28.3.2007

Artenschutz für Vampire!

Von Ralf Kaminski um 13:25 [ Popcorn ]


Normalerweise ist es recht einfach mit mir und der EDU: Ich höre mir an, was sie zu sagen hat und finde dann das Gegenteil. Aber auch ein blindes Huhn stolpert gelegentlich mal über ein Korn, nicht wahr. Nun hat die Christenfundi-Partei also innert Kürze knapp 50’000 Unterschriften gegen DJ Bobos Eurovisions-Song “Vampires are Alive” zusammengebracht und verlangt, er dürfe nicht als Schweizer Beitrag ins Rennen gehen. Okay, die Argumente warum das so sein soll, sind ein bisschen eigen (Wertevakuum, Nährboden für Spiritismus und Satanismus, wer dem Teufel die Seele verkauft verspielt sein ewiges Leben – warum nehmen Christen immer alles so ernst?), aber im Kern hat die EDU Recht: Der Song und sein Videoclip sind eine Beleidigung. Besonders für Vampire, die einmal mehr als Motiv für billige Popkultur herhalten müssen.

Das fängt ja nur schon damit an, dass dieser Song in jeder Hinsicht eine Kopie ist. Nur weil letztes Jahr eine finnische Band mit Gruselmotiven gewonnen hat, wird nun ganz Europa wieder auf denselben Zug aufspringen, jaja bestimmt. Schon klar, Popsongs funktionieren so – hat man einen gehört, hat man alle gehört, trotzdem werden sie konsumiert wie wild. Da kann man als DJ Bobo durchaus auf den naheliegenden Gedanken kommen, es mal so zu versuchen. Dann sind im Videoclip offensichtliche Anleihen an Michael Jacksons “Thriller” (damals waren es Zombies), und ästhetisch hat man sich vor allem bei “Underworld” bedient, ein bisschen wohl auch bei Coppolas “Dracula”. Ausserdem klingt der Song an sich halt wie jeder DJ Bobo Song (eben: hat man einen gehört…).

Und dann die tanzenden Vampire – in Polanskis Film damals handelte es sich wenigstens um eine offensichtliche Parodie aufs Genre. Haben die Vampire das verdient? Die elegantesten und faszinierendsten Kreaturen der Nacht, die der Mensch je erfunden hat? Nein! Ich fordere deshalb Artenschutz für Vampire! Vielleicht sollte man eine Petition einreichen.

Um diesem DJ Bobo Song und der Vampir-Verachtung der EDU wenigsten ein bisschen was entgegen zu setzen, hier ein paar Filmtipps:

Der klassische Vampir:
Die britischen Hammer-Dracula-Filme (1958 bis 1974)
Francis Ford Coppolas Dracula (1992)
Interview with the Vampire (1994), noch besser: Anne Rices Romanvorlagen

Der moderne Vampir:
Fright Night (1985)
Buffy – the Vampire Slayer (1997-2003)
Blade (1998)
Underworld (2003)
Underworld Evolution (2006)

Parodien:
The Fearless Vampire Killers (1966)
Love at first Bite (1979)

Splatter:
From Dusk till Dawn (1996)

Romance:
The Wisdom of Crocodiles (1998)



Tom Cruise und Brad Pitt in tödlicher Umarmung ("Interview with the Vampire").


Aber passen Sie bloss auf, dass Sie dabei nicht aus Versehen dem Satan anheimfallen. Sie wissen ja, wie das ist: Ein Film, ein Song oder gar die Kombination und zack! – ist es um Sie geschehen!




25.3.2007

The Next Generation

Von Ralf Kaminski um 18:21 [ Kino ]
Vor 20 Jahren um diese Zeit verdichteten sich die Gerüchte: Es gibt eine neue Star-Trek-Serie, mit einer ganz neuen Crew! Das kann ja nicht gut gehen, war man sich einig, denen gehts doch nur ums Geld. Kirk, Spock und McCoy sind nicht zu ersetzen! Doch siehe da, im September 1987 startete „Star Trek – The Next Generation“ und legte mit seinem weltweiten Erfolg die Grundlage für drei weitere Star-Trek-Serien und sechs weitere Kinofilme. Die Crew um den herausragend unamerikanischen Captain Jean-Luc Picard (der britische, glatzköpfige Shakespeare-Veteran Patrick Stewart) reiste sieben Jahre lang mutig, „where no one has gone before“ und bot Science Fiction, Drama und Comedy auf höchstem Niveau.



Das alles im Geiste von Gene Roddenberrys Vision einer besseren, nobleren Welt, in der es weder Armut noch Krieg, weder Hunger noch Rassismus gibt. Vielleicht wirkt die Serie heute deshalb ein bisschen angestaubt, weil die Entwicklung der realen Welt so gar nicht in diese Richtung geht – vielleicht sind deshalb heute Scifi-Serien wie „Battlestar Galactica“ oder „Heroes“ in, die dem Zeitgeist eher entsprechen: düster, konfliktreich, komplex. Eine andere Generation eben. Dennoch, die damalige nächste Generation hatte auch eine Menge drauf, und zu Ehren des 20. Geburtstags werde ich dieses Jahr auf jeden Fall die eine oder andere DVD aus meiner Sammlung zupfen und in Nostalgie schwelgen.

Tatsächlich steht bereits eine weitere nächste Generation vor der Tür. „Star Trek XI“, produziert von J.J. Abrams (TV-Serie „Lost“), der allenfalls auch die Regie übernimmt, kommt an Weihnachten 2008 in die Kinos. Einen offiziellen Titel gibt es noch nicht, aber der erste Kinofilm nach der „Next Generation“-Crew geht zurück zur ursprünglichen Generation und fokussiert auf die ersten Abenteuer von Kirk und Spock, bevor sie gemeinsam auf der Enterprise durchs All fliegen. Die Gerüchte auf dem Internet, wer die jungen Versionen der legendären TV-Ikonen darstellen soll, sind reichhaltig. Offenbar soll auch ein Weg gefunden werden, die Originaldarsteller einzubauen: William Shatner (Kirk) und Leonard Nimoy (Spock) sind noch am Leben, DeForest Kelley (McCoy) und James Doohan (Scotty) nicht mehr. Aber eben, alles nur Gerüchte. Das Drehbuch jedoch steht, und die Dreharbeiten beginnen im Herbst. Damit geht die Multimillionen-Dollar-Franchise nach längerer Pause (der letzte Film, „Star Trek Nemesis“, lief 2002, die letzte Serie, „Enterprise“, endete 2005) in die nächste Runde. Und wie vor 20 Jahren ist das Misstrauen gross: Andere Darsteller für Kirk, Spock und McCoy? Und überhaupt, ist die ganze „Star Trek“-Vision der besseren Welt nicht passé? Wir werden sehen.



19.3.2007

Ausleihen bei Freunden

Von Peter  Aeschlimann um 16:10 [ DVD ]
Wer im «Les Videos» eine DVD ein bisschen länger ausleiht, als dies die allg. Geschäftsbedingungen erlauben, erhält keine Busse aufgebrummt, sondern eine Ansichtskarte - geschickt.

Ein Gremium, oder meinetwegen eine Akademie, sollte darüber entscheiden, welche Filme (straffrei) aus dem Internet runtergeladen werden dürfen. Einziges Kriterium: Die Qualität des Streifens. «Date Movie», zum Beispiel, sollte weit oben auf der Liste dieser Akademie stehen. Nichts spricht dagegen, diesen Film nicht zu kaufen. Auch kein Richter sollte das können. Denn das Gesetzbuch kennt meines Erachtens kein höheres Strafmass, als sich zehn Minuten dieses Machwerks antun zu müssen. Wer «Date Movie» downloadet, leidet also genug. Wer die DVD kauft, ist ein Masochist. Ist das strafbar?

Sammlerfreuden

Einen sehr guten Grund, DVDs zu kaufen, habe ich im Buch «30 Ways to have fun» von Craig Robinson gefunden. Es schmückt die Stube, wenn die Plastikhüllen regenbogenmässig im Regal aufgereiht stehen. Mir fehlen noch ein paar grüne. Ausser dank «Amélie», die ich zum Glück doppelt habe und «10 Things I hate about you», ist die Farbe (sträflich) untervertreten in meiner Sammlung. Schwarze und weisse habe ich mehr als genug. Wer kennt noch grüne DVD-Hüllenrücken?

Regal

Nette Theke

Den besten Grund, DVDs doch nicht zu kaufen, sind tolle Videotheken. Zum Beispiel «Shpinx» an der Kanzleistrasse. Ein bisschen muffig vielleicht, dafür drucken die die Belege noch auf einem schaurig schön quietschenden 9-Nadel-Drucker aus.
Oder noch toller: «Les Videos» im Niederdorf. Der Schriftzug und die Homepage dieses Filmarchivs erinnern mich immer ein bisschen an die Bar «Les Amis» in Bern. Hat man da (straffrei) bei Freunden geborgt? Jedenfalls leiht der Kunde im «Les Videos» bei Freunden aus. Welche Videothek verschickt seinen säumigen Borgern schon so nette Ansichtskarten? Und das nach fast einem halben Jahr (straffreier) Ausleihe.

Karte

Lasst uns also aktiv werden. Lasst uns Listen zusammenstellen. Die erste für die Akademie, eine zweite mit grünen DVDs für meine Stube und eine dritte mit den besten Videotheken der Welt. Danach soll noch einer (straffrei) behaupten, Film-Aficionados seien Sofa-Kartoffeln.


16.3.2007

Performed by Hugh Grant

Von Martin Uebelhart um 00:02 [ Kino ]

«Meinst Du, er singt selber?» Das war in etwa der Inhalt eines belauschten Gesprächs in der Pause von «Music & Lyrics». Ja, tut er. Spätestens im Abspann – sofern man lange genug sitzen bleibt – wird einem beschieden, dass Hugh Grant nicht nur die Rolle des in die Jahre gekommenen «PoP»-Stars Alex Fletcher spielt, sondern offenbar auch die Liedchen selber eingesungen hat. Und das nicht mal so schlecht. Allerdings kriegt man die Trällersongs tagelang nicht mehr aus dem Kopf.

Aber die Gesangskunst des Hauptdarstellers ist ja nur ein Nebenaspekt des Films. Eine romantische Komödie im Übrigen, bei der ich allerdings die Romantik irgendwie etwas vermisste. Jedenfalls entstand zwischen Sophie (Drew Barrymore), deren Talente eher beim Texten denn beim Pflegen von Blumen liegen, nicht ansatzweise die knisternde Stimmung wie sie in Grant-Filmen wie «Four Weddings and a Funeral» oder «Notting Hill» rüberkommt.

music & lyrics

Schön ist auch zu beobachten, dass sich die schauspielerischen Möglichkeiten von Hugh Grant nur marginal weiterentwickelt haben. Sie bestehen weit gehend darin, zwischen mehreren, mehrheitlich belämmerten Gesichtsausdrücken hin und her zu wechseln. Was dem Gesamteindruck des Werks allerdings nicht wirklich abträglich ist.

Dafür hat der Streifen auf der Komödien-Seite doch einiges zu bieten. Viele Gags sind wirklich gut und der Wortwitz sprüht. Das Musikbusiness wird kräftig auf die Schippe genommen: Das auf 80er-Jahre getrimmte Musikvideo ist zum Schreien, geanu so die vollkommen überzeichnete Hit-Ikone «Cora». Deren Wunsch, mit dem durch die Vergnügungsparks der Nation tingelnden Altstar Fletcher ein Duett aufzunehmen, brachte die ganzen amourösen Verwicklungen erst ins Rollen. Zusammenfassen könnte man diese etwa im Satz: Wenn Du unter dem Klavier erwachst, achte auf Deinen Kopf …