09.9.2007

Übersetzungen? Vergiss es!

Von Peter  Aeschlimann um 14:00 [ Popcorn ]
Mann, piss die Wand an, Alter. Heute ärgern wir uns wieder mal über schlechte Übersetzungen.

Im schönen Langenthal, wo ich aufwuchs, hatte es zwei Kinos. Das Scala und das Capitol. Tolle Namen für Lichtspieltheater, finde ich, so klassisch. Würde ich in Hasle-Rüegsau oder Hintertupfigen ein Kino bauen, würde ich es Capitol nennen, oder auch Rex. In Langenthal zeigten sie die Filme immer in synchronisierten Fassungen. Darum sah ich meinen letzten Film im Scala vor über zehn Jahren: «Stirb langsam – Jetzt erst recht». In der Reihe hinter mir fragte einer seinen Kollegen: «Was louft eigentlech hütt?» Worauf der andere: «Das isch Die («di») Hard, monn, mit Willis Bruce.» Nach der Szene am Brunnen, wo Willis Bruce und Jackson Samuel L choslenderweise* ein Kinderrätsel lösen, damit irgendwo irgendwas nicht von Irons Jeremy in die Luft gejagt wird, fingen die Diskussionen aber erst an – und bis zum Abspann konnten sich die beiden Schweinebacken hinter mir nicht auf eine Lösung einigen, wie das mit dem Wasser denn nun zu bewerkstelligen sei. Ich wusste vor allem eines: Nie wieder Scala. Nie wieder Synchronfassungen.

Willis

«Gib mir mal den 5-Liter-Kübel Samuel.»

Inkonsequenterweise blieb ich kürzlich beim Zappen am TV bei Donnie Brasco hängen. Mafiaboss Al Pacino sagt in dem (sehr guten) Streifen immer: «Mann, piss die Wand an.» Zu allem und jedem, mann, piss die Wand an. Neugierig, wie ich bin, wollte ich natürlich wissen, wie das im Original heisst. Es heisst: «Forget about it.» Spülen bitte. Oder dann lief, auch am Fernsehen, «Ey Mann – wo is’ mein Auto?», den ich mir aber nicht angeschaut habe. Ich erinnerte mich aber, dass die Komödie im Original «Dude, Where’s My Car?» heisst. Und dann schiere Panik. Die werden doch nicht, nein das können die nicht, die werden doch den «Dude» in «The Big Lebowski» nicht mit «Ey Mann» oder noch schlimmer «Alter» übersetzt haben. DVD also rein, Sprache Deutsch, mich fröstelts, grandioser Einstieg, diese Musik, dann eine gewisse Erleichterung: Jeff heisst auch hier «Dude». Doof ists trotzdem, wenn der Mann dann sagt: «Ich bin der Dude, Mann.»

Die superben Nihilisten hab ich mir nicht angetan, obwohl mich eigentlich noch Wunder genommen hätte, wie die Übersetzer das mit dem deutschen Akzent in «We want se money, Lebowski» verwurstelt hätten. Einfach bayrisch reden lassen, wie den kleinen Schweizer Buben in den deutschen Simpsons-Folgen?
Bei all diesen Überlegungen fragte ich mich noch, ob wohl die TV-Serie «Der Alte» in Amerika ausgestrahlt wird. Und ob der Kommissar dort «The Dude» heisst. Dabei musste ich lachen und mein Ärger über schlechte Übersetzungen war fast fortgeblasen, genauso wie Donnys (nicht Brascos) Asche. Und in dieser bewegenden Schlussszene von «The Big Lebowski» war die Übersetzung gar nicht mal so schlecht: «Gute Nacht, süßer Prinz.»

*Wer mir das als erstes korrekt übersetzt, kriegt ein Ticket fürs Kino Scala.


28.3.2007

Artenschutz für Vampire!

Von Ralf Kaminski um 13:25 [ Popcorn ]


Normalerweise ist es recht einfach mit mir und der EDU: Ich höre mir an, was sie zu sagen hat und finde dann das Gegenteil. Aber auch ein blindes Huhn stolpert gelegentlich mal über ein Korn, nicht wahr. Nun hat die Christenfundi-Partei also innert Kürze knapp 50’000 Unterschriften gegen DJ Bobos Eurovisions-Song “Vampires are Alive” zusammengebracht und verlangt, er dürfe nicht als Schweizer Beitrag ins Rennen gehen. Okay, die Argumente warum das so sein soll, sind ein bisschen eigen (Wertevakuum, Nährboden für Spiritismus und Satanismus, wer dem Teufel die Seele verkauft verspielt sein ewiges Leben – warum nehmen Christen immer alles so ernst?), aber im Kern hat die EDU Recht: Der Song und sein Videoclip sind eine Beleidigung. Besonders für Vampire, die einmal mehr als Motiv für billige Popkultur herhalten müssen.

Das fängt ja nur schon damit an, dass dieser Song in jeder Hinsicht eine Kopie ist. Nur weil letztes Jahr eine finnische Band mit Gruselmotiven gewonnen hat, wird nun ganz Europa wieder auf denselben Zug aufspringen, jaja bestimmt. Schon klar, Popsongs funktionieren so – hat man einen gehört, hat man alle gehört, trotzdem werden sie konsumiert wie wild. Da kann man als DJ Bobo durchaus auf den naheliegenden Gedanken kommen, es mal so zu versuchen. Dann sind im Videoclip offensichtliche Anleihen an Michael Jacksons “Thriller” (damals waren es Zombies), und ästhetisch hat man sich vor allem bei “Underworld” bedient, ein bisschen wohl auch bei Coppolas “Dracula”. Ausserdem klingt der Song an sich halt wie jeder DJ Bobo Song (eben: hat man einen gehört…).

Und dann die tanzenden Vampire – in Polanskis Film damals handelte es sich wenigstens um eine offensichtliche Parodie aufs Genre. Haben die Vampire das verdient? Die elegantesten und faszinierendsten Kreaturen der Nacht, die der Mensch je erfunden hat? Nein! Ich fordere deshalb Artenschutz für Vampire! Vielleicht sollte man eine Petition einreichen.

Um diesem DJ Bobo Song und der Vampir-Verachtung der EDU wenigsten ein bisschen was entgegen zu setzen, hier ein paar Filmtipps:

Der klassische Vampir:
Die britischen Hammer-Dracula-Filme (1958 bis 1974)
Francis Ford Coppolas Dracula (1992)
Interview with the Vampire (1994), noch besser: Anne Rices Romanvorlagen

Der moderne Vampir:
Fright Night (1985)
Buffy – the Vampire Slayer (1997-2003)
Blade (1998)
Underworld (2003)
Underworld Evolution (2006)

Parodien:
The Fearless Vampire Killers (1966)
Love at first Bite (1979)

Splatter:
From Dusk till Dawn (1996)

Romance:
The Wisdom of Crocodiles (1998)



Tom Cruise und Brad Pitt in tödlicher Umarmung ("Interview with the Vampire").


Aber passen Sie bloss auf, dass Sie dabei nicht aus Versehen dem Satan anheimfallen. Sie wissen ja, wie das ist: Ein Film, ein Song oder gar die Kombination und zack! – ist es um Sie geschehen!




11.2.2007

Sodom und Gomorrha

Von Ralf Kaminski um 21:19 [ Popcorn ]
Auf die Christen ist eben Verlass. Ehrlich jetzt. Da schien es doch zuerst, dass das Xenix Pier Paolo Pasolinis legendären Film „Salo oder die 120 Tage von Sodom“ in einer Zürcher Kirche zeigen könnte, ohne dass sich irgend jemand darüber aufregt. Es war beinahe schon ein bisschen enttäuschend. Schliesslich hat der Film eine nachgerade berüchtigte Zensur-Vorgeschichte – und alles, was es zum Skandal braucht: Sexuelle Ausschweifungen in allen Variationen gemischt mit üblen Gewalttätigkeiten. Ganz schön mutig von der reformierten St. Jakobs-Kirche beim Stauffacher, so was in ihren heiligen Hallen zeigen zu wollen. Und bis Mitte letzter Woche war tatsächlich alles ruhig. Dann wurden ein paar Christen (wohl aus der evangelikalen Ecke) aufgrund von Medienberichten aufmerksam und kündigten eine Demonstration vor dem Gotteshaus an, kurz vor der Aufführung, die für heute Sonntag geplant war. Doch soweit kam es nicht: Die Stadtpolizei griff ein und hat die Vorstellung am Freitag kurzerhand verboten. Die Christen kamen dann trotzdem und hielten eine Mahnwache ab. Zu der luden sie mit folgenden Worten ein:

"Wir sind tief betrübt, dass der Pfarrer und die Kirchenpflege am Stauffacher nicht mehr wissen, was Recht ist im Staate Schweiz und die Polizei sie in die Schranken weisen muss.
Wir dürfen nun nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, weil Pasolinis Film nicht gezeigt wird! Wir müssen dem Missbrauch unserer Kirchen den Riegel schieben. Kirche ist dazu da, leidende und suchende Menschen zu einer Begegnung mit Gott zu führen. Ihnen Vergebung, Heilung und Befreiung zu vermitteln. Diesem Wunsch wollen wir mit der Mahnwache am Sonntag Ausdruck geben. Pfarrer wie Burr sollen sich entweder Gottes Herrschaft unterstellen oder einen anderen Beruf suchen!"

Vergebung, Nächstenliebe etc? Keine Spur. Nur die übliche blinde Selbstgerechtigkeit: Entweder Ihr machts so wie wir es wollen (bzw. unser Gottesbild) oder es setzt was! Kommt hinzu, dass der Fall juristisch nicht so eindeutig ist. Laut dem Strafgesetzparagrafen 197 gelten Filme nicht als pornografisch, wenn sie „schutzwürdigen kulturellen oder wissenschaftlichen Wert“ haben. Ein Gummiparagraf also. Der kulturelle Wert von Pasolinis letztem Film aus dem Jahre 1975 dürfte heute kaum noch bestritten werden, und mindestens ein Strafrechtsprofessor hat sich in den Medien auch dahingehend geäussert, dass die Veranstalter wohl vor Gericht straflos ausgegangen wären, hätten sie den Film entgegen des polizeilichen Verbots doch gezeigt. So viel zum Thema „Recht im Staate Schweiz“.

Hinzu kommt, dass der Film auch in Zürich schon im Kino gezeigt worden ist, dass er zumindest bis vor kurzem noch als prachtvolle Neu-Edition im Schaufenster des DVD-Ladens Laserzone stand (ganz nahe der St. Jakobs-Kirche übrigens) und dass all das bisher offenbar kein Problem war. Warum also die Überreaktion der Polizei? Vorauseilender Gehorsam gegenüber Fundi-Christen? Hoffentlich nicht, denn wohin das führen würde, wagt man sich gar nicht vorzustellen. Klar, „Salo“ ist starker Tobak und weiss Gott nicht jedermanns Sache. Aber niemand wird gezwungen ihn zu sehen, und das Xenix-Team hätte dafür gesorgt, dass Jugendlichen der Zutritt zur Kirchenvorführung verwehrt worden wäre. Zudem wäre die Vorführung von einer Diskussion umrahmt gewesen. Doch das hat alles nicht gereicht.

Und wann, wann endlich lernen die Verbieter, dass nichts einen Film so interessant macht wie ein Verbot?






Wer mehr über "Salo" wissen möchte, findet Infos bei Legend Home Entertainment, das den Film 2005 in einer ungeschnittenen Fassung neu herausgebracht hat.


02.2.2007

Von Zauberern und Pferdeknechten

Von Ralf Kaminski um 09:52 [ Popcorn ]


Erkennen Sie den jungen Mann? Na? Richtig, Harry Potter! Schon bei der Badeszene im vierten Film hat er ja einige (und wohl nicht nur) weibliche Teenager-Herzen zum höher Schlagen gebracht, und nun das! Was Sie hier sehen, ist aber nicht etwa eine Szene aus „Harry Potter and the Order of the Phoenix“, der am 12. Juli in unsere Kinos kommt, sondern ein Foto aus der Theaterproduktion „Equus“, die am 27. Februar im Gielgud Theater im Londoner Westend startet.

Daniel Radcliffe spielt dort Alan Strang, einen psychisch angeschlagenen Jüngling mit seltsamen Neigungen zu Pferden. An seiner Seite Richard Griffiths, der in den Potter-Filmen Harrys fetten und unfreundlichen Pflegevater spielt, in „Equus“ nun den Psychiater, der Alan Strangs bizarrem Verhalten auf die Spur zu kommen versucht. Es ist Radcliffes erster grosser Theaterauftritt, und das in einem Stück, das fürs klassische Harry-Potter-Publikum (Kinder und Teenager) wohl eher nicht so geeignet sein dürfte. Wie man hört, gibt es gar einige Nacktszenen auf der Bühne. Ausserdem ist es ein Stück, in dem schon sehr prominente Vorgänger präsent waren: Anthony Hopkins als Psychiater und Peter Firth als Strang z.B. oder Anthony Perkins und Tom Hulce am Broadway. In der Verfilmung von 1977 spielten Richard Burton und Peter Firth, unter der Regie von Sidney Lumet. In „Equus“ darf Radcliffe also zeigen, ob er als Schauspieler wirklich was kann.

Auch die Potter-Filme dürften für den bald 18-Jährigen immer anspruchsvoller werden, in Folge 5 schliesslich muss sich Harry Potter mit einer sadistischen neuen Schulleiterin rumschlagen und am Ende einen schweren Verlust verkraften. Und a propos Potter: Gerade eben hat Autorin J.K. Rowling angekündigt, dass das siebente und definitiv letzte Buch „Harry Potter and the Deathly Hallows“ am 21. Juli erscheinen wird. Es steht uns ein potteriger Sommer bevor.



05.11.2006

Englisch lernen mit Woody

Von Christian Andiel um 17:43 [ Popcorn ]
Es war ein amüsanter Abend, mit dem neuen Film von Woody Alen. Klar, die Filmgeschichte muss nach „Scoop“ nicht neu geschrieben werden. Aber der Streifen hat Witz, macht Laune auf mehr, lässt einen rundum zufrieden aus dem Kino gehen – und zeigt Autor und Regisseur Allen in Bestform.

Und dann gab es trotzdem den Moment, an dem man sich als Kinobesucher wieder mal so richtig schön verarscht fühlte. Da kann Woody Allen nix dafür, die verantwortliche Person für die Untertitel umso mehr. Folgendes spielte sich auf der Leinwand ab: Woody Allen hat sich an eine noble Pokerrunde angeschlossen, der mittelmässige Zauberer gibt sich als reicher US-amerikanischer Ölmagnat aus. Auf die Frage nach seinen bisherigen Pokererfahrungen sagt Allen, dass er jüngst mit einem Zocker-Gewinn einen Rubens gekauft habe. Auf die erstaunte Frage: „Sie haben ein Gemälde von Rubens?“, antwortet Allen: „Nein, kein Gemälde, ein Rubens-Sandwich.“ Man muss nicht wissen, woraus genau ein solches Sandwich besteht (u.a. Pastrami, Käse, Sauerkraut) um den Scherz verstehen zu können.

Was aber machen die Untertitler daraus: „Ich habe einen Raffaello gekauft.“ „Sie haben ein Gemälde von Raffaello?“ „Nein, kein Gemälde, die Mozartkugeln.“

Hm. Nun sind die elend süssen weissen Raffaello-Dinger alles andere als wohlschmeckende Mozartkugeln. Und warum muss aus Rubens ohne erkennbare Not Raffaello gemacht werden? Wieso kann man die Dialoge nicht schlicht und einfach übersetzen. Ohne ganz besonders schlau sein zu wollen.

Natürlich, es ist nicht ganz so schlimm wie der wohl blödeste aller Übersetzungsböcke – als man aus „The Good, the Bad and the Ugly“ in deutscher Übersetzung „Zwei glorreiche Halunken“ gemacht hat (nicht einmal zählen können diese Deppen). Oder gibt’s gar noch dämlichere Versäumnisse unserer Untertitel-Intelligenzbestien?


19.7.2006

Der letzte Titan

Von Ralf Kaminski um 12:47 [ Popcorn ]
Was, der lebt noch? Das war der erste Gedanke. Dann ein schlechtes Gewissen. Schliesslich war ich als Kind begeistert von ihm, habe viele seiner Filme gesehen, viele seiner Shows geguckt und im von meiner Mutter bevorzugten Radiosender (SWF 1) viele seiner Lieder gehört. Irgendwann in der Teenager-Zeit wurde er dann uncool und verschwand erst aus meinem Blickfeld und dann aus meiner Erinnerung. Und da war er nun plötzlich wieder, beim Zappen im Fernsehen. Man feierte seinen 80. Geburtstag, mit ein bisschen Verspätung, aber immerhin. Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer, geboren am 30. Juni 1926 in Wien und von Mitte der 50er-Jahre bis weit in die 90er hinein als Peter Alexander einer der grössten und erfolgreichsten Unterhaltungsstars, die der deutschsprachige Raum je hatte. Man nannte ihn auch Peter der Grosse.

Er drehte von 1952 bis 1972 39 Filme, darunter Klassiker wie „Im weissen Rössl“, „Kriminaltango“, „Charleys Tante“, „Schwejks Flegeljahre“ oder „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ – klar, alle im Stil dieser eskapistischen, vergnügten Sing- und Liebeskomödien, wie sie damals üblich waren. Aber 39 Filme in 20 Jahren! Dazu kamen über 40 TV-Shows von 1963 bis 1995. In den Zeiten von zwei, drei TV-Programmen waren viele davon Strassenfeger – später machte er sich rar, trat nur noch einmal pro Jahr auf; seine Show galt als Höhepunkt des Fernsehjahrs. Besonders beliebt waren seine Parodien und Sketche, seine erstaunliche Begabung, andere Stars zu imitieren. Und dann nahm er unzählige Langspielplatten auf (diese grossen schwarzen Scheiben, Sie erinnern sich?), weit über 1000 Lieder, viele davon brannten sich als Ohrwürmer in die Volksseele des deutschsprachigen Raums: „Delilah“, „Kriminaltango“, „Die kleine Kneipe“. Bei allem Erfolg wirkte er immer bescheiden, machte keinen grossen Rummel um sich und zog sich im Gegenteil sogar gern ins Privatleben zurück, das er ziemlich erfolgreich abschottete.





Die Peter Alexander Show an Weihnachten 1995 war dann die letzte, einfach so. Es war nicht angekündigt, es passierte einfach. Der Tod seiner Frau Hilde im März 2003, mit der er nicht nur 51 Jahre zusammen war, sondern die ihn auch erfolgreich gemanagt hatte, traf ihn schwer. Seither lebt er sehr zurückgezogen in Wien, will seine Ruhe. Wie sehr das Allround-Talent noch heute geliebt wird, zeigt die gewaltige Einschaltquote, die seine Geburtstagsgala letzten Sonntag erreichte: 30,6 Prozent aller TV-Zuschauer in Deutschland sahen die Show im ZDF. Noch eine knappe Million mehr sah sie im ORF. Alexander selbst trat nur in einer kurzen Videoeinspielung auf, charmant wie eh und je, älter zwar, aber nicht wie man sich 80-Jährige gemeinhin vorstellt.





Die Gala brachte jedoch vor allem auch ein Wiedersehen mit einem vergangenen TV- und Filmzeitalter, ein Wiedersehen mit alten Stars wie Peter Frankenfeld, Caterina Valente, Hans-Joachim Kulenkampff, Erik Ode, Marika Rökk, Harald Juhnke oder dem kürzlich verstorbenen Rudi Carrell. Vieles aus den damaligen Shows und Filmen wirkt heute antiquiert und mässig lustig, anderes funktioniert noch immer. Wenn etwa Alexander in einer seiner 80er-Jahre-Shows die Stars der neuen deutschen Welle parodiert, Nena mit „99 Luftballons“ oder Trios „Da-da-da“, dann ist das auch heute noch sehr komisch, nicht zuletzt weil er die genauso gut getroffen hat wie Hans Moser oder Heinz Rühmann.

Und ein kleines bisschen ertappte man sich dabei, das alles mit dem heutigen Fernsehen zu vergleichen, in Nostalgie zu versinken und zu denken: „Ach ja, die gute alte Zeit, da war alles noch besser.“ Wohl eine Alterserscheinung.


09.6.2006

WM-freie Grossleinwand

Von Martin Uebelhart um 13:48 [ Popcorn ]
Es soll Menschen geben, die mit dem die nächsten vier Wochen überspannenden Grossanlass schlicht nichts oder doch mindestens nur wenig anfangen können. Der omnipräsenten Fussball-WM auszuweichen, ist allerdings gar nicht so einfach. Oder kennen Sie auf Anhieb ein Lokal, in dem nicht irgendwo ein Fernseher grünlich flimmern wird, oder einen Platz, auf dem das Gekicke nicht auf Grossleinwand zelebriert wird?

fussballfreie zone

Eine Insel für Fussball-Geplagte sind in diesen Tagen die Kinos. Es ist ein wahres Vergnügen, in viertelvolle oder halbleere Kinosäle zu sitzen und sich von den neusten Filmen unterhalten zu lassen. Denn auch während der WM gelangen jede Woche neue Werke auf Grossleinwänden zur Aufführung. Und wenn Sie Glück haben, ist der Kinosaal auch noch angenehm klimatisiert – eine zusätzliche Wohltat, wo doch die Aussentemperaturen wacker der 30-Grad-Grenze zustreben.

Eines jedoch gilt es zu beachten: Es lohnt sich, erst für die Trailer oder den Hauptfilm ins Kino zu sitzen. Denn mit Sicherheit werden zahllose Haupt- und Nebensponsoren des besagten Sportfestes ihre Produkte in flott geschnittenen und mit knalliger Musik unterlegten Kurzfilmen feilbieten. Und das muss ja nun wirklich nicht sein …


27.3.2006

Happy Birthday, Mr. Spock!

Von Ralf Kaminski um 14:35 [ Popcorn ]



Schande, Schande, wir sind einen Tag zu spät. Aber immerhin ignorieren wirs nicht ganz, so wie praktisch alle anderen Deutschschweizer Medien: Leonard Nimoy, Darsteller des berühmtesten Vulkaniers der Erde, ist gestern, am 26. März, 75 Jahre alt geworden. Er hats ja in jüngeren Jahren immer gehasst, zu sehr mit dem spitzohrigen Logiker in Verbindung gebracht zu werden, aber aufs Alter hat er sich wohl mit seiner prominentesten Rolle wieder versöhnt. Umso bedauerlicher, dass man ihn seit 1991 nie wieder als Spock zu sehen bekommen hat (und auch sonst eigentlich nicht). Zusammen mit Nimoy ist ja mittlerweile auch das ganze „Star Trek“-Universum in den noch unerforschten Weiten der Galaxis verschwunden. Gerüchte über einen neuen Film sind genau das geblieben: Gerüchte. Wobei eine kreative Schaffenspause der Serie vielleicht auch ganz tut, war sie doch gegen Ende mit „Star Trek Enterprise“ wirklich nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nichtsdestotrotz: Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Spock, und hoffentlich sieht man sich mal wieder.




Ein eher unerwartetes Wiedersehen ergibt sich dafür bald mit einer anderen SciFi-Reihe, von der wir dachten, sie sei letztes Jahr definitiv zu Ende gegangen. George Lucas höchstselbst hat angekündigt, 2008 eine „Star Wars“-TV-Serie zu starten, rund 100 Folgen, die in der Zeit zwischen Episode III (wo das Imperium siegt und Anakin Skywalker zu Darth Vader wird) und Episode IV (wo die Rebellion erstmals einen erfolgreichen Angriff auf den Todesstern durchführt und Skywalkers Sohn Luke die Macht kennenlernt) spielen soll. Na da sind wir aber gespannt.


23.3.2006

Fanfick (NC-17)

Von Ralf Kaminski um 15:39 [ Popcorn ]
Falls Sie diesen Titel beunruhigend, beleidigend oder einfach nur abstossend finden, sollten Sie sich jetzt ausklinken und auf die weitere Lektüre dieses Textes verzichten. Und Jugendliche unter 16 Jahren müssen sich jetzt leider verabschieden, sorry.



So, sind wir unter uns? Und Sie sind sich sicher, dass sie weiterlesen möchten? Na gut, aber ich habe Sie gewarnt. Und der strafende Blitz Gottes möge Sie treffen, wenn Sie noch unter 16 sind!

Heute wollen wir uns nämlich mit einem etwas heiklen Thema beschäftigen: Fanfiction, kurz Fanfic, Geschichten also von Fans, die aufgrund ihrer Begeisterung für ein bestimmtes Film- oder TV-Serien-Universum, eigene Stories rund um diese Figuren entwerfen. Seit es das Internet gibt, machen sie das nicht nur fürs eigene Poesiealbum oder das lokale Fanmagazin, nein, sie schreiben neu für die ganze Welt. Ob sie will oder nicht. Das meiste davon ist, naja, Schrott. Einiges ist aber doch bemerkenswert. Diese Perlen allerdings zu finden, ist nicht leicht, denn das Netz ist gross und die Fans sind zahlreich. Werfen Sie doch mal einen Blick auf www.fanfiction.net, klicken Sie auf „Movie“ oder „TV Show“ und dann sehen Sie, dass es zum Beispiel zu „Pirates of the Caribbean“ sage und schreibe 7415 Stories gibt, zu „Kill Bill“ 121, ja selbst „Toy Story“ hat zu Fangeschichten (22 an der Zahl) inspiriert. Den Rekord dürfte die TV-Serie "Buffy - The Vampire Slayer" mit über 28'000 Einträgen halten. Etwas weniger breit, dafür auf deutsch, ist das Angebot bei www.fanficparadies.de. Schauen Sie mal rein. Zum Beispiel hats dort unter „Superman“ eine Story mit dem schönen Titel: „Warum Lex Weihnachten hasst“. Hier der Einstieg:

"Lex?" Clark betrat das Billardzimmer des Luthor-Anwesens und blickte sich suchend um. Schnell wurde er fündig. Der Gesuchte stand an der Hausbar und schenkte sich gerade aus einer nur noch halbvollen Flasche Brandy in ein Glas ein.
"Clark! Das ist kein guter Zeitpunkt, um mich zu besuchen.", begrüßte Lex seinen jungen Freund schroff. Er konnte nur schwer seine schlechte Laune verbergen. Was er jetzt am wenigsten gebrauchen konnte, war Gesellschaft. Trotzdem lenkte er schnell ein: "Was kann ich für dich tun, so einen Tag vor Weihnachten?"
Clark entging nicht, dass mit Lex etwas nicht stimmte. "Entschuldige die Störung, Lex. Ich wollte dir nur dein Weihnachtsgeschenk vorbeibringen. Morgen muss ich noch so viel erledigen und werde sicher keine Zeit dazu finden vorbeizukommen.", erklärte er, während er mit einem entwaffnenden Lächeln auf ihn zuging.
Mit versteinerter Miene nahm Lex das kleine Päckchen an sich, das Clark ihm in die Hand gedrückt hatte. Nach Größe und Form zu schließen, musste es ein Buch sein. Auch das noch, dachte er. Clark war extra vorbeigekommen, um ihm ein Weihnachtsgeschenk zu bringen.
"Ist alles in Ordnung, Lex?", fragte Clark besorgt, als Lex schweigend das Päckchen anstarrte.
Das kann mal wohl sagen, dachte Lex. Verdammte Feiertage! Warum musst du auch gerade heute hier herkommen. "Weißt du, Clark. Ich mag Weihnachten nicht besonders.", platze es aus ihm heraus.
Clark sah ihn überrascht an. "Warum das denn?" Für einen kurzen Moment glaubte Clark tiefe Traurigkeit in Lex' Gesicht zu lesen, doch schnell glätteten sich dessen Züge wieder und er zeigte Clark nur wieder seine kühle Fassade.
"Weil ich an Weihnachten immer daran erinnert werde, was ich nicht habe und was ich nie bekommen werde.", erwiderte der Angesprochene nach einer Denkpause.

Etc. etc. Bei Lex und Clark, das für die mit dem Superman-Universum unvertrauten Leser, handelt es sich um die Erzfeinde Lex Luthor und Clark Kent alias Superman. Die würden in der Regel kaum Weihnachtsgeschenke austauschen, jedenfalls nicht im Kino. Das Schöne an Fanfiction: Man kann dort „seine“ Lieblingscharaktere machen lassen, was immer man will. All das, was sich Drehbuchautoren für Fernsehen und Kino niemals trauen würden. Und das hat Folgen.




Mr. Spock und Captain Kirk...


Bemerkenswerterweise hat das schon jene TV-Serie zu spüren bekommen, die erstmals im grossen Stil zu Fanfiction inspiriert hat: „Star Trek“ (1966-69). Damals noch ohne Internet, deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, liessen die Fanautorinnen (es scheinen tatsächlich vor allem Frauen zu sein) ihrer Fantasie freien Lauf. Dazu gehörte die Idee, aus Captain Kirk und dem Wissenschaftsoffizier und Vulkanier Mr. Spock ein Liebespaar zu machen. Gut, das waren die wilden 70er, sagen Sie jetzt, aber tatsächlich wurde damals ein Sub-Genre der Fanficion begründet, der so genannte Slash, der heutzutage sehr beliebt ist. Dabei werden in realem Kino- oder TV-Leben grundanständige heterosexuelle Figuren zu sehnsuchtsvoll nacheinander schmachtenden Schwulen. Und in mehr Fanfics als man denken würde, gehts dann auch zur Sache, und zwar derart heftig, dass man die (auch hier in erster Linie) weiblichen Autoren verdächtigen muss, eine umfangreiche Schwulenporno-Sammlung unter ihren Betten versteckt zu haben.




... und ihre geheime Liebe.


Die Fanfics bekommen denn von ihren Autorinnen auch immer ein Rating, und da die meisten auf englisch geschrieben sind, bezieht man sich dabei aufs US-Kino-System. NC-17 heisst: Nur für Erwachsene geeignet. Natürlich gibts auch NC-17-Stories, die nicht schwul sind, die kriegen dann den Hinweis „het“, oder, im Falle von weiblichen Liebespaaren, „femslash“. Man kann jedenfalls sagen, dass Liebe und Sex für die Fanautorinnen wohl ziemlich zentral sind. Und diese Obsession kann sich ausweiten: Von den Filmfiguren hin zu den realen Schauspielern. Besonders intensiv beschrieben wird das „Lord of the Rings“-Universum, und da gibts dann schon mal so was zu lesen (Sex! endlich!):

“I’m here,” Elijah says softly and Orlando twists round to see Elijah standing at the foot of bed, hidden from the outer room by the half-closed doors.
For a second Orlando can only think that Tobey better never find out that he’s a pale imitation of someone else, then all thoughts of comparison disappear. Elijah moves towards Orlando and Orlando’s mouth goes dry and his heart bangs at his breastbone. Elijah’s hair and eyebrows and eyelashes are bitter chocolate dark; his skin is milky pale, and the low light turns the dark downy hair on his jaw to gold. He’s slender and small enough to make Orlando’s palms ache to hold him, but there’s the cut of sleek muscle too, and the crotch of Elijah’s leather jeans is stretched taut in a way that makes Orlando feel anything but protective.
“What am I allowed do?” Orlando says in a rush as Elijah moves in.
“Whatever you want,” Elijah answers, and Orlando’s heart and stomach flip over at his first glimpse of Elijah’s gap-toothed smile.
“Can we fuck?” Orlando asks, feeling like an ass for not knowing.
“Of course.”
Orlando lets the red hot shock wave of that pass over his skin and die out in his fingertips. He lifts his hand, his touch whispering over the transparent black gauze covering Elijah’s nipple. Elijah hisses, his lips curling back from his teeth. Something that may not be Orlando’s heart starts shaking inside his chest.
“Can we - ” he knows he’s stupid to ask, there are some things you don’t try to buy but the desire’s already there and it won’t stay silent now, “Can we kiss?”
Elijah blinks slowly, and there’s a moment of slithering fear when Orlando realizes this isn’t safe isn’t sane but Orlando’s been in love with that feeling all his life. He leans down, closing his eyes against the drowning blue of Elijah’s stare, and puts his lips to Elijah’s mouth.
There’s heat and softness and a split like ripe fruit under his teeth and Elijah tastes sweeter than burnt sugar. Orlando blushes because someone’s just whimpered pathetically and he’s fairly sure it was him. Elijah’s tongue stabs smoothly into Orlando’s mouth, and Orlando catches hold of Elijah by the shoulders to hold himself up, because it would be pretty fucking embarrassing to just fold quite this soon.
Orlando can’t even tell if he’s hard; all he knows is that he’s coming apart in warmth and want, and he can’t hear Bourbon Street over the pounding of his own pulse in his ears. Elijah’s hands are sure and steady on the buttons of Orlando’s denims, and every pull and nudge sends another liquid quiver through Orlando’s body.
“Christ, yes, please,” he says desperately against Elijah’s curving lips.


Okay, das war jetzt noch nicht NC-17, nur R, aber es geht an der Stelle natürlich noch weiter. Bei den beiden handelt es sich also um die durch die „Herr der Ringe“-Trilogie berühmt gewordenen Schauspieler Elijah Wood (Frodo) und Orlando Bloom (Legolas). Und falls Sie sich intensiver auf deren Liebesabenteuer und jener der anderen LOTR-Darsteller einlassen wollen, gehen Sie mal hierhin: http://twib.oscillating.net/stories.html




Kein Wunder, dass die Girls da auf komische Gedanken kommen.


Sehr beliebt sind übrigens auch Crossover-Stories, wo man die Figuren zweier oder mehrerer Film-Universen zusammen bringt, etwa „Lord of the Rings“ und „Harry Potter“. Wie Sie merken, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, und im Grunde ist das ja eine schöne Sache. Was mir bei all dem aber ein totales Rätsel bleibt – und wenn jemand von Ihnen dafür Erklärungen hat, wäre ich sehr neugierig, die zu hören – warum sind diese Fangirls so wild auf schwule Liebes- und Sexgeschichten?


15.3.2006

Armer Oscar-Gewinner Paul Haggis

Von Christian Andiel um 11:59 [ Popcorn ]
Woody Allen (links) kann sich glücklich schätzen. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war er als Drehbuch-Autor seines Filmes „Match Point“ für die begehrte Auszeichnung nominiert. Doch der Krug des Erfolgs ging an Allen vorbei – und machte bei Paul Haggis („Crash“, mit Robert Moresco) Halt. Der mag sich noch darüber freuen, doch das dicke Ende kommt.



In einer Studie zum Thema „Lebenserwartung und beruflicher Erfolg“ wurden nämlich Oscar-Preisträger genauer untersucht. Und dabei ergab sich ein seltsames Bild: Schauspieler und Schauspielerinnen, die mit dem kleinen goldenen Mann geehrt wurden, leben im Schnitt 3,9 Jahre länger als ihre Kollegen und Kolleginnen, die vergebens nominiert gewesen sind. Bei Drehbuchautoren sieht es genau umgekehrt aus: Wer den Oscar bekam, lebte druchschnittlich 3,6 Jahre kürzer als die eigentlich „erfolglosen“ Schreiberlinge.

Als dieses Resultat dann näher analysiert wurde, ergaben sich folgende Schlüsse: Oscar-prämierte Schauspieler müssen sich einerseits fortan nicht mehr gross um ihre Karriere kümmern, ihnen fliegen die Jobangebote nur so zu. Das macht locker und erhöht die Lebensqualität. Zudem würden sie vermehrt im Rampenlicht stehen und müssten auf ein sauberes Image achten – also Alkohol und Drogen reduzieren.

Für Drehbuchautoren hingegen steigt der Stress nach dem grossen Auftritt im Kodiak-Theatre. Sie müssen weiterhin ihre Kreativität unter Beweis stellen, Tag für Tag, Zeile für Zeile. Das geht an die Nieren, findet zudem unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und eröffnet damit Stress, Drogenkonsum und Überforderung Tür und Tor.

Woody Allen kann sich also auf zusätzliche 3,9 Lebensjahre freuen. Und Paul Haggis? Der soll seinen Erfolg ausgiebig geniessen. Es bleibt ihm weniger Zeit, als er denkt.


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