, der Schluss bzw. das letzte Drittel. Warum nur warum muss das US-Mainstream-Kino am Ende immer übertreiben? Warum muss selbst bei der finstersten und komplexesten Thematik zum Schluss doch der Twist zum Happy End herbeigezwungen werden? Ist eine Mehrheit der (US-)Zuschauer, von Hollywood-Happy-Endings seit Jahren konditioniert, nicht mehr fähig, ein gebrochenes, hartes Ende zu ertragen? „Blood Diamond“ gibt sich grosse Mühe, authentisch und echt zu wirken. Das gelingt ihm auch ganz gut, bis dann der opportunistische und egoistische Söldner (DiCaprio) sich in die engagierte Journalistin (Jennifer Connelly) verliebt und sich schliesslich auch noch vom Familien-Schicksal seines schwarzen Begleiters (Hounsou) rühren lässt. So wird er zum Helden, opfert sich für den Schwarzen und seinen Sohn, der dann dank der Journalistin auch noch den Rest seiner Familie nach London in Sicherheit bringen kann, wo kurz darauf die bösen Hintermänner der ganzen afrikanischen Diamanten-Misere entlarvt werden. Als dann besagter Afrikaner, zu Beginn des Films ein Quasi-Sklave in einer Diamanten-Mine, am Schluss im Anzug unter dem Applaus von Sitzungsdelegierten fast zu Tränen gerührt ist (was der Zuschauer nun auch sein sollte), wirds vollends unerträglich. „Blood Diamond“ suggeriert: Alles in Butter, die Welt ist wieder in Ordnung.

DiCaprio und Hounsou in action.
Dass es auch anders geht, hat 2005 die britisch-deutsche Co-Produktion „The Constant Gardener“ gezeigt (nach einem Roman von John le Carré). Auch da gings um Afrika, nicht um Blutdiamanten, die einen Krieg am Laufen halten, sondern um Medikamententests der Pharmaindustrie, die in Afrika ohne ethische Bedenken durchgeführt werden. Am Schluss wird gerade mal ein korrupter Beamter entlarvt, aber das Heldenpaar (Ralph Fiennes und Rachel Weisz) ist mausetot – und man verlässt den Film mit dem beunruhigten Gefühl, dass da ganz und gar nichts in Ordnung ist, dass sich die böse Pharmaindustrie auch weiterhin keinen Deut darum schert, was sie anrichtet. Ist ja nur Afrika.
Wie weit das natürlich der Realität entspricht, ist eine andere Frage. Aber das ist nicht der Punkt. Während „Blood Diamond“ die deklarierte hehre Absicht (wir machen die Weltöffentlichkeit auf schlimme Zustände aufmerksam) der Unterhaltung und den Hollywood-Konventionen opfert, rüttelt „The Constant Gardener“ durch seine Härte (die wohl bemerkt ohne grosse Gewalttätigkeiten erreicht wird, anders als bei „Blood Diamond“) und seinen disharmonischen Schluss eben tatsächlich auf. Einen Oscar gabs für Rachel Weisz als Best Supporting Actress.
An sich hätte "Blood Diamond" ja durchaus Potenzial gut zu sein. Aber er ist es leider nicht. Das Problem ist, wie so oft bei Hollywood, der Schluss bzw. das letzte Drittel. Warum nur warum muss das US-Mainstream-Kino am Ende immer übertreiben? Warum muss selbst bei der finstersten und komplexesten Thematik zum Schluss doch der Twist zum Happy End herbeigezwungen werden? Ist eine Mehrheit der (US-)Zuschauer, von Hollywood-Happy-Endings seit Jahren konditioniert, nicht mehr fähig, ein gebrochenes, hartes Ende zu ertragen? „Blood Diamond“ gibt sich grosse Mühe, authentisch und echt zu wirken. Das gelingt ihm auch ganz gut, bis dann der opportunistische und egoistische Söldner (DiCaprio) sich in die engagierte Journalistin (Jennifer Connelly) verliebt und sich schliesslich auch noch vom Familien-Schicksal seines schwarzen Begleiters (Hounsou) rühren lässt. So wird er zum Helden, opfert sich für den Schwarzen und seinen Sohn, der dann dank der Journalistin auch noch den Rest seiner Familie nach London in Sicherheit bringen kann, wo kurz darauf die bösen Hintermänner der ganzen afrikanischen Diamanten-Misere entlarvt werden. Als dann besagter Afrikaner, zu Beginn des Films ein Quasi-Sklave in einer Diamanten-Mine, am Schluss im Anzug unter dem Applaus von Sitzungsdelegierten fast zu Tränen gerührt ist (was der Zuschauer nun auch sein sollte), wirds vollends unerträglich. „Blood Diamond“ suggeriert: Alles in Butter, die Welt ist wieder in Ordnung.

DiCaprio und Hounsou in action.
Dass es auch anders geht, hat 2005 die britisch-deutsche Co-Produktion „The Constant Gardener“ gezeigt (nach einem Roman von John le Carré). Auch da gings um Afrika, nicht um Blutdiamanten, die einen Krieg am Laufen halten, sondern um Medikamententests der Pharmaindustrie, die in Afrika ohne ethische Bedenken durchgeführt werden. Am Schluss wird gerade mal ein korrupter Beamter entlarvt, aber das Heldenpaar (Ralph Fiennes und Rachel Weisz) ist mausetot – und man verlässt den Film mit dem beunruhigten Gefühl, dass da ganz und gar nichts in Ordnung ist, dass sich die böse Pharmaindustrie auch weiterhin keinen Deut darum schert, was sie anrichtet. Ist ja nur Afrika.
Wie weit das natürlich der Realität entspricht, ist eine andere Frage. Aber das ist nicht der Punkt. Während „Blood Diamond“ die deklarierte hehre Absicht (wir machen die Weltöffentlichkeit auf schlimme Zustände aufmerksam) der Unterhaltung und den Hollywood-Konventionen opfert, rüttelt „The Constant Gardener“ durch seine Härte (die wohl bemerkt ohne grosse Gewalttätigkeiten erreicht wird, anders als bei „Blood Diamond“) und seinen disharmonischen Schluss eben tatsächlich auf. Einen Oscar gabs für Rachel Weisz als Best Supporting Actress.
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