27.12.2007

Zum Abschied (Das Sequel)

Von Ralf Kaminski um 15:32 [ Kino ]
„Enchanted“ also. Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht – der Film verunmöglicht es mir leider, so richtig genüsslich über ihn herzuziehen. Er ist, im Gegenteil, eigentlich sogar ganz nett. Eine Mischung aus Märchenparodie und Romantic Comedy. Von deren eigentlicher Genre-Formel (Boy meets Girl, aus anfänglicher Abneigung wird Zuneigung, dann tauchen doch noch Probleme auf, diese lassen sich jedoch schliesslich lösen, and they live happily ever after) belastet eigentlich nur noch der absehbare Schluss den Film; alles andere ist derart charmant variiert, dass man mit „Enchanted“ einen durchaus vergnüglichen Kinoabend verbringen kann. Man könnte sogar sagen, der Film führt das Genre Romantic Comedy endlich ganz offen dahin, wo es eigentlich schon immer gespielt hat: in die Märchenwelt.

Und auf der Ebene Märchenparodie hat „Enchanted“ einige Highlights zu bieten: Wenn etwa die künftige Braut des edlen Prinzen – daran gewöhnt in ihrer eigentlichen Zeichentrickwelt für die kleinen lästigen Arbeiten des Lebens (putzen, kochen, Kleider nähen) mittels Gesang die Hilfe von Vögeln, Nagetieren und anderen Kreaturen des Waldes zu erhalten – mitten in einem realen New Yorker Apartment zu singen beginnt, und allerlei Getier prompt herbei kreucht und fleucht, um ihr zu helfen, dann ist das schon sehr komisch. Insbesondere auch das Kakerlaken-Ballett. Die Prämisse des Films, für all jene, die ihn nicht kennen: Die böse Königin eines Zeichentrick-Reichs schickt die Angebetete ihres Sohnes durch eine Art Dimensionskanal in die reale Welt, wo sie sich unversehens mit den äusserst unmärchenhaften Realitäten des modernen New Yorks konfrontiert sieht. Davon lässt sie (grossartig: Amy Adams) sich allerdings nicht ernstlich beirren, was zu einer ganzen Reihe sehr komischer Szenen führt. Kurz nach ihr tauchen dann noch der Prinz selbst (James Marsden) und ein Helfer (Timothy Spall) der bösen Königin (Susan Sarandon) auf, die sich ebenfalls nicht die geringste Mühe geben nicht aufzufallen. Die Braut stolpert kurz nach ihrem Eintreten in die reale Welt über einen geschiedenen Scheidungsanwalt (Patrick Dempsey), der zunächst irritiert, dann aber immer mehr angetan ist von der seltsamen jungen Frau. Derweil der Prinz die halbe Stadt abklappert, um seine Angebetete wieder zu finden, begleitet vom Helfer der Königin, der genau das zu verhindern trachtet. Schliesslich aber findet der Prinz seine Braut. Nur die ist nicht mehr ganz so wild auf ihn, wie er das erwartet hätte…


Der Prinz findet seine Braut. Doch nicht alle sind so glücklich darüber.

Bemerkenswert ist vielleicht auch noch, dass Disney sich mit diesem Film selbst parodiert, zeichnet das Produktionshaus doch auch verantwortlich für jene Märchen-Animationsfilme aus den 50ern und 60ern, deren simple Naivität in „Enchanted“ nun karikiert wird. So ändern sich die Zeiten. Nun, wie gesagt, ein vergnüglicher Kinoabend ist damit zu haben, und das ist ja schon was, insbesondere für eine Romantic Comedy. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele weitere vergnügliche Kinoabende. Danke fürs Lesen. Danke fürs Kommentieren. Machen Sies gut.


17.12.2007

Zum Abschied (Teil 1)

Von Ralf Kaminski um 17:00 [ Kino ]
Es macht ja weniges soviel Spass, wie über etwas oder jemanden so richtig herzuziehen. Ist Ihnen sicher vertraut, denn der Mechanismus spielt bei Blog-Kommentaren genauso wie bei Filmkritiken. Ich werde mir deshalb zum Abschied meiner Film-Blog-Tätigkeit hier noch etwas gönnen und mir das Romantic-Comedy-Märchen „Enchanted“ zu Gemüte führen. Denn weniges halte ich für so überflüssig wie Romantic Comedys. Immerhin, diese ist mit einem Schuss Fantasy ausgestattet, vielleicht also nicht ganz so Schema F wie üblich. Ich bin gespannt.

Sicher ist Ihnen der Titel dieses Beitrags nicht entgangen… und sollten Sie ein regelmässiger Besucher unseren kleinen Blogs sein (keine Ahnung, ob es so was wirklich gibt), dann ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass wir Schreiber immer weniger geworden sind. Als am 9. Juli 2004 der erste Beitrag erschien, waren wir zu fünft – ich bin der letzte Mohikaner dieses ursprünglichen Teams. In den letzten Monaten wurde ich gelegentlich noch von zwei Kollegen unterstützt, aber unregelmässig – nicht zuletzt, weil wir alle auf der TA-Redaktion hauptberuflich eigentlich was anderes tun. Deshalb auch die immer weniger werdenden Beiträge hier… Und da nun auch ich mich ab kommenden Jahr beruflich neuen Herausforderungen stelle, wie man so schön sagt, tja, mal sehen, wies hier weiter geht und ob überhaupt.

Aber, klicken Sie mal zurück: Was zu Anfang unserer Film-Blog-Tätigkeit in erster Linie kommentiert wurde, waren eh vor allem Geisselungen, weil wir den – freiwillig pausierenden – US-Korrespondenten Martin Kilian quasi abgelöst hatten. Der allererste Kommentar zu meinem allerersten Beitrag („Sequel-mania“) war wirklich enorm motivierend: „Einmal ein guter Blog von Kilian und danach folgt nur noch Scheisse“, schrieb da ein gewisser Custer am 12. Juli 2004. Naja, nach ein paar Wochen hat sich das dann entspannt… und mittlerweile sind die kritischen Voten differenzierter und eher auf den Beitrag bezogen. Und sogar Kilian ist wieder zurück in der Tagi-Blogger-Welt…

Wie auch immer, mit „Sequel-mania“ habe ich angefangen, mit einem Zwei-Teiler verabschiede ich mich. „Enchanted“ läuft am Donnerstag an, noch vor Ende dieses Jahres lesen Sie hier meinen letzten Beitrag dazu.



PS: Fanden Sie „Bee-Movie“ auch eher mässig toll, speziell nach all den Vorschuss-Lorbeeren? „Ratatouille“ ist der Zeichentrickfilm des Jahres (wenn nicht des bisherigen Jahrzehnts), da kommt so schnell nichts ran.

PPS: „The Sopranos“ (Sie erinnern sich vielleicht, ich hatte mal angekündigt, Sie auf dem Laufenden zu halten, wies mir mit der Serie ergeht): Ich hänge noch immer bei Season 1, Episode 4. Habe schon zwei Anläufe mit Episode 5 unternommen und bin beide Male dabei eingeschlafen. Der Fall scheint mir klar: Diese Serie ist irgendwie nichts für mich. Geradezu verschlungen hingegen habe ich die beiden Seasons von „Rome“ – ein Historienspektakel voller politischer Intrigen und zum Untergang verurteilter Romanzen, aufwändig produziert von HBO und angeblich historisch einigermassen akkurat ausgestattet. Falls Sie noch ein Weihnachtsgeschenk suchen: Die DVD-Box der ersten Staffel gibts hier zu kaufen, die zweite Staffel in den USA oder England.



Gaius Julius Cäsar und seine Gefolgsleute.


28.11.2007

Schlaftabletten auf der Leinwand

Von Ralf Kaminski um 17:36 [ Kino ]
Schlafen Sie oft im Kino? Es soll ja Leute geben, denen passiert das regelmässig. Wohl nicht so häufig wie vor dem Fernseher zu Hause, aber dennoch: regelmässig. Mir passiert es eher selten – und es ist kein gutes Zeichen für den Film, der gerade auf der Leinwand läuft. Jüngstes Beispiel: „Lust, Caution“ von Ang Lee, einen Regisseur, den ich sonst sehr schätze und der einige Filme gemacht hat, die ich wirklich mag (The Ice Storm, The Wedding Banquet, Brokeback Mountain). Aber sein neustes Werk plätschert wirklich endlos dahin und ist im Mittelteil einfach nur langweilig. Es geht um China während der japanischen Okkupation (vor und während des Zweiten Weltkriegs), und eine junge Widerstandskämpferin schleicht sich nach und nach in das Haus und in das Herz eines mächtigen Mannes, der mit den Japanern gemeinsame Sache macht. Ziel: Er soll umgebracht werden. Stattdessen verlieben sie sich irgendwie ineinander. Und das in zweieinhalb Stunden mit vielen schönen Bildern und schmachtenden Blicken und überraschend explizitem Sex. Aber auch das hilft nicht. Dieser Film ist 60 Minuten zu lang für die Geschichte, die er erzählt. Starker Schluss allerdings.


Öde: Ang Lees Liebesdrama in Shanghai.


Der erste Kinofilm, in dem ich je eingeschlafen bin, hiess „Warum Bodhidharma in den Orient aufbrach“, und es ging um Buddhismus, Entsagung und das Nichts. Möglicherweise war ich (späte Teenager-Jahre) damals auch zu jung für das Thema, aber ich war unendlich gelangweilt. Ich bin auch nur gegangen, weil der Film schon wochenlang lief und alle so begeistert waren davon. Also dachte ich: Da muss was dran sein. Nun ja. Ebenfalls gut geschlafen habe ich während weiter Strecken von „Matrix Reloaded“, dem zweiten Teil des Hit-Films der Wachowski-Brüder. Gut, das war unter erschwerten Bedingungen, ich war jet-lagged, und es war eine Mitternachtsvorstellung. Aber das zeigt, dass auch Action-Filme sich als Schlaftablette eignen. Gerade Action-Filme, muss man sogar sagen. Denn in ihrer aufgeregten Knallerei und Zerstörwut können sie schon enorm öde und eintönig sein, wenn sie nicht von ein bisschen interessanter Story begleitet werden. Dunkel erinnere ich mich, auch während „The Chronicles of Riddick“ recht gut gedöst zu haben (der zweite Teil des exzellenten SciFi-Horrors „Pitch Black“).

Dass auch langsame und lange Filme nicht langweilig und einschläfernd sein müssen, zeigt derzeit „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ – eigentlich mehr ein Beziehungsfilm als ein Western. Der Streifen ist so lang wie sein Titel, und er hat ein enorm langsames Tempo. Aber was da passiert zwischen den Figuren, insbesondere auch zwischen den beiden Titelhelden, das ist ganz grosses Kino, hochspannend, dramatisch, tragisch, exzellent gespielt (von Brad Pitt und Casey Affleck). Dazu betörend schöne Bilder und Kameraeinstellungen. Und das von einem gewissen Andrew Dominik inszeniert, der bisher noch nichts weiter von Belang gemacht hat.


Spannend: Andrew Dominiks wilder Westen.

Na, jedenfalls, falls Sie Lust haben uns mitzuteilen, welches die Filme waren, bei denen Sie am besten geschlafen haben, nur zu. Keine Müdigkeit vorschützen.



08.11.2007

Der Terror hat das Kino erreicht

Von Ralf Kaminski um 15:52 [ Kino ]
Eine der wichtigsten Funktionen des Kinos ist die Alltagsflucht, weg aus dem grauen Hier und Jetzt der eigenen Existenz, hinein in eine farbige Welt voller Abenteuer, Action und Humor. Hollywood bietet in der Hinsicht für alle Bedürfnisse etwas, aber gelegentlich fühlt es sich auch dazu berufen, die Fantasien beiseite zu schieben und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis auch George W. Bushs „Krieg gegen den Terror“ im Kino ankommen würde. Das tut er nun gleich dreifach mit „The Kingdom“ (läuft schon), „Lions for Lambs“ (ab heute) und „Rendition“ (ab 22. November). Für Freunde des politischen Kinos also erfreuliche Zeiten.

Kommt hinzu, dass mindestens „The Kingdom“ und „Rendition“ (den dritten habe ich noch nicht gesehen…) eine gelungene Mischung aus spannender Unterhaltung und durchaus differenzierter Reflektion bieten. Allerdings auch – im Lichte der aktuellen Lage wohl angemessen – wenig Hoffnung auf eine Besserung offerieren.

„We’re gonna kill them all!“ lautet etwa der letzte Satz von „The Kingdom“, und er wird gleich zweimal gesprochen, einmal auf amerikanischer Seite, einmal auf arabischer – gemünzt ist er auf die jeweils andere. Dies nachdem es einem gemeinsamen Team von US- und arabischen Ermittlern in Saudi Arabien gelungen ist, die Urheber eines Attentats auf eine US-Wohnsiedlung in Riad zu finden und auszuschalten. Solche kleinen Erfolge mag es geben, ist die Botschaft des Films, aber der gegenseitige Hass, das gegenseitige Unverständnis sitzt inzwischen zu tief, ist zu weit verbreitet, als dass dies Anlass dazu wäre, auf eine grundsätzliche Verbesserung oder Entspannung der Situation zu hoffen.

In „The Kingdom“ sitzt das Böse in erster Linie in Saudi-Arabien, während „Rendition“ auch die USA nicht verschont. Dort geht es um die staatlich sanktionierte Entführung eines terrorverdächtigen US-Bürgers mit ägyptischen Wurzeln nach Nordafrika. Damit dort das getan wird, was in den USA selbst nicht möglich ist: Das Herauspressen eines Geständnisses mittels Folter. Meryl Streep als harte CIA-Direktorin, die der Ansicht ist, nur ihre Pflicht zu tun, steht Jake Gyllenhaal gegenüber, einem jungen Mitarbeiter, der als Beobachter vor Ort der Folterung beiwohnt und zwischen Vaterlandspflicht und Entsetzen schwankt. Bemerkenswert auch die Figur des lokalen Geheimdienstchefs (Yigal Naor), der pragmatisch und kühl das für die Amerikaner tut, was sie selbst nicht tun wollen – im Glauben, damit doch trotz allem Menschenleben retten zu können. Und der schliesslich einen hohen Preis dafür bezahlt. Ebenso übrigens wie der Leiter der arabischen Ermittler in „The Kingdom“, der die Amerikaner unterstützt.

Eine Botschaft, die in dieser Verdoppelung besonders schwerwiegend wirkt: Die lokalen Helfer der Amerikaner werden bestraft, die Amerikaner selbst kommen davon, und ein Ende des Terrors und der ethischen Zweideutigkeiten ist ohnehin nicht in Sicht. Allerdings ist die Helfer-Figur in „The Kingdom“ vorbehaltlos gut, während jene in „Rendition“ deutlich schillernder ist. „Rendition“ ist auch eine Anklage an das politische System, das Folter inoffiziell sanktioniert – auch wenn der unschuldig Gefolterte am Ende dank des Gewissens des jungen CIA-Mitarbeiters in Nordafrika frei kommt. Hier wird suggeriert: Im System ist etwas faul, aber der einzelne Bürger hat das Sensorium für Gerechtigkeit noch nicht verloren. Also doch ein Hoffnungsschimmer, wenigstens hier. Wenns denn so ist.


Meryl Streep als eiskalte CIA-Direktorin mit einem zaudernden Senator (Alan Arkin).


23.10.2007

Wohliges Gruseln vs. Blutspritzereien

Von Ralf Kaminski um 16:57 [ Kino ]
Irgendwann entwächst man ja dem Stephen-King-Alter. Als Teen habe ich ihn verschlungen, den Horrormeister aus dem Nordosten der USA: Friedhof der Kuscheltiere, Shining, Salem’s Lot, Misery, ES etc. etc. Bin auch jedes Mal hoffnungsfroh ins Kino gegangen, wenn eine Verfilmung anstand – und war jedes Mal enttäuscht, fast jedes Mal. „Shining“ war, naja, ganz okay, „Misery“ (mit der grossartigen Kathy Bates) sogar richtig gut. Bis heute am besten gefallen hat mir „Stand by Me“, die Verfilmung einer Kurzgeschichte, die nichts mit Horror und viel mit Freundschaft und Nostalgie zu tun hat.

Wie auch immer: Irgendwann habe ich aufgehört, Stephen King zu lesen. Ich weiss nicht mehr, welches das letzte Buch war, aber ich weiss noch, dass ichs als einzige Reiselektüre auf einem Langstreckenflug dabei hatte und mich gottserbärmlich gelangweilt habe (weniges ist so schlimm, wie auf einem Langstreckenflug nichts Interessantes zu lesen zu haben). Danach war Schluss mit mir und dem King.

So war es also mit einem etwas nostalgischen Gefühl, dass ich mir kürzlich im Kino „1408“ angesehen habe, basierend auf einer Kurzgeschichte von Stephen King, die ich nie gelesen habe. Aber siehe da, ich fühlte mich angenehm unterhalten – was vielleicht auch ein bisschen daran liegt, dass man diese Art altmodische, gepflegte Gruselfilme heute kaum noch zu sehen bekommt vor lauter Teenie-Schlitzern, Serien-Mördern und mutierten Killer-Monstern. In „1408“ gehts um einen Schriftsteller (John Cusack), der seine – finanziell durchaus einträgliche – Karriere damit macht, angebliche Spuk-Hotels zu testen und darüber zu schreiben. Natürlich hat sich bisher noch jedes dieser Häuser als vollkommen harmlos erwiesen, und dasselbe nimmt er nun auch vom „Dolphin“-Hotel in New York City an, in dem es ein Zimmer gibt, das nicht vermietet wird, weil darin angeblich schon ziemlich viel Merkwürdiges passiert ist. Auch Tote solls gegeben haben. Doch die Warnungen des Hotel-Direktors (Samuel L. Jackson) spornen den skeptischen Autor erst recht an, und schliesslich erhält er den Schlüssel für das ominöse Zimmer 1408, in dem es laut Direktor „noch nie jemand länger als eine Stunde ausgehalten hat“. Nicht etwa weil es darin ein Gespenst hat oder so – „it’s just a fucking mean room“. Und es dauert denn auch nicht lange, bis der hochnäsige, selbstsichere Schriftsteller nur noch eins will: Da wieder raus. Nur, der Raum lässt ihn nicht.


Vielleicht doch eine Lösung, dem Raum zu entkommen?

„1408“ ist beinahe ein Ein-Personen-Stück, er beschäftigt sich über weite Strecken nur mit dem Duell zwischen dem Raum und dem Hotelgast, was dennoch erstaunlich effektiv und unterhaltsam ist. Der schwedische Regisseur Mikael Hafström zieht dabei die üblichen Register des Spukfilms, weitet diese allerdings aus, indem er die Hauptfigur intensiv in die Tiefen ihrer schmerzhaften Vergangenheit abtauchen lässt, die plötzlich wieder lebendig wird. Der Film bietet solides Gruseln und lässt am Ende Spielraum für Interpretationen.

Wem das alles zu metaphysisch und dezent ist, der freue sich auf „Halloween“, dem Remake des Horror-Klassikers von John Carpenter aus dem Jahr 1978. Beim mit ein paar B-Stars wie Malcolm McDowell, Brad Dourif und Udo Kier aufgemotzten Streifen dürften auch die Freunde expliziterer Gewalttätigkeiten und Blutspritzereien auf ihre Kosten kommen. Sie erinnern sich vielleicht: Michael Myers, der als Kind wegen eines Mordes in eine Irrenanstalt eingewiesen worden ist, bricht dort aus und kehrt in seine Heimatstadt zurück – ausgerechnet zu Halloween, dem Fest der Monster und Geister, wo er schon damals zugeschlagen hat. Mit einer Maske und diversen Stich- und Hauinstrumenten bewaffnet zieht er durch die Stadt, auf der Suche nach seiner Schwester (die Rolle, mit der Jamie Lee Curtis damals berühmt geworden ist).

Die Frage ist allerdings, ob es überhaupt möglich ist, „Halloween“ besser zu machen als das Original – bei „The Omen“ letztes Jahr ist dies jedenfalls gründlich misslungen. Aber immerhin hat hier ein Regisseur die Hände im Spiel, dessen Name im Zusammenhang mit Horrorfilmen natürlich Hoffnung macht: Rob Zombie. Der Film startet am Donnerstag, eine knappe Woche vor Halloween.



25.9.2007

Platzende Seifenblase

Von Ralf Kaminski um 11:38 [ Kino ]
Verfolgen Sie die Nachrichten noch zum ewigen Konflikt Israel/Palästina/Naher Osten? Oder blättern Sie in der Zeitung auch längst mit einem unterdrückten Gähnen weiter, wenn vom 276. Versuch einer Friedenbemühung, von „neuer Hoffnung“ bzw. „eskalierender Gewalt“ die Rede ist? Also ich tus, und erinnere mich dabei jeweils an die Worte des von Dennis Quaid dargestellten US-Präsidenten in „American Dreamz“ (2006), der vor der versammelten Fernsehnation sinngemäss sagte: „Ich fürchte leider, es wird da keine Lösung geben, never – ever!“ Und wenn dann also ein Film daher kommt, der inmitten genau dieses Konflikts spielt, dann braucht es beinahe ein bisschen Überwindung ins Kino zu gehen, denn eigentlich hat man das Thema ja gründlich satt.

„The Bubble“ des israelischen Regisseurs Eytan Fox aber wählt einen derart unkonventionellen und sympathischen Ansatz, dass man dem Film zunächst kaum widerstehen kann. Es fängt damit an, dass der junge schwule Soldat Noam beim Grenzdienst den jungen schwulen Palästinenser Ashraf kennenlernt, der wenig später bei Noams WG in Tel Aviv vor der Tür steht, was zu einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte führt. Die wird misstrauisch beäugt von WG-Kollege Yelli, der selbst in Noam verliebt ist, und begeistert gefeiert von WG-Kollegin Lulu, die in der linken Friedensbewegung aktiv ist und die beiden über die Grenzen hinweg Verliebten geradezu als Symbol für eine bessere Zukunft sieht. Tatsächlich geht eine Weile lang alles gut, und beinahe vergisst man, inmitten welcher Konfliktregion sich die ganze Geschichte abspielt. Tel Aviv und seine Bewohner geben dem Film den Titel „The Bubble“, die Blase – eine kleine Welt für sich, in der sich Terror und Tod offenbar zumindest für eine Weile ausblenden lassen. Doch dann droht der illegal anwesende Ashraf aufzufliegen, kehrt schweren Herzens zurück in seine Heimat, wo seine Schwester eben im Begriff ist zu heiraten – und zwar den lokalen Terroristen-Chef mit dem schönen Namen Jihad. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, und es geht rapide abwärts mit dem Film. Das Verhalten der Figuren wird immer unwahrscheinlicher und gipfelt darin, dass Ashraf schliesslich als Selbstmordattentäter nach Tel Aviv zurückkehrt.




Und wie man dann aus dem Kino herausgeht und sich über das merkwürdige Ende wundert, ertappt man sich bei der Frage, ob man sich ärgert, weil die Geschichte nicht wirklich aufgeht, oder ob man halt einfach gerne jenes Happy End wenigstens im Kino gesehen hätte, mit dem im realen Leben nicht wirklich zu rechnen ist. Der Film kommt insgesamt jedenfalls reichlich unausgegoren daher, schwankt zwischen Komödie und Drama, will unterhalten aber auch politische Statements machen und krankt an einem heftigen Bruch nach etwa zwei Dritteln Laufzeit. Er wird aber unter Schwulen sicherlich sein Publikum finden, nicht zuletzt wegen der attraktiven Darsteller und den sehr sympathischen und witzigen ersten 90 Minuten.


Und wenn wir gerade bei Seifenblasen und Schwulen sind: Am Donnerstag startet in unseren Kinos der Fantasyfilm „Stardust“, der mit einer für dieses Genre geradezu ausserordentlichen Menge Humor ausgestattet und ein vorbehaltloses Vergnügen ist. Es gibt einen strahlenden jungen Helden (Charlie Cox aus „Casanova“), eine böse Zauberin (Michelle Pfeiffer), eine bezaubernde Schönheit in Schwierigkeiten (Claire Danes), Thronfolge-Rivalitäten wegen eines sterbenden Königs (Peter O’Toole), einen magischen Erzähler (Ian McKellen) und überhaupt alles, was ein richtig schönes Märchen ausmacht. Wohl die erstaunlichste Figur ist der Kapitän eines fliegenden Piratenschiffs, der etwas widerwillig den brutalen, harten Kerl mimt, in Wirklichkeit aber nicht nur eine äusserst kultivierte Seele, sondern – eben – auch noch schwul ist, was aber niemand wissen darf. Schon gar nicht seine Mannschaft. Robert de Niro spielt den Captain mit sichtlichem Vergnügen, und gelegentlich fühlt man sich gar an einen anderen exaltierten Piratenkapitän erinnert, der in den letzten Jahren vor allem die Karibik unsicher gemacht hat.



03.9.2007

Kino wie es sein sollte

Von Ralf Kaminski um 15:31 [ Kino ]
Kennen Sie das? Sie setzen sich ins Kino, zwar ohne überwältigende Erwartungen, aber freudig gespannt, was da nun kommt, und das, was da kommt, zieht Sie dann praktisch von der ersten Sekunde an derart in seinen Bann, dass Sie nicht nur hervorragend unterhalten sind, sondern sich am Ende erst wieder langsam in die Realität zurücktasten müssen? Solche Filme sind selten. Je mehr man gesehen hat, desto seltener. Jedenfalls für mich, denn unabdingbar für so ein Erlebnis ist eine überraschende Story (oder die überraschende und überzeugende Umsetzung einer bereits bekannten, richtig guten Story). Und welcher Film bietet das schon? Diese Raritäten sind noch dazu höchst individuell, es hängt vollkommen von Ihnen und Ihrem persönlichen Erfahrungsschatz und Charakter ab, ob ein Film etwas in Ihnen auslöst, Sie berührt, Sie begeistert, Sie amüsiert. Deshalb sollte man sich auch nur sehr bedingt auf Filmkritiken verlassen, ausser natürlich, man kann den Kritiker nach gewisser Zeit einigermassen einschätzen („wenn der das schlecht findet, sind die Chancen gut, dass es ein richtig toller Film ist“).




Da ist die Welt noch in Ordnung: "Saturno Contro"


Meist tauchen solche Filme ohne Vorwarnung auf, man hat nichts erwartet – und bang! Geht man mit der Hoffnung in einen Film, es könnte so einer werden, ist die Enttäuschung fast immer programmiert. Und gerade, wenn ein Regisseur oder ein Produktionshaus bereits einmal einen solchen Film gemacht hat, neigt man zu solchen Hoffnungen. „Lord of the Rings“ z.B., war so was. Entsprechend erwartete man von Peter Jacksons nächstem Epos „King Kong“ nichts anderes als ein weiteres Meisterwerk. Nun, war es nicht. Oder, ganz anderes Genre, „Hamam“ (1997) von Ferzan Özpetek, ein kleines, feines, sensibles Drama über Familie, Freundschaft, Liebe, Leben und Tod. Vom gleichen Regisseur läuft derzeit „Saturno Contro“ bei uns, und es geht um dieselben Themen. Eine Gruppe von Freunden, die sich seit Jahren kennen, muss gleich mit zwei Dramen klar kommen: Ein Paar bricht auseinander, weil er sie betrügt – gleichzeitig stirbt der jüngere Part eines Schwulenpaars an einer völlig überraschenden Hirnblutung. Wie die Freunde mit dem plötzlichen Tod des einen umgehen und mit dem zerstrittenen Paar, das dennoch Teil der Gruppe bleibt, das ist durchaus berührend und sehenswert. Und doch, es kommt nicht an „Hamam“ heran, vielleicht weil einige der Nebenfiguren nicht richtig zu überzeugen vermögen oder weil die Geschichte einen weniger klaren roten Faden hat.

Manchmal aber, manchmal werden solchen Hoffnungen erfüllt. Wieder ein anderes Genre: Das Animationsfilmhaus Pixar hat über die Jahre diverse ausgezeichnete Filme gemacht, ihr letzter, „Cars“ (2006), ist ein bisschen abgefallen, was aber auch daran lag, dass ihr vorletzter, „The Incredibles“ (2004), so extrem gut war: einfallsreich, witzig, verspielt, voller Anspielungen – eine Superhelden-Persiflage, die Erwachsenen mindestens so viel Spass gemacht hat wie Kindern, wenn nicht mehr. Pixars Neuer heisst „Ratatouille“, läuft schon seit ein paar Monaten in den USA und ab 3. Oktober auch in der Schweiz. Die Presse hat ihn bereits zu sehen bekommen, und ich kann Ihnen sagen, mit so einem abgebrühten Haufen Filmjournalisten im Kino zu sitzen, das macht nicht immer Spass. Da mühen sich durchaus unterhaltsame Komödien auf der Leinwand ab, und treffen auf eisige Stille im Saal, zum Beispiel. Kann passieren. „Ratatouille“ hat, wie soll ich sagen, also man kann schon fast von kleinen Entzückungsschreien sprechen, die da teilweise ausgelöst worden sind. Und viel Gelächter. Mit diesem Film hat sich Pixar tatsächlich selbst übertroffen – er hat alles, was „The Incredibles“ auszeichnete, aber statt Superhelden und Weltrettungen geht es um allgemein etwas zugänglichere Themen: Kochen, Paris, niedliche Pelztiere, in diesem Fall: Ratten. Eine ganz besonders, die nicht nur intelligent ist, sondern auch über einen besonders feinen Gaumen verfügt und über einige wirre, irre und herausragend amüsante Umwege zum Chefkoch eines der angesagtesten Pariser Restaurants avanciert. Klingt verrückt? Ist es auch, aber der Film schafft es, dass man es ihm abnimmt. Das müssen Sie gesehen haben. Ach, nur schon der Vorfilm ist das Eintrittsgeld wert...


Verstorbener Chefkoch mit Ratten-Fan: "Ratatouille"


Und wenn Sie Lust haben: Erzählen Sie doch mal von Ihren Raritäten, Filme, die Sie mitten ins Herz, ins Zwerchfell oder sonst wohin getroffen haben, unerwartet und vollkommen vereinnahmend. Jene Filme unter all den vielen schlechten und mittelmässigen, die dafür sorgen, dass wir doch immer wieder in den grossen dunklen Saal namens Kino zurückkehren, in der Hoffnung etwas Aussergewöhnliches zu erleben.


13.8.2007

The Simpsons in gross

Von Ralf Kaminski um 13:26 [ Kino ]
Wenn eine TV-Serie schon siebzehneinhalb Jahre läuft (17,5 Jahre!!) und noch immer kein Ende in Sicht ist, dann kratzt man sich schon ein bisschen am Kopf und fragt sich, was eigentlich all die anderen TV-Serien falsch machen, die nach zwei, drei oder sieben Jahren mehr oder weniger freiwillig das Zeitliche segnen. Wenn dann auf der Basis eines solchen megalomanischen TV-Erfolgs erstmals ein Kinofilm gedreht wird (knapp 90 statt knapp 25 Minuten), kann man sich dennoch eigentlich nicht recht vorstellen, dass da was Gutes bei rauskommen kann. Irgendwie.

Doch sitzt man dann im Kino, ertappt man sich bei einem konstanten Dauergrinsen, gelegentlich unterbrochen durch lautes Auflachen. Die Simpsons schaffens auch mühelos, auf der Grossleinwand zu bestehen. Und ich sage das als Gelegenheitsgucker. Sprich, ich habe „The Simpsons“ nie systematisch geschaut, bin aber prinzipiell beim Zappen immer hängen geblieben, wenn ich auf sie stiess. Ein bisschen wie bei „South Park“ (diese Serie gibts übrigens auch schon seit zehn Jahren…).

Besonders phänomenal finde ich ausserdem, dass sich die Simpsons trotz ihrer subversiven Bösartigkeiten ihren Weg in die Herzen des Mainstream-Zuschauers gebahnt haben, der ja sonst mehr so auf Romantic Comedies, Action und Thriller steht. Möglichst nichts Politisches oder Gesellschaftskritisches. Aber die kleine gelbe fünfköpfige US-Kleinstadtfamilie mit ihren seit 17,5 Jahren gleich alten Kindern hat diese Regel mit Charme, Humor und Hartnäckigkeit unterlaufen. Mal ehrlich: Gibts hier irgendjemanden, der nicht weiss wer die Simpsons sind? (Ja? Schämen Sie sich!) So ist die Serie mit den Jahren zu einer verlässlichen Säule der TV-Unterhaltung geworden, die auch immer wieder mit prominenten Gaststars besetzt ist. Im Film ist das Tom Hanks as himself, der im realen Leben offensichtlich mit einer sympathischen Menge Selbstironie ausgestattet ist. President Schwarzenegger hingegen wird von jemand anderem gesprochen…



Wollen Sie noch was über die Story wissen? Kurz gesagt geht es darum, dass Homer Simpson trotz der umweltaktivistischen Grosseinsätze seiner Tochter Lisa im lokalen See eine grössere Menge Müll entsorgt (an der offiziellen Entsorgungsstelle war die Schlange zu lang, um noch rechtzeitig zu den nur für kurze Zeit verteilten Gratis-Donuts zu kommen…). Diese Tat lässt den See kippen und ruft die US-Umweltbehörde auf den Plan, die mit dem Segen von President Schwarzenegger ganz Springfield unter eine gewaltige, unzerstörbare Glasglocke setzt. Und als die schockierten Bewohner der Stadt rausfinden, wer ihnen das eingebrockt hat, gehts der Familie Simpson ans Lebendige. Das – und wie die Simpsons am Ende dann doch noch alles irgendwie zum Guten wenden können – ist der rote Faden der Geschichte, der sorgsam mit weiteren Pointen und Anspielungen garniert ist, dass es ein wahres Vergnügen ist. Man könnte glatt vom Gelegenheitsgucker zum Fan werden.


25.7.2007

Sechs Filme beherrschen Zürich

Von Ralf Kaminski um 16:19 [ Kino ]
Es ist Sommerflaute – überall, und im Kino sowieso. Wer derzeit auf der Suche nach einem interessanten Film das Kinoprogramm durchblättert, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass überall dasselbe läuft. Und irgendwie ist das auch so. Eine kleine statistische Auswertung des Programms vom Mittwoch, 25. Juli ergibt Folgendes: Von den total 57 Sälen (Pornokinos nicht mitgerechnet) laufen in sage und schreibe 32, also in deutlich mehr als der Hälfte, die gleichen sechs Filme:

„Harry Potter and the Order of the Phoenix“: 9 Säle
“Shrek the Third”: 6 Säle
“Oceans 13”: 5 Säle
“Pirates of the Carribbean 3”: 4 Säle
“Die Hard 4.0”: 4 Säle
“Next”: 4 Säle

Noch eindrücklicher: Mehr als ein Drittel aller Säle (20) werden von nur gerade drei Filmen belegt: Potter, Shrek und Mr. Ocean.



Lokalmatador auf Zürichs Leinwänden.


Wahnsinn, oder? Ist das internationale Filmangebot so klein? Natürlich nicht. Das Problem ist: Der Sommer ist eine extrem kinofeindliche Zeit, sowieso. Und auch sonst verdienen die meisten Kinobesitzer ihr Geld ja fast nur noch mit den Blockbustern. Die 32 Säle gehören übrigens genau zwei Betreibern: Der Kitag (23) und Edi Stöckli (9), die beiden Grossen auf dem Platz. Es ist somit der Arthouse-Gruppe und den kleinen Unabhängigen wie RiffRaff, Xenix und Filmpodium überlassen, die Filmvielfalt zu gewährleisten.

Und schon morgen Donnerstag kommt der nächste Blockbuster ins Programm: „The Simpsons Movie“ – immerhin soll der ja richtig gut sein, wie man so hört.


13.7.2007

Der Actionfilm des Jahres

Von Ralf Kaminski um 16:15 [ Kino ]
Als erklärter Actionfilm-Muffel lagen meine Erwartungen irgendwo deutlich unter Null, insbesondere da ich kurz zuvor noch den Trailer im Kino gesehen hatte, wo es explodiert und knallt und explodiert und… Aber was guckt man sich nicht alles an, wenn man Zeit hat und es gratis ist, selbst „Die Hard 4.0“. Und wie es so ist, wenn man mit tiefen Erwartungen ins Kino geht: Da braucht es normalerweise nicht viel und man ist positiv überrascht. Dass der Film allerdings zu einem derart unterhaltsamen und vergnüglichen Erlebnis geworden ist, hat mich fast ein bisschen aus der Bahn geworfen, jetzt so als erklärter Actionfilm-Muffel.



Was also macht es aus, dass die vierte Auflage von „Die Hard“, nach erstaunlichen zwölf Jahren Pause, so gut ist? Zunächst mal eine clever konstruierte, aktuelle Story mit ein paar Twists, ein überzeugender Bad Guy, ein paar witzige Dialoge und – wer hätte es für möglich gehalten – originelle Action-Sequenzen. Nicht einfach die übliche Autoverfolgungsjagd und viel Geballer und Geprügel, nein da wird ein Truck von einem Kampfflugzeug angegriffen und ein Helikopter mit einem Auto vom Himmel geholt. So was sieht man halt nicht alle Tage. Entscheidend dürfte aber das funktionierende emotionale Herz des Films sein, die Buddy-Beziehung zwischen dem alternden Helden wider Willen (Bruce Willis) und dem jungen, zunächst etwas ängstlichen Hacker-Genie (Justin Long). Und was Willis an Star-Power mitbringt, ergänzt Long mit unverbrauchter Jugendlichkeit. Auf der Suche nach anderen Filmen mit diesem mir zuvor gänzlich unbekannten Schauspieler stiess ich ausserdem auf einen richtig guten, mir bisher ebenfalls gänzlich unbekannten Horrorfilm namens „Jeepers Creepers“ (2001). Eine echte kleine Perle in seinem Genre, deren Entdeckung ich nun ausgerechnet „Die Hard 4.0“ zu verdanken habe. Ausserdem ist Justin Long auch der Mac in den wirklich witzigen US-Apple-Commercials. Er steht als cooler, junger, sexy Typ dem seriösen, etwas älteren und korpulenten PC gegenüber, der immer Zweiter macht.


Justin Long.

Wie auch immer, wenn Sie dieses Jahr einen Actionfilm im Kino schauen gehen, dann sollten sie „Die Hard 4.0“ ernsthaft in Betracht ziehen. Es fängt damit an, dass plötzlich in den ganzen USA irgendwelche Hacker umgebracht werden. Und während die Behörden noch rätseln, spielen plötzlich in einigen Städten bis anhin zuverlässig funktionierende Infrastruktureinrichtungen wie Ampeln verrückt. John McClane (eben: Bruce Willis) gerät wie üblich eher durch Zufall in die Geschichte, als er den Auftrag erhält, einen Hacker (eben: Justin Long) zwecks Befragung einzusammeln. Am Ende sind die Zwei die einzigen, die das totale Chaos vielleicht noch aufhalten können.



Vor einiger Zeit hatte ich hier ja angekündigt, Sie auf dem Laufenden zu halten über meine Erfahrungen und mit der Mafia-Kultserie „The Sopranos“. Nun, inzwischen habe ich also die ersten vier Folgen gesehen (einen Drittel der ersten von sechs Staffeln), und ich muss sagen, so richtig hat mich das Fieber noch nicht gepackt. Zugegeben, es ist witzig und unterhaltsam anzusehen wie ein Mafiaboss, von dem man kühle Überlegenheit und gezielte Gewaltausbrüche erwartet, sich mit seiner alternden Mutter rumschlägt, die partout nicht einsehen will, dass sie nicht mehr alleine wohnen sollte. Oder mit telefontechnisch nicht so versierten Untergebenen. Oder mit einer furchtlosen Psychoanalytikerin, die tiefer in sein Inneres blickt als ihm lieb sein kann. Dennoch ist das ganze dann eben doch unvermeidlicherweise in der üblichen Mafiosowelt angesiedelt, die mich einfach nicht so richtig zu interessieren vermag. Aber ich bleibe dran und werde diese erste Staffel sicher noch zu Ende sehen. Wer weiss, vielleicht kann ich ja dann doch nicht aufhören.


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