Platzende Seifenblase
| Von Ralf Kaminski um 11:38 | [ Kino ] |
Verfolgen Sie die Nachrichten noch zum ewigen Konflikt Israel/Palästina/Naher Osten? Oder blättern Sie in der Zeitung auch längst mit einem unterdrückten Gähnen weiter, wenn vom 276. Versuch einer Friedenbemühung, von „neuer Hoffnung“ bzw. „eskalierender Gewalt“ die Rede ist? Also ich tus, und erinnere mich dabei jeweils an die Worte des von Dennis Quaid dargestellten US-Präsidenten in „American Dreamz“ (2006), der vor der versammelten Fernsehnation sinngemäss sagte: „Ich fürchte leider, es wird da keine Lösung geben, never – ever!“ Und wenn dann also ein Film daher kommt, der inmitten genau dieses Konflikts spielt, dann braucht es beinahe ein bisschen Überwindung ins Kino zu gehen, denn eigentlich hat man das Thema ja gründlich satt.
„The Bubble“ des israelischen Regisseurs Eytan Fox aber wählt einen derart unkonventionellen und sympathischen Ansatz, dass man dem Film zunächst kaum widerstehen kann. Es fängt damit an, dass der junge schwule Soldat Noam beim Grenzdienst den jungen schwulen Palästinenser Ashraf kennenlernt, der wenig später bei Noams WG in Tel Aviv vor der Tür steht, was zu einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte führt. Die wird misstrauisch beäugt von WG-Kollege Yelli, der selbst in Noam verliebt ist, und begeistert gefeiert von WG-Kollegin Lulu, die in der linken Friedensbewegung aktiv ist und die beiden über die Grenzen hinweg Verliebten geradezu als Symbol für eine bessere Zukunft sieht. Tatsächlich geht eine Weile lang alles gut, und beinahe vergisst man, inmitten welcher Konfliktregion sich die ganze Geschichte abspielt. Tel Aviv und seine Bewohner geben dem Film den Titel „The Bubble“, die Blase – eine kleine Welt für sich, in der sich Terror und Tod offenbar zumindest für eine Weile ausblenden lassen. Doch dann droht der illegal anwesende Ashraf aufzufliegen, kehrt schweren Herzens zurück in seine Heimat, wo seine Schwester eben im Begriff ist zu heiraten – und zwar den lokalen Terroristen-Chef mit dem schönen Namen Jihad. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, und es geht rapide abwärts mit dem Film. Das Verhalten der Figuren wird immer unwahrscheinlicher und gipfelt darin, dass Ashraf schliesslich als Selbstmordattentäter nach Tel Aviv zurückkehrt.

Und wie man dann aus dem Kino herausgeht und sich über das merkwürdige Ende wundert, ertappt man sich bei der Frage, ob man sich ärgert, weil die Geschichte nicht wirklich aufgeht, oder ob man halt einfach gerne jenes Happy End wenigstens im Kino gesehen hätte, mit dem im realen Leben nicht wirklich zu rechnen ist. Der Film kommt insgesamt jedenfalls reichlich unausgegoren daher, schwankt zwischen Komödie und Drama, will unterhalten aber auch politische Statements machen und krankt an einem heftigen Bruch nach etwa zwei Dritteln Laufzeit. Er wird aber unter Schwulen sicherlich sein Publikum finden, nicht zuletzt wegen der attraktiven Darsteller und den sehr sympathischen und witzigen ersten 90 Minuten.
Und wenn wir gerade bei Seifenblasen und Schwulen sind: Am Donnerstag startet in unseren Kinos der Fantasyfilm „Stardust“, der mit einer für dieses Genre geradezu ausserordentlichen Menge Humor ausgestattet und ein vorbehaltloses Vergnügen ist. Es gibt einen strahlenden jungen Helden (Charlie Cox aus „Casanova“), eine böse Zauberin (Michelle Pfeiffer), eine bezaubernde Schönheit in Schwierigkeiten (Claire Danes), Thronfolge-Rivalitäten wegen eines sterbenden Königs (Peter O’Toole), einen magischen Erzähler (Ian McKellen) und überhaupt alles, was ein richtig schönes Märchen ausmacht. Wohl die erstaunlichste Figur ist der Kapitän eines fliegenden Piratenschiffs, der etwas widerwillig den brutalen, harten Kerl mimt, in Wirklichkeit aber nicht nur eine äusserst kultivierte Seele, sondern – eben – auch noch schwul ist, was aber niemand wissen darf. Schon gar nicht seine Mannschaft. Robert de Niro spielt den Captain mit sichtlichem Vergnügen, und gelegentlich fühlt man sich gar an einen anderen exaltierten Piratenkapitän erinnert, der in den letzten Jahren vor allem die Karibik unsicher gemacht hat.

„The Bubble“ des israelischen Regisseurs Eytan Fox aber wählt einen derart unkonventionellen und sympathischen Ansatz, dass man dem Film zunächst kaum widerstehen kann. Es fängt damit an, dass der junge schwule Soldat Noam beim Grenzdienst den jungen schwulen Palästinenser Ashraf kennenlernt, der wenig später bei Noams WG in Tel Aviv vor der Tür steht, was zu einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte führt. Die wird misstrauisch beäugt von WG-Kollege Yelli, der selbst in Noam verliebt ist, und begeistert gefeiert von WG-Kollegin Lulu, die in der linken Friedensbewegung aktiv ist und die beiden über die Grenzen hinweg Verliebten geradezu als Symbol für eine bessere Zukunft sieht. Tatsächlich geht eine Weile lang alles gut, und beinahe vergisst man, inmitten welcher Konfliktregion sich die ganze Geschichte abspielt. Tel Aviv und seine Bewohner geben dem Film den Titel „The Bubble“, die Blase – eine kleine Welt für sich, in der sich Terror und Tod offenbar zumindest für eine Weile ausblenden lassen. Doch dann droht der illegal anwesende Ashraf aufzufliegen, kehrt schweren Herzens zurück in seine Heimat, wo seine Schwester eben im Begriff ist zu heiraten – und zwar den lokalen Terroristen-Chef mit dem schönen Namen Jihad. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, und es geht rapide abwärts mit dem Film. Das Verhalten der Figuren wird immer unwahrscheinlicher und gipfelt darin, dass Ashraf schliesslich als Selbstmordattentäter nach Tel Aviv zurückkehrt.

Und wie man dann aus dem Kino herausgeht und sich über das merkwürdige Ende wundert, ertappt man sich bei der Frage, ob man sich ärgert, weil die Geschichte nicht wirklich aufgeht, oder ob man halt einfach gerne jenes Happy End wenigstens im Kino gesehen hätte, mit dem im realen Leben nicht wirklich zu rechnen ist. Der Film kommt insgesamt jedenfalls reichlich unausgegoren daher, schwankt zwischen Komödie und Drama, will unterhalten aber auch politische Statements machen und krankt an einem heftigen Bruch nach etwa zwei Dritteln Laufzeit. Er wird aber unter Schwulen sicherlich sein Publikum finden, nicht zuletzt wegen der attraktiven Darsteller und den sehr sympathischen und witzigen ersten 90 Minuten.
Und wenn wir gerade bei Seifenblasen und Schwulen sind: Am Donnerstag startet in unseren Kinos der Fantasyfilm „Stardust“, der mit einer für dieses Genre geradezu ausserordentlichen Menge Humor ausgestattet und ein vorbehaltloses Vergnügen ist. Es gibt einen strahlenden jungen Helden (Charlie Cox aus „Casanova“), eine böse Zauberin (Michelle Pfeiffer), eine bezaubernde Schönheit in Schwierigkeiten (Claire Danes), Thronfolge-Rivalitäten wegen eines sterbenden Königs (Peter O’Toole), einen magischen Erzähler (Ian McKellen) und überhaupt alles, was ein richtig schönes Märchen ausmacht. Wohl die erstaunlichste Figur ist der Kapitän eines fliegenden Piratenschiffs, der etwas widerwillig den brutalen, harten Kerl mimt, in Wirklichkeit aber nicht nur eine äusserst kultivierte Seele, sondern – eben – auch noch schwul ist, was aber niemand wissen darf. Schon gar nicht seine Mannschaft. Robert de Niro spielt den Captain mit sichtlichem Vergnügen, und gelegentlich fühlt man sich gar an einen anderen exaltierten Piratenkapitän erinnert, der in den letzten Jahren vor allem die Karibik unsicher gemacht hat.

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