27.12.2007

Zum Abschied (Das Sequel)

Von Ralf Kaminski um 15:32 [ Kino ]
„Enchanted“ also. Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht – der Film verunmöglicht es mir leider, so richtig genüsslich über ihn herzuziehen. Er ist, im Gegenteil, eigentlich sogar ganz nett. Eine Mischung aus Märchenparodie und Romantic Comedy. Von deren eigentlicher Genre-Formel (Boy meets Girl, aus anfänglicher Abneigung wird Zuneigung, dann tauchen doch noch Probleme auf, diese lassen sich jedoch schliesslich lösen, and they live happily ever after) belastet eigentlich nur noch der absehbare Schluss den Film; alles andere ist derart charmant variiert, dass man mit „Enchanted“ einen durchaus vergnüglichen Kinoabend verbringen kann. Man könnte sogar sagen, der Film führt das Genre Romantic Comedy endlich ganz offen dahin, wo es eigentlich schon immer gespielt hat: in die Märchenwelt.

Und auf der Ebene Märchenparodie hat „Enchanted“ einige Highlights zu bieten: Wenn etwa die künftige Braut des edlen Prinzen – daran gewöhnt in ihrer eigentlichen Zeichentrickwelt für die kleinen lästigen Arbeiten des Lebens (putzen, kochen, Kleider nähen) mittels Gesang die Hilfe von Vögeln, Nagetieren und anderen Kreaturen des Waldes zu erhalten – mitten in einem realen New Yorker Apartment zu singen beginnt, und allerlei Getier prompt herbei kreucht und fleucht, um ihr zu helfen, dann ist das schon sehr komisch. Insbesondere auch das Kakerlaken-Ballett. Die Prämisse des Films, für all jene, die ihn nicht kennen: Die böse Königin eines Zeichentrick-Reichs schickt die Angebetete ihres Sohnes durch eine Art Dimensionskanal in die reale Welt, wo sie sich unversehens mit den äusserst unmärchenhaften Realitäten des modernen New Yorks konfrontiert sieht. Davon lässt sie (grossartig: Amy Adams) sich allerdings nicht ernstlich beirren, was zu einer ganzen Reihe sehr komischer Szenen führt. Kurz nach ihr tauchen dann noch der Prinz selbst (James Marsden) und ein Helfer (Timothy Spall) der bösen Königin (Susan Sarandon) auf, die sich ebenfalls nicht die geringste Mühe geben nicht aufzufallen. Die Braut stolpert kurz nach ihrem Eintreten in die reale Welt über einen geschiedenen Scheidungsanwalt (Patrick Dempsey), der zunächst irritiert, dann aber immer mehr angetan ist von der seltsamen jungen Frau. Derweil der Prinz die halbe Stadt abklappert, um seine Angebetete wieder zu finden, begleitet vom Helfer der Königin, der genau das zu verhindern trachtet. Schliesslich aber findet der Prinz seine Braut. Nur die ist nicht mehr ganz so wild auf ihn, wie er das erwartet hätte…


Der Prinz findet seine Braut. Doch nicht alle sind so glücklich darüber.

Bemerkenswert ist vielleicht auch noch, dass Disney sich mit diesem Film selbst parodiert, zeichnet das Produktionshaus doch auch verantwortlich für jene Märchen-Animationsfilme aus den 50ern und 60ern, deren simple Naivität in „Enchanted“ nun karikiert wird. So ändern sich die Zeiten. Nun, wie gesagt, ein vergnüglicher Kinoabend ist damit zu haben, und das ist ja schon was, insbesondere für eine Romantic Comedy. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele weitere vergnügliche Kinoabende. Danke fürs Lesen. Danke fürs Kommentieren. Machen Sies gut.


Kommentare

- . [at]
2007-12-27 20:14:15

Danke auch!

Jason - jas [at] on.ch
2008-01-01 12:04:49

Zum Glück ist das vorbei hier mit diesem unerträglich seichten Filmgeplapper. War ja wirklich kaum auszuhalten.

pascii - pascal.sutter [at] gmail.com - http://htp://www.pascii.net
2008-01-08 15:08:30

Kritiker die Kritiker kritisieren sind der Untergang der westlichen Welt...

sømmerli - soemmerli [at] swissonline.ch
2008-01-18 09:03:07

danke auch. war immer wieder interessant mal andere gedanken zu dein filmen zu lesen. wäre gespannt auf irgendwas folgendes.

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