Letzte Woche waren, wie im vorigen Beitrag vermeldet, anlässlich der Schweizer Premiere von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" drei Stars der Harry-Potter-Filme zu Gast in Zürich. Ich hatte den Auftrag, für den Tagi James und Oliver Phelps zu interviewen (siehe TA vom 6. Juli), die in allen fünf Filmen die Weasley-Zwillinge gespielt haben. Weil aber die Presse-Abteilung von Warner Schweiz die Phelps-Brüder nur zur Verfügung stellte, wenn man auch den dritten Gast interviewt, Katie Leung (Cho Chang in Film 4 und 5), habe ich also auch mit ihr noch gesprochen. Und da es ein ausgesprochen nettes Gespräch war, finden Sie hier nun ohne grosse Bearbeitung die Übersetzung. Für das Gespräch wurden genau 15 Minuten eingeräumt. Katie Leung ist 19 Jahre alt und Schottin mit chinesischen Wurzeln.
Ich habe gelesen, Sie leben bei Ihrem Vater in Schottland…
… bis vor kurzem, aber jetzt bin ich gerade nach London gezogen.
In eine eigene Wohnung?
Ich habe eine Wohnpartnerin, die ich durch eine Freundin kennengelernt habe. Ich kannte sie nicht, bis ich einzog, aber glücklicherweise hat sie sich als sehr nett herausgestellt (lacht).
Was tun Sie, wenn Sie nicht für einen Potter-Film vor der Kamera stehen?
Ich spiele Klavier, ich liebe es, Klavier zu spielen. Ich spiele auch Gitarre. Während des letzten Films hatte ich noch Schulunterricht, bei diesem habe ich nun sehr viele Filme geguckt.
Zur Schule gehen Sie nicht mehr?
Ich habe mich bei einer Universität beworben, für September. Entweder für Grafisches Design oder Medien, ich habe mich noch nicht entschieden. Aber es ist sehr schwierig, denn ich liebe das Schauspielern und möchte auch das weiter machen.
Das wäre also ein Zukunftstraum?
Oh, ich weiss nicht. Ja, eigentlich schon. Aber ich will einfach nicht rumsitzen und auf ein gutes Script warten müssen oder auf den Anruf nach einem Casting. Das würde mich fertigmachen. Ich denke, es braucht einen Backup-Plan für den Fall, dass es mit dem Schauspielern nicht so klappt.
Sind Sie zum ersten Mal in Zürich?
Ja, und ich habe noch nichts gesehen von der Stadt! Aber man hat mir schon tonnenweise Schokolade geschenkt. Das war sehr, sehr nett. Und ich hoffe, dass nach all den Interviews heute noch etwas Zeit bleibt, bevor es zurück nach London geht. Ich glaube, wir werden noch ein bisschen shoppen gehen. Und zur Stanley Kubrick Ausstellung.
War Zürich Ihr erster Auftritt an einer Premiere?
Nein, am Tag davor war ich schon in London. Und am Sonntag gehts nach Schweden, dann Norwegen und Finnland.
Wer entscheidet, wo Sie hingehen? Können Sie da mitreden?
Nein, das entscheidet die Leute vom Filmverleih. Aber es ist eine tolle Gelegenheit, und ich würde nicht Nein sagen. Schliesslich bekomme ich so verschiedene Orte zu sehen, wo ich noch nie zuvor war. Und sie behandeln uns so gut.
Ich habe gelesen, dass Sie 4000 andere Mädchen in einem offenen Casting um die Rolle aus dem Feld geschlagen haben. Mal liest man 3000, mal 5000...
Ja, ich weiss es auch nicht so genau, aber es waren sehr, sehr viele.
Und es hiess, Sie seien ziemlich geschockt gewesen, als Sie zur nächsten Runde eingeladen worden sind.
Ja, ich war sehr überrascht. In der ersten Runde haben sie eigentlich nur Fotos gemacht. Und das taten sie nur, wenn sie dich für geeignet hielten. Als sie von mir ein Foto gemacht haben, wow, ich war so glücklich wie noch nie zuvor. Ich war dort eigentlich glücklicher als in dem Moment, wo ich die Rolle tatsächlich bekommen habe. Es war in gewisser Weise ein seltsamer Tag. Nach dem Casting ging ich mit meinen Eltern zum Mittagessen, in ein sehr kleines Restaurant. Und ich war so aufgeregt, ich jubelte und war ziemlich laut. Neben uns sass ein Paar, und die hörten mich natürlich. Er fragte mich dann, was los ist und von wo ich komme. Ich sagte es ihm, Motherwell in Schottland, ein ziemlich kleiner Ort. Und er sagte: „Ich auch!“ Seltsam, was? Dann erzählte ich ihm vom Casting, und er sagte, er habe so ein Gefühl, dass ich die Rolle kriegen werde. Und dann fotografierte er mich mit seinem Handy und sagte: „Falls du die Rolle bekommst, kann ich sagen, ich habe eine berühmte Person in meinem Telefon.“ (lacht)
Kannten Sie damals die Bücher und die vorherigen Filme?
Ich kannte die Filme und die ersten drei Bücher. Cho wird im dritten Buch kurz erwähnt. Aber sonst wusste ich nicht, wer sie ist oder dass sie dereinst Harry küssen würde.
Ja, Sie werden überall zitiert, dass Ihnen das Spass gemacht hat.
Oh, ich freue mich, dass Sie das schon wissen (lacht), diese Frage wird mir immer und immer wieder gestellt. Aber ja, es war sehr vergnüglich.
Wieviele Stunden hat es gedauert, diese Einstellung zu drehen?
Es war ein ganzer Nachmittag (lacht).
Ein ganzer Nachmittag, küssen, küssen und nochmals küssen?
Ja, einige Stunden lang. Aber die Zeit verging wie im Flug, es kam mir nicht sehr lange vor, weil wir wirklich Spass hatten (lacht).
Ich habe gelesen, dass Sie vorher keinerlei Schauspielerfahrung hatten. Wie war es denn nun plötzlich bei Dreharbeiten dabei zu sein? So wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ich hatte eigentlich keine Erwartungen. Ich hatte auch zuvor nie darüber nachgedacht, wie es sein könnte, weil ich nie vorhatte Schauspielerin zu werden. Alles in allem war es nicht allzu schlecht. Ich lernte all die anderen Darsteller kennen, und die waren alle sehr nett und haben es mir wirklich erleichtert dabei zu sein. Kommt hinzu, dass es im vierten Film einige neue Darsteller gab – und am Anfang waren eher wir zusammen, mit der Zeit haben wir uns dann mit dem alten Cast vermischt.
Sind Sie mit einigen der Darsteller inzwischen befreundet?
Ja, auf jeden Fall, besonders mit den Girls. Zum Beispiel mit Bonnie, das ist witzig, denn sie spielt Ginny, in die sich Harry dann ja schliesslich verliebt. Und die Leute denken nun, dass es da zwischen uns Rivalitäten gibt, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Seit ich nach London gezogen bin, bin ich recht viel mit ihr unterwegs. Und auch mit Ivana, die Luna spielt, bin ich gut befreundet. Aber es ist schwieriger, denn sie lebt in Irland. Aber wann immer sie nach London kommt, gehen wir shoppen und tun, was Mädchen eben so tun. Und mit Emma (Hermione) auch, wir gehen essen und auch shoppen (lacht).
Das können Sie alles problemlos tun? Sie werden nicht erkannt in der Öffentlichkeit?
Nein. Ab und zu, aber nicht gross. Naja, wir sind „Equus“ gucken gegangen, und da wurden wir erkannt, weil es halt das Stück ist, in dem Dan (Daniel Radcliffe) spielt.
Wie hat es Ihnen gefallen? Ich hab es übrigens auch gesehen.
Wirklich? Ist es nicht toll?
Ja, es ist wirklich gut.
Es ist unglaublich. Während Dan auf der Bühne war, habe ich ihn nicht als Harry Potter gesehen, er war eine vollkommen andere Person. Und da war der grosse Aufruhr, weil er nackt auftritt und so, aber um ehrlich zu sein, es passt, es ist nötig. Und als er sich dann wirklich auszog, war ich so tief in seiner Figur, dass ich gar nicht dachte, oh Gott, jetzt zieht er sich aus. Es ist einfach ein wirklich gutes Stück. Und Richard Griffiths (Uncle Vernon) ist auch fantastisch.
Normalerweise können Sie also wirklich rumlaufen, ohne von Fans, naja, belästigt zu werden?
(lacht) Ich würde nicht sagen belästigt, sie sind alle immer sehr nett. Aber ich werde nicht so oft erkannt, ausser wenn wir als Gruppe unterwegs sind, dann lässt es sich kaum vermeiden. Aber es immer nett, wenn Fans kommen, sie wollen ja nichts Böses und sagen nur, wie gut ihnen der Film gefällt.
Also nur positive Erlebnisse?
Ja. Bis jetzt. (lacht)
Alle warten auf das grosse Finale, das letzte Buch. Werden Sies gleich lesen?
Ja, ich habs vorbestellt und werde es am 21. Juli um Mitternacht bekommen, nehme ich an. Ich bin wirklich gespannt zu erfahren wie die Geschichte ausgeht.
Und, was denken Sie, was passiert?
Hmm, viele Leute sagen, Harry wird sterben. Ich hoffe nicht, ich wäre am Boden zerstört. Ich hoffe einfach, dass es nicht auf eine Art Cliffhanger rausläuft, sondern dass die Geschichte ein sauberes Ende hat. Oh, und Snape ist gut!
Snape ist gut?
Ja, ja, definitiv.
Da hier ausnahmsweise gleich zwei Beiträge hintereinander zum selben Thema erscheinen, erlaube ich mir noch zwei Bemerkungen zu Kommentaren beim vorigen Blog-Eintrag.
Warum ist das 5. Buch das Schwächste? Abgesehen von dem, was ich schon geschrieben habe (Handlungsteile, die bei aller Fantasy etwas weit hergeholt wirken), finde ich die Manipulation der Massen durch Politik und Medien eben nicht besonders gelungen dargestellt - die Folgen davon vielleicht, nicht aber die Art der Manipulation. Und ich bilde mir ein auch schon häufiger gelesen zu haben, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe...
Die Stars der zweiten Liga: Es ist richtig, dass man nicht überall im Leben die erste Geige spielen kann (zum Glück, was für ein Stress!), aber es ist halt auch so, dass sich Zürich - statt Daniel Radcliffe, Rupert Grint oder Emma Watson zu bekommen - nur mit Nebenrollen-Darstellern begnügen muss. Dass mag durchaus auch spannend sein, denn über die weiss man viel weniger als gerade über Radcliffe, aber es zeigt auch, dass die Schweiz halt nicht zur A-Liga der Premieren-Städte gehört. Was ja auch nicht so überraschend ist.
So, und zum Schluss noch was anderes, wos aber auch um Blockbuster und um Medien geht. Ganz aufgeregt hat heute die Presseabteilung von Universal Pictures Folgendes vermeldet, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
TRANSFORMERS von Michael Bay befindet sich auf einem wahren Siegeszug durch die amerikanischen Kinos: 152 Mio. Dollar hat das extrem spektakuläre Actionabenteuer um die fühlenden und denkenden Maschinenwesen in nur 6 Tagen vom 3.-8. Juli 2007 in USA eingespielt. Das ist der beste Start eines Non-Sequel-Films aller Zeiten.
Am Dienstag, 31. Juli 2007 kommen die guten Autobots und die kriegerischen Deceptions, die sich als allerlei technische Gerätschaften wie Autos, Flugzeuge und Haushaltgeräte tarnen können, auch in unsere Kinos (Verleih Universal Pictures International Schweiz).
„Transformers“ reiht sich somit nahtlos in die Serie der Erfolgsfilme von Michael Bay (Pearl Harbor, Armageddon, The Rock) ein.
Na, ist das was? "extrem spektakulär" und "der beste Start eines Non-Sequel-Films aller Zeiten"! Bald kommt dann die Meldung: "der beste Start eines Non-Sequel-Films an einem Dienstag aller Zeiten"! Oder "der beste Start eines Non-Sequel-Films mit total unbekannten Darstellern aller Zeiten"! Jedenfalls für jene unter Ihnen, die sich nun schon gierig nach dem "Transformers"-Film verzehren: Er ist tatsächlich ganz nett (letzte Woche wurde er hier der Presse gezeigt), ein simpler Funfilm mit viel Action, einigem Humor, ein bisschen Scifi und viel gesunden US-family-and-friendship-values.
Und, sagen Sie mal, fanden Sie "Pearl Harbour" und "Armageddon" auch so schlecht wie ich?