18.6.2007

Gepflegte Langeweile und eine gute Tat

Von Ralf Kaminski um 22:07 [ Kino ]
Brad Pitt, George Clooney, Matt Damon, Al Pacino, Andy Garcia, Ellen Barkin und dann noch Steven Soderbergh als Regisseur – was kann da schief gehen? Eine Menge, wie sich jeder überzeugen kann, der sich “Oceans 13” ansieht, ein weiterer dritter Teil, der in diesem Jahr der dritten Teile von Hollywood aufs Publikum losgelassen wird. Schon “Oceans 11” war ja nur soso-lala, lockte aber dank den grossen Stars derart viel Publikum ins Kino, dass auf ein Sequel natürlich nicht verzichtet werden konnte. Und obwohl “Oceans 12” weit herum als nicht besonders gelungen eingestuft wurde, musste nun also noch einer folgen. Diese Filme sind eben, wie die Casinos, um die es jeweils geht, einfach zu effektive und verführerische Geldmaschinen (und wie bei den Casinos hält sich der Profit bzw. das Vergnügen der Gäste in engen Grenzen).

“Oceans 13” setzt voraus, dass wir Zuschauer die Hauptfiguren schon bzw. noch kennen und anstatt sie uns nochmals kurz vorzustellen, wirft er uns gleich unvermittelt in einen Plot rein, bei dem es irgendwie darum geht, einen ebenso erfolgreichen wie moralisch skrupellosen Casino-Mogul mit einiger krimineller Energie auszutricksen. Das plätschert dann soweit auch schön belanglos und milde unterhaltsam dahin, und während man noch darauf wartet, dass etwas passiert, passiert in der zweiten Hälfte nur das, was in der ersten Hälfte ausführlich und nicht immer vollkommen nachvollziehbar vorbereitet wurde. Das nicht immer vollkommen Nachvollziehbare, das unter normalen Umständen ärgerliche Fragezeichen produzieren würde, stört hier aber nicht wirklich, denn man weiss ja grob, um was es geht und zweifelt nie eine Sekunde daran, dass es gelingen wird.



Klar gibts auch zwei, drei Highlights: Der Running Gag mit dem geplagten Hotel-Tester sorgt durchaus für ein gelegentliches amüsiertes Mundwinkel-Zucken, ebenso wie Matt Damons Nase. Aber alles in allem ist das einer der überflüssigsten Filme, der seit langem das Licht des Filmprojektors erblickt hat. Dennoch ist es voraussichtlich kein schlecht investiertes Geld. Denn Clooney, Pitt & Co. können auch anders, wie sie mit “Babel” oder “Syriana” oder “Good Night and Good Luck” bewiesen haben. Alles Filme, die sperriger und schwieriger sind und nicht das grosse Publikum anlocken. Mit dem Eintrittsgeld für “Oceans 13” erkaufen wir uns somit das Recht, bald wieder mal etwas Substanzielleres von einem der beteiligten Herren zu sehen, die dann ihr grosses Salär entsprechend reinvestieren können. Besten Dank somit also ans Mainstreampublikum, das sich dieses Nichts von einem Film antut. Es ist letztlich eine gute Tat zur Förderung des engagierten Arthouse-Kinos.

Konsequenterweise bitte ich Sie hiermit, vorangehende Zeilen umgehend zu vergessen und sich unbedingt diesen neuen Film von George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon anzusehen, “Oceans 13”. Echt cool.


11.6.2007

Sopranos – Ende und Anfang

Von Ralf Kaminski um 11:30 [ TV ]
Ich bin ja nicht eben der grosse Fan von Mafia-Geschichten. Okay, den drei „Godfather“-Filmen konnte auch ich mich nicht entziehen und fand die auch gar nicht schlecht. Aber sonst: more of the same. Das dachte ich immer, wenn ich mal wieder in einen Mafiafilm rein gesehen habe. Deshalb habe ich auch die „Sopranos“ vollumfänglich ignoriert – diese HBO-Mafiaserie mit Kultstatus, die am Wochenende in den USA nach acht Staffeln zu Ende gegangen ist. Nachdem ich aber von so vielen Seiten vorgeschwärmt bekommen habe, wie toll diese Serie ist und ich zudem vor HBO-Serien grundsätzlich hohen Respekt habe („Six Feet Under“, „Oz“, „Sex and the City“), gebe ich den „Sopranos“ nun also eine Chance. Die erste Staffel liegt – ausgeliehen – bei mir zu Hause. Und es ist ja ideal, eine Serie dann zu starten, wenn sie ausgelaufen ist, weil man sich dann die üblichen gemeinen Cliffhanger an den Seasonenden erspart. Ideal ist auch der Zeitpunkt, denn es ist Sommer: Im Kino herrscht Flaute, die aktuellen US-TV-Serien, die ich via Internet jeweils unmittelbar downloade („Galactica“, „Heroes“, „Lost“, „Desperate Housewives“) machen Pause – bleibt also nur die DVD, denn das hiesige TV-Programm ist ja nicht wirklich eine Alternative.

Ich werde hier gelegentlich berichten, wies mir ergeht mit den „Sopranos“, ob ich nach fünf Folgen schon aussteige oder kaum mehr aufhören kann zu gucken. Für Sie alle, die Sie mir diese Serie voraus haben und ihr acht Jahre lang treu geblieben sind: Was fanden denn Sie so toll, dass Sie nicht davon lassen konnten? Und gibts hier auch „Soprano“-Verächter? Erzählen Sie mal.





PS: Eine aktuelle US-TV-Serie ist gerade erst gestartet und läuft erstaunlicherweise den ganzen Sommer hindurch: "Traveler". Es geht um drei junge Studenten (einer wird gespielt von Aaron Stanford, Pyro aus den "X-Men"-Filmen") und einen Terroranschlag in einem New Yorker Museum, den sie angeblich verübt haben sollen – eine Mischung aus Thriller und Drama mit aktuellen politischen Anleihen. Nach den ersten drei Folgen muss ich sagen: sieht recht vielversprechend aus. Ich bleibe erstmal dran.