18.7.2007

Gesucht: Der beste Ferienfilm

Von Peter  Aeschlimann um 21:32 [ DVD ]
Ich darf in die Ferien, muss aber vorher bloggen. Also blogge ich über Ferien. Und während ich dann weg bin, diskutiert ihr Daheimgebliebenen über Ferienfilme. Das passt doch alles wunderbar.

Mein absoluter Lieblingsferienfilm ist „Im Juli“ (Fatih Akin, 2000). Es gibt keinen besseren, basta. Und kommt mir nicht mit Mr Hulot und schon gar nicht Mr Griswold oder Mr. Bean.

Im Juli

Meine Top-3 der Ferienfilme:

1. Im Juli, weil kein Auge trocken bleibt, wenn Daniel (Bleibtreu) seiner „Sonne“ Juli (Christiane Paul) am Bosporus die Worte sagt: „Meine Herzallerliebste, ich bin tausende von Meilen gegangen, ich habe Flüsse überquert, Berge versetzt, ich habe gelitten und ich hab Qualen über mich ergehen lassen, ich bin der Versuchung widerstanden und ich bin der Sonne gefolgt, um dir gegenüber stehen zu können und um dir zu sagen: ich liebe dich.“ Falls jemand im Besitze der Orignal-Soundtrack-CD ist, ich zahle einen guten Preis.

2. Pane e Tulipani, weil Ferien nirgends schöner sind als in Venedig.

3. Dirty Dancing, weil jeder Ferienflirt in Tränen endet. Und man sich ein Leben lang an diese „Zeit seines Lebens“ erinnert.

So, jetzt seid ihr an der Reihe. Ich muss nämlich noch packen. Und danach fahre ich in den Scheiss-Süden, Mann.


19.3.2007

Ausleihen bei Freunden

Von Peter  Aeschlimann um 16:10 [ DVD ]
Wer im «Les Videos» eine DVD ein bisschen länger ausleiht, als dies die allg. Geschäftsbedingungen erlauben, erhält keine Busse aufgebrummt, sondern eine Ansichtskarte - geschickt.

Ein Gremium, oder meinetwegen eine Akademie, sollte darüber entscheiden, welche Filme (straffrei) aus dem Internet runtergeladen werden dürfen. Einziges Kriterium: Die Qualität des Streifens. «Date Movie», zum Beispiel, sollte weit oben auf der Liste dieser Akademie stehen. Nichts spricht dagegen, diesen Film nicht zu kaufen. Auch kein Richter sollte das können. Denn das Gesetzbuch kennt meines Erachtens kein höheres Strafmass, als sich zehn Minuten dieses Machwerks antun zu müssen. Wer «Date Movie» downloadet, leidet also genug. Wer die DVD kauft, ist ein Masochist. Ist das strafbar?

Sammlerfreuden

Einen sehr guten Grund, DVDs zu kaufen, habe ich im Buch «30 Ways to have fun» von Craig Robinson gefunden. Es schmückt die Stube, wenn die Plastikhüllen regenbogenmässig im Regal aufgereiht stehen. Mir fehlen noch ein paar grüne. Ausser dank «Amélie», die ich zum Glück doppelt habe und «10 Things I hate about you», ist die Farbe (sträflich) untervertreten in meiner Sammlung. Schwarze und weisse habe ich mehr als genug. Wer kennt noch grüne DVD-Hüllenrücken?

Regal

Nette Theke

Den besten Grund, DVDs doch nicht zu kaufen, sind tolle Videotheken. Zum Beispiel «Shpinx» an der Kanzleistrasse. Ein bisschen muffig vielleicht, dafür drucken die die Belege noch auf einem schaurig schön quietschenden 9-Nadel-Drucker aus.
Oder noch toller: «Les Videos» im Niederdorf. Der Schriftzug und die Homepage dieses Filmarchivs erinnern mich immer ein bisschen an die Bar «Les Amis» in Bern. Hat man da (straffrei) bei Freunden geborgt? Jedenfalls leiht der Kunde im «Les Videos» bei Freunden aus. Welche Videothek verschickt seinen säumigen Borgern schon so nette Ansichtskarten? Und das nach fast einem halben Jahr (straffreier) Ausleihe.

Karte

Lasst uns also aktiv werden. Lasst uns Listen zusammenstellen. Die erste für die Akademie, eine zweite mit grünen DVDs für meine Stube und eine dritte mit den besten Videotheken der Welt. Danach soll noch einer (straffrei) behaupten, Film-Aficionados seien Sofa-Kartoffeln.


09.2.2007

The DVDs Are Not What They Seem

Von Peter  Aeschlimann um 16:31 [ DVD ]
Laurawrapped

Die Eulen heulten es schon länger von den Douglas-Tannen, jetzt fällt der rote Vorhang: 2007 wird Dale Bartholomew Cooper auferstehen. Die zweite Staffel von Twin Peaks erscheint auf DVD. Verdammt guter Kaffee!

Über fünf Jahre lag der charmante FBI Special Agent auf der Türschwelle seines geliebten Hotelzimmers im Great Northern, mit zwei Kugeln in der Brust, den Tod im fahlen Angesicht. Ein grässlicher Cliffhanger. Wer versuchte Cooper zu erschiessen? Leo Johnson, Hauptverdächtiger im Mordfall Laura Palmer, konnte es nicht gewesen sein, weil der war ja tot. Das war jedenfalls das Letzte, was wir noch erfahren durften. Von Deputy Andy, der die Nachricht aus einem herrenlosen Telefonhörer in die Stille der Nacht stotterte (Coopers laute Zimmernachbarn, eine Horde trinkfreudiger Isländer, hatten ausgecheckt oder waren weggetreten). Dann kam der Einblender «To be continued». Und die melancholischste und, da lege ich mich fest, schönste Exit-Music aller Zeiten ertönte für zu lange Zeit ein letztes Mal: Laura Palmer’s Theme von Angelo Badalamenti. Die Leidenszeit der Fans begann.
Rückblende: Im Dezember 2001 erschien die erste Staffel von David Lynchs Kultserie «Twin Peaks» als wunderbare Special-Edition. Einziger Wermutstropfen damals: Bei der US-Version fehlte der Anfang. Wer die tote Laura «wrapped in plastic» sehen wollte, musste sich die Pilot-Episode in digital unbearbeiteter Form reinziehen oder auf die deutsche Veröffentlichung des Boxsets warten. Doch das war egal. Endlich konnte man seine alten VHS-Kassetten einmotten. Zu früh, wie sich schon bald zeigen sollte. Jahre vergingen. Mit wechselnder Couch-Besetzung die sieben Folgen der First Season nach mehrmaliger Sichtung intus, wartete man gespannt auf Weihnachten 2002, 2003, 2004, 2005 und 2006, den Release der Fortsetzung. Doch nichts geschah. In Online-Foren begann die Fan-Community sich zu ärgern. Von Buffy, Lois, Clark und noch übleren Konsorten erscheine jedes Jahr eine neue Staffel, nur die «beste TV-Serie» lege man auf Eis, hiess es. Eine Unverschämtheit. Der Grund für die Verzögerung seien Lizenzstreitigkeiten, mutmassten manche – und wurden aktiv. Über 30000 Fans unterschrieben in den letzten Jahren beispielsweise eine Online-Petition, in welcher sie die Studio-Bosse aufforderten, die Fortsetzung der Serie zu veröffentlichen. Die Unterzeichnenden – auch ich gehöre zu ihnen - outeten sich darin als Käufer der ersten Staffel und versprachen der Industrie in ihrer grossen Verzweiflung hoch und heilig, die Silberlinge noch am selben Tage ihres Erscheinens zu erstehen, falls diese denn ihrem Qualitätsanspruch genügen sollten. Und hallelujah, nun ist es soweit. Am 3. April, ziemlich exakt 17 Jahre nach der Erstausstrahlung der Serie auf ABC, kommt in den USA die zweite und letzte Staffel von Twin Peaks in den Verkauf. Die ganzen restlichen 1081 Minuten – zum Heulen schön. Cooper, wenn er zwischenzeitlich nicht verblutet ist, erhält endlich ärztlichen Beistand. Der bedauernswerte Hilfssheriff Andy kann endlich den Hörer auflegen. Alle zufrieden? Mitnichten! In der Schweiz narrte Paramount die hungrige Fanschar bereits Anfang Jahr mit dem ersten Teil (!) der zweiten Staffel. Der Rest folgt dann im April. Nach über fünf Jahren Wartezeit gibt’s hierzulande Twin Peaks nur in überteuerten Häppchen. Zweimal knappe 50 Franken kostet das Vergnügen. Bei amazon.com kostet die komplette Second Season umgerechnet 46 Franken. Glücklich nur, wer englisch versteht - und sich noch einmal ein paar Wochen gedulden kann. Wir stellen fest: Nicht nur Eulen, sondern auch DVDs, sind nicht immer, was sie scheinen.


06.12.2006

Die beste TV-Serie aller Zeiten

Von Ralf Kaminski um 16:07 [ DVD ]
Haben Sie letzthin mal über den Tod nachgedacht? Macht man eigentlich viel zu wenig. Und haben Sie letzthin mal wieder was richtig Gutes im Fernsehen gesehen? Auch nicht? Abhilfe für beides bietet eine der besten TV-Serien, die je das Licht der Bildröhre erblickt hat: „Six Feet Under“. Alle fünf Staffeln, die von 2001 bis 2005 auf HBO liefen, sind jetzt neu in einer grossen Sammel-DVD-Box zu haben – das perfekte Weihnachtsgeschenk, notfalls an sich selbst.

Die witzige und intelligente Dramaserie erzählt vom Leben, Lieben und Leiden der Familie Fisher, die in Los Angeles ein Funeral Home führt, ein Bestattungs-Institut. Im Zentrum stehen zwei Brüder, der coole aber rastlose Nate und der etwas steife, schwule David. Hinzu kommen ihre wesentlich jüngere Schwester Claire, die mit dem Erwachsenwerden ringt und ihren Platz in der Welt sucht, sowie die Mutter der drei, Ruth, die nach dem Tod ihres Mannes ganz zu Beginn der ersten Folge ihrerseits vor der Frage steht, was sie eigentlich mit dem Rest ihres Lebens anfangen soll. Jede Episode (total sind es 63, je knapp eine Stunde lang) beginnt mit dem Tod eines Menschen, dessen sterbliche Überreste dann bei den Fishers und ihrem begnadeten Leichenpräparator Rico landen.



David und Nate.


„Six Feet Under“ ist aus verschiedenen Gründen ein Ereignis: Vordergründig ist es einfach nur exzellente Unterhaltung, aber es geht eben tatsächlich auch um die existenziellen Fragen des Lebens – und das Spektrum der Figuren ist so breit, dass jeder jemanden findet, der oder die einem nahe geht. Die Charaktere und die Storys haben einen Tiefgang, den man sonst aus TV-Serien nicht kennt (dank Creator Alan Ball und seinen Autoren). Und die Qualität nimmt nicht ab, wie das bei vielen Serien, die länger laufen, sonst fast unweigerlich der Fall ist. Für Schwule ist „Six Feet Under“ ohnehin ein Muss – selten wurde eine schwule Figur in einer TV-Serie „für die ganze Familie“ so prominent und real gezeigt und so ernst genommen wie hier. „Six Feet Under“ ist alles: witzig, traurig, spannend, mutig, beunruhigend, philosophisch – und hat man mal angefangen zu schauen, kann man kaum mehr aufhören. Dank DVD-Box ist das auch nicht nötig.

www.hbo.com/sixfeetunder




12.10.2006

James Bond, abgehalftert

Von Ralf Kaminski um 17:15 [ DVD ]
Na, zählen Sie auch schon die Tage bis das nächste Abenteuer des besten Geheimagenten der Welt ins Kino kommt? Dauert ja nicht mehr lange, 23. November. Aber jedes Mal, wenn ich Werbung dafür sehe, denke ich: Was ist denn das für ein komischer Blonder da? Ach ja, stimmt, Pierce Brosnan ist ja nicht mehr… Auch verzichten müssen wir übrigens auf John Cleese als Q, weil dieser Charakter im Film gar nicht vorkommt. Genausowenig wie Miss Monneypenny. Ganz schön viel Langmut verlangen die Bond-Produzenten diesmal von ihrem Publikum. Wenn das mal gut geht.

Wer sich denn gar nicht mit Pierce Brosnans Abgang aus der 007-Serie anfreunden will, kann sich schon jetzt mit einer echten kleinen Filmperle trösten, die kürzlich auch bei uns auf DVD rausgekommen ist, nachdem sie uns im Kino aus unerfindlichen Gründen verwehrt wurde: „The Matador“ oder auf deutsch „Mord und Margaritas“ (unter diesem Titel finden Sie ihn zum ausleihen oder kaufen). Brosnan spielt darin den abgehalfterten, schmierigen, einsamen Killer Julian Noble, der in Mexiko an einer Hotelbar den gerade schrecklich erfolglosen, aber äusserst gutherzigen und anständigen Geschäftsmann Danny Wright (Greg Kinnear) kennenlernt. Das ungleiche Gespann freundet sich in der Not so ein bisschen an, und als der Killer dem Geschäftsmann während eines Stierkampfs offenbart, was er macht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wills der erst gar nicht glauben und reagiert dann zu beider Verblüffung eher fasziniert als schockiert. Als Noble Wright aber um Hilfe bei einem Job bittet, geht dem das doch zu weit, und die aufkeimende Freundschaft findet ein abruptes Ende. Bis Noble plötzlich viele Monate später vor Wrights Haustür steht und wieder Hilfe braucht. Nachdem er zweimal einen Job vermasselt hat (er ist eben auch nicht mehr der Jüngste), will ihn sein Auftraggeber nun tot. Und Wright, sein einziger Freund, ist seine letzte Hoffnung.





„The Matador“ ist eine bemerkenswerte Mischung aus Komödie, Drama und Thriller, und Pierce Brosnan (53) zieht Register seines Könnens, die man so noch nie bei ihm gesehen hat. Er hat zwar auch hier die Licence to Kill, aber spielt das pure Gegenteil vom aalglatten, smarten Geheimagenten. Und macht das so grossartig, dass man Bond nicht nur nicht vermisst, sondern sich auf weitere Brosnan-Rollen freut, die zu übernehmen er nun die notwendige Freiheit hat.


14.8.2006

Fliewatüüt - die Wiederentdeckung der Langsamkeit

Von Peter Johannes Meier um 13:18 [ DVD ]
Stinkendes Popcorn, knisternde Mandeltütchen, gruppenzwänglerische Lacher: Kino quält.

Während der verregneten Tage habe ich einfach mal zurückgespult. In eine Zeit, als nicht alles besser war, aber ich noch ein Kind. Habe mir „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ gekauft, auf DVD.


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Robbi und Tobbi im Fliewatüüt


Es war der 3. September 1972, ich war sieben, als die ARD im Kinderprogramm eine MAZ sendete. „Eine MAZ von Armin Maiwald, Friedrich Arndt...“ stand jeweils im Vorspann der Serie. Was eine MAZ war, wusste ich nicht. Weil Fliewatüüt aber etwas vom Eindrücklichsten war, was meine Kinderaugen fernzusehen bekamen, waren MAZ-Macher Helden.

Mittlerweile weiss ich, dass eine MAZ eine banale Magnetaufzeichnung ist, ein Video also. Und ich weiss auch, warum dieser Maiwald – berühmt geworden durch die „Sendung mit der Maus“ – MAZ und nicht Film machte: Er wollte Bluescreen.

Während die Elternwelt in Terrorangst erstarrte - am 5. September tötete ein arabisches Kommando an der Olympiade in München israelische Sportler und nahm weitere als Geiseln - , reiste ich mit Robbi und Tobbi im Fliewatüüt von Abenteuer zu Abenteuer. Wir hätten bestimmt auch die Geiseln befreit, hätten uns die Eltern gelassen.

34 Jahre später hat sich wenig geändert. Während ich wieder im Heli fliege, wird ein Terroranschlag in London gerade noch verhindert, im Libanon herrscht Krieg. Das Puppenspiel zieht mich in seinen Bann.

Puppenspiel. Da werden Erinnerungen an die Augsburger Puppenkiste wach, Urmel und Jim Knopf. Auch Fliewatüüt wird immer wieder in diese Kiste gesteckt. Da gehört sie aber nicht hin. Die Augsburger machten Film, nicht MAZ. Die Puppenkiste ist schwäbisch und lustig, Fliewatüüt nordisch und etwas melancholisch. Vor allem aber kommt Fliewatüüt ohne diesen heilpädagogischen Singsang aus, der mich an der Puppenkiste ähnlich langweilte, wie heute Unterbrecherwerbung.

Robbi ist ein Roboter der dritten Roboterklasse, das Menschenkind Tobbi besucht die dritte Grundschulklasse. Der erfinderische Tobbi hat Pläne für ein Fliewatüüt gezeichnet: ein Helikopter (Flie-), der auch wassern (-wa-) und auf der Strasse fahren kann (-tüüt). Robbi hat die Pläne für das mit Himbeersaft betriebene Gerät heimlich abgekupfert, um es tatsächlich zu bauen. Nur mit dessen Hilfe würde er nämlich vier rätselhafte Prüfungsaufgaben für die Roboterschule lösen können. Eines Nachts outet sich Robbi samt Fliewatüüt vor dem begeisterten Robbi. Gemeinsam brechen sie zu Abenteuern auf. Eine Männergeschichte.

Zwei Jahre haben die MAZ-Macher an Fliewatüüt gearbeitet, und wer sich das Ergebnis heute wieder anschaut, stellt fest, dass der Film kaum etwas von seiner Magie verloren hat. Die etwas unheimliche Reise mit einem Kumpel aus Blech, der viel weiss und immer das richtige Werkzeug bei sich hat, die Flüge im Helikopter (mit echten Aussenaufnahmen aber trübem Wetter) bei denen nicht viel geredet wird, der Soundtrack von Ingfried Hoffmann (der Tastenmann von Klaus „Tatort“ Doldinger): all das erzeugt jene Melancholie, die man von langen Autofahrten her kennt; wenn alles schon gesagt ist, man nur noch schaut und jeder für sich was denkt.

joshua
Will aus Silber Gold machen: der betrügerische Alchemist Joshua

Die Reisen führen zum Loch Nesss, auf ein Schloss aus lauter Dreiecken und an den Nordpol. Dafür haben die MAZ-Macher auf 3400 Metern über Meer gedreht (sieht dort allerdings mehr nach Südpol aus) und auf einem See mit Hilfe der Bundeswehr (ziemlich subversiv) ein gigantisches Schloss aus Holz gebaut. Das Lösen der Rätsel erinnert etwas an Mystery-Computerspiele: Geheimtüren müssen gefunden werden, ein verrückter Wissenschaftler treibt mit einer Tinguely-Maschine sein Unwesen.

Wer sich auf die Reise machen will, braucht etwas Zeit – vier Stunden inklusive 20 Minuten Making Of –, Geduld – die Puppen werden gespielt, nicht einfach geschnitten – und Nachsicht: die Bildqualität ist ziemlich trübe, eine 34-jährige MAZ halt.

Für Kinder von heute und damals.

Die Doppel-DVD ist unter www.ard-video.de erhältlich, der Soundtrack mit Bonus-Track von Frank Popp ist bei www.diggler.de (so heissen die) erschienen.


16.11.2005

Vom Hobbit zum Hooligan

Von Ralf Kaminski um 16:04 [ DVD ]
Schon vor Peter Jacksons Fantasy-Trilogie „The Lord of the Rings“ war Elijah Wood ein gefragter Jungschauspieler („The Ice Storm“ 1997, „Deep Impact“ 1998, „The Faculty“ 1998), aber seit er Tolkiens Hobbithelden Frodo Baggins auf der Leinwand zum Leben erweckt hat, ist der hübsche 24-Jährige mit den grossen blauen Augen ein Star, der vermutlich jede Rolle haben könnte, die er haben will.


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Umso bemerkenswerter die Auswahl, die er seither getroffen hat. In „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ (2004) spielt er eine Nebenrolle, einen eher unsympathischen Typen, der dem Helden (Jim Carrey) sein Mädchen (Kate Winslet) auszuspannen versucht. In „Sin City“ (2005) spielt er – in einer sehr kleinen Rolle – einen kannibalistischen Killer. In „Everything is Illuminated“ (2005, bei uns noch keinen Starttermin) spielt er einen jüdischen Amerikaner, der in der Ukraine nach den Wurzeln seiner Familie sucht und dort allerlei schräge Begegnungen hat. Eine Hauptrolle immerhin.

Die hat er auch in „Green Street Hooligans“ (2005), der bei uns nicht ins Kino gekommen aber seit kurzem auf DVD erhältlich ist. Wood spielt Matt, einen Journalismusstudenten aus den USA, der seine Schwester in England besucht und dort deren Schwager Pete kennen lernt. Pete ist ein fanatischer Fussballfan und Anführer einer Hooligan-Bande, der Green Street Elite, die sich regelmässig Prügeleien mit anderen Fangruppen liefert. Der ewige Aussenseiter Matt, der sich noch nie in seinem Leben geprügelt hat, lernt plötzlich, was es heisst, Teil einer Gruppe zu sein – und es dauert nicht lange, bis er mitten drin steckt in wüsten Keilereien. Doch nicht alle in der Gruppe sind begeistert von dem „Yank“, und die Konflikte drohen nicht nur die Green Street Elite, sondern auch die Familie von Matts Schwester zu zerreissen.


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Pete (Charlie Hunnam) und Matt (Elijah Wood) im Fussballstadion.


„Green Street Hooligans“ setzt sich nicht gerade tiefgründig mit Hooliganismus auseinander, gibt aber einen (durchaus beunruhigenden) Einblick in diese Szene – und Elijah Wood bestätigt mit seiner Rollenwahl einmal mehr, dass er sich nicht auf seinen Starlorbeeren ausruht und irgendwelche Hollywood-Blockbuster-Projekte annimmt, nur weil das Kohle in die Kasse bringt. Woods nächster Film heisst übrigens „Bobby“, darin geht es um 22 Menschen, die 1968 bei der Ermordung von Senator Robert Kennedy dabei waren – er steht zusammen mit Stars wie Anthony Hopkins, Sharon Stone oder William H. Macy vor der Kamera.

Mit von der Partie ist auch wieder Charlie Hunnam, der in „Green Street Hooligans“ den Raufbold Pete spielt. Einem breiteren Publikum dürfte er erstmals in der frechen britischen Schwulen-TV-Soap „Queer as Folk“ (1999) aufgefallen sein. Der 25-jährige Hunnam ist nicht nur der feuchte Traum vieler Mädchen (und Jungs!), er kann auch wirklich spielen – bringt er doch den schwulen Teenager im Coming-out ebenso überzeugend rüber wie den pöbelnden Hooligan-Macho.



Mehr als nur Freunde: Die drei Stars von "Queer as Folk".


06.9.2005

Kino mit Message

Von Ralf Kaminski um 10:00 [ DVD ]
Wieso gehen wir ins Kino? Im Vordergrund stehen Spass, Unterhaltung, positive Gefühle – gerne lassen wir uns von den auf der Leinwand erzählten Bildern wieder und wieder bestätigen, dass am Ende doch irgendwie alles gut wird: Das Böse wird bestraft, die Guten triumphieren, das junge Paar hat trotz aller Widrigkeiten zusammengefunden, die Helden reiten in den Sonnenuntergang – und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Natürlich hat das mit der Realität wenig zu tun, aber Hollywood wird ja nicht umsonst gerne auch als Traumfabrik bezeichnet. Dennoch: Es gibt auch die anderen Filme. Sie fristen zwar ein Nischendasein, können es mit Blockbustern wie „Star Wars“ oder „War of the Worlds“ niemals aufnehmen, aber immerhin – sie finden ihr (kleines) Publikum. Zum Beispiel „Crash“, ein Ensemble-Film mit grossen Stars in kleinen Rollen (Sandra Bullock, Matt Dillon, Brendan Fraser, Ryan Phillippe, Don Cheadle). Es geht um den latenten und offensichtlichen Rassismus in Los Angeles, dem Melting Pot, in dem die verschiedensten Ethnien nicht miteinander sondern nebeneinander existieren. Aggression und Nervosität dominieren die Geschichte, in der ganz verschiedene Schicksale geschickt miteinander verwoben werden. Zwar gibt es auch hier am Schluss Ansätze von Versöhnung, aber von einem Happy End kann nicht die Rede sein: Ein Mord bleibt ungesühnt, Beziehungen bleiben zerrüttet – Los Angeles wird nicht zur Stadt der Engel. Und kaum jemand wird das Kino verlassen, ohne sich zumindest ein paar Gedanken zum Thema Rassismus zu machen.



Der rassistische Polizist (Matt Dillon) hilft einer Farbigen (Thandie Newton) in "Crash".


Ein anderer Film, ebenfalls mit Don Cheadle und mit einer noch weitaus eindringlicheren Botschaft, kommt Mitte September auf DVD raus: „Hotel Rwanda“. Ihm gelingt das, was die Medien Mitte der 90er-Jahre nicht geschafft haben: Auch bei den satten Menschen der westlichen Welt Betroffenheit auszulösen für eines der furchtbarsten Massaker der jüngeren Geschichte – den Völkermord in Ruanda, Afrika. Im Mittelpunkt steht der Manager des Luxushotels Milles Collines in Kigali, ein aufrechter, pragmatischer Mann, der sich über Nacht in einem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land wieder findet. Unmittelbar vom Tod bedrohte Flüchtlinge strömen in sein Hotel, und er tut, was er kann, um zu verhindern, dass auch sie massakriert werden. Wir erleben den Völkermord in Ruanda durch seine Figur, einen einfachen Mann, der zum Helden wird. Wir erleben, wie die internationale Gemeinschaft, die Uno, die USA, die alten Kolonialmächte Frankreich und Belgien, die ganze Welt die Augen verschliesst, weil das Schreckliche weit weg im fernen Afrika passiert, weil ja nur Schwarze betroffen sind und ein Land, an dem keine wie auch immer gearteten wirtschaftlichen Interessen bestehen. Die schreckliche Brutalität, mit der Hunderttausende von Männern, Frauen und Kindern zum Teil mit Macheten in Stücke gehackt werden, erspart uns Regisseur Terry George zwar weitgehend, umso deutlicher macht er klar, wie wenig es seitens der internationalen Gemeinschaft gebraucht hätte, den Völkermord zu verhindern: ein paar Hundert gut ausgerüstete, entschlossene Truppen und die entsprechenden finanziellen Mittel. Einen Bruchteil von dem, was zum Beispiel seit 2003 in den Irak gepumpt wird.



Verzweiflung und Mut inmitten des Völkermords: Paul Rusesabagina (Don Cheadle) und seine Frau Tatiana (Sophie Okonoedo) in "Hotel Rwanda".


Natürlich vereinfacht der Film die historischen Ereignisse und die wahre Geschichte um den Hotelmanager Paul Rusesabagina, aber er bringt seine Botschaft unmissverständlich rüber: Schämt Euch, dass Ihr weggesehen habt, dass Ihr nichts getan habt. Und man verlässt das Kino, ist erschüttert, schämt sich, schwört, nie wieder wegzusehen. Man will vielleicht mehr wissen. Deshalb hier noch ein Buchtipp: „Handschlag mit dem Teufel – Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“, geschrieben von Romeo Dallaire, dem kanadischen Uno-General in Ruanda, der während des Völkermords ebenso verzweifelt wie vergeblich versuchte, die Welt davon zu überzeugen, mehr Truppen und Geld zur Verfügung zu stellen, um das Schlimmste zu verhindern (Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3861 507242, 651 Seiten). Er berichtet über die Massaker und die Gleichgültigkeit der westlichen Welt aus erster Hand. Und was der Film nur andeutet, macht Dallaires Buch unmissverständlich klar: Das Versagen geht weiter. Für Zentralafrika ist kein Happy End in Sicht.


31.8.2005

Methusalem-Komplott

Von Benedikt Eppenberger um 13:45 [ DVD ]


Echt. Dieses Plakat löst bei mir sowas von einem Denkprozess aus. Ich denke beispielsweise: Warum gibt es so wenige Filme, die im Altersheim spielen? Was ist bloss los mit dieser Gesellschaft? Jugendwahn wohin man blickt. Samirs «Snow White» ist bloss die Vorhut. Bald schon folgt mit «Mein Name ist Eugen» eine weitere hundertprozentige Kinderei.

Nur gerade Wim Wenders läuft diesem Trend etwas entgegen. Sein aktueller Film «Don’t come knocking» ist randvoll mit greisenhaften Gestalten. Dabei gibt er sich betont jugendlich, streut Witze ein, doch das gefühlte Durchschnittsalter bleibt bei 120 Jahren. Wenders, der sich seit cirka 1973 weise dünkt und U2 zu seinen Lieblingsbands zählt, kommt dem Paradigma eines Altersheim-Filmers also schon recht nahe. Aber eben, nur recht nahe.

Wie man es anstellen muss, wie man Todesnähe, Altersheim, Gebrechlichkeit, Action und sarkastischen Witz auf hohem Niveau vereint, zeigen Regisseur Don Coscarelli und Autor Joe Lansdale in «Bubba Ho-tep», einer wirklich einleuchtenden Fantasie übers Altwerden (nicht übers Älterwerden!!!) und den vergeblichen Wunsch nach Unsterblichkeit.

In einer Seniorenresidenz im Süden der USA leben zwei bettlägerige Alte, Sebastian Haff (Bruce Campbell) und Jack Kennedy (Ossie Davis), einen sinnlos-einsamen Alltag, unterbrochen bloss von entwürdigenden Eincrème-Ritualen und freudloser Nahrungsaufnahme. Beide Männer schwelgen in Erinnerungen – und deren sind da viele. Der eine, mit fetten Koteletten und Tolle, behauptet der einzige wahre «Elvis» zu sein. Früh schon seines Ruhmes überdrüssig geworden, tauschte der echte Elvis mit dem talentierten Elvis-Imitator Sebastian Haff die Rollen, und machte fortan als falscher Haff die Provinzbühnen des Landes unsicher. Als Elvis Presley 1977 starb, segnete demnach die Kopie das Zeitliche, und damit auch der einzige Mensch, der des falschen Haffs wahre Identität hätte bestätigen können. So landete der wahre King, nach einem turbulenten, aber provinziellen Leben mit tausend Gebrechen im Altersheim und liegt nun siech im Bett.

Ähnlich war es Jack Kennedy ergangen. Eigentlich war er einmal John F. Kennedy, bis ihn sein parteiinterner Widersacher, Lyndon B. Johnson, auf besonders perfide Weise aus dem Amt räumte. Mittels Attentat? Denkste! Alles Fake! In Wahrheit wurde John F. Kennedy so lange biochemisch behandelt, bis aus ihm ein Afroamerikaner wurde. Schliesslich landete auch er in der Seniorenresidenz, wo ihm, ähnlich wie Haff/Elvis, natürlich keine Menschenseele seine Geschichte abkauft.

Dann ist da auch noch Ho-tep, ein viel tausendjähriger mumifizierter Fürst, der, seit vom Wagen einer Altägypten-Ausstellung gefallen, in besagter Altersresidenz sein Unwesen treibt. Um als Untoter weiter existieren zu können, muss er in regelmässigen Abständen hilflosen Pensionären die Seele aus dem Leib saugen. Bei Elvis und JFK allerdings hat der Altägypter die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die beiden amerikanischen Legenden verbünden sich und fahren im Rollstuhl auf ins letzte Gefecht.

Es ist schon von allererster Güte, was Coscarelli («Phantasm»), der durchgeknallte Animations-Serien-Autor Joe Lansdale und Kult-Schauspieler Bruce Campbell («Evil Dead») hier zu Wege gebracht haben. Lächerliche alte Männer kämpfen einen lächerlichen Kampf gegen eine lächerliche Mumie und ringen einem damit Achtung ab. Statt in sinnlose Plakatkampagnen zu investieren, täte man also besser daran mit Action-Horror-Komödien für mehr Toleranz gegenüber dem Alter zu werben. Vielleicht mit Peter Zinsli, der mit dem Sennentuntschi um Leben und Tod fightet. Wetten, das brächte den Schweizer Senioren bei der Jugend weit mehr Respekt ein als mitleiderheischende Blicke aus dem Fenster der Forchbahn.



15.7.2005

Puppenkiste fatal

Von Benedikt Eppenberger um 15:09 [ DVD ]


Die Rede von der grossen Politik, die eigentlich nichts anderes sei als ein gigantisches Kasperle-Theater, ist uns nur zu geläufig. Vor allem dann, wenn der dumme George in Washington mal wieder von «Freiheit» labert, spricht man hier zu Lande gern von «Hampelmännern».

Bei so viel Liebe zum Spiel mit Puppen ist es doch sehr verwunderlich, dass der monströseste Marionetten-Film aller Zeiten, «Team America», die Deutschschweizer Kinos bis heute nicht erreicht hat. Noch an Weihnachten 2004 versprach man uns den Start dieses neusten Kino-Streichs der «South Park»-Macher Matt Stone und Trey Parker auf sicher; jetzt ist es Juli, und von «Team America» fehlt jede Spur.

Aber halt. Inzwischen ist diese Ungeheuerlichkeit auf DVD erschienen, und das Warten hat ein Ende. Jetzt kann sich jeder, der will, ein Bild davon machen, wie Marionetten ficken, kotzen und schöner sterben können. Die Geschichte ist schnell erzählt. «Team America» ist eine hochgerüstete Anti-Terroreinheit, die weltweit Jagd auf ... klar doch ... Terroristen macht. Dabei entsteht massenhaft Kollateralschaden (Paris, Kairo etc.), doch die Team-Mitglieder entschuldigen sich immer artig und machen mit ihrem Handeln die USA weltweit noch beliebter. Für eine Infiltrationsmission wird der erfolgreiche Hauptdarsteller eines AIDS-Musicals rekrutiert, der in Folge für zwar noch mehr Kollateralschaden sorgt, aber auch erreicht, dass sich die Weltzerstörungspläne des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Il und seiner willigen Handlanger (Michael Moore, Alec Baldwin, Matt Damon, Helen Hunt, Tim Robbins, Susan Sarandon und Sean Penn) zerschlagen.

So weit, so politisch unkorrekt. In ihrer destruktiven Haltung liegt vermutlich das Hauptproblem, mit dem Parker/Stone bei der Verbreitung ihres anarchistischen Geniestreichs zu kämpfen haben: Sie verscherzen es einfach mit allen. Getreu der Devise von Komiker Mel Brooks -- «Wenn ein Witz gut ist, dann ist mir egal, wen ich damit beleidige» - liefern die beiden zwar massenhaft tolle Witze, beleidigen aber quer durch alle politischen Lager so ziemlich alle. Die Liberalen, die Konservativen, die Linken, die Rechten, die Katholiken, die Protestanten, die Muslime, die Schwulen, die Frauen, die Machos, die Europäer, die Asiaten, die Latinos, die US-Amerikaner ... alle bekommen irgendwie ihr Fett weg, so dass sich die Frage stellt: Wer soll sich das ansehen?

Am besten all jene, die immer schon davon geträumt haben, einen Jerry-Bruckheimer-Action-Knaller als Augsburger-Puppenkisten-Theater im Kino anschauen zu können. Gepriesen sei sodann die Liebe, mit der hier an der Zerstörung des guten Geschmacks und der «richtigen» Gesinnung gearbeitet wurde. Weltweit übertroffen wird diese Verkommenheit, diese subversive Unterminierung eliterelevanter Geschmackskategorien vermutlich nur noch durch die Zürcher Teddy-Aktion. Beides unbedingt anschauen.


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