25.7.2007

Sechs Filme beherrschen Zürich

Von Ralf Kaminski um 16:19 [ Kino ]
Es ist Sommerflaute – überall, und im Kino sowieso. Wer derzeit auf der Suche nach einem interessanten Film das Kinoprogramm durchblättert, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass überall dasselbe läuft. Und irgendwie ist das auch so. Eine kleine statistische Auswertung des Programms vom Mittwoch, 25. Juli ergibt Folgendes: Von den total 57 Sälen (Pornokinos nicht mitgerechnet) laufen in sage und schreibe 32, also in deutlich mehr als der Hälfte, die gleichen sechs Filme:

„Harry Potter and the Order of the Phoenix“: 9 Säle
“Shrek the Third”: 6 Säle
“Oceans 13”: 5 Säle
“Pirates of the Carribbean 3”: 4 Säle
“Die Hard 4.0”: 4 Säle
“Next”: 4 Säle

Noch eindrücklicher: Mehr als ein Drittel aller Säle (20) werden von nur gerade drei Filmen belegt: Potter, Shrek und Mr. Ocean.



Lokalmatador auf Zürichs Leinwänden.


Wahnsinn, oder? Ist das internationale Filmangebot so klein? Natürlich nicht. Das Problem ist: Der Sommer ist eine extrem kinofeindliche Zeit, sowieso. Und auch sonst verdienen die meisten Kinobesitzer ihr Geld ja fast nur noch mit den Blockbustern. Die 32 Säle gehören übrigens genau zwei Betreibern: Der Kitag (23) und Edi Stöckli (9), die beiden Grossen auf dem Platz. Es ist somit der Arthouse-Gruppe und den kleinen Unabhängigen wie RiffRaff, Xenix und Filmpodium überlassen, die Filmvielfalt zu gewährleisten.

Und schon morgen Donnerstag kommt der nächste Blockbuster ins Programm: „The Simpsons Movie“ – immerhin soll der ja richtig gut sein, wie man so hört.


18.7.2007

Gesucht: Der beste Ferienfilm

Von Peter  Aeschlimann um 21:32 [ DVD ]
Ich darf in die Ferien, muss aber vorher bloggen. Also blogge ich über Ferien. Und während ich dann weg bin, diskutiert ihr Daheimgebliebenen über Ferienfilme. Das passt doch alles wunderbar.

Mein absoluter Lieblingsferienfilm ist „Im Juli“ (Fatih Akin, 2000). Es gibt keinen besseren, basta. Und kommt mir nicht mit Mr Hulot und schon gar nicht Mr Griswold oder Mr. Bean.

Im Juli

Meine Top-3 der Ferienfilme:

1. Im Juli, weil kein Auge trocken bleibt, wenn Daniel (Bleibtreu) seiner „Sonne“ Juli (Christiane Paul) am Bosporus die Worte sagt: „Meine Herzallerliebste, ich bin tausende von Meilen gegangen, ich habe Flüsse überquert, Berge versetzt, ich habe gelitten und ich hab Qualen über mich ergehen lassen, ich bin der Versuchung widerstanden und ich bin der Sonne gefolgt, um dir gegenüber stehen zu können und um dir zu sagen: ich liebe dich.“ Falls jemand im Besitze der Orignal-Soundtrack-CD ist, ich zahle einen guten Preis.

2. Pane e Tulipani, weil Ferien nirgends schöner sind als in Venedig.

3. Dirty Dancing, weil jeder Ferienflirt in Tränen endet. Und man sich ein Leben lang an diese „Zeit seines Lebens“ erinnert.

So, jetzt seid ihr an der Reihe. Ich muss nämlich noch packen. Und danach fahre ich in den Scheiss-Süden, Mann.


13.7.2007

Der Actionfilm des Jahres

Von Ralf Kaminski um 16:15 [ Kino ]
Als erklärter Actionfilm-Muffel lagen meine Erwartungen irgendwo deutlich unter Null, insbesondere da ich kurz zuvor noch den Trailer im Kino gesehen hatte, wo es explodiert und knallt und explodiert und… Aber was guckt man sich nicht alles an, wenn man Zeit hat und es gratis ist, selbst „Die Hard 4.0“. Und wie es so ist, wenn man mit tiefen Erwartungen ins Kino geht: Da braucht es normalerweise nicht viel und man ist positiv überrascht. Dass der Film allerdings zu einem derart unterhaltsamen und vergnüglichen Erlebnis geworden ist, hat mich fast ein bisschen aus der Bahn geworfen, jetzt so als erklärter Actionfilm-Muffel.



Was also macht es aus, dass die vierte Auflage von „Die Hard“, nach erstaunlichen zwölf Jahren Pause, so gut ist? Zunächst mal eine clever konstruierte, aktuelle Story mit ein paar Twists, ein überzeugender Bad Guy, ein paar witzige Dialoge und – wer hätte es für möglich gehalten – originelle Action-Sequenzen. Nicht einfach die übliche Autoverfolgungsjagd und viel Geballer und Geprügel, nein da wird ein Truck von einem Kampfflugzeug angegriffen und ein Helikopter mit einem Auto vom Himmel geholt. So was sieht man halt nicht alle Tage. Entscheidend dürfte aber das funktionierende emotionale Herz des Films sein, die Buddy-Beziehung zwischen dem alternden Helden wider Willen (Bruce Willis) und dem jungen, zunächst etwas ängstlichen Hacker-Genie (Justin Long). Und was Willis an Star-Power mitbringt, ergänzt Long mit unverbrauchter Jugendlichkeit. Auf der Suche nach anderen Filmen mit diesem mir zuvor gänzlich unbekannten Schauspieler stiess ich ausserdem auf einen richtig guten, mir bisher ebenfalls gänzlich unbekannten Horrorfilm namens „Jeepers Creepers“ (2001). Eine echte kleine Perle in seinem Genre, deren Entdeckung ich nun ausgerechnet „Die Hard 4.0“ zu verdanken habe. Ausserdem ist Justin Long auch der Mac in den wirklich witzigen US-Apple-Commercials. Er steht als cooler, junger, sexy Typ dem seriösen, etwas älteren und korpulenten PC gegenüber, der immer Zweiter macht.


Justin Long.

Wie auch immer, wenn Sie dieses Jahr einen Actionfilm im Kino schauen gehen, dann sollten sie „Die Hard 4.0“ ernsthaft in Betracht ziehen. Es fängt damit an, dass plötzlich in den ganzen USA irgendwelche Hacker umgebracht werden. Und während die Behörden noch rätseln, spielen plötzlich in einigen Städten bis anhin zuverlässig funktionierende Infrastruktureinrichtungen wie Ampeln verrückt. John McClane (eben: Bruce Willis) gerät wie üblich eher durch Zufall in die Geschichte, als er den Auftrag erhält, einen Hacker (eben: Justin Long) zwecks Befragung einzusammeln. Am Ende sind die Zwei die einzigen, die das totale Chaos vielleicht noch aufhalten können.



Vor einiger Zeit hatte ich hier ja angekündigt, Sie auf dem Laufenden zu halten über meine Erfahrungen und mit der Mafia-Kultserie „The Sopranos“. Nun, inzwischen habe ich also die ersten vier Folgen gesehen (einen Drittel der ersten von sechs Staffeln), und ich muss sagen, so richtig hat mich das Fieber noch nicht gepackt. Zugegeben, es ist witzig und unterhaltsam anzusehen wie ein Mafiaboss, von dem man kühle Überlegenheit und gezielte Gewaltausbrüche erwartet, sich mit seiner alternden Mutter rumschlägt, die partout nicht einsehen will, dass sie nicht mehr alleine wohnen sollte. Oder mit telefontechnisch nicht so versierten Untergebenen. Oder mit einer furchtlosen Psychoanalytikerin, die tiefer in sein Inneres blickt als ihm lieb sein kann. Dennoch ist das ganze dann eben doch unvermeidlicherweise in der üblichen Mafiosowelt angesiedelt, die mich einfach nicht so richtig zu interessieren vermag. Aber ich bleibe dran und werde diese erste Staffel sicher noch zu Ende sehen. Wer weiss, vielleicht kann ich ja dann doch nicht aufhören.


09.7.2007

"Snape ist gut!"

Von Ralf Kaminski um 12:30 [ Kino ]
Letzte Woche waren, wie im vorigen Beitrag vermeldet, anlässlich der Schweizer Premiere von "Harry Potter and the Order of the Phoenix" drei Stars der Harry-Potter-Filme zu Gast in Zürich. Ich hatte den Auftrag, für den Tagi James und Oliver Phelps zu interviewen (siehe TA vom 6. Juli), die in allen fünf Filmen die Weasley-Zwillinge gespielt haben. Weil aber die Presse-Abteilung von Warner Schweiz die Phelps-Brüder nur zur Verfügung stellte, wenn man auch den dritten Gast interviewt, Katie Leung (Cho Chang in Film 4 und 5), habe ich also auch mit ihr noch gesprochen. Und da es ein ausgesprochen nettes Gespräch war, finden Sie hier nun ohne grosse Bearbeitung die Übersetzung. Für das Gespräch wurden genau 15 Minuten eingeräumt. Katie Leung ist 19 Jahre alt und Schottin mit chinesischen Wurzeln.



Ich habe gelesen, Sie leben bei Ihrem Vater in Schottland…
… bis vor kurzem, aber jetzt bin ich gerade nach London gezogen.

In eine eigene Wohnung?
Ich habe eine Wohnpartnerin, die ich durch eine Freundin kennengelernt habe. Ich kannte sie nicht, bis ich einzog, aber glücklicherweise hat sie sich als sehr nett herausgestellt (lacht).

Was tun Sie, wenn Sie nicht für einen Potter-Film vor der Kamera stehen?
Ich spiele Klavier, ich liebe es, Klavier zu spielen. Ich spiele auch Gitarre. Während des letzten Films hatte ich noch Schulunterricht, bei diesem habe ich nun sehr viele Filme geguckt.

Zur Schule gehen Sie nicht mehr?
Ich habe mich bei einer Universität beworben, für September. Entweder für Grafisches Design oder Medien, ich habe mich noch nicht entschieden. Aber es ist sehr schwierig, denn ich liebe das Schauspielern und möchte auch das weiter machen.

Das wäre also ein Zukunftstraum?
Oh, ich weiss nicht. Ja, eigentlich schon. Aber ich will einfach nicht rumsitzen und auf ein gutes Script warten müssen oder auf den Anruf nach einem Casting. Das würde mich fertigmachen. Ich denke, es braucht einen Backup-Plan für den Fall, dass es mit dem Schauspielern nicht so klappt.

Sind Sie zum ersten Mal in Zürich?
Ja, und ich habe noch nichts gesehen von der Stadt! Aber man hat mir schon tonnenweise Schokolade geschenkt. Das war sehr, sehr nett. Und ich hoffe, dass nach all den Interviews heute noch etwas Zeit bleibt, bevor es zurück nach London geht. Ich glaube, wir werden noch ein bisschen shoppen gehen. Und zur Stanley Kubrick Ausstellung.

War Zürich Ihr erster Auftritt an einer Premiere?
Nein, am Tag davor war ich schon in London. Und am Sonntag gehts nach Schweden, dann Norwegen und Finnland.

Wer entscheidet, wo Sie hingehen? Können Sie da mitreden?
Nein, das entscheidet die Leute vom Filmverleih. Aber es ist eine tolle Gelegenheit, und ich würde nicht Nein sagen. Schliesslich bekomme ich so verschiedene Orte zu sehen, wo ich noch nie zuvor war. Und sie behandeln uns so gut.

Ich habe gelesen, dass Sie 4000 andere Mädchen in einem offenen Casting um die Rolle aus dem Feld geschlagen haben. Mal liest man 3000, mal 5000...
Ja, ich weiss es auch nicht so genau, aber es waren sehr, sehr viele.

Und es hiess, Sie seien ziemlich geschockt gewesen, als Sie zur nächsten Runde eingeladen worden sind.
Ja, ich war sehr überrascht. In der ersten Runde haben sie eigentlich nur Fotos gemacht. Und das taten sie nur, wenn sie dich für geeignet hielten. Als sie von mir ein Foto gemacht haben, wow, ich war so glücklich wie noch nie zuvor. Ich war dort eigentlich glücklicher als in dem Moment, wo ich die Rolle tatsächlich bekommen habe. Es war in gewisser Weise ein seltsamer Tag. Nach dem Casting ging ich mit meinen Eltern zum Mittagessen, in ein sehr kleines Restaurant. Und ich war so aufgeregt, ich jubelte und war ziemlich laut. Neben uns sass ein Paar, und die hörten mich natürlich. Er fragte mich dann, was los ist und von wo ich komme. Ich sagte es ihm, Motherwell in Schottland, ein ziemlich kleiner Ort. Und er sagte: „Ich auch!“ Seltsam, was? Dann erzählte ich ihm vom Casting, und er sagte, er habe so ein Gefühl, dass ich die Rolle kriegen werde. Und dann fotografierte er mich mit seinem Handy und sagte: „Falls du die Rolle bekommst, kann ich sagen, ich habe eine berühmte Person in meinem Telefon.“ (lacht)

Kannten Sie damals die Bücher und die vorherigen Filme?
Ich kannte die Filme und die ersten drei Bücher. Cho wird im dritten Buch kurz erwähnt. Aber sonst wusste ich nicht, wer sie ist oder dass sie dereinst Harry küssen würde.

Ja, Sie werden überall zitiert, dass Ihnen das Spass gemacht hat.
Oh, ich freue mich, dass Sie das schon wissen (lacht), diese Frage wird mir immer und immer wieder gestellt. Aber ja, es war sehr vergnüglich.

Wieviele Stunden hat es gedauert, diese Einstellung zu drehen?
Es war ein ganzer Nachmittag (lacht).

Ein ganzer Nachmittag, küssen, küssen und nochmals küssen?
Ja, einige Stunden lang. Aber die Zeit verging wie im Flug, es kam mir nicht sehr lange vor, weil wir wirklich Spass hatten (lacht).

Ich habe gelesen, dass Sie vorher keinerlei Schauspielerfahrung hatten. Wie war es denn nun plötzlich bei Dreharbeiten dabei zu sein? So wie Sie es sich vorgestellt haben?
Ich hatte eigentlich keine Erwartungen. Ich hatte auch zuvor nie darüber nachgedacht, wie es sein könnte, weil ich nie vorhatte Schauspielerin zu werden. Alles in allem war es nicht allzu schlecht. Ich lernte all die anderen Darsteller kennen, und die waren alle sehr nett und haben es mir wirklich erleichtert dabei zu sein. Kommt hinzu, dass es im vierten Film einige neue Darsteller gab – und am Anfang waren eher wir zusammen, mit der Zeit haben wir uns dann mit dem alten Cast vermischt.

Sind Sie mit einigen der Darsteller inzwischen befreundet?
Ja, auf jeden Fall, besonders mit den Girls. Zum Beispiel mit Bonnie, das ist witzig, denn sie spielt Ginny, in die sich Harry dann ja schliesslich verliebt. Und die Leute denken nun, dass es da zwischen uns Rivalitäten gibt, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Seit ich nach London gezogen bin, bin ich recht viel mit ihr unterwegs. Und auch mit Ivana, die Luna spielt, bin ich gut befreundet. Aber es ist schwieriger, denn sie lebt in Irland. Aber wann immer sie nach London kommt, gehen wir shoppen und tun, was Mädchen eben so tun. Und mit Emma (Hermione) auch, wir gehen essen und auch shoppen (lacht).

Das können Sie alles problemlos tun? Sie werden nicht erkannt in der Öffentlichkeit?
Nein. Ab und zu, aber nicht gross. Naja, wir sind „Equus“ gucken gegangen, und da wurden wir erkannt, weil es halt das Stück ist, in dem Dan (Daniel Radcliffe) spielt.

Wie hat es Ihnen gefallen? Ich hab es übrigens auch gesehen.
Wirklich? Ist es nicht toll?

Ja, es ist wirklich gut.
Es ist unglaublich. Während Dan auf der Bühne war, habe ich ihn nicht als Harry Potter gesehen, er war eine vollkommen andere Person. Und da war der grosse Aufruhr, weil er nackt auftritt und so, aber um ehrlich zu sein, es passt, es ist nötig. Und als er sich dann wirklich auszog, war ich so tief in seiner Figur, dass ich gar nicht dachte, oh Gott, jetzt zieht er sich aus. Es ist einfach ein wirklich gutes Stück. Und Richard Griffiths (Uncle Vernon) ist auch fantastisch.

Normalerweise können Sie also wirklich rumlaufen, ohne von Fans, naja, belästigt zu werden?
(lacht) Ich würde nicht sagen belästigt, sie sind alle immer sehr nett. Aber ich werde nicht so oft erkannt, ausser wenn wir als Gruppe unterwegs sind, dann lässt es sich kaum vermeiden. Aber es immer nett, wenn Fans kommen, sie wollen ja nichts Böses und sagen nur, wie gut ihnen der Film gefällt.

Also nur positive Erlebnisse?
Ja. Bis jetzt. (lacht)

Alle warten auf das grosse Finale, das letzte Buch. Werden Sies gleich lesen?
Ja, ich habs vorbestellt und werde es am 21. Juli um Mitternacht bekommen, nehme ich an. Ich bin wirklich gespannt zu erfahren wie die Geschichte ausgeht.

Und, was denken Sie, was passiert?
Hmm, viele Leute sagen, Harry wird sterben. Ich hoffe nicht, ich wäre am Boden zerstört. Ich hoffe einfach, dass es nicht auf eine Art Cliffhanger rausläuft, sondern dass die Geschichte ein sauberes Ende hat. Oh, und Snape ist gut!

Snape ist gut?
Ja, ja, definitiv.



Da hier ausnahmsweise gleich zwei Beiträge hintereinander zum selben Thema erscheinen, erlaube ich mir noch zwei Bemerkungen zu Kommentaren beim vorigen Blog-Eintrag.
Warum ist das 5. Buch das Schwächste? Abgesehen von dem, was ich schon geschrieben habe (Handlungsteile, die bei aller Fantasy etwas weit hergeholt wirken), finde ich die Manipulation der Massen durch Politik und Medien eben nicht besonders gelungen dargestellt - die Folgen davon vielleicht, nicht aber die Art der Manipulation. Und ich bilde mir ein auch schon häufiger gelesen zu haben, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe...
Die Stars der zweiten Liga: Es ist richtig, dass man nicht überall im Leben die erste Geige spielen kann (zum Glück, was für ein Stress!), aber es ist halt auch so, dass sich Zürich - statt Daniel Radcliffe, Rupert Grint oder Emma Watson zu bekommen - nur mit Nebenrollen-Darstellern begnügen muss. Dass mag durchaus auch spannend sein, denn über die weiss man viel weniger als gerade über Radcliffe, aber es zeigt auch, dass die Schweiz halt nicht zur A-Liga der Premieren-Städte gehört. Was ja auch nicht so überraschend ist.


So, und zum Schluss noch was anderes, wos aber auch um Blockbuster und um Medien geht. Ganz aufgeregt hat heute die Presseabteilung von Universal Pictures Folgendes vermeldet, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
TRANSFORMERS von Michael Bay befindet sich auf einem wahren Siegeszug durch die amerikanischen Kinos: 152 Mio. Dollar hat das extrem spektakuläre Actionabenteuer um die fühlenden und denkenden Maschinenwesen in nur 6 Tagen vom 3.-8. Juli 2007 in USA eingespielt. Das ist der beste Start eines Non-Sequel-Films aller Zeiten.
Am Dienstag, 31. Juli 2007 kommen die guten Autobots und die kriegerischen Deceptions, die sich als allerlei technische Gerätschaften wie Autos, Flugzeuge und Haushaltgeräte tarnen können, auch in unsere Kinos (Verleih Universal Pictures International Schweiz).
„Transformers“ reiht sich somit nahtlos in die Serie der Erfolgsfilme von Michael Bay (Pearl Harbor, Armageddon, The Rock) ein.

Na, ist das was? "extrem spektakulär" und "der beste Start eines Non-Sequel-Films aller Zeiten"! Bald kommt dann die Meldung: "der beste Start eines Non-Sequel-Films an einem Dienstag aller Zeiten"! Oder "der beste Start eines Non-Sequel-Films mit total unbekannten Darstellern aller Zeiten"! Jedenfalls für jene unter Ihnen, die sich nun schon gierig nach dem "Transformers"-Film verzehren: Er ist tatsächlich ganz nett (letzte Woche wurde er hier der Presse gezeigt), ein simpler Funfilm mit viel Action, einigem Humor, ein bisschen Scifi und viel gesunden US-family-and-friendship-values.



Und, sagen Sie mal, fanden Sie "Pearl Harbour" und "Armageddon" auch so schlecht wie ich?


04.7.2007

Potters neustes Abenteuer

Von Ralf Kaminski um 12:07 [ Kino ]
Es gibt einiges, das an den Harry-Potter-Filmen bemerkenswert ist. Etwa, dass es den Produzenten seit 2001 gelingt, für alle Figuren bis in die kleinsten Nebenrollen immer wieder dieselben Schauspieler zu bekommen (ausser im Falle von Professor Albus Dumbledore, dessen erster Darsteller Richard Harris 2002 gestorben ist), und wir sprechen hier nicht von irgendwelchen Schauspielern, sondern von einem Teil von Britanniens Topliga, die sicherlich auch sonst recht gut beschäftigt ist: Alan Rickman, Maggie Smith, Richard Griffiths, Gary Oldman, um nur einige der Stars zu nennen. Bemerkenswert ist es auch zu sehen, wie die jungen Darsteller mit der Geschichte langsam erwachsen werden – eben dies verlangt von den Filmemachern einen extrem gedrängten Produktionsrhythmus, denn würden sie sich zu sehr Zeit lassen, wären die Alterssprünge der drei Hauptdarsteller zwischen den Filmen zu gross, um noch glaubwürdig den Buchvorlagen zu entsprechen. Fünf enorm aufwändige Blockbuster in sechs Jahren ins Kino zu bringen und dabei durchaus ansprechende Arbeit abzuliefern, obwohl Millionen kritischer Fans die Vorlagen bis ins kleinste Detail kennen, das ist eine Leistung.

Nicht zuletzt ist es bemerkenswert, dass die Filme einen derart grossen Erfolg haben, obwohl die Mehrheit des Publikums die Geschichte bereits kennt. Man geht also nichts ins Kino, um zu erfahren wie es weitergeht, sondern um zu sehen, wie überzeugend die Story im Film umgesetzt worden ist. Am besten ist dies bisher dem mexikanischen Regisseur Alfonso Cuaron mit dem dritten Teil gelungen, „The Prisoner of Azkaban“ – er hat damit eine Marke gesetzt, an der sich alle nachfolgenden Filme messen lassen müssen. Bei Teil 5, „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ kommt als Herausforderung hinzu, dass es das schwächste der bisher sechs Bücher ist. Es verlangt von uns zu akzeptieren, dass der kluge, weise, allseits respektierte Über-Magier Albus Dumbledore bei der „Regierung“ und einer Mehrheit der Witches und Wizards plötzlich in Ungnade fällt, und dass auch der zwar bescheidene aber dennoch offensichtliche Held Harry Potter von seinen engsten Mitschülern unversehens als Lügner und Intrigant angesehen wird. Und das nur weil beide behaupten, Lord Voldemort sei zurück, was so unplausibel ja nicht ist im Lichte der Entwicklung der vorangegangenen Bücher. Es verlangt von uns zu akzeptieren, dass Harry seinen Mitschülern innert Kürze soviel Kampf-Zaubersprüche beibringen kann (nachdem sie vier Jahre offenbar gar nichts gelernt haben), dass sie sich im grossen Schlussduell gegen Voldemorts erfahrene Kämpfer eine erstaunlich lange Zeit gut behaupten können. Auch fällt es schwer sich vorzustellen, dass die erfahrenen und mächtigen Lehrkräfte von Hogwarts sich die ministerialen Autoritätsexzesse der neuen Schulinquisitorin Dolores Umbridge einfach so gefallen lassen.





Der Film gibt sich alle Mühe. Umbridge wird von Imelda Staunton mit eisiger Lieblichkeit und zunehmendem Fanatismus gespielt und ist in ihrer rosaroten Finsternis ein echtes Vergnügen. Im übrigen haben sich Regisseur David Yates und Drehbuchautor Michael Goldenberg auf das Wesentliche des gut 760 Seiten langen Buchs beschränkt, was blieb ihnen anderes übrig. Dabei fällt natürlich eine Menge unter den Tisch (z.B. Ron und Hermiones neue Rollen als Schul-Prefects oder Rons Quidditch-Abenteuer), darunter auch viele Details, welche die Beziehungen der Figuren untereinander schärfen und einiges aus der Vergangenheit klären. Wer wirklich wissen will, was in Teil 5 passiert, der muss auch das Buch lesen, der Film allein reicht nicht – und wiewohl es Schwächen hat, ist es dennoch entscheidend, denn es bereitet den Weg zum grossen Finale vor, zur endgültigen Konfrontation (auf englisch zu lesen ab 21. Juli im siebenten und letzten Buch „Harry Potter and the Deathly Hallows“). Der erste offene Kampf zwischen Dumbledores Army und Voldemorts Deatheaters findet statt, und er gibt dem Film Gelegenheit für ein beeindruckendes Special-Effects-Feuerwerk. „The Order of the Phoenix“ kommt nicht an Teil 3 heran, auch wenn er durchaus spannend und meist unterhaltsam ist. Und mehr und mehr wird Humor und Magie durch Düsternis und Konflikte ersetzt – letzteres dürfte sich, den Büchern entsprechend, auch für die letzten beiden Filme kaum ändern.

Die Schweizer Premiere findet heute Abend im Zürcher Kino Arena in Anwesenheit von drei Darstellern statt. Leider nur Stars aus der zweiten Liga, nämlich James und Oliver Phelps (die Weasley-Zwillinge) und Katie Leung (Cho, Harrys erste Freundin). Landesweit startet der Film am 12. Juli.