Ein würdiges Finale
| Von Ralf Kaminski um 18:21 | [ Kino ] |

Millionen von Fans haben Jahre darauf gewartet – einige mit gespannter, andere mit besorgter Vorfreude: Würde der letzte Teil der „Star Wars“-Saga genauso mässig werden wie es Episode I und Episode II waren? Oder würde George Lucas es doch noch mal schaffen, wenigstens einen Film abzuliefern, der seiner ersten Trilogie (Episoden IV-VI, 1977-83) würdig ist? Nun, nächste Woche startet „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“ weltweit gleichzeitig in den Kinos, am Montag wurde der Film der Zürcher Presse gezeigt. Und siehe da, er war gut. Zumindest ist er der mit Abstand beste Teil der zweiten Trilogie (Episoden I-III, 1999-2005) – vielleicht hat er sogar die Chance, „The Empire Strikes Back“ (1980) zu übertrumpfen, der bisher als bester aller „Star Wars“-Filme gilt.
Überraschungen gibt es allerdings keine: Die Handlung ist mehr oder weniger vorgegeben, da der Film das Verbindungselement zwischen „Attack of the Clones“ (2002) und „A New Hope“ (1977) darstellt. Man weiss also, dass am Ende von „Revenge of the Sith“ die dunkelste Stunde der Galaxis begonnen hat: Aus der Republik wird ein Imperium, aus dem Kanzler der Imperator, aus Anakin Skywalker (Hayden Christensen) der Sith-Lord Darth Vader – und von all den vielen edlen Jedi-Rittern überleben nur gerade zwei: Obi Wan Kenobi (Ewan McGregor) und Yoda. Und obwohl man all dies weiss, bevor die ersten Fanfaren-Klänge der 20th Century Fox Hymne erklingen, zieht der Film dennoch rein. Er ist dramatisch, düster, spektakulär und gespickt mit Laserschwert-Duellen: Obi Wan und Anakin gegen Count Dooku (Christopher Lee in einem sehr kurzen Auftritt), Mace Windu (Samuel L. Jackson) gegen Kanzler Palpatine (Ian McDiarmid), Obi Wan gegen General Grievous (ein monströser Kampfroboter), Obi Wan gegen Darth Vader (zu dem Zeitpunkt noch ohne Maske), Yoda gegen Imperator Palpatine.
Obwohl „Revenge of the Sith“ sehr action-lastig ist, versinkt die Handlung diesmal nicht darin. Und eine der spannendesten und charismatischsten Figuren der zweiten Trilogie, Supreme Chancellor Palpatine, bekommt endlich richtig was zu tun. Zwei Enttäuschungen gibt es trotzdem: 1. Der grossartigste Bösewicht aller Zeiten, Darth Vader, bekommt seine legendäre Maske erst in den allerletzten Minuten des Films und hat nur gerade zwei extrem kurze Auftritte, davon einer wortlos. 2. Die finale Verführung Anakins zur dunklen Seite der Macht durch Palpatine findet letztlich über Anakins grosse Liebe zur inzwischen schwangeren Padmé (Natalie Portman) statt, eine Liebe, die man den beiden schon in „Attack of the Clones“ nicht so richtig abgenommen hat, und an die man auch diesmal mehr glauben muss als dass sie überzeugend rüberkäme. Das macht ihre grosse Bedeutung bei der Transformation von Anakin zu Vader etwas heikel.
Alles in allem ist jedoch dieser sechste und laut George Lucas definitiv letzte Teil der „Star Wars“-Saga ein würdiges Finale, das alle losen Enden zusammenknüpft und der alten Trilogie einen ganz neuen Twist gibt. Als Gesamtpaket über alle sechs Filme betrachtet ist „Star Wars“ nun also die Entwicklungsgeschichte von Darth Vader alias Anakin Skywalker, der wegen der Liebe zu seiner Frau zum Bösen verführt wird und durch die Liebe seines Sohnes nicht nur zum Guten zurückfindet, sondern die Quelle des Bösen gleich noch vernichtet und sich damit rehabilitiert. Wenn das keine ergreifende Story ist.
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